Übersicht
Einleitung
Ursprünglich sollte ein klassisches Remake zum zum Genre-Kultfilm aufgestiegenen Anaconda her. Doch dieses Unterfangen hatte sich über die Zeit in eine gänzlich andere Richtung entwickelt, was nach den zahlreichen Billigfortsetzungen, die bereits existieren, ein durchaus spannender Schachzug war.
Denn mit dem Zugang von Regisseur und Drehbuchautor Tom Gormican , der vor allem mit der Meta-Komödie "Massive Talent", in der Kultstar Nicolas Cage sich selbst verkörperte, auf sich aufmerksam machte, geht es in Anaconda nun um Männer in ihrer Midlife-Crisis, die beschließen, ein Remake ihres damaligen Lieblingsfilms zu drehen: Anaconda. Damit dies auch so authentisch wie möglich gelingt, reisen sie dafür in den Dschungel, wo sie allerdings nicht nur die Gefahren des Urwalds selbst erwarten, sondern auch brutale Kriminelle sowie natürlich auch eine riesige Schlange.
Somit wird sich die Neuinterpretation von Anaconda wie bereits Gormicans "Massive Talent" auf einer Metaebene bewegen. Und dafür hat man mit den Comedy-Stars Paul Rudd ("Ant-Man") und Jack Black ("Jumanji: Willkommen im Dschungel") zwei durchaus namenhafte Schauspieler verpflichtet. Neben Rudd und Black gehören ebenfalls unter anderem noch Thandiwe Newton ("Westworld"), Steve Zahn ("Sahara"), Selton Mello ("Für immer hier") und Daniela Melchior ("The Suicide Squad") zum Cast.

© 2025 Sony Pictures
Kritik
Originalregisseur Luis Llosa ist nicht gerade ein Garant für qualitativ hochwertige Filme und doch hat sein Schlangenhorror "Anaconda" mittlerweile einen kleinen Kultstatus erreicht. Und das obwohl die Effekte oft bestenfalls amüsant, das Geräusch der Riesenschlange lächerlich und der Bösewicht von Jon Voight beschämend überzogen dargestellt ist. Allerdings bereitet das Ganze trotzdem irgendwie Freude. Vor allem, da die Macher damals nicht nur auf billige CGI-Effekte gesetzt hatten, sondern oft auch auf Animatronics zurückgriffen. Die schöne Kulisse und die kompakte Laufzeit lassen einen kurzweiligen und trashigen Spass entstehen. Und zwischen all dem Schlangenfutter tummeln sich bekannte Namen wie Owen Wilson ("Midnight in Paris"), Jennifer Lopez ("Parker"), Jonathan Hyde ("Die Mumie") und Ice Cube ("22 Jump Street"). Nach einigen billigen Fortsetzungen und Crossovern wagte man nun einen neuen Ansatz, um das Franchise wiederzubeleben und gleichzeitig dem Original zu huldigen. Dafür holte man sich mit Jack Black und Paul Rudd zwei im Comedy-Segment große Namen ins Boot, was für das Meta-Remake um ein Paar Filmfreunde, die eine Neuverfilmung von "Anaconda" angehen und dabei mit einer tatsächlichen Riesenschlange in Berührung kommen, eine bezeichnende Wahl ist. Denn über eines sollte man sich im Vorfeld im Klaren sein: Der neue Anaconda bietet reichlich wenig Horrorimpulse, dafür umso mehr Komödienelemente. Allerdings ist das nicht unbedingt etwas Schlechtes, denn der Abenteuerfilm macht tatsächlich viel Spaß. Das liegt in großen Zügen daran, dass man bei zahlreichen Szenen spürt, dass hier das Herz am rechten Fleck sitzt. Es ist auf eine verquere Art und Weise eine Huldigung an die Liebe für das Filmemachen und gleichzeitig eine stete Verbeugung vor dem Original. Dazu lässt man es sich nicht nehmen einige sympathische Seitenhiebe auf das Filmbusiness einzubauen, die zwar zahm aber nicht weniger lustig sind. Und genau in diesen Momenten fährt Anaconda groß auf, ja, überrascht damit ungemein.
Dennoch kommt auch Anaconda nicht ohne den gerade für Schauspieler Jack Black bekannten niveaulosen Humor aus, sodass man leider immer wieder auch bei einigen Gags die Augen verdrehen muss. Paul Rudd trägt dazu hin und wieder zu dick auf, sodass seine Darstellung zu häufig zu einer Farce mutiert. Da bekommt Black überraschenderweise den Spagat zwischen extrovertierter Komik und die Ernsthaftigkeit seiner Rolle deutlich besser hin. So kommt es auch, dass vermutlich die absurdeste Szene, wenn Black mit einem Wildschwein auf seinem Rücken vor der riesigen Anaconda flüchtet, zu der wohl lustigsten und einprägsamsten Sequenz des Films avanciert.
Doch die kleinen darstellerischen Highlights kommen mit Steve Zahn sowie Selton Mello daher. Letzterer verkörpert seine Rolle des Schlangentrainers, trotz teils völlig grotesker Dialoge, mit solch einer ehrlichen Hingabe, dass es ein Genuss ist, ihm zuzuschauen. Und Zahn erweist sich mit seiner trockenen Komik als hervorragender Gegenpol zu Rudd/Black. Lediglich die weiblichen Besetzungen um Thandiwe Newton und Daniela Melchior bleiben durchgehend blass. Und bei Melchiors Charakter schleicht sich dazu noch ein Fehler ein, der Regisseur Tom Gormican bereits bei "Massive Talent" unterlaufen ist: Ein Subplot, der nicht nur keinen Mehrwert bietet, der die Handlung zudem noch unnötig ausbremst.

© 2025 Sony Pictures
Ansonsten merkt man Gormican eine deutliche inszenatorische Steigerung zu seinem vorangegangenen Werk mit Nicolas Cage als Nicolas Cage an. Die Actionszenen sind dynamischer eingefangen und die Setpieces machen ebenfalls ordentlich etwas her. Lediglich die Szenen, die spürbar vor einem Greenscreen gefilmt wurden, wirken etwas ungelenk. Glücklicherweise halten sich diese jedoch stark in Grenzen. Darüber hinaus ist Anaconda durchweg handwerklich gut umgesetzt. Ja, in einer Szene im Sumpf kommt dann sogar einmal richtig Horror-Feeling auf.
Dennoch überträgt sich die Gefahr, die durch die Schlange ausgeht, über den kompletten Film verteilt nie so richtig auf den Zuschauer, da sich die Figuren auch nie wirklich ihrer Situation entsprechend verhalten. Ergänzend kommt die Riesenschlange leider auch noch viel zu selten vor.
Was sich allerdings auf den Zuschauer überträgt, ist der Umstand, dass offensichtlich alle Beteiligten des Films großen Spaß daran hatten das Meta-Remake von "Anaconda" umzusetzen.
Fazit
Das Meta-Remake Anaconda kommt mit überraschend viel Herz daher und bietet gut eineinhalb Stunden launige Unterhaltung, die leider nicht gänzlich ohne den für Paul Rudd und Jack Black bekannten flachen Humor auskommt. Ansonsten ist Tom Gormican eine spassige Abenteuer-Komödie geglückt, die allerdings auch etwas mehr Horror vertragen hätte.
6/10
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