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Ip Man 4: The Finale

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  • Einleitung


    Die Ip Man-Reihe mit Donnie Yen gehört fraglos zu den besten und erfolgreichsten Martial Arts-Filmreihen der letzten Jahre. War bereits Teil 1 mit einem weltweiten Einspielergebnis von 22 Millionen US-Dollar ein großer Erfolg, generierte Teil 3 zuletzt sogar ganze 152 Millionen. Aus finanzieller Sicht macht da ein vierter Teil natürlich mehr als Sinn. Doch auch inhaltlich wollten die Macher um Regisseur Wilson Yip (Paradox) und Drehbuchautor Edmond Wong (Dragon Tiger Gate), die in ihren Positionen seit Teil 1 dabei sind, ihrer geliebten Figur einen guten Abschluss spendieren. Dafür konnten sie Hauptdarsteller Donnie Yen (Hero) noch einmal gewinnen, der seine Paraderolle in Ip Man 4: The Finale nun ein letztes Mal verkörpert.

    Darin reist der Großmeister in die USA, um seinem Sohn nach dem Tod der Mutter eine neue Schule zu suchen und ihm dadurch ein besseres Leben zu ermöglichen. Dort trifft er nicht nur seinen mittlerweile an Bekanntheit zunehmenden Schüler Bruce Lee, sondern auch auf viel Rassissmus, mit dem sich die chinesischen Einwanderer herumschlagen müssen.

    Neben Yen sind unter anderem noch Wu Yue (New Police Story), Danny Chan (Kung Fu Hustle), Vanness Wu (Monk Comes Down A Mountain), Chris Collins (Paradox) und Scott Adkins (Undisputed II) zu sehen.

    © 2020 Koch Films

    Kritik


    Nach zahlreichen Umsetzungen der Persönlichkeit Ip Mans in Form einer Serie oder Filmen wie The Grandmaster, Ip Man: Zero oder Ip Man: Final Fight ist es ein Genuss auch endlich mal wieder Donnie Yen als den Wing Chun-Großmeister zu sehen, denn kein anderer hat die Figur so geprägt wie der Kill Zone S.P.L.-Star. Sein reserviertes Spiel und seine ausstrahlende Ruhe, die ihm nur noch mehr Dominanz in seinem Können zusprechen, bringt Yen auch in Ip Man 4: The Finale wieder in Perfektion vor die Kamera. So fällt es auch beim vierten Mal in keiner Sekunde schwer Sympathien für den Lehrmeister zu empfinden, auch wenn er gerade zu Beginn in seinem Verhalten den ein oder anderen Fehler vorweist. Durch Yens subtile wie punktgenaue Darbietung fühlt man stets mit seiner Figur mit, wodurch auch Teil 4 für einen Actionfilm wieder überraschend berührend ist.
    Aber nicht nur Yen stellt sich als darstellerischer Gewinn heraus. Neben ihm machen auch die Neuzugänge Wu Yue als Tai Chi-Meister und Vorsitzender der Chinese Benevolent Association, die sich um das Wohl der chinesischen Einwanderer kümmert, wie Vanness Wu als Sergeant mit chinesischer Herkunft, der gerne seine heimische Kampfsportart in das militärische Ausbildungsprogramm mit aufnehmen möchte, eine überaus gute Figur. Beiden gelingt es ihren Charakteren emotionale Facetten abzugewinnen und ihre Motivationen glaubhaft dem Zuschauer näher zu bringen. Darüber hinaus brilliert aber auch Danny Chan einmal mehr als Bruce Lee, der nicht nur optisch dem Kung Fu-Star unglaublich ähnelt, sondern auch seinen Gestus hervorragend imitiert. So macht es riesigen Spass Chan bei seinen Szenen zuzuschauen, wobei ein Kampf in einer Gasse zu einem der großen Highlights des Films wird.
    Neben den meist überraschend nuancierten Darbietungen der asiatischen Hauptdarsteller sind die Performances der westlichen Kollegen hingegen sehr überhöht. Allen voran dreht Scott Adkins als Hauptantagonist völlig auf, was ihn leider nur sehr selten glaubhaft erscheinen lässt. Seine limitierten darstellerischen Fähigkeiten stoßen dabei deutlich an ihre Grenzen. Jedoch ist seine einnehmende Physis in den Kampfszenen wieder einmal eine große Bereicherung.
    Ihm zur Seite steht Chris Collins als Karate-Ausbilder der amerikanischen Streitkräfte, der ebenfalls durch seine extrovertierte Art schauspielerisch enttäuscht. Aber auch er kann wiederum im Ring mit seiner brachialen Körperlichkeit überzeugen.

    Am wichtigsten bei solchen Filmen sind aber natürlich die Kampfszenen. Und die sind einmal mehr durch die Bank spektakulär. Dabei zahlen sich nicht nur die großartigen Choreografien von Yuen Woo-Ping (Die Schlange im Schatten des Adlers) aus, sondern auch die herausragende Arbeit von Kameramann Siu-Keung Cheng (Election), der die Auseinandersetzungen erstklassig einfängt. Dabei sind diese stets rasant und übersichtlich gefilmt, wodurch die beeindruckenden Fähigkeiten der Stuntmen und der Darsteller vollkommen zur Geltung kommen. Dabei ist es schwer einen Kampf als Highlight herauszunehmen, da jeder für sich eines ist. Abwechslungsreich - ob mit Humor oder mit rauer Gewalt - und visuell ansprechend bietet jede körperliche Auseinandersetzung eigene Höhepunkte, sodass auch bei keiner Actionszene ein Hauch von Langeweile aufkommt. Wenn dann auch noch der wieder einmal starke Score von Kenji Kawai (Ghost in the Shell) ertönt, bekommen die Szenen eine zusätzliche Dynamik - und das zählt nicht nur für die Kampfszenen. Darüber hinaus sorgt das von Kawai aufgefrischte aber dennoch immer wiederzuerkennende Hauptthema von Ip Man nicht nur einmal für Gänsehaut. Wenn dann der ansonsten reservierte Ip Man im Ring plötzlich mit seinen stürmischen Schlagkombinationen aufdreht und die eingebildeten Gegner in die Schranken weist, fällt es einem immer wieder schwer nicht lautstark zu Jubeln.

    © 2020 Koch Films


    Was sich allerdings im Verlauf der Reihe immer mehr abzeichnete, ist die zunehmend schwächelnde Dramaturgie. Und da macht leider auch Teil 4 keine allzu große Ausnahme. Zwar werden inhaltlich wieder mehr Qualitäten geboten, als noch bei dem dramaturgisch belanglosen dritten Teil, doch erlaubt man sich auch hier einige unnötige Mängel. So ist es beispielsweise etwas ermüdend, wenn bei den Auseinandersetzungen mit Collins oder Adkins, die ortsansässigen Kung Fu-Meister nicht den Hauch einer Chance haben und nur Ip Man als einziger ihnen Paroli bieten kann. Die unnötige Chancelosigkeit der anderen Kampfsportler lassen die Glaubwürdigkeit der ansonsten so geerdeten Geschichte ins Straucheln kommen.
    Dazu kommt die etwas lächerlich angelegte Figur von Scott Adkins, die als großer Rassist etabliert wird, aber auf die japanische Kampfsportart Karate besteht. Die übrigens auch chinesische Einflüsse hat. Irgendwie möchte sein Hass dabei nicht ganz aufgehen und demontiert seine Figur, wodurch man sie nur schwer ernst nehmen kann. Seine überhöhte spürbar an Gunnery Sergeant Hartman aus Full Metal Jacket angelehnte Darbietung, die in keiner Sekunde die Intensität von R. Lee Ermey erreicht, lassen ihn nur noch mehr als eine Witzfigur dastehen. Wäre Adkins einnehmende Physis und seine beeindruckenden Kampfsportfähigkeiten nicht, würde der Film in der Hinsicht seine ganze Brisanz verlieren.
    Ansonsten macht es sich Ip Man 4 auch bei der Schwarz-Weiß-Malerei etwas sehr leicht. Die Kritik an der Art und Weise, wie die Chinesen behandelt wurden, fällt sehr plakativ aus und lässt jegliche Nuancen vermissen. Dabei sind die Guten und die Bösen von vornherein klar definiert - ohne Abstufungen. Das ist bei solch einem Film zwar zu verkraften, wird dem vorhandenen Potential dennoch leider nicht gerecht.

    Alles in allem ist Ip Man 4: The Finale aber ein würdiger Abschluss mit einem tollen Donnie Yen, herausragenden Kampfszenen und einigen berührenden Augenblicken, der eine Sichtung wert und für jeden Martial Arts-Fan ein Muss ist.

    © 2020 Koch Films

    Fazit


    Regisseur Wilson Yip unterstreicht mit Ip Man 4: The Finale einmal mehr, warum er einer der erfolgreichsten Action-Regisseure Chinas ist. Der Abschluss der Ip Man-Reihe mit Donnie Yen bietet beeindruckende Kampfszenen, tolle Darsteller, einen starken Score und einige einfühlsame Augenblicke. Nur bei der Dramaturgie und den Antagonisten leistet man sich unnötige Schwächen.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    葉問4:完結篇 / Ip Man 4: The Finale (englischer Titel)
    Land:
    China
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Mandarin Motion Pictures / Koch Films
    Regie:
    Wilson Yip
    Drehbuch:
    Edmond Wong, Tai-lee Chan, Hiroshi Fukazawa, Lai-Yin Leung
    Kamera:
    Siu-Keung Cheng
    Musik:
    Kenji Kawai
    Genre:
    Action, Drama
    Darsteller:
    Donnie Yen, Wu Yue, Scott Adkins, Vanness Wu, Danny Chan, Chris Collins
    Start (DE):
    05.03.2020
    Start (USA):
    25.12.2019
    Laufzeit:
    105 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Ip-Man-4-03.jpg

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