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The Informer

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  • Einleitung


    Mit Escobar: Paradise Lost erschuf Regisseur und Drehbuchautor Andrea Di Stefano ein vielseits unterschätztes Thriller-Drama, das nicht nur atmosphärisch dicht, sondern auch visuell stark eingefangen wurde. Darüber hinaus bewies er schon da mit der Besetzung von Benicio del Toro und Josh Hutcherson ein großartiges Händchen für Schauspieler. Nun widmete er sich mit The Informer einem weiteren vielversprechenden Thriller-Beitrag, der auf dem schwedischen Roman Three Seconds von Börge Hellström und Anders Roslund basiert.

    In The Informer steht ein ehemaliger Soldat einer Spezialeinheit im Mittelpunkt, der nach einer Straftat im Gefängnis landet. Seitdem ist er gesellschaftlich gebranntmarkt. Um sich davon zu lösen, beginnt er als Spitzel fürs das FBI zu arbeiten, was ihn wieder zurück hinter Gittern bringt, da er dort die polnische Mafia infiltrieren soll.

    Regisseur und Drehbuchautor Andrea Di Stefano konnte für seine Adaption mit unter anderem Joel Kinnaman (The Killing), Rosamund Pike (Gone Girl), Clive Owen (Children of Men), Common (John Wick Kapitel 2) und Ana de Armas (Blade Runner 2049) einen namenhaften Cast um sich sammeln.

    © 2020 Wild Bunch Germany


    Kritik


    Bereits von Beginn an zeichnet sich eine der großen Stärken des Films ab - Hauptdarsteller Joel Kinnaman. Ihm gelingt es seiner relativ unspektakulären Figur zahlreiche Facetten abzugewinnen, wodurch man als Zuschauer unmittelbar auf seine Seite gezogen wird. Dabei bedient er alle Seiten seiner Figur hervorragend. Man nimmt ihm den Gangster, den Familienvater und das emotional teils überforderte Opfer des zwischen die Fronten Geratenen, der aber stets versucht das Richtige zu tun, in jeder Sekunde ab. Folglich trägt der in Schweden geborene Schauspieler The Informer makellos.
    Ganz so gut kommen jedoch seine Darstellerkollegen nicht weg. Das liegt aber fast ausschließlich an den schwachen Figuren und der teils überraschungsarmen Dramaturgie. Denn die Qualität des namenhaften Casts von Ana de Armas über Rosamund Pike, Clive Owen bis hin zu Common ist unumstritten. De Armas wie Owen wirken fast durchgehend unterfordert, wobei die Kubanerin noch die undankbarste Rolle verkörpern durfte. Sie gibt sich zwar sichtlich Mühe und funktioniert fraglos auch mit Kinnaman als Paar, doch bietet ihre Figur nur sehr wenig Fundament, um zu glänzen. Sie wirkt nie wirklich aktiv auf die Handlung ein und wird somit lediglich zur reinen Motivation für den Protagonisten deklassiert. Pike hingegen hatte als einzige die Möglichkeit durch ihren relativ hohen Scrrentime-Anteil auf sich aufmerksam zu machen, scheitert jedoch durch ihre etwas angestrengte Darstellung einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Einzig Common versteht es seinem toughen NYPD-Cop einen eigenen Stempel aufzudrücken und kann trotz klischeehafter Figurenzeichnung sich noch abheben. Vor allem ihm hätte man dadurch mehr Raum gewünscht.
    Trotz der wenig faszinierenden Charaktere, liegt den meisten ein spannendes Potential zugrunde. Daher wirkt The Informer dann dennoch etwas überladen.

    Ähnlich verhält es sich bei der Dramaturgie. Einerseits bietet diese wenig Überraschungen, wodurch das Werk an mancher Stelle etwas langatmig wird, andrerseits hätte sich die Buchverfilmung auch bestens in Form einer Miniserie geeignet. Denn das zweigeteilte Werk, in der ersten Hälfte ein Polizei-Thriller, in der zweiten ein Knastfilm, bietet durchaus Möglichkeiten tiefer in die jeweiligen Teile einzutauchen, was eventuell auch dafür gesorgt hätte, dass die Dramaturgie dabei nicht so uninspiriert daherkommt. Vor allem der Part im Gefängnis offenbart sich als etwas zu hastig abgearbeitet. Die Figurenkonstellationen dort können so kaum ihre volle Wirkung entfalten. Und auch die Dilemma, in die Kinnamans Figur stürzt, werden dadurch nicht vollends greifbar.

    © 2020 Wild Bunch Germany


    Doch trotz der Kritikpunkte ist The Informer ein durchaus sehenswerter Genrebeitrag. Das liegt natürlich vor allem an dem, wie oben bereits erwähnt, starken Hauptdarsteller, aber auch an der geradlinigen und schnörkellosen Inszenierung von Andrea Di Stefano. Dieser erweist sich dabei einmal mehr als handwerklich fähiger Thriller-Regisseur, der es versteht Atmosphäre aufzubauen und dabei auch immer wieder die menschlichen und somit emotionalen Aspekte den nötigen Raum zu geben. Das zeigt sich immer wieder in den Augenblicken, in denen er seinen Schauspielern den Raum gibt Dinge bei Dialogen durch Subtexte zu verhandeln oder gar ohne Worte sich zu verständigen. Vor allem die Schlusssequenz kann da überraschend berühren, ohne das groß Worte verloren werden.
    Atmosphärisch zeigt Di Stefano in erster Linie in der Anfangsphase eindrucksvoll, dass er Spannung aufbauen kann. Aber auch der Beginn des Gefängnisparts fängt er erdrückend ein. Leider gelingt es ihm aber nicht diese Spannung wie Atmosphäre über die gesamte Laufzeit aufrecht zu erhalten, da ihm die einfallslose Dramaturgie viel zu häufig im Weg steht.
    Viele ähnliche Genrebeiträge können hier durch temporeiche Actionszenen noch Schwächen kaschieren, worauf in The Informer aber weitestgehend verzichtet wird. Action bleibt hier Mangelware. Folglich sollte man auch nicht mit den falschen Erwartungen an den Thriller herangehen.

    The Informer ist somit ein handwerklich guter Genrevertreter, dem die überraschungsarme Dramaturgie wie die standardisierten Figuren immer wieder der Klasse berauben. So geht dem Werk phasenweise etwas die Luft aus. Ein vielseitiger Hauptdarsteller kann aber dennoch über zahlreiche Drehbuchschwächen hinwegtäuschen.

    © 2020 Wild Bunch Germany


    Fazit


    Andrea Di Stefanos Thriller bietet viel Potential, kann dieses aber zu selten vollends ausschöpfen. The Informer wirkt einfach zu überladen und kann nicht die nötige Tiefe aufbauen. Ein eindrucksvoller Joel Kinnaman verleiht dem Werk aber dennoch eine gewisse Vielschichtigkeit. Unterm Strich ist The Informer ein solider, schnörkelloser aber etwas unauffälliger Thriller geworden.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Informer
    Land:
    Großbritannien
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Thunder Road Pictures / Wild Bunch Germany
    Regie:
    Andrea Di Stefano
    Drehbuch:
    Matt Cook, Rowan Joffe, Andrea Di Stefano, Anders Roslund (Buch), Börge Hellström (Buch)
    Kamera:
    Daniel Katz
    Musik:
    Brooke Blair, Will Blair
    Genre:
    Thriller, Drama
    Darsteller:
    Joel Kinnaman, Rosamund Pike, Common, Clive Owen, Ana de Armas
    Start (DE):
    24.04.2020 (Heimkino)
    Start (USA):
    31.07.2020
    Laufzeit:
    113 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • The-Informer-05.jpg

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