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Schwarze Milch

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  • Einleitung


    Uisenma Borchu wurde 1984 in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, geboren bevor sie 1988 mit ihren Eltern und Geschwistern in die DDR kam. Bis heute lebt die Filmemacherin in Deutschland. Mit ihrem zweiten Spielfilm kehrt sie nun zurück zu ihren Wurzeln. Dabei übernahm sie wie schon bei ihrem Erstlingswerk die Regie, die Hauptrolle und schrieb das Drehbuch. Für Schwarze Milch tritt sie nun zusätzlich noch als Produzentin in Erscheinung.

    Im Zentrum von Schwarze Milch steht die in einer erdrückenden Beziehung lebenden Wessi, die eines Tages beschließt in die Mongolei zu flüchten, um nach etlichen Jahren ihre als Nomadin lebende Schwester wiederzusehen. Doch beide kommen aus unterschiedlichen Kulturen und müssen erst lernen, mit der anderen umzugehen.

    Neben Borchu ist unter anderem noch Gunsmaa Tsogzol zu sehen, die im echten Leben Borchus Cousine ist und noch immer in der Mongolei lebt.

    © 2020 Alpenrepublik

    Kritik


    Emotional wie kulturell beengt geht es in Schwarze Milch von einer deutschen Wohnung über einen kurzen Stop in Mongoleis Hauptstadt Ulaanbaatar ziemlich schnell in die Weiten der Wüste Gobi. Und hier zeichnet sich auch die größte Stärke des Werks ab - die Bilder von Kameramann Sven Zellner. Dieser fängt teils wunderschöne Motive ein, die aber dennoch nicht überstilisiert sind. So fällt es als Zuschauer auch wenig schwer eine Faszination für diese nach Freiheit schreiende Umgebung zu entwickeln.
    Sobald jedoch die Figuren und somit Kulturen aufeinandertreffen, verliert der Film zunehmend an Zugkraft. Regisseurin Uisenma Borchu gelingt es kaum diese Faszination auch auf den Lebensstil und die Figuren zu übertragen. Zwar ist es erfrischend, dass Borchu die Art und Weise, wie die Nomaden leben, nicht glorifiziert und somit ihnen eine falsche Romantik zuschreibt, doch begegnet sie ihnen mit solch einer fast schon gleichgültigen Ernüchternheit, dass es wenig Spaß macht, das Aufeinandertreffen der verschiedenen Welten zu bestaunen.
    Und auch mit dem sich bietenden Konfliktpotential der unterschiedlichen kulturellen Auffassungen wird sich erschreckend achtlos beschäftigt. Nie kommt es dabei zu ernstzunehmenden Reibereien. Fast alle Auseinandersetzungen bleiben ohne spürbare Tragweite. Zwar spielt das dem ausschließlich mit Laien besetzten Cast klar in die Hände, doch verliert das Werk dadurch auch an jeglicher Spannung und was noch schlimmer ist, an emotionaler Wucht.

    Auch die Dialoge sind keine Offenbarung. Ohne spürbaren Fluss ist es ihnen nicht möglich, das Publikum abzuholen oder zu berühren. Dazu gesellt sich die sprunghafte Erzählung und die nicht wirklich nennenswerten Figurenentwicklungen. So verweigert Borchur einem durchweg den Zugang zur Geschichte. Wenn dann noch eine Missbrauchsszene völlig fragwürdig in Szene gesetzt wird, verliert die Regisseurin ihre Zuschauer endgültig. Fast schon zwanghaft provokativ wird diese mit einer zweifelhaften Sinnlichkeit inszeniert, sodass das Gesehene nur schwer zu deuten ist. Das größte Problem an dieser Szene ist aber wahrscheinlich, dass sie gar keine Auswirkungen auf die Figur oder den späteren Verlauf der Handlung hat. Und so ist sie ein Sinnbild für das komplette Werk, das wie einzelne Momentaufnahmen einer fremden Kultur daherkommt, ohne einen größeren Zusammenhang oder ein Ziel zu verfolgen. Fast alle Szenen hätten auch in ihrer Abfolge völlig anders angeordnet werden können und es wäre der gleiche Film entstanden. Selbstbestimmung, Freiheit, Toleranz, Einfühlungsvermögen, Respekt - all das sind Motive, die in Schwarze Milch so zu platten Attitüden verkommen und keinerlei greifbare Bedeutung innehaben.

    © 2020 Alpenrepublik


    Obwohl Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin und Hauptdarstellerin Uisenma Borchu genau diesen Widerspruch der zwei Kulturen lebt, gelingt es ihr nicht diesen emotional greifbar für andere zu machen. Weder ist ihre Liebe noch ihr Unverständnis (falls vorhanden) für ihre Wurzeln spürbar. Wobei genau dieser Gegensatz besonders spannend gewesen wäre zu erfahren.
    Dennoch muss man Schwarze Milch eine Authentizität bei der Ausstattung und des Lebensstils der Nomaden eingestehen, sodass sich die Arbeit mit echten Nomaden ausgezahlt hat. Dadurch wohnt dem ganzen auch ein dokumentarischer Flair inne.

    Fazit


    Neben den immer wieder auftauchenden wundervoll eingefangenen Bildern der Wüste Gobi und der nicht abzusprechenden Authentizität bei der Darstellung der Nomaden wartet Schwarze Milch vor allem mit fehlender Kraft bei Dialogen, Handlung und Erzählstruktur auf. So gelingt es Regisseurin Uisenma Borchu in kaum einem Moment den Zuschauer abzuholen oder zu berühren.


    3/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Schwarze Milch
    Land:
    Deutschland, Mongolei
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    Alpenrepublik
    Regie:
    Uisenma Borchu
    Drehbuch:
    Uisenma Borchu
    Kamera:
    Sven Zellner
    Musik:
    Daniel Murena
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Uisenma Borchu, Gunsmaa Tsogzol
    Start (DE):
    23.07.2020
    Laufzeit:
    91 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Schwarze-Milch-04.jpg

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