ANZEIGE

Pandemie

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Zwar wurde Pandemie bereits im Jahr 2013 in seinem Heimatland veröffentlicht, doch sorgte die Corona-Krise dafür, dass sieben Jahre später die Nachfrage nach dem Werk wieder steigt. So kam es unter anderem zu erstmaligen Veröffentlichungen in Taiwan und auch in Deutschland, wo der Film sogar seinen Weg ins Kino findet. Auch wenn sich Pandemie von einem anderen Grippe-Virus-Ausbruch hat inspirieren lassen, so wirken einige Situationen des Films doch erschreckend prophetisch, wenn man auf die einige Jahre später tatsächlich ausgebrochene Corona-Pandemie blickt.

    Im Zentrum von Pandemie steht ein Virus, das rund 20 Kilometer vor der Hauptstadt Seoul in der Stadt Bundang ausbricht. Die grippeähnliche Krankheit überträgt sich rasend schnell über die Luft und ist innerhalb von 36 Stunden tödlich. Die Regierung reagiert drastisch und riegelt die ganze Stadt ab. Während die Situation zwischen den eingepferchten Bürgern immer mehr zu eskalieren droht, plant das Militär eine erschreckende Notlösung. Inmitten all dem Chaos versuchen eine Ärztin und ein Rettungssanitäter den Ursprung der Krankheit zu finden, um ein Gegenmittel zu erschaffen.

    Inszeniert wurde das Werk von Kim Sung-su (Asura).
    Als Darsteller werden unter anderem Hyuk Jang (My Country: The New Age), Soo Ae (High Society) und Ma Dong-seok (The Gangster, The Cop, The Devil) zu sehen sein.

    © 2020 Busch Media Group

    Kritik


    Auch wenn der deutsche Titel Pandemie (der Originaltitel ist 감기, was einfach "Grippe" bedeutet) etwas falsch gewählt wurde, da sich der Virus in dem Werk von Kim Sung-su auf ein örtlich begrenztes Gebiet konzentriert und es sich somit um eine Epidemie handelt, hat das letztendlich natürlich keine nennenswerten Auswirkungen auf Qualität des Films, da auch dort nie die Rede von einer Pandemie ist. Somit kann man den Machern schon einmal diesbezüglich keine Vorwürfe über mangelnde fachliche Kompetenz nachreden. Ganz im Gegenteil, denn einige Entscheidungen, die die Regierung trifft ähneln auf erschreckende Weise denen, die wir selbst während der letzten Monate weltweit erlebt haben. Und ebenfalls das panische Verhalten der Bevölkerung lässt Erinnerungen wach werden. Auch wenn in dem Film natürlich ein deutlich gefährlicherer Virus im Umlauf ist und somit die Panik der Menschen verständlicherweise extremer ist, bewegt sie sich nicht allzu weit von der Situation entfernt, die wir gerade in der Anfangszeit der Corona-Krise erlebt haben, als noch so viel Ungewissheit die aufkommende Katastrophe umgab. Doch nicht nur der aktuelle Bezug zur derzeitigen Lage spricht dem Film eine Qualität zu (der Autor dieser Zeilen sah den Film das erste Mal lange vor dem Start der Corona-Krise).
    Gerade visuell bietet Pandemie einige äußerst beklemmende Aufnahmen, die auch ohne tatsächlichen Bezug ihre Wirkung entfalten. Wenn beispielsweise Berge von Leichen in einem Stadion verbrannt werden, hinterlässt das einen beängstigend Nachgeschmack.

    Doch auch dramaturgisch macht Co-Autor und Regisseur Kim einiges richtig. Gekonnt verbindet er hier die inhaltlichen Komponenten zwischen den politischen Machtkämpfen und den Charakter-Dramen. Allumfassend schafft er mit der Katastrophe eine hervorragende Grundspannung, konzentriert sich aber in erster Linie auf seine wenigen Hauptfiguren. Zwar kommt das Werk bei den zwischenmenschlichen Augenblicken nicht ohne die für koreanische Filme typische ausufernde Dramatik aus, doch sorgt diese auch immer wieder dafür, dass man als Zuschauer emotional mitgenommen wird. Humor wird auch geboten, doch bündelt dieser sich in erster Linie in der Anfangsphase des Films, sodass sich die Stimmung stets der gegenwärtig herrschenden Situation anpasst. Folglich ist das Gewicht der Katastrophe durchgehend präsent.
    Geschickt wechselt Kim hier auch immer wieder von Bildern großer Menschenmassen in weiten Aufnahmen zu den engen und erdrückenden Szenen in den Lagern, wo die Bewohner Bundangs unter Quarantäne gestellt werden. Dazu gesellt sich eine überforderte Regierung, die mit allen Mitteln versucht souverän Herr der Lage zu werden, denen aber zunehmend die Zügel aus den Händen rutschen. Wenn dann im Hintergrund noch Machtkämpfe zwischen den verschiedenen Politikern aufkommen, ja sogar die amerikanische Regierung sich einmischt und die Situation übernehmen möchte, spitzt sich die Lage immer weiter zu.

    Garniert wird Pandemie immer wieder mit gut inszenierten Actionszenen, die zwar etwas zu häufig von dick aufgetragenem Pathos begleitet werden, aber dennoch zu gefallen wissen. Denn das Tempo stimmt, man fiebert mit den Figuren mit, auch wenn diese sich nicht immer ganz nachvollziehbar verhalten, und die Szenen sind stets optisch einnehmend eingefangen. So gelingt es Kim hierdurch auch immer wieder die Spannungsschraube noch einmal anzuziehen.

    © 2020 Busch Media Group


    Darstellerisch bewegt man sich durchweg auf souveränem Niveau. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Hyuk Jang und Soo Ae stemmen ihre Aufgaben problemlos. Aber auch der Nebencast hinterlässt einen guten Eindruck, sodass es nur wenig zu bemängeln gibt. Und zur Abwechslung gibt es mal Sympathieträger Ma Dong-seok in einer zwielichtigen Nebenrolle zu sehen. Wer ihn also nur als Guten kennt, kann ihn hier auch mal als fiesen Kommandanten erleben.

    Jedoch muss man leider anmerken, dass die deutsche Synchronisation nicht geglückt ist und den Film spürbar abwertet. Wer also die Möglichkeit hat, Pandemie im Originalton mit Untertiteln zu sehen, sollte sich zweifellos dafür entscheiden, denn die aufgesetzte deutsche Sprachfassung macht spielend einen Wertungsunterschied von mindestens zwei Punkten aus. Wer sich also für den Originalton entscheidet bekommt einen mitreißenden, teils beklemmenden Katastrophenfilm geboten, der zwar nicht ohne Schwächen auskommt, aber für spannende zwei Stunden allemal sorgt.

    Fazit


    Pandemie überzeugt mit einer allumfassenden Grundspannung und formt inmitten seiner dargestellten Katastrophe noch ein kleines berührendes Charakter-Drama. Regisseur und Co-Autor Kim Sung-su schafft so einen aufwendigen und opulenten Katastrophenfilm, der sich aber ebenfalls in den feinen intimen Augenblicken bewährt. Lediglich der etwas dick aufgetragene Pathos und die zu übereifrige Dramatik schmälern das Sehvergnügen etwas.


    7/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    감기 (Gamgi) / The Flu (engl. Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2013
    Studio/Verleih:
    CJ Entertainment / Busch Media Group
    Regie:
    Kim Sung-su
    Drehbuch:
    Lee Yeong-jong, Kim Sung-su, Jung Jae-ho
    Kamera:
    Lee Mo-gae
    Musik:
    Kim Tae-seong
    Genre:
    Thriller, Drama, Katastrophenfilm
    Darsteller:
    Hyuk Jang, Soo Ae, Yu Hae-jin, Ma Dong-seok
    Start (DE):
    06.08.2020
    Start (USA):
    14.08.2013 (Südkorea)
    Laufzeit:
    121 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Pandemie-06.jpg

      992,48 kB, 1.500×998, 43.098 mal angesehen

    45.083 mal gelesen