ANZEIGE

Tenet

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Zeit spielt in Christopher Nolans Filmen stets eine Rolle - mal mehr, mal weniger. Mit Tenet setzte er sich nun mit dem Thema am bisher intensivsten auseinander. Denn hier dreht sich der Kern der Geschichte fast ausschließlich um die Zeit. Dabei geht es nicht um Zeitreisen im klassischen Sinne, sondern um einzelne Gegenstände oder Personen, die sich in der Zeit rückwärts bewegen, während allerdings der Rest der Umgebung normal vorwärts schreitet. Somit hebt Nolan die standardisierten Sehgewohnheiten rund um dieses Thema auf ein neues Level.

    Im Zentrum von Tenet steht ein CIA-Agent, der nach einem extremen Auftrag mit einer ganz neuen Mission betraut wird, für die er lediglich das Wort "Tenet" zur Verfügung gestellt bekommt. Während eines Besuchs bei einer Wissenschaftlerin erfährt er mehr über die Situation mit der er umgehen muss. An einem Schießstand erläutert sie ihm, dass sogenannte invertierende Gegenstände existieren, die sich in der Zeit zurückbewegen und zu einer kolossalen Katastrophe führen könnten. An dem CIA-Agent liegt es nun, den Spuren dieser Gegenstände zu folgen, um herauszufinden, was genau hinter ihnen steckt.

    Als Darsteller konnten unter anderem John David Washington (BlacKkKlansman), Robert Pattinson (Remember Me), Elizabeth Debicki (Widows), Kenneth Branagh (Mord im Orient-Express), Clémence Poésy (Brügge sehen... und sterben?) und Aaron Taylor-Johnson (Savages) gewonnen werden.

    Für Drehbuch und Regie zeigte sich Christopher Nolan verantwortlich.

    © 2020 Warner Bros.

    Kritik


    Bereits mit der Einstiegssequenz beweist Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan einmal mehr, dass er es versteht Actionszenen einnehmend zu inszenieren. Begleitet von einem donnernden Score von Ludwig Göransson (Venom) verleiht diese Szene bereits in den ersten Minuten Gänsehaut. Großartige Kameraeinstellungen ebenso wie herausragende Kamerafahrten verleihen dem Anfangsteil eine ungemeine Dynamik. Und diese Bildgewalt soll in den folgenden mehr als zwei Stunden noch mehrfach getoppt werden, wenn auch der einnehmende Impact nur noch selten erreicht wird.
    Dennoch bieten Nolan und sein Kameramann Hoyte Van Hoytema (Ad Astra) in ihrer bereits dritten Zusammenarbeit nach Interstellar und Dunkirk am laufenden Band Szenen, die mit den gängigen Sehgewohnheiten brechen und immer wieder zu faszinieren wissen. Gerade wenn in den Actionszenen Dinge gleichzeitig rückwärts wie vorwärts passieren, zeugt das von einem ungemeinen inszenatorischen Aufwand, der auch regelmäßig eine immense Faszination ausübt. Allerdings muss man auch eingestehen, dass sich diese parallel entgegenlaufenden Zeitebenen visuell auch irgendwann etwas abnutzen und in ihrem einhergehenden Durcheinander streckenweise etwas ermüdend wirken. Das liegt auch teilweise an den etwas unvorteilhaften Schnitten und den damit einhergehenden immer wieder drastischen Zeit- und Ortssprüngen. Die Hintergründe für diese Schnitte sind zwar künstlerisch und intellektuell häufig nachvollziehbar, in ihrer Wirkung aber immer wieder kontraproduktiv.
    Doch gerade als man sich vornimmt diese Art der Inszenierung zu kritisieren, offenbart Nolan mit seinem Showdown ein handwerklich überwältigendes Ereignis, in dem alles zu passen scheint. Ob dabei auch alles logisch nachvollziehbar ist, kann vermutlich bei der ersten Sichtung gar nicht endgültig erfasst werden, doch funktioniert es in dem Moment außerordentlich gut. Das spektakuläre Finale sorgt natürlich auch immer wieder für Verwirrung, doch in diesem Fall im positiven Sinne. So wird man nicht nur mit bombastischen Actionszenen und faszinierenden Seherlebnisse zugebombt, sondern auch geistig immer wieder in die Verantwortung gezogen. Gerade hier zeigt sich der Filmemacher von seiner stärksten Seite, denn in der heutigen Zeit gibt es keinen Regisseur, der intellektuelles Kino so pompös in Szenen setzen kann.

    Jedoch offenbart auch Tenet Nolans größte und vielleicht einzige Schwäche. Obwohl die Handlung einmal mehr reichlich Raum für emotionale Augenblicke bietet, gelingt es dem Regisseur abermals nicht, diese auch berührend umzusetzen. Die Figuren bleiben gewohnt distanziert und so bleibt der Zuschauer emotional einmal mehr etwas auf der Strecke. Wo Hans Zimmer in den Dark Knight-Filmen oder speziell in Inception mit seinen starken Scores dieses Manko zumindest teilweise etwas abfangen konnte, gelingt dies Göransson mit seinem streckenweise etwas aufdringlich treibenden Score zu keinem Zeitpunkt. Dessen Musikkompositionen entfalten in den Actionszenen zwar meistens eine mitreißende Wirkung, darüber hinaus drängen sie sich einem aber häufig zu sehr auf.
    Somit bleibt als letzte Instanz, um den emotionalen Makel auszugleichen, nur die Besetzung, die ebenfalls in bisher allen Nolan-Filmen mit aller Kraft versucht hat, gegen diese Schwäche anzuspielen. Doch auch wenn sich im Gestus und im Sprachrhythmus Hauptdarsteller John David Washingtons Herkunft kaum zu verleugnen lässt, so erreicht seine emotionale Tiefe und sein Charisma leider in kaum einem Augenblick an die seines Vaters Denzel heran. John David liefert zwar eine solide, handwerklich makellose Arbeit ab, verpasst es aber seiner Figur einen einnehmenden Charakter zu verpassen, obwohl die Handlung genug Möglichkeiten für seine ansonsten namenlose Figur eröffnet.
    Mit Elizabeth Debickis Figur stattet Nolan seinen Film mit einer angenehm dramatischen Rolle aus, die auch von ihrer Darstellerin versucht wird mit viel Hingabe zu füllen. Doch auch hier gelingt es dem Regisseur nicht, die Geschichte so zu inszenieren, dass der Zuschauer berührt wird.
    Wie schon Tom Hardy in Inception avanciert aber Robert Pattinson trotz Nebenrolle zum kleinen Highlight des Werks. Durch seine sympathische wie charismatische Art, macht es unheimlich viel Spass dem Schauspieler zuzusehen, wodurch jede Szene mit ihm ein Genuss ist.

    Inhaltlich erwartet einen bei Tenet eine gewohnt durchdachte Geschichte, die reichlich Raum für Diskussionen eröffnen wird. Wie bereits oben erwähnt, wird es kaum möglich sein, alle Aspekte des Werks bei der ersten Sichtung zu erfassen, wodurch natürlich jede weitere Begutachtung einen anhaltenden Reiz innehat. Christopher Nolan sprengt hier einmal mehr eingefahrene Denkmuster und stimuliert so zum Weiterdenken.
    Leider fallen einem dann natürlich auch vermehrt Ungereimtheiten auf, da man mit viel mehr Aufmerksamkeit dem Verlauf der Geschichte folgt, als man es beispielsweise bei einem Michael Bay-Film macht. Da stoßen einem dann schon einmal Anschlussfehler oder auch Logiklöcher ins Auge, die man bei einem anderen Filmemacher eventuell gar nicht wahrgenommen hätte. Herauszunehmen ist da beispielsweise eine zugegebenermaßen technisch großartige Heist-Sequenz auf einer Schnellstraße, bei der sich die Sicherheitsmitarbeiter des Konvois allerdings mehr als fragwürdig verhalten.
    Viel mehr möchten wir an dieser Stelle aber auch nicht auf den Inhalt eingehen, damit nicht zu viel vorweggenommen wird. Man darf sich aber auf reichlich Denkanstöße und Wendungen freuen.

    © 2020 Warner Bros.


    Trotz der oben genannten Kritikpunkte ist Tenet ein mitreißender Blockbuster geworden, der vor allem durch seine beeindruckenden Actionszenen und seine innovativen handwerklichen wie inhaltlichen Ideen überzeugt. Obwohl das Werk mit 150 Minuten eine stolze Laufzeit aufweist, vergeht diese wie im Flug. Auch wenn Nolan sich angemessen viel Zeit nimmt, seine komplexen inhaltlichen Ideen zwischen den zahlreichen Actionsequenzen zu bearbeiten, wirkt dies nie trocken, da der Drehbuchautor und Regisseur einfach viel zu viele spannende Aspekte offenbart.


    Fazit


    Tenet ist einmal mehr intellektuelles Blockbuster-Kino geworden, dass reichlich Analysen lostreten wird, darüber hinaus aber auch einfach unglaublich gut aussieht. Christopher Nolan bietet dabei wieder innovative Actionszenen, die einen regelmäßig in Staunen versetzen. Nur emotional lässt der Filmemacher seine Zuschauer abermals etwas links liegen.


    8/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    Tenet
    Land:
    USA
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    Warner Bros.
    Regie:
    Christopher Nolan
    Drehbuch:
    Christopher Nolan
    Kamera:
    Hoyte Van Hoytema
    Musik:
    Ludwig Göransson
    Genre:
    Action, Thriller
    Darsteller:
    John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debicki, Kenneth Branagh, Clémence Poésy, Aaron Taylor-Johnson
    Start (DE):
    26.08.2020
    Start (USA):
    03.09.2020
    Laufzeit:
    150 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Tenet-02.jpeg

      181,12 kB, 1.500×683, 33.224 mal angesehen

    34.943 mal gelesen