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XConfessions Night

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  • Einleitung


    Die schwedische Filmemacherin Erika Lust studierte ursprünglich politische Wissenschaften, bevor sie zum Film kam. Nach einigen expliziten Kurzfilmen und ihrem mehrfach ausgezeichneten Spielfilm Cabaret Desire wurde sie mehr und mehr eine starke Stimme für Feminismus im erotischen Erwachsenenfilm. Doch zu wirklich großem Erfolg kam sie durch ihre vom Publikum inspirierte Kurzfilmsammlung XConfessions, die mittlerweile über zwanzig Volumes umfasst. Auf der dazugehörigen Webseite können Zuschauer anonym ihre Geständnisse einsenden, wovon die Filmemacherin einige auswählt und als Kurzfilme umsetzt. Dabei setzt sie stets auf hohe Qualität am Set, welches sich für den Zuschauer in der ebenfalls kunstvollen Umsetzung der einzelnen Geschichten offenbart. So sieht sie dann die Möglichkeit mit hochwertigen expliziten Filmen den offenen Umgang mit Sexualität zu fördern, was sich auch immer wieder in den doch recht speziellen Themen der Kurzfilme widerspiegelt. Auch mit den Geschlechterrollen wird immer wieder gebrochen.

    Mit XConfessions Night wurde nun eine Kurzfilmsammlung aus den bisherigen Volumes zusammengestellt, in der acht künstlerisch wie thematisch abwechslungsreiche Filme gezeigt werden.

    Neben erfahrenen Darstellerinnen und Darstellern aus der Pornofilmindustire wie Anya Olsen, Carolina Abril oder Tyler Nixon standen auch unerfahrene, in dem Fall meist echte Paare vor der Kamera.

    © 2020 Busch Media Group

    Kritik


    Die Ambitionen, die hinter dem XConfessions-Projekt stehen, sind kaum zu übersehen. Visuell ist jeder einzelne Film, der in der XConfessions Night-Auswahl Platz gefunden hat, bemüht etwas Besonderes zu bieten. Da sticht technisch vor allem Ink is my Blood heraus, in dem die Sexszenen immer wieder in mit feiner Tuschefeder gezeichnete Bilder übergehen. Die geheimnisvolle Zeichnerin Apollonia Saintclair steuerte hierfür ihr Talent bei, was eine ungewöhnliche Seherfahrung präsentiert. Aber auch neben diesem experimentierfreudigen Titel präsentiert sich die Vielzahl der Kurzfilme in einem optisch ungewöhnlich schönem Gewand. Die Belichtung setzt in Sex & Sensibility die Protagonisten in eine warme, schummerige Atmosphäre, wohingegen in Come Fly with Me die teils überbelichteten Aufnahmen eine gewisse Verträumtheit erlangen. Dies wird in dem Kurzfilm Memory Files of You noch einmal auf die Spitze getrieben, da hier ein Mann mit Hilfe von Virtual Reality seine Erinnerungen wieder aufleben lässt. Die dominierende weiße Farbe in diesem Film unterstreicht noch einmal die Reinheit dieser Erinnerung.
    Man merkt also deutlich, dass hier nicht möglichst schnell eine pragmatische Szene runtergedreht wurde, sondern sich durchaus Gedanken gemacht wurden, wie man das Thema Sexualität in seiner expliziten Darstellung aufpeppt und ihm ein positiven unverruchten Touch verleiht.

    Doch bei all der Mühe fallen auch die limitierten finanziellen Mittel auf. Auch wenn sich das alles visuell sehr vielversprechend anhört, sind den Szenen die fehlenden Möglichkeiten anzumerken. So lassen sich die Kurzfilm vom technischen Niveau nur sehr selten mit populären Kurzfilmen aus anderen Genres vergleichen. Dabei ist das Potential für dieses Format durchweg gegeben und könnte mit mehr finanziellen Mitteln tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Erwachsenenfilmindustrie haben. Schon jetzt sind die XConfessions-Volumes ein Erfolg. Bei einer Steigerung der technischen Qualität könnte das Format noch deutlich an Popularität gewinnen. In einer Zeit, in der man durch das Internet einen extrem leichten Zugang zu pornographischen Inhalten bekommt und man quasi schon passiv entjungfert wird, bevor man überhaupt das erste Mal richtigen sexuellen Kontakt hat, dabei aber teilweise in großen Zügen die animalische Seite der Sexualität vorgesetzt bekommt und so ein verquerer Blick auf den Akt selbst geformt wird, ist Erika Lusts Bestreben vielleicht genau die Bewegung, die die Pornoindustrie in der heutigen Zeit braucht, um sich weiterzuentwickeln. Einen romantischeren aber nicht minder offenen Blickwinkel zu eröffnen, der Berührungsängste mit dem Thema mindert, im gleichen Zug die Vielseitigkeit der Sexualität fördert und dem Genre seinen negativen Ruf nimmt.

    Das spiegelt sich auch immer wieder bei den Leitthemen der einzelnen Kurzfilme wieder. In XConfessions Night erreicht dies seinen Höhepunkt in dem Schwarz-Weiß-Film Gender Bender, in dem ein Paar die Geschlechterrollen tauscht. Künstlerisch einer der stärksten Beiträge erleichtert das Werk somit den Zugang zu dem Thema.
    Aber auch andere Tabu-Themen werden immer wieder wertungsfrei präsentiert. In Dear Brother in Law wird der Titelgebende zum Objekt der Begierde oder in Do you find my Feet suckable? wird Bezug auf die Vorliebe von Füßen genommen. Dabei erlauben sich die Filmemacher keine Vorurteile zu hegen und präsentieren jedes Thema als eine sinnliche Erfahrung, auch wenn gerade beim erstgenannten Titel die Message am Ende durchaus fragwürdig ist.

    Auch wenn die Themen immer wieder auch lobenswert sind, offenbart sich die Dramaturgie häufig als Schwachpunkt. Hier wird meist nur der Aufhänger der Geschichte genommen und dann doch viel zu oft nur zweckmäßig verwendet, um zum eigentlichen Thema zu kommen - Sex. Lediglich Memory Files of You gelingt es inhaltlich einen kleinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, da mit sehr wenigen Worten eine doch recht schöne Geschichte erzählt wird. Ebenfalls hervorzuheben ist The Ski Instuctor, der angenehm leichtfüßige teils sogar selbstironisch seine Geschichte präsentiert. Doch hier leidet die Handlung dann stark an den schwachen Dialogen und im besten Fall mäßigen darstellerischen Leistungen. Leider treffen beide Aspekte auf alle Filme zu, wodurch die Glaubwürdigkeit und vor allem die angestrebte Qualität erheblichen Schaden nimmt. Die schlimmste Folge ist jedoch, dass die Erotik dadurch ungemein an Wirkung verliert.

    Was man den Kurzfilmen stets zugute halten muss, ist aber die optische Natürlichkeit der Darsteller. Man bekommt hier keine bis zur Unkenntlichkeit operierten Frauen vor die Kamera gesetzt, sondern Darstellerinnen, die auch mal eine Rundung mehr haben oder nicht die perfekten Brüste. Das Selbstbewusstsein, mit dem die Frauen aber dabei vor die Kamera treten, lassen sie häufig umso sexier wirken.
    Leider kann man das von den männlichen Parts nur selten behaupten. Diese wirken häufig uncharismatisch und dadurch auch unästhetisch. Bis auf Tyler Nixon, der mit Anya Olsen in The Ski Instructor ein wirklich tolles Paar abgegeben hat, schmälern die Männer meist den erotischen Charme erheblich.

    Die Sexszenen sind aber ansonsten geschmackvoll in Szene gesetzt. Hier wird nicht permanent auf die Geschlechtsteile gehalten, sondern immer wieder sich auf die Ästhetik des Akts an sich berufen. Dennoch sind die Szenen stets extrem explizit, wodurch es sehr verwunderlich ist, dass XConfessions Night von der FSK eine Freigabe bekommen hat. Lediglich Spielfilme, in denen die sexuellen Handlungen nicht im Vordergrund standen, beispielsweise bei 9 Songs oder Nymphomaniac, winkte die FSK die Filme durch. Doch bei XConfessions steht ja dennoch durchweg der Sex im Mittelpunkt und nimmt stets rund die Hälfte der Spielzeit der einzelnen Kurzfilme ein.

    Der wohl größte Schwachpunkt von XConfessions Night offenbart sich jedoch nur in der deutschen Version der Kurzfilme. Anstatt die Originaltonspur beizubehalten und somit die Sinnlichkeit der Darsteller zu bewahren, entschied man sich, die Kurzfilme zu synchronisieren. Da es sich hier um keine Großproduktion handelt, fällt die Synchronisation erschreckend laienhaft aus. Dies raubt den meisten Kurzfilmen fast vollständig ihrer erotischen Kraft. Wer somit die Chance hat, XConfessions Night im Original zu sehen, sollte dringlichst darauf zurückgreifen, da man sich mit der deutschen Sprachfassung absolut keinen Gefallen tut.

    © 2020 Busch Media Group

    Fazit


    XConfessions Night ist ein vielseitiges und ambitioniertes Erotikfilm-Projekt, das aber zu häufig mit den beschränkten Mitteln und den zu oberflächlichen Dialogen zu kämpfen hat. Die schwachen Darstellerleistungen mindern noch zusätzlich das Sehvergnügen. Dennoch sind die Sexszenen durchweg ästhetisch eingefangen und wissen durch ihren positiven und offenen Umgang mit den vielen Facetten der Sexualität zu gefallen, auch wenn die männlichen Parts meist etwas unvorteilhaft besetzt wurden und die mögliche Wirkung limitieren.
    Jedoch sollte man einen Bogen um die deutsche Synchronfassung machen, denn sonst wird man von wirklich jeder Qualität beraubt.


    4
    /10
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    Infos
    Originaltitel:
    XConfessions Night
    Land:
    Spanien
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    Lust Films / Busch Media Group
    Regie:
    u.a. Erika Lust
    Genre:
    Erotik
    Darsteller:
    Anya Olsen, Carolina Abril, Tyler Nixon
    Start (DE):
    24.09.2020
    Laufzeit:
    111 Minuten
    FSK:
    keine Jugendfreigabe
    Bilder
    • XConfessions-Night-01.jpg

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