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Peninsula

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  • Einleitung


    Mit über 11,5 Millionen Besuchern in Korea, gehört dort das Zombie-Epos Train to Busan zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Das Realfilmdebüt von Regisseur Yeon Sang-ho konnte aber auch außerhalb der koreanischen Halbinsel für Aufsehen sorgen und stellte in einigen Ländern sogar Einspielrekorde für einen koreanischen Film auf. Das Werk wurde von Publikum und Kritikern in großen Zügen gefeiert, da es über die rasante und nervenaufreibende Inszenierung hinaus auch mit für das Genre ungewöhnlich vielschichtigen Figuren und den damit zusammenhängenden emotionalen Szenen punkten konnte. So feierte der Horrorfilm 2016 sogar seine Premiere auf den hoch angesehenen internationalen Filmfestspielen in Cannes.
    Dem äußerst erfolgreichen Horrorfilm ließ der Regisseur und Drehbuchautor im selben Jahr noch das Anime-Prequel Seoul Station folgen, das den Ausbruch des Virus in der Weltmetropole erzählt. Mit Peninsula folgt endlich die langersehnte Realfilmfortsetzung zu Train to Busan, bei der Yeon ebenfalls für Drehbuch und Regie verantwortlich war.

    Im Zentrum von Peninsula steht der Soldat Jung-seok, der mit einer Einheit die Aufgabe hat im von Verseuchten überrannten Korea einen Truck mit 20 Millionen US-Dollar zu bergen. Dabei stoßen sie jedoch über die gefährlichen Untoten hinaus auf eine Gruppierung von Überlebenden, die sich bei den apokalyptischen Umständen der feindseligen Umwelt angegleicht haben.

    Für Peninsula kehrten leider keine Darsteller aus dem Vorgänger zurück. Als neue Schauspieler sind unter anderem Gang Dong-won (Illang: The Wolf Brigade), Lee Yung-hyun (Der Admiral: Roaring Currents), Kwon Hae-hyo (On The Beach At Night Alone) und Lee Re, die bereits als Kinderdarstellerin in dem leider noch nicht in Deutschland erschienenen Hope eine beeindruckende Leistung zeigte, zu sehen.

    © 2020 Splendid Film

    Kritik


    Train to Busan zog eine seiner großen Stärken durch das beklemmende Setting des Zuges, wodurch die Handlungsspielräume stark eingeschränkt waren. Nur in wenigen Momenten brach Regisseur und Drehbuchautor Yeon Sang-ho diese erdrückende Atmosphäre auf, um beispielsweise an einem Bahnhof das Chaos auf großen Raum zu zeigen. Mit Peninsula dreht er dies nun andersherum. Die Protagonisten müssen sich durch die postapokalyptischen Straßen von Südkoreas Stadt Incheon schlagen, wo Unmengen von Untoten hausen. Nur zu Beginn des Films lässt Yeon Erinnerungen an die engen und erdrückenden Räumlichkeiten seines Schnellzuges aus dem ersten Teil wach werden, wenn die Hauptfigur Jung-suk auf einem Schiff voll mit Flüchtlingen bestehen muss. Und genau diese Phase gelingt dem Filmemacher auch wieder besonders gut, denn in den ersten dreißig Minuten schießt die Spannungskurve extrem nach oben. Fast schon könnte da die Vermutung aufkommen, dass man die Situation lediglich von einem Zug äug ein Schiff verlegt hat. Doch im Anschluss dieser Phase wird dem Zuschauer eine neue Welt präsentiert, in der Koreaner zu Außenseitern werden.
    Folglich ist der Reiz des großen Geldes zumindest für einige ein großer Ansporn, um noch einmal unter hohem Risiko auf die koreanische Halbinsel zurückzukehren. Dabei macht die verwahrloste Stadt Incheon einen sehr guten ersten Eindruck, auch wenn dieser recht schnell mit etwas Ernüchterung einhergeht.

    Denn das wahrscheinlich größte Manko offenbart sich gleich in der ersten Actionszene in dem verseuchten Gebiet - der erschreckend schlechten CGI-Effekte. Bei allen Verfolgungsjagden per Auto kam der Computer sehr viel zum Einsatz, was bei den miesen Effekten, die durchgängig aus einen Videospiel aus den frühen Nullerjahren stammen könnten, den ansonsten starken visuellen Eindruck unverkennbar schmälert. Auch wenn Yeon abgesehen von diesen Sequenzen wieder einmal beweist, dass er inszenatorisch starke Arbeit leistet, leidet diese Qualität zu sehr unter den reichlich vorhandenen Computereffekten. Vor allem, da der Showdown fast ausschließlich im Auto spielt, wodurch fast jegliche Brisanz verloren geht.
    Abseits davon bewegt sich Peninsula aber optisch auf einem sehr hohen Niveau. Die Kulissen, die Belichtung und auch die Kamerafahrten und -einstellungen wissen immer wieder zu begeistern. Ergänzt von einem angenehm hohes Erzähltempo kommt eigentlich nie Langweile auf. Dazu gesellt sich ein gewohnt starker Score von Lee Sung-hyun alias Mowg, der die Szenerie immer wieder treffend untermalt.

    Dramaturgisch hat Yeon seine Geschichte nachvollziehbar und konsequent weitergesponnen, ohne dabei sich zu wiederholen. Doch hier macht sich eine weitere Schwäche bemerkbar, die vor allem mit Blick auf den Vorgänger besonders schade ist - die Charaktere. Waren diese in Train to Busan noch das Herzstück des Films, kommen die Figuren in Peninsula enttäuschend belanglos daher. Keine Figur weiß zu berühren und so fällt das Mitfiebern etwas schwer. Lediglich mit dem sympathischen Team Joon-yi und Yoo-jin hat man in der Figurenkonstellation frischen Wind eingebracht. Die Teenagerin und das junge Mädchen sorgen immer wieder für die unterhaltsamsten Augenblicke und harmonieren darüber hinaus bestens miteinander. Die beiden Darstellerinnen Lee Re und Lee Ye-won spielen dabei den erwachsenen Cast leichtfüßig an die Wand. Hauptdarsteller Gang Dong-won hingegen erbringt seine Leistung zu routiniert, wodurch er weitestgehend blass bleibt.
    Ähnlich verhält es sich mit den Hintergründen der Figuren. Diese wurden ohne viel Herz in das Drehbuch eingearbeitet und viel zu häufig links liegen gelassen, sodass kaum eine emotionale Bindung beim Zuschauer zustande kommt.

    Obwohl in der Anfangsphase mit eindringlichen Aufnahmen die Bedrohung durch die Infektionen hervorragend etabliert wurde, rückt diese im Verlauf des Films immer mehr in den Hintergrund. Die Zombies werden so zu einem austauschbaren Nebeneffekt degradiert, von denen kaum eine Bedrohung ausgeht. So wird bei der Spannung viel Potential verschenkt.

    © 2020 Splendid Film


    Trotz der Kritik macht Peninsula Spaß, was dem hohen Tempo, den gut gewählten Schauplätzen und einigen irrsinnigen Ideen zu verdanken ist. Yeon hat sich wirklich einiges einfallen lassen, um seinem in Train to Busan etablierten Geschehen neue Facetten abzugewinnen. Jedoch hat er sich mit den umfangreichen aber missglückten CGI-Effekten und der zu geringen Aufmerksamkeit gegenüber den Figuren selbst ein Bein gestellt. Dazu gesellt sich noch ein visuell schwaches und in den pathetischen Momenten viel zu sehr in die Länge gezogenes Finale, sodass der Gesamteindruck trotz der Vielzahl an Stärken merklich in Mitleidenschaft gezogen wird.

    Fazit


    Peninsula ist eine spürbar bemühte Fortsetzung, die aber dennoch qualitativ weit hinter dem Vorgänger Train to Busan bleibt. Das liegt vor allem an den schwachen Figuren, den erschreckend missglückten Computereffekten und der fehlenden Bedrohung durch die Zombies. Dennoch sorgt Regisseur und Drehbuchautor Yeon Sang-ho mit seinem hohen Erzähltempo und seiner inszenatorischen Souveränität für einen ordentlichen Unterhaltungswert.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    반도 (Bando)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    Yeon Sang-ho
    Drehbuch:
    Yeon Sang-ho
    Kamera:
    Lee Hyung-deok
    Musik:
    Mowg
    Genre:
    Action, Horror
    Darsteller:
    Gang Dong-won, Lee Jung-hyun, Lee Re
    Start (DE):
    08.10.2020
    Start (USA):
    25.09.2020
    Laufzeit:
    116 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Peninsula-02.jpg

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