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Ema

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  • Einleitung


    Pablo Larraín (No) gehört zu den Vorzeigeregisseuren Chiles. Nach seinem Hollywoodausflug mit dem Werk Jackie, in dem er Oscarpreisträgerin Natalie Portman inszenieren durfte, kehrte er mit Ema wieder zurück in sein Heimatland und tobte sich künstlerisch wieder aus.

    Im Zentrum steht die titelgebende Tänzerin, die zwar ein künstlerischer Freigeist ist, aber gleichzeitig ein Leben mit dem Choreographen Gastón aufbauen möchte. Als ihr gemeinsamer Sohn aber Emas Schwester schwere Verbrennungen zufügt, entscheidet sich Ema ihren Sohn wegzugeben. Diese Entscheidung hat nicht nur Folgen für ihre Beziehung mit Gastón, sondern auch für ihre Beziehung zu ihrem sozialen Umfeld, denn dieser heftige Schritt wird in großen Zügen hart verurteilt. Für Ema beginnt eine exzessive Reise der Rebellion, Selbstfindung und Ermächtigung, die sie intensiv durch ihre große Hingabe zum Tanz auslebt.

    Begleitet von Reggaeton-Beats inszenierte Larraín unter anderem die Schauspieler Mariana Di Girolamo (Hotel Zentai) und Gael García Bernal (Amores perros).

    © 2020 Koch Films

    Kritik


    Regisseur und Drehbuchautor Pablo Larraín stellt sich mit der Handlung gleich einer großes Herausforderung. Er muss beim Zuschauer für eine Figur Empathie entlocken, die ihr adoptiertes Kind wieder zurückgegeben hat. Erleichternd ist zwar die Situation, dass der Junge der Schwester von Ema das halbe Gesicht verbrannt hat, doch ist der Schritt, daraufhin das Kind wegzugeben, dennoch ein großer. Darüber hinaus ist Ema eine alles andere als konventionelle Figur. Vor allem die Beziehung mit ihrem Lebensgefährten Gastón ist alles andere als harmonisch. Gegenseitig schieben sie sich die Schuld für die gescheiterte Adoption zu und werfen sich äußert verletzende Dinge an den Kopf. Und dennoch gelingt es Larraín mit seine besonderen Bildersprache und der sprunghaften Erzählstruktur ein Gefühl für die beiden entstehen zu lassen. Und auch Emas Gefühlswelt wird mehr und mehr greifbar. Ihr rebellierender Lebensstil spiegelt dabei die emotionale Verlorenheit der Figur makellos wieder. Larraín untermauert dies noch mit zahlreichen Wechseln zwischen extrovertierten Ausbrüchen seitens Ema und extrem feinfühligen leisen Augenblicken. Die tänzerische Ausdruckskraft, die mit den Reggaeton-Beats einhergeht, wirkt dabei immer wieder wie ein Ausbruch aus der erdrückenden Traurigkeit, die Ema begleitet. So wirken gerade die Augenblicke gleichzeitig befremdlich wie auch faszinierend wenn die titelgebende Figur ihre Tänze zum Besten gibt, ohne dass dabei die passende Musik ertönt.

    Dabei bewegt sich der Score von Nicolas Jaar (Dämonen und Wunder - Dheepan) wie ein eigener Darsteller durch die Szenerie. Die hypnotisierenden Techno-Klänge treffen dabei auf befremdliche Sounds, die ebenso zu verzaubern wie zu verstören wissen. Wenn dann die ergänzenden Reggaeton-Songs sich dort eingliedern, so wirkt das häufig wie ein extremer Kontrast, der sich dennoch bestens in das Gesamtbild eingliedert.
    Letztendlich sind es die zahlreichen Widersprüche, ob akustisch, inhaltlich oder auch visuell, die Ema zu etwas Besonderem machen. Denn der Filmemacher versteht es sich geschickt von Konventionen zu lösen, dabei zu erschrecken und dennoch Mitgefühl beim Zuschauer zu erregen. Wenn er dann zum großen Finale ausholt, so avanciert Ema zu wohl einem der abgedrehtesten Familiendramen der Filmgeschichte.

    Darstellerisch gelingt es der noch weitestgehend unbekannten Mariana Di Girolamo das Werk zu stemmen und überzeugt vor allem in den leisen einfühlsamen Augenblicken. Bei den rebellischen Momenten wirkt sie jedoch teilweise etwas aufgesetzt, was etwas schade ist, da man dadurch immer wieder aus dem mitreissenden Sog herausgerissen wird. Der Rest des Ensembles agiert souverän ohne große Ausbrüche nach oben oder unten. Die etwas distanzierte Art der Darstellungen verweigert dem Zuschauer häufig die Möglichkeit emotional vollends abgeholt zu werden, wodurch dem Drama ein wenig an Wucht abhanden kommt.

    © 2020 Koch Films

    Fazit


    Ema übt fraglos eine große Faszination aus. Sei es aufgrund der unkonventionellen Bildsprache, der unverbrauchten Reggaeton-Einflüsse, des einnehmenden Scores oder der überrumpelnden Dramaturgie - das Werk von Pablo Larraín ist künstlerisch fraglos eines der spannendsten Werke der letzten Jahre. Jedoch geht die emotionale Kraft etwas auf Kosten der Experimentierfreudigkeit, wodurch man nicht so sehr berührt wird, wie es für solch eine Geschichte nötig wäre.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Ema
    Land:
    Chile
    Jahr:
    2019
    Studio/Verleih:
    Koch Films
    Regie:
    Pablo Larraín
    Drehbuch:
    Pablo Larraín, Alejandro Moreno, Guillermo Calderón
    Kamera:
    Sergio Armstrong
    Musik:
    Nicolas Jaar
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Mariana Di Girolamo, Gael García Bernal
    Start (DE):
    22.10.2020
    Laufzeit:
    107 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Ema-04.jpg

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