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Greenland

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  • Einleitung


    Gerard Butler und Regisseur Ric Roman Waugh lassen nach ihrer Zusammenarbeit an Angel Has Fallen mit Greenland in direkter Folge ihr nächstes gemeinsames Projekt nachziehen. Der charismatische schottische Darsteller und der ehemalige Stuntman blieben mit Greenland dabei dem Actiongenre treu und bebildern nun das Ende der Zivilisation.

    Im Zentrum des Werks steht John Garrity, der versucht bei einem verheerenden Regen von Bruchteilen eines Kometen, seine Familie in Sicherheit zu bringen. Dabei geraten sie immer wieder in Extremsituationen, die die besten aber auch die schlimmsten Seiten der Menschen hervorbringen.

    Neben Butler sind unter anderem noch Morena Baccarin (Serenity) und Scott Glenn (Surfer, Dude) zu sehen.

    Wie bereits erwähnt übernahm Ric Roman Waugh die Inszenierung nach einem Drehbuch von Chris Sparling (Buried).

    © 2020 Tobis

    Kritik


    Mit einem Budget von überschaubaren 35 Millionen US-Dollar stand Greenland für einen Katastrophenfilm aus Hollywood relativ wenig Geld zur Verfügung. Andere Genrevertreter verschlungen locker das drei- bis sechsfache. Doch Regisseur Ric Roman Waugh und sein Drehbuchautor Chris Sparling lassen aus einer Not eine Tugend entstehen. Anstatt auf großes Bombastkino zu setzten, wird mit Greenland eine Familiengeschichte in einer Extremsituation erzählt. Natürlich verzichtet Waugh dabei nicht gänzlich auf Actionszenen, die dann auch gewohnt gut inszeniert wurden, wenn auch die Computereffekte hin und wieder das moderate Budget erahnen lassen, doch baut der Filmemacher seine Spannung mit ganz anderen Hilfsmitteln auf. Mit der Kamera stets nah an seinen Protagonisten lässt Waugh eine beklemmende Atmosphäre durch das stetig wachsende Chaos und die teils emotional drastischen Augenblicke entstehen. Vor allem als die im Zentrum stehende Familie Garrity von den Behörden auserwählt werden, um in einem Schutzbunker mit begrenzten Kapazitäten die Katastrophe auszusitzen, passiert dies nicht im intimen Kreis, sondern in Anwesenheit zahlreicher Freunde und Nachbarn. Wenn im Anschluss eine dieser Nachbarinnen ihre kleine Tochter den Garritys mitgeben möchte, fährt es einem durch Mark und Bein.
    Aber Waugh lässt im weiteren Verlauf noch zahlreiche ähnliche Situationen folgen.

    Darüber hinaus geht Greenland dramaturgisch immer wieder spannende Wege und nimmt reihenweise neue Abzweigungen, die jedoch den Film nicht unnötig verlangsamen, sondern ihm ein ungemeines erzählerisches Tempo verleihen. Die gekonnt eingestreuten kleinen Erfolgs- und Glücksmomente bieten dabei auf angenehmen Weise kontinuierlich Augenblicke zum Durchatmen, die aber nie lang anhalten.
    Auch die Informationen über die Gefahr des Kometen werden ebenso simpel wie effektiv über Beiträge im Radio, im Fernsehen und über andere Medien vermittelt, sodass dabei nie die eigentliche Handlung ausgebremst wird. Ebenfalls geschickt und zügig geschieht die Einführung der Hauptfiguren, sodass man als Zuschauer sehr schnell ein Gefühl für die Familie und ihre Situation bekommt. Dabei wird angenehm nebenher ein Konflikt erzählt, ohne dass man das Gefühl bekommt, dass es sich dabei um ein Pflichtprogramm handelt. Das ist über die gute Inszenierung hinaus auch den beiden souveränen Hauptdarstellern Gerard Butler und Morena Baccarin zu verdanken.
    Was bei zahlreichen Genrevertretern immer mehr in den Hintergrund gerückt ist, sind die Figuren. Waugh setzt auf erfrischende Weise genau diese wieder in den Mittelpunkt, wodurch es nicht schwer fällt emotional mit der Familie mitzugehen.

    Darstellerisch wäre zwar noch mehr möglich gewesen, dennoch bietet, wie bereits erwähnt, das Duo Butler/Baccarin eine gute Leistung, sodass sie den Film spielend tragen. Allerdings ist der merklich überforderte Kinderdarsteller Roger Dale Floyd (Doctor Sleep) ein großer Schwachpunkt in der Darstellerkonstellation. Als Sohn der beiden Hauptfiguren nimmt er einen wichtigen Platz in der Erzählung ein, sorgt aber viel zu häufig dafür, dass man aus dem Geschehen gerissen wird, da man ihm seine Emotionen einfach nicht abnimmt. Folglich leidet auch die Dynamik der Familie darunter. Dennoch gelingt es den bemühten Darstellern der Eltern und die dramaturgisch häufig sehr intensiven Szenen diesen Makel etwas auszugleichen.

    Bei all dem Lob für die Geschichte kommt das Drehbuch dennoch mehrfach ins Wanken. So gelungen die Dramaturgie auch ist, so platt sind häufig die Dialoge. Hier wurde viel zu viel Potential verschossen, wodurch man trotz der aufregenden emotionalen Achterbahnfahrt auch immer wieder mit dem Kopf schütteln muss. Ähnlich verhält es sich dann auch mit dem ein oder anderen genretypischen Klischee, auf das leider nicht verzichtet wurde. So wirkt beispielsweise eine Rettungsaktion von Butlers Figur wie ein Fremdkörper im Film. Vor allem wenn solch einer plumpen wie überflüssigen Szene Momente gegenüberstehen, die ansonsten mit viel Feingefühl und dramaturgischer Relevanz umgesetzt wurden.

    © 2020 Tobis


    Greenland ist ein überraschend intensiver Weltuntergangsfilm geworden, der mit seinem Fokus auf seine Figuren trotz mangelndem Budget eine Vielzahl seiner aufwendigeren Genrekollegen in den Schatten stellt. Die stets angezogene Spannungsschraube lässt kaum Zeit zum Pausieren und die sympathischen Figuren laden unaufhaltsam zum Mitfiebern ein. So ist Greenland nicht nur ein Film der an den Nerven kratzt, sondern auch einer, der den Zuschauer emotional abholt. Die Actionszenen wirken dabei als eine nette Würze, die nicht zu viel und nicht zu wenig verwendet wurde.

    Fazit


    Mit Greenland beweist Ric Roman Waugh, dass bei einem Katastrophenfilm doch die Figuren immer noch am wichtigsten sind. Mit seinem Fokus auf genau diese schafft er ein Werk, das nicht nur ungemein spannend ist, sondern auch emotional mitreißend. Immer dicht bei seinen Figuren wirkt die Katastrophe so häufig deutlich intensiver, als beim Effektgewitter zahlreicher anderer Genrevertreter. Dennoch berauben die mäßigen Dialoge und die überflüßigen Klischees dem Film seiner vollen Wucht.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Greenland
    Land:
    USA
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    STX Entertainment / Tobis
    Regie:
    Ric Roman Waugh
    Drehbuch:
    Chris Sparling
    Kamera:
    Dana Gonzales
    Musik:
    David Buckley
    Genre:
    Thriller, Action, Drama
    Darsteller:
    Gerard Butler, Morena Baccarin
    Start (DE):
    22.10.2020
    Start (USA):
    18.12.2020 (digital)
    Laufzeit:
    119 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Greenland-10.jpg

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