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Relic

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  • Einleitung


    Die australisch-japanische Regisseurin Natalie Erika James konnte mit ihren Kurzfilmen bereits einige Preise absahnen. Mit Relic liefert sie nun ihr Spielfilmdebüt und widmet sich auf ungewohnte Art dem Thema Demenz, wobei sie von einem Demenzfall in ihrem nahen Umfeld inspiriert wurde. Gemeinsam mit Christian White, mit dem sie schon bei dem Kurzfilm Creswik zusammenarbeitete, brachte sie die Geschichte zu Papier.

    Relic dreht sich um die ältere verwitwete Frau Edna, die eines Tages spurlos verschwindet. Ihre Tochter und Enkelin eilen zur Hilfe und beginnen bei dem abgeschiedenen Landhaus nach Edna zu suchen. Nach einigen Tagen taucht diese auf mysteriösen Weise wieder auf, ohne dass sie sich erinnern kann, wo sie gewesen ist. Ihr zunehmend verändernder Zustand, lassen Tochter und Enkelin mehr und mehr daran zweifeln, dass das noch immer die Edna ist, die sie kennen.

    Als Darstellerinnen-Trio konnte James Emily Mortimer (Redbelt), Bella Heathcote (The Neon Demon) und Robyn Nevin (Matrix Revolutions) gewinnen.

    © 2020 Leonine

    Kritik


    Auch wenn das Werk etwas braucht, um in Fahrt zu kommen, so versprüht es doch von Anfang an eine unheilvolle Atmosphäre. Die alles andere als schön eingefangenen Landschaften Australiens erinnern durch die kühlen Bilder nur selten an den von Urlaubern beliebten Kontinent. Viel mehr könnte die Kulisse fast aus jedem anderen Land stammen, wodurch die Geschichte unglaublich gut übertragbar auf die eigene Kultur und eigenen Lebensumstände ist. Die Dynamik der Figuren ist dabei auch stets greifbar, wenn auch nicht viel über ihre gemeinsame Vergangenheit preisgegeben wird. Das macht die Figurenkonstellation in Relic aber gerade spannend, da die guten Darstellerinnen stetig viel Subtext mitspielen. Folglich kann man sich leicht in die Charaktere hineinversetzen und verurteilt nicht voreilig die ein oder andere harsche Reaktion von ihnen.

    Nach einem trägen Beginn steigt die Spannungskurve aber dann recht schnell, wenn auch der Film seinem ruhigen Ton durchgängig treu bleibt. So ist Relic eher mit Horrordramen wie Midsommar oder Hereditary zu vergleichen, als mit einem klassischen Schocker. Der Drama-Aspekt nimmt bei Relic viel Raum ein und der Horror entsteht daher auch durch die beängstigende Demenz-Erkrankung. Somit werden die sanft verstreuten mysteriösen Teile der Geschichte, die zugegebenermaßen zum Ende hin deutlich vermehrt auftreten, stetig von geerdeten Angstmomenten ergänzt. Regisseurin und Drehbuchautorin Natalie Erika James gelingt so ein spannender Genremix, in dem der offensichtliche Horror mehr als Metapher verstanden werden sollte. So fesselt das Werk eher durch seine zwischenmenschlichen Situationen, als durch Schockmomente. Dabei geht es in erster Linie um Trauer und Akzeptanz, was beides in einem ebenso verstörenden wie berührenden Endbild seinen Höhepunkt findet.

    Score, Schnitt und Kameraarbeit passen sich dem zurückhaltenden Stil hervorragend an, sodass man enttäuscht wird, wenn man ein temporeiches Horrorowerk erwartet, dass sich von gegebenen Gepflogenheiten leiten lässt. Viel mehr bricht Relic hier mit der Erwartungshaltung und bewegt sich vorsichtig von einer Etappe zur nächsten, sodass viel Raum für Figuren und Dramaturgie bleibt.

    © 2020 Leonine

    Fazit


    Relic ist ein ruhiges Horrordrama, dass sich dem Thema Demenz auf beängstigende Weise nähert. Dabei gelingt es Regisseurin und Drehbuchautorin Natalie Erika James ein ebenso einfühlsames wie unheilvolles Werk auf die Beine zu stellen, das seine größten Stärken in den leisen Augenblicken findet. Lediglich die Anfangsphase ist zu langgezogen und träge in Szene gesetzt, wodurch dem Film die Spannung schon zu Beginn etwas entgleitet.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Relic
    Land:
    Australien / USA
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    IFC Films / Leonine
    Regie:
    Natalie Erika James
    Drehbuch:
    Natalie Erika James, Christian White
    Kamera:
    Charlie Sarroff
    Musik:
    Brian Reitzell
    Genre:
    Horror, Drama
    Darsteller:
    Emily Mortimer, Bella Heathcote, Robyn Nevin
    Start (DE):
    30.10.2020
    Start (USA):
    10.07.2020
    Laufzeit:
    89 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Relic-01.jpg

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