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Space Sweepers

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  • Einleitung


    Wie es bereits den beiden sehenswerten südkoreanischen Thrillern The Call und Time to Hunt erging, so traf es nun auch Space Sweepers, die erste große im Weltraum spielenden SciFi-Filmproduktion aus Südkorea. Eigentlich als Kinofilm geplant riefen die erneuten verschärften Richtlinien der Corona-Situation die Streaminganbieter auf den Plan - in diesem Fall einmal mehr Netflix. Der Streamingriese offenbarte damit erneut sein Interesse an internationalen Titeln und sicherte sich die Exklusivrechte an dem Film, was auch eine zeitgleiche weltweite Veröffentlichung mit sich zog.

    Im Zentrum des SciFi-Abenteuers steht eine Raumschiffcrew, die im Jahr 2092 andere Wracks entert, um dabei eventuell Geld zu machen. Als die vier Außenseiter einen vermeintlichen Humanoiden entdecken, stellen sie schnell fest, dass hinter der unschuldigen Fassade eine gefährliche Waffe lauert, auf die es auch andere abgesehen haben.

    Zur Besetzung des SciFi-Films zählen unter anderem Kim Tae-ri (Die Taschendiebin), Song Joong-ki (Battleship Island), Jin Seon-kyu (Extreme Job) und der britische Schauspieler Richard Armitage (Der Hobbit).
    Die Regie übernahm Jo Sung-hee (Phantom Detective).

    © 2021 Netflix

    Kritik


    Regisseur und Drehbuchautor Jo Sung-hee gelingt es mit Space Sweepers schnell eine nachvollziehbare Zukunftsvision zu erschaffen, für die man in einem ebenso zügigen Tempo ein wunderbares Gefühl bekommt. Einmal mehr stehen nach der großen Katastrophe, die die Erde zu einem heruntergekommen Ort gemacht hat, die verschiedenen Klassen der Menschen im Vordergrund. Die Arbeitergesellschaft ist dazu verdonnert auf dem schäbigen Planeten Erde zu leben oder aber ein wenig erfolgsversprechendes Dasein als Schrottsammler oder ähnliches im Weltall zu hegen. Wohingegen die Oberschicht in paradiesischen Welten fernab von den Armen leben. Zwischen genau diese beiden Parteien geraten die Hauptfiguren, als sie ein Kind entdecken, das eine wertvolle und mächtige Waffe zu sein scheint, sodass mehrere Parteien Interesse an diesem Objekt haben. Die eigentlichen Müllsammler, bestehend aus einem ehemaligen Soldaten, einem ehemaligen Clan-Anführer, einer ehemaligen Forscherin und einem Roboter, versuchen nicht nur bei dem Chaos um das Kind zu bestehen, sondern auch das Richtige zu tun. Und hier kristallisiert sich auch das wahre Herz des Films heraus - die Crew. Die vier Hauptfiguren sind mit viel Liebe geschrieben und dargestellt, sodass man stets mit ihnen mitfiebert. Vor allem Jin Seon-kyu, der bereits im Kassenhit Extreme Job herrlich aufspielte, macht als ehemaliger Verbrecher eine großartige Figur und sorgt im Zusammenhang mit der knuffigen Park Ye-rin für die schönsten und auch amüsantesten Augenblicke. Mit der Park erweisen sich die Südkoreaner einmal mehr als Spezialisten beim Casting von Kindern. Sie verkörpert die laufende Waffe mit so viel Herzlichkeit, sodass man ebenso wie die Crew von Außenseitern von ihr vollkommen verzaubert wird und sie einfach nur vor allem Übel beschützen möchte. Folglich ruft die Kleine bei der raubeinigen Crew unweigerlich die menschlichen Seiten hervor. Und diese Seiten werden nicht nur von dem bereits erwähnten Jin hervorragend umgesetzt, sondern auch Schauspielpartner Song Joong-ki meistert diese Aufgabe mit Bravour. Der aus dem Computer stammende Roboter Bubs fügt sich ebenso mit seiner trockenen Art in das Gesamtkonstrukt der Figuren ein und sorgt auch immer wieder für einige bestens unterhaltende Augenblicke. Vor allem der untere Teil seines Kopfes macht immer wieder Spass, wenn auf die einfachsten Arten sich dort seine Emotionen widerspiegeln. Einzig die vielfach verdient ausgezeichnete und folglich eigentlich stets starke Die Taschendiebin- und Mr. Sunshine-Darstellerin Kim Tae-ri wirkt als Captain des Raumschiffes in ihrer aufgesetzten Coolness häufig wie ein Fremdkörper. In den einfühlsamen Momenten blitzt dann zwar ihre schauspielerische Qualität für einige Sekunden auf und man wird darin erinnert, warum man sie in anderen Projekten bestaunt hat, doch kommen diese viel zu wenig vor. Dennoch gelingt es ihren Kollegen dieses Manko häufig aufzufangen, sodass es wenig ins Gewicht fällt.
    Bei den Figuren, der kreierten Welt wie der sozialen Dynamik, die in Space Sweepers vorherrscht wird man unweigerlich an die Kultserie Firefly und den dazugehörigen Kinofilm Serenity erinnert - und das ist definitiv kein schlechtes Vorbild. Aber Jo kopiert die Titel nicht einfach, sondern gewinnt dem Ganzen auch reichlich neue Aspekte ab, drückt dem Ganzen seinen Stempel auf und mixt so ein temporeiches und wildes SciFi-Abenteuer.

    © 2021 Netflix


    Die Action ist dabei hochwertig eingefangen und die Effekte können sich durch die Bank sehen lassen. Nur in ganz wenigen Szenen schimmert es durch, dass für die Special Effects nicht das Budget zur Verfügung stand, wie es bei amerikanischen Blockbustern der Fall ist. Ansonsten bewegt sich Space Sweepers visuell auf einem ebenbürtigen Niveau und braucht sich nicht hinter den großen Produktionen aus Hollywood zu verstecken.
    Die Actionszenen bieten einige eindrucksvolle Momente und sind stets rasant inszeniert. Zwar verpasst man es hier ein wenig, sich von anderen hochwertigen Produktionen abzuheben, wie es den Koreanern beispielsweise immer wieder bei ihren Action-Thrillern gelingt, bleibt aber wenigstens auch nicht hinter der Konkurrenz liegen.

    Dramaturgisch bewegt man sich auch nicht allzu sehr auf neuen Pfaden, was bei einem qualitativ hochwertigen mit liebevollen Figuren ausgestatteten Werk wie diesem aber auch nicht allzu sehr gravierend ausfällt. Lediglich bei der Laufzeit hätte man da durchaus etwas die Handlung straffen können. Durchhänger lässt Regisseur Jo aber dennoch nicht zu, sodass Space Sweepers zu keinem Zeitpunkt langweilig ist. Dafür gibt es einfach zu viele unterhaltsame Augenblicke, wodurch selbst die ruhigen, actionfreien Szenen nicht an Tempo verlieren.
    Was Space Sweepers allerdings frisch umgesetzt hat, ist der große Mischmasch an Sprachen. Hier tummeln sich Sprachen aus der ganzen Welt, sodass man in diesem Fall auch nicht um Untertitel herumkommt. Jede Figur spricht hier seiner Herkunft entsprechend. Verstehen können sich alle untereinander über ein kleines Gerät im Ohr, das die Sprachen jeweils in die heimische übersetzt. Folglich bietet es sich in diesem Fall deutlich an, das Werk in der Originalversion zu schauen und nicht auf die deutsche oder gar (fürchterliche) englische Synchronfassung zurückzugreifen. Das Durcheinander der Sprachen mag zu Beginn vielleicht etwas chaotisch wirken, fügt sich aber sehr schnell organisch in das Geschehen ein und ist letztendlich deutlich naheliegender - vor allem da Space Sweepers lediglich gut 70 Jahre in der Zukunft spielt - als dass überall die gleiche Sprache gesprochen wird.

    Letztendlich ist Space Sweepers ein unterhaltsames und temporeiches SciFi-Abenteuer geworden, das dramaturgisch zwar wenig Neues bietet, bei den Figuren sich aber von zahlreichen Genrevertretern abhebt. Das Werk von Jo macht viel Spass und zeigt, dass vielversprechende Blockbuster nicht nur aus Hollywood kommen müssen.

    © 2021 Netflix

    Fazit


    Südkorea zeigt mit Space Sweepers, dass sie rasantes und unterhaltsames Blockbusterkino kreieren können, das sich in Sachen Special Effects, Ausstattung und Action nicht hinter Großproduktionen aus Hollywood zu verstecken braucht. Auch wenn man sich dramaturgisch zum größten Teil an bereits Dagewesenes orientiert, gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Jo Sung-hee sich mit seinen liebevollen Figuren von der Standardware abzuheben. So ist sein SciFi-Werk ein spassiges und teils sogar berührendes Abenteuer geworden.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    승리호 (Seungriho) / Space Sweepers (engl. Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Netflix
    Regie:
    Jo Sung-hee
    Drehbuch:
    Jo Sung-hee
    Kamera:
    Byung Bong-sun
    Genre:
    SciFi, Action, Abenteuer
    Darsteller:
    Kim Tae-ri, Song Joong-ki, Jin Seon-kyu, Park Ye-rin, Richard Armitage, Kim Mu-yeol
    Start (DE):
    05.02.21 (Netflix)
    Start (USA):
    05.02.21 (Netflix)
    Laufzeit:
    136 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Space Sweepers-05.jpg

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