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Boss Level

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  • Einleitung


    Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Joe Carnahan (The Grey) ist seit geraumer Zeit ein viel beschäftigter Mann - vor allem im Actiongenre. Dabei kam er in den letzten Jahren in erster Linie seiner Arbeit als Produzent und Drehbuchautor nach. Nach etwa fünf Jahren Regiepause kehrt er mit Boss Level zurück und offenbart einmal mehr seinen Hang zu augenzwinkernder und überhöhter Action.

    Im Zentrum von Boss Level steht das ehemalige Special-Forces-Mitglied Roy Pulver, der seinen Todestag immer und immer wieder erleben muss. Dabei wird er von einer ganzen Horde Krimineller gejagt, die ihm jedes Mal aufs Neue aber immer wieder auf andere Weise dabei jedoch stets auf gewaltsame Weise das Licht ausknipsen. Um das aufzuhalten muss er der Ursache für die Zeitschleife auf den Grund gehen.

    Als Darsteller sind unter anderem Frank Grillo (Warrior), Mel Gibson (Lethal Weapon) konnte Carnahan, Naomi Watts (The Impossible), Michelle Yeoh (Police Story 3), Annabelle Wallis (Peaky Blinders), Mathilde Ollivier (Operation: Overlord) und Ken Jeong (Hangover) zu sehen.

    © 2021 Leonine

    Kritik


    Boss Level katapultiert den Zuschauer direkt mitten ins Geschehen, sodass gleich in den ersten Minuten die Weichen gestellt werden und jedem klar ist, was hier auf einen zukommt. Joe Carnahan feuert bereits in dieser Phase eine Unmenge an abgefahrenen Ideen ab, sodass der Unterhaltungsfaktor gleich in enorme Höhen schießt. Die gekonnt inszenierte Action, die augenzwinkernde Erzählung, ein bestens aufgelegter Hauptdarsteller und ein angenehm hoher Gewaltgrad machen so direkt klar, dass hier einer der unterhaltsamsten Filme des Jahres in den Starlöchern steht. Bei vielen Werken dieser Art wird nur leider dieses Pulver dann gleich in diesen Augenblicken verschossen und es folgt ein ernüchternder und wenig begeisternder Rest. Boss Level gehört glücklicherweise nicht zu diesen Filmen. Man hat das Gefühl dass Carnahan und seine beiden Co-Autoren Eddie und Chris Borey (Open Grave) nur so vor abgefahrenen Ideen sprudeln. Immer wieder tauchen herrlich bizarre Dialoge zwischen den völlig überhöhten Actionszenen auf, die dazu noch mit fantastisch absurden Figuren garniert werden. Und wäre das nicht schon genug, bieten die Autoren und der Regisseur auch noch immer wieder großartig groteske Situationen. Folglich macht Boss Level in diesen Momenten einfach nur einen höllischen Spaß. Vor allem Carnahans Zuneigung für verrückte Figuren macht besonders Freude. So sind die Auftragskiller, die dem Protagonisten Roy das Leben zur Hölle machen, immer wieder ein kleines Highlight - alleine die Spitznamen, die Roy ihnen gibt, sind zum großartig - und das, obwohl die Figuren gar nicht so viel Raum einnehmen. Doch werden die Augenblicke, in denen sie tätig werden, derart effektiv genutzt, dass sie durchgehend einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ganz besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle Selina Lo, die als Guan Yin (ja, diesen Namen bekommt man in dem Film reichlich zu hören) Roy unzählige Male enthauptet und das mit einem derartigen Stilbewusstsein wie Charme erledigt, dass wirklich jede Tötung zu einer kleinen Attraktion wird. Der Regisseur fängt diese Szenen dazu auch noch erstklassig überzogen ein, dass das Ganze einen immer wieder aufs Neue zum Lachen bringt.
    Grundsätzlich werden aber die Arten, wie Roy das zeitliche segnet, nie abgegriffen oder eintönig. Dafür überraschen die Macher den Zuschauer einfach viel zu häufig mit ihrem Ideenreichtum.

    Neben der launigen Inszenierung muss man dem Regisseur aber auch sein ernstzunehmendes Können bei der Umsetzung der Actionszenen zusprechen. Diese sind nicht nur toll choreografiert, sondern auch ebenso makellos eingefangen. Ohne großes Schnittgewitter oder erschütternder Wackelkamera hält Carnahan hier das Tempo hoch und lässt die Bilder für sich sprechen. Und Hauptdarsteller Frank Grillo verleiht diesen Szenen noch zusätzlich einen spürbaren Coolnessfaktor.
    Der Darsteller mit italienischen Wurzeln zeigt sich aber auch generell von seiner besten Seite und trägt den Film spielend. Neben den herrlichen Auftragskillern und dem Protagonisten kränkelt Boss Level aber an seinen wichtigen Nebenfiguren. Zwar sind diese mit Mel Gibson und Naomi Watts namhaft besetzt, doch sind ihre Charaktere so oberflächlich und austauschbar, dass die beiden Darsteller permanent notorisch unterfordert wirken. Wo Gibson noch zumindest mit einem tollen Monolog über eine Python und einen Eber seine große darstellerische Qualität durchblicken lassen kann, wird Watts nicht einmal ein solcher Moment gegönnt. So wirken die Szenen der beiden leider stets unbefriedigend.
    Das liegt allerdings nicht nur an ihren überraschend standardisierten Figuren, die in dem Werk wie ein Fremdkörper wirken, sondern auch an der Dramaturgie, die mit ihnen einhergeht. Mit der Beziehung von Watts Figur Jemma zu Roy wollten die Macher Boss Level noch eine ernstzunehmende Note verpassen. Doch anstatt, dass dieser Handlungsstrang dem Film eine emotionale Note wie dramaturgische Tiefe verleiht, bringt er lediglich den Erzählrythmus immer wieder ins Straucheln. So wird Boss Level in diesen Szenen immer wieder unnötig ausgebremst. An dieser Stelle hätte man sich an dem tonal ähnlichen Film Crank orientieren sollen, der es geschafft hat, das Tempo mit durchgängig abgedrehten Ideen am Limit zu halten. Zweifellos wäre das den Verantwortlichen hinter Boss Level auch geglückt, da es an Ideen bestimmt nicht gehapert hätte. Letztendlich nimmt sich der Film in diesen Augenblicken einfach zu ernst, was schlicht und ergreifend nicht zu dem großartig überdrehten Rest passen möchte. Ähnlich verhält es sich mit der Storyline um Roys und Jemmas Sohn, was besonders schade ist, da Jungschauspieler Rio Grillo (tatsächlich der echte Sohn von Hauptdarsteller Frank Grillo) mit seinem Spielfilmdebüt eine tolle Darbietung präsentiert.

    © 2021 Leonine


    Auch wenn die gerade genannten Punkte wie das erschreckend einfallslose Ende Boss Level spürbar an Qualität berauben, bleibt das Werk abseits davon ein tierisch unterhaltsames Actionfeuerwerk, das dem eigentlich ziemlich abgegriffenen Prinzip der Zeitschleife noch einmal eine überraschend eigene Note verpasst.


    Fazit


    Boss Level pulsiert nur so vor herrlich absurden Ideen, völlig überhöhter Action und verrückten Figuren. Dazu gesellt sich ein vor Coolness strotzender Hauptdarsteller und eine makellose Inszenierung, sodass das Werk bereits jetzt eines der unterhaltsamsten der letzten Zeit ist. Leider wird der Film immer wieder unnötig von unpassend ernsten Augenblicken ausgebremst, was Boss Level letztendlich an seiner möglichen Durchschlagskraft einschränkt.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Boss Level
    Land:
    USA
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Leonine Studios
    Regie:
    Joe Carnahan
    Drehbuch:
    Chris Borey, Eddie Borey, Joe Carnahan
    Kamera:
    Juan Miguel Azpiroz
    Musik:
    Clinton Shorter
    Genre:
    Action
    Darsteller:
    Frank Grillo, Naomi Watts, Mel Gibson, Selina Lo, Ken Jeong, Michelle Yeoh, Annabelle Wallis
    Start (DE):
    16.04.2021 (digital), 23.04.2021 (DVD, Blu-ray)
    Start (USA):
    05.03.2021
    Laufzeit:
    94 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Boss-Level-02.jpg

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    4.380 mal gelesen

Kommentare 3

  • Benutzer-Avatarbild

    ManWithTheGun -

    Großartiger Streifen! Hab ich mir direkt auf Bluray gekauft. Nur die Synchro von Gibson ist grauenhaft...

    • Benutzer-Avatarbild

      ElMariachi90 -

      Dann einfach auf Englisch schauen ;) Aber es freut mich, dass der Film dir auch so gut gefallen hat.

    • Benutzer-Avatarbild

      ManWithTheGun -

      Warum sollte ich das tun? ;) Mache ich nie, werde ich nie. Dafür haben wir einfach eine zu gute Synchro-Kultur.