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Tunnel

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  • Einleitung


    Dem weltweiten Publikum wurde Regisseur und Drehbuchautor Kim Sung-hoon vor allem durch die Netflix-Serie Kingdom bekannt, die das Zombiefilmkonzept gelungen in ein historisches Setting verlagerte. Doch bevor er mit der beliebten Horrorserie Erfolg hatte, landete er in seinem Heimatland mit dem Katastrophenfilm Tunnel einen Kinohit, der über 7 Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser lockte.

    Im Zentrum von Tunnel steht der Geschäftsmann Jeong-su, der auf dem Weg nach Hause zu seiner Frau und seiner kleinen Tochter einen erst kürzlich neu errichteten Tunnel durchqueren muss. Doch als er mittendrin steckt beginnt der Tunnel einzustürzen und Jeong-su wird in seinem Auto unter Tonnen von Geröll begraben. Alles was ihm in dort noch bleibt, sind sein Handy, zwei kleine Flaschen Wasser und die Geburtstagstorte seiner Tochter. Während er mit dem wenigen Vorrat über die Runden zu kommen, versuchen Hilfskräfte mit aller Macht zu ihm durchzudringen. Doch die Menge an Gestein und die schwierige Lokalisierung von Jeong-su lässt die Rettungsaktion zu einem langwierigen Prozess werden.

    Als Darsteller sind unter anderem Ha Jung-woo (Ashfall), Donna Bae (Sense8) und Shin Jung-keun (Mr. Sunshine) zu sehen.

    Das Drehbuch verfasste Regisseur Kim selbst auf Grundlage des Romans von So Jae-won.

    © 2021 Busch Media Group

    Kritik


    Visuell ist Tunnel erwartungsgemäß stark. Regisseur und Drehbuchautor Kim Sung-hoon beweist auch hier einmal mehr, dass er es versteht optisch seine Geschichte einnehmend einzufangen. Untermauert wird die inszenatorische Souveränität noch von gelungenen Effekten und einer starken Ausstattung. So überträgt sich die klaustrophobische Situation, in die der Protagonist unfreiwillig gerät, unweigerlich auf den Zuschauer. Anders als bei dem thematisch verwandten Daylight, setzt Kim hier aber mehr auf Drama und die beklemmende Atmosphäre, als auf temporeiche Actionszenen. Doch genau an dem Punkt gerät Tunnel etwas ins Wanken, da Kim seinen Figuren nicht den Tiefgang erlaubt, der die Laufzeit von gut zwei Stunden rechtfertigt. Folglich schleichen sich bei dem eigentlich makellos inszenierten Drama immer wieder Längen ein. Aber nicht nur bei der Figurenzeichnung zeichnen sich Schwächen ab. Auch dramaturgisch trifft Kim immer wieder etwas unvorteilhafte Entscheidungen. Vor allem die Rettungskräfte werden erschreckend inkompetent dargestellt, sodass die Glaubwürdigkeit an dieser Stelle regelmäßig in Frage gestellt wird. Auch der häufig deplatziert wirkende Humor beraubt Tunnel seiner dramatischen Kraft. Letztendlich verliert der Film dadurch einiges an Potential.

    Die Thematik bietet natürlich eine hervorragende Grundlage für einen Schauspieler zu glänzen. Mit Ha Jung-woo hat man als Protagonist Jeong-su, der unter den Tonnen von Gestein begraben ist, auch einen südkoreanischen Hochkaräter gewinnen können. In zahlreichen Filmen wie The Chaser, Die Taschendiebin oder The Yellow Sea bewies dieser seine darstelleririschen Qualitäten wie seine Vielseitigkeit. Doch nutzt Ha hier die Möglichkeit kaum seine fraglos vorhandenen Qualitäten auszuspielen. Zwar bleibt seine Darstellung stets sympathisch, was das Interesse des Zuschauers an seinem Schicksal aufrecht erhält, doch verleiht er seiner Figur wenig emotionale Tiefe, sodass die erschreckende Situation, in der er sich befindet, zu kaum einem Zeitpunkt die zugrundeliegende Kraft entwickelt. So wird sein Überlebenskampf nie wirklich vollends greifbar und die lebensbedrohliche Situation verkommt häufig zu einer Behauptung, da auch die weichenden Kräfte und die mangelnde Wasseraufnahme nie wirklich glaubhaft transportiert wird. Dank der souveränen visuellen Umsetzung kann dieser Schwachpunkt zumindest ein wenig aufgefangen werden.
    Ansonsten bewegt man sich darstellerisch durchgehend auf ordentlichem Niveau. Vor allem die in den letzten Jahren häufig etwas enttäuschende Doona Bae zeigt als besorgte Ehefrau in Tunnel eine wirklich angenehm warme Performance, sodass man mit ihr sogar am meisten mitfühlt.

    Kim versuchte hier und da auch noch etwas Sozialkritik zu äußern, die aber leider dermaßen plakativ geworden ist, dass diese sich in das Geschehen einfach nicht einfügen wollte. Und doch ist Tunnel bei all den Schwächen kein schlechtes Werk geworden. Durch die durchweg sympathischen Figuren und die routinierte Inszenierung wird man als Zuschauer dennoch abgeholt und fiebert mit den Charakteren mit. Letztendlich hat man lediglich nur zu viele Möglichkeiten liegen gelassen, sodass das Werk nicht die emotionale wie atmosphärische Kraft entwickelt, die hätte möglich sein können.

    © 2021 Busch Media Group

    Fazit


    Tunnel ist visuell durchgehend einnehmend eingefangen, sodass die Schwächen im Bereich Dramaturgie häufig kaschiert werden. Die sympathischen wenn auch wenig tiefgreifenden Figuren erleichtern das Mitfiebern spürbar, wodurch trotz einiger Längen ein leicht überdurchschnittliches Sehvergnügen entsteht. Bei der Prämisse wäre nur deutlich mehr möglich gewesen.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    터널 (Teoneol) / Tunnel (englischer Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2016
    Studio/Verleih:
    Showbox / Busch Media Group
    Regie:
    Kim Sung-hoon
    Drehbuch:
    Kim Sung-hoon, So Jae-won (Buch)
    Kamera:
    Hong Seung-hyuk
    Musik:
    Mom Young-jin
    Genre:
    Drama, Katastrophenfilm
    Darsteller:
    Ha Jung-woo, Doona Bae, Shin Jung-keun
    Start (DE):
    16.04.2021 (Heimkino)
    Start (USA):
    26.08.2016
    Laufzeit:
    126 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Tunnel-04.jpg

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