Promising Young Woman

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  • Einleitung


    Mit Promising Young Woman bringt Regisseurin Emerald Fennell einen Rachethriller der anderen Art auf die hiesigen Leinwände. Als Belohnung gab es bei der diesjährigen Oscarverleihung gleich fünf Nominierungen, unter anderem für Bester Film und Beste Hauptdarstellerin, und gewann einen Goldjungen für das Beste Originaldrehbuch.

    Sie ist verführerisch, extrem gerissen und ihre Rache wird bittersüß! Von Cassie (Carey Mulligan) hieß es immer, sie sei eine vielversprechende junge Frau. Aber jetzt findet man sie immer öfter abends, vermeintlich betrunken, in einer Bar. Welcher Mann erwartet da noch etwas von ihr – außer leichte Beute zu sein? Ein fataler Irrtum …



    Kritik


    Sogenannte Rape and Revenge-Thriller gibt es viele auf dem Markt, doch Promising Young Woman ist da etwas anders gestrickt, auch wenn er im Grunde in dieselbe Kerbe schlägt. Zum einen ist der Film knallbunt und mit teils fröhlichen Popsongs untermalt. Und zum anderen weicht die Prämisse hier weit genug vom Subgenreeinerlei ab, um ein eigenständiges Merkmal aufzuweisen, welches den Film zu etwas Einzigartigem macht.

    Die größte Stärke von Promising Young Woman ist wohl die Mischung aus unterhaltsamer Racheaction und der harten Gesellschaftskritik, die an den Tag gelegt wird. Wenig subtil versteckt, zeigt der Film hier die leider nach wie vor vorhandenen Missstände auf. Auf überspitzte (oder wahrscheinlich traurigerweise auch eher nicht) Art und Weise, wird auf die Situationen hingewiesen, mit denen Frauen nach wie vor tagtäglich zu kämpfen haben; von vielen nur auf ihr Äußeres reduziert und als leichte Beute oder Trophäe angesehen. Promising Young Woman geht mit diesen Zuständen hart ins Gericht, zeigt überdeutlich auf, wie verletzend, anmaßend und überaus falsch diese Dinge sind. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen und vor so gut wie nichts zurückgeschreckt – vor allem im Finale wird dies mehr als deutlich.

    Doch wie geht man als Film dem entgegen? Zum einen natürlich, überhaupt erstmal einen Film über dieses Thema zu drehen und ihn dann auch noch so zu gestalten, dass er möglichst viele anspricht. Durch die fantastische Darstellung von Carey Mulligan und ihrer Figur Cassandra, die alles hinter sich lässt, nachdem sie eine einst vielversprechende Zukunft hatte. Ihr Charakter ist authentisch geschrieben, ihre Wut und Verzweiflung ist deutlich spürbar und überträgt sich umgehend auch auf die Zuschauer.

    Promising Young Woman macht es sich an dieser Stelle auch nicht einfach und lässt sie nicht schlicht ihren Rachegelüsten nachgehen. Es wird ihr eine Verletzlichkeit zugestanden, wie es auch im echten Leben sein sollte. Immer dann, wenn sie den Spieß umdreht und sich aus ihrer Opferrolle heraus begibt und selbst die Initiative übernimmt, ist es wie ein Befreiungsschrei, der vorher unbeachtet blieb und von niemandem gehört wurde.

    Der Ekel, der ihr entgegenschlägt, mag vielen Zuschauern als überzeichnet oder sogar völlig übertrieben dargestellt vorkommen. Doch gerade das Empfinden von Angst und Verzweiflung ist völlig subjektiv und insbesondere Menschen, die damit tagtäglich konfrontiert werden, empfinden dies nochmal völlig anders. Promising Young Woman ist in seiner Form richtig und wichtig, diese Missstände sind nach wie vor in unserer vermeintlich modernen Gesellschaft vorhanden – und das muss sich ändern. Promising Young Woman versucht hier einmal mehr zu vermitteln, was es für Frauen heißt, bedrängt und auf ihre Körper reduziert zu werden, völlig ohne Empathie oder wirklicher Wahrnehmung ihrer Persönlichkeit. Und genau das, schafft der Film hervorragend zu vermitteln, ohne dabei jedoch die Unterhaltung aus den Augen zu verlieren. Die Art und Weise, wie Cassandra Rache an ihren Peinigern und insbesondere ihrer Vergangenheit nimmt, ist hoch unterhaltsam inszeniert und bietet neben einigen befriedigenden Momenten auch den ein oder anderen Schmunzler, der stets richtig platziert ist.



    Fazit


    Promising Young Woman dürfte einer der wichtigsten und aktuellsten Filme des Jahres sein. Hervorragend inszeniert und gespielt, fesselt er gleich von der ersten Minute an und schafft es über die gesamte Laufzeit ein Gefühl von Spannung, Spaß und purem Ekel zu halten. Dabei wird eine hohe Empathie und Offenheit an den Tag gelegt, die man in der realen Welt leider viel zu häufig vermisst. Jedweder Preis, für den der Film nominiert oder ausgezeichnet wurde ist leider viel zu wenig, wenn sich nicht auch in der Realität etwas ändert und solche Filme und deren Message überflüssig werden.


    8/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Promising Young Woman
    Land:
    USA
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    Universal Pictures
    Regie:
    Emerald Fennell
    Produzent(en):
    Emerald Fennell, Carey Mulligan, Ben Browning, Margot Robbie
    Drehbuch:
    Emerald Fennell
    Kamera:
    Benjamin Kracun
    Musik:
    Anthony Willis
    Genre:
    Drama, Thriller
    Darsteller:
    Carey Mulligan, Bo Burnham, Alison Brie, Clancy Brown, Adam Brody, Sam Richardson, Laverne Cox
    Inhalt:
    Sie ist verführerisch, extrem gerissen und ihre Rache wird bittersüß! Von Cassie (Carey Mulligan) hieß es immer, sie sei eine vielversprechende junge Frau. Aber jetzt findet man sie immer öfter abends, vermeintlich betrunken, in einer Bar. Welcher Mann erwartet da noch etwas von ihr – außer leichte Beute zu sein? Ein fataler Irrtum …
    Start (DE):
    19. August 2021
    Start (USA):
    25. Dezember 2020
    Laufzeit:
    113 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.upig.de/micro/promising-young-woman
    Bilder
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