ANZEIGE

Cruella

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Seit knapp zehn Jahren werkelt Disney regelmäßig an Realverfilmungen zu ihren Zeichentrick-Klassikern. Neben fast eins-zu-eins-Adaptionen wie Der König der Löwen oder Die Schöne und das Biest gab das Studio Filmemachern auch hin und wieder die Chance, sich von der hauseigenen Vorlage zu lösen und eine Neuinterpretation des Stoffes zu wagen, was sich in Werken wie Mulan oder Elliot, der Drache zeigte. Mit Malefiecent probierte das Produktionsstudio darüber hinaus erfolgreich die Geschichte einer Bösewichtin (in dem Fall aus Dornröschen) ins Zentrum zu rücken und die Beweggründe ihres Handelns aufzuzeigen. Mit Cruella bekommt nun die nächste ikonische Schurkin ihren eigenen Film spendiert, nachdem es bereits 1996 eine Realverfilmung der Zeichentrickvorlage von 101 Dalmatiner aus dem Jahr 1961 gab. Damals porträtierte noch eine beeindruckende Glenn Close (Damages) die bösartige Figur. In ihrem Soloauftritt wird Cruella de Vil nun von Emma Stone (The Help) verkörpert.

    Cruella spielt im London der 70er Jahre, wo die Trickbetrügerin Estella versucht sich mit ausgefallenen Looks einen Namen zu machen. Als sie auf die Baronin von Hellman, eine Modelegende, trifft, werden Ereignisse in Gang gesetzt, die letztendlich Estella zu der gefürchteten Cruella de Vil werden lässt, der auf der Jagd nach dem perfekten Design jedes Mittel recht ist.

    Neben Stone sind in weiteren Rollen unter anderem Emma Thompson (Saving Mr. Banks), Paul Walter Hauser (I, Tonya), Joel Fry (Yesterday) und Mark Strong (Kick-Ass) zu sehen.

    Inszeniert wurde das Werk von Craig Gillespie (I, Tonya).

    © 2021 Disney

    Kritik


    In Cruella lässt Regisseur Craig Gillespie gleich zwei Oscarpreisträgerinnen aufeinander los. Und diese Qualität merkt man dem Film auch an, da Hauptdarstellerin Emma Stone sowie Antagonistin Emma Thompson nicht nur für eine Rolle bereits bei diversen Filmpreisen ausgezeichnet wurden. Somit ist das schauspielerische Niveau der Beiden unumstritten. Und Cruella macht dabei keine Ausnahme. Mit viel Enthusiasmus und vor allem merklich viel Spaß an ihren Rollen schmeißen sich die beiden einnehmenden Darstellerinnen in ihre Rollen, sodass es unglaublich viel Freude bereitet den beiden zuzuschauen. Thompson verkörpert ihre eiskalte Modeikone mit so viel Klasse und setzt nuancierte immer wieder kleine Akzente. Letztere kommen ganz besonders immer wieder im Zusammenspiel mit Emma Stone zur Geltung, da es Thompson gelingt ihrer Baronin im glaubhaften Rahmen ihrer herablassenden Figur Bewunderung für Stones Stella durchschimmern zu lassen, aber sie sich im gleichen Zuge auch in gewisser Weise bedroht von ihrem Talent fühlt.
    Stone hingegen darf deutlich extrovertierter arbeiten und ihr gelingt es mit Bravur die liebevollen Seiten ihrer Stella zu zeichnen, aber ebenso die abgründigen, wenn sich Stella nach und nach in Cruella verwandelt. Gerade bei der bösen Seite ihrer Figur ist Stones Spielfreude nicht zu übersehen. Und diese Energie, dieser Spaß an dem Charakter überträgt sich wunderbar auf den Zuschauer, sodass sie sich in keiner Weise hinter der erstklassigen Performance von Glenn Close aus der Realverfilmung von 101 Dalmatiner zu verstecken braucht.

    Aber nicht nur durch Stones Darbietung ist der Wandel von Estella zur ruchlosen Cruella de Vil nachvollziehbar geglückt. Auch dramaturgisch haben sich die Autoren gerade bei der Figurenzeichnung einen glaubhaften Weg erdacht, sodass man die Beweggründe des Charakters sehr gut nachempfinden kann. Lediglich bei der eigentlichen Geschichte geht man nicht so inspiriert vor, wie man es bei vielen anderen Aspekten des Werks getan hat. Die Wendungen sind wenig überraschend und teils auch wenig mutig. Aber vor allem ist Estellas Streben nach Ruhm und Erfolg im Schatten einer Modeikone nur selten wirklich spannend. Das heißt aber nicht, dass der Film nicht dennoch Spaß macht. Denn abseits der starken Darsteller ist es auch der launigen Songauswahl und der recht temporeichen Inszenierung von Regisseur Gillespie geschuldet, dass Cruella trotz Spannugsarmut nie wirklich langweilig wird. Ganz besonderen Anteil daran hat darüber hinaus auch die abermals herausragende Arbeit von Oscarpreisträgerin Jenny Beavan (Mad Max: Fury Road), die mit ihren Kostümen den nächsten Academy Award sicher haben dürfte. Denn die Kleidungsstücke sind dermaßen ausgefallen und gleichermaßen faszinierend sowie zeitlich passend, dass sie zum kleinen Herzstück des Films heranwachsen.
    Leider stehen der hervorragenden visuellen Gestaltung wiederum einige nicht sonderlich geglückte Computereffekte entgegen, die dem Ganzen unnötig an Klasse berauben. Gerade die animierten Hunde lassen das Werk in diesem Aspekt teilweise hinter der 25 Jahre älteren Realverfilmung von 101 Dalmatiner zurückstehen.

    © 2021 Disney


    Fans des Zeichentrickfilms dürfen sich über einige gelungene Verweise auf die Vorlage freuen, die angenehm subtil eingearbeitet wurden. Ganz besonders gelungen ist dabei aber die Mid-Credit-Scene, die die Geschichte der 101 Dalmatiner in ein etwas anderes Licht rückt. Durch solche Ideen macht eine Geschichte in dieser Form besonders viel Spaß und erzielt einen nennenswerten Mehrwert, in dem es die altbekannte Story um spannende Facetten erweitert. Letztendlich gehört so Cruella trotz inhaltlicher Schwächen zu den stärksten Realverfilmungen aus dem Hause Disney. Allerdings gerade der unverdient träge aber vor allem zu ausführliche Beginn um Estella als Kind raubt dem Film, jedoch glücklicherweise nur in der Anfangsphase, ordentlich an Schwung. Das Dranbleiben lohnt sich aber aus den zahlreichen oben genannten Gründen allemal.


    Fazit


    Cruella ist frisch, launig, visuell einfallsreich und kann mit zwei starken Hauptdarstellerinnen überzeugen. Dazu gesellen sich beeindruckende Kostüme, die über die gesamte Laufzeit immer wieder für kleine Highlights sorgen. Lediglich inhaltlich bleibt das Werk trotz gelungener Figurenzeichnungen wie -entwicklungen etwas zu spannungsarm. Auch die teilweise schwachen Computereffekte degradieren die ansonsten überaus gelungene Vorgeschichte der Disney-Schurkin unverdient. Dennoch bereitet Craig Gillespies Film aus reichlich Gründen sehr viel Freude.


    7/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    Cruella
    Land:
    USA
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Disney
    Regie:
    Craig Gillespie
    Drehbuch:
    Dana Fox, Tony McNamara, Aline Brosh McKenna (Story), Kelly Marcel (Story), Steve Zissis (Story)
    Kamera:
    Nicolas Karakatsanis
    Musik:
    Nicholas Britell
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Emma Stone, Emma Thompson, Paul Walter Hauser, Joel Fry, Mark Strong
    Start (DE):
    27.05.2021
    Start (USA):
    18.05.2021
    Laufzeit:
    134 Minuten
    FSK:
    ab 6 Jahren
    Bilder
    • Cruella-01.jpg

      218,65 kB, 1.500×790, 45 mal angesehen

    943 mal gelesen