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Scarlet Innocence

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  • Einleitung


    Nach seinen Horrofilmausflügen mit dem atmosphärischen Antarctic Journal und dem düsteren Hansel & Gretel schweifte er mit Doomsday Book ins Sci-Fi-Genre, bevor er mit Scarlet Innocence ins Drama-Fach wechselte. Doch auch dort blieb es gewohnt abgründig. Denn Regisseur Yim Pil-sung lässt auf seine Liebesaffäre einen düsteren Strudel aus Besessenheit und Vergeltung folgen.

    Im Zentrum des Werks steht der alkohol- und sexsüchtige Literaturprofessor und Schriftsteller Hak-kyu, der nach einer Affäre mit einer Studentin von Seoul in einen kleinen Ort zieht, um die Zeit abzuwarten, bis sich der Trubel um den Skandal wieder gelegt hat. Dort macht der charismatische Professor jedoch bereits die Bekanntschaft mit der nächste hübschen Studentin, die ihm restlos verfällt. Trotz seiner Frau und seinem Kind in Seoul und der turbulenten Geschichte, die dort stattfand, beginnt er seine nächste leidenschaftliche Affäre. Als er jedoch die Möglichkeit bekommt in die südkoreanische Hauptstadt zurückzukehren, lässt er seine Geliebte Deokee eiskalt zurück. Für sie bricht eine Welt zusammen und ihr Leben, wie sie es kennt rinnt ihr nach und nach durch die Finger – bis sie eines Tages beschließt, es ihrem ehemaligen Schwarm skrupellos heimzuzahlen.

    In den Hauptrollen sind Jung Woo-sung (Steel Rain) und Esom (Save Me – Staffel 2) zu sehen.

    © 2021 Busch Media Group

    Kritik


    Im ersten Drittel präsentiert Regisseur Yim Pil-sung noch ein schön gefilmtes, sinnliches Drama um eine leidenschaftliche Affäre. Jung Woo-sungs reserviertes Spiel lässt aber bereits zu diesem Zeitpunkt kein gutes Ende für die beiden Geliebten erahnen. Wo Esom als Deokee sich vollkommen in die Beziehung hineinschmeißt und emotional alles investiert, stellt Jung seine Figur abgeklärt und mit einem unbeirrbaren Selbstbewusstsein dar, dass einem auch ohne den bereits im Vorfeld angemerkten Skandal klar ist, dass der Professor dies nicht zum ersten Mal tut. Die in dieser Phase begleitenden Off-Texte wirken zwar häufig etwas aufgesetzt und dazu pseudo-literarisch, doch kann die souveräne Inszenierung von Yim Scarlet Innocence eine gewisse Faszination zuschreiben. Mit in dieser Etappe teils überbelichteten Bildern erweckt der Filmemacher auf relativ simple aber dennoch zweckmäßige Weise so ein Gefühl der Wohligkeit.

    Dies bricht der Regisseur doch ziemlich rabiat mit dem Beginn des zweiten Drittels. Die Tonalität wechselt spürbar und auch visuell wird es deutlich düsterer. Deokees dramatisches Schicksal wird vorerst als gegeben belassen und man konzentriert sich inhaltlich auf den Werdegang des Professors. Trotz eines dramatischen Schicksalsschlags entwickelt sich seine Karriere als Schriftsteller rasant zu großem Erfolg. Sein Leben genießt er dabei ausgiebig mit viel Alkohol und Sex. Seine Tochter bleibt bei diesem Lebensstil zwar auf der Strecke, doch scheint das dem zu dem Zeitpunkt mittlerweile erfolgreichen Autor nur recht wenig zu belasten. Erst als die nächste Hiobsbotschaft an ihn herangetragen wird, scheint sich seine Lebenseinstellung und seine Prioritäten etwas zu ändern. Und genau in dieser Phase tritt Deokee wieder in sein Leben – jedoch ohne, dass er das merkt. Und sie verfolgt einen abgründigen Plan, um das Leben von Hak-kyu zu vernichten. Mit ihren weiblichen Waffen, wickelt sie ihn so um den Finger, wie er es eins auf seine Art bei ihr tat. Nur um ihn nach und nach immer weiter ins Verderben sinken zu lassen. Und dabei nimmt Deokee nicht einmal Rücksicht auf seine Tochter. So entwickelt sich das Werk im letzten Drittel zu einem düsteren Thriller.
    Auch wenn die verschiedenen Wandel durchaus ihre Faszination versprühen, wirken die einzelnen Episoden durch ihre Brüche häufig im Gesamtbild nicht vollends kohärent und der Film mutet etwas zu überladen an.

    Gerade inhaltlich offenbart Scarlet Innocence einige wirklich starke, erschreckende und häufig erfrischend konsequente Ideen. Vor allem Deokees Wut, die durch die unendlich tiefen emotionalen Verletzungen und die physischen Spuren, die die damalige Beziehung mit Hak-kyu zu Tage trug, ist stets greifbar und nachvollziehbar. Und dennoch holt die Figur einen nicht vollends emotional ab, da Esom mit ihrer Figur leider zu häufig überfordert ist. Auch wenn es die Dramaturgie wie die Inszenierung schafft, die Motivationen zu verständlichen, gelingt es der Darstellerin nicht, dass man ihren Schmerz auch nachempfindet. Dafür ist ihre Darbietung einfach nicht tiefgehend genug.
    Auf der anderen Seite steht Jung, der zwar gewohnt souverän seine Rolle füllt, aber zu distanziert bleibt, sodass sein Leid wenig Mitgefühl hervorruft. Ganz besonders aber auch, da er sich im Verlauf der Geschichte nur wenig sympathisch zeigt.
    Folglich wird man trotz des dramatischen Geschehens - besonders emotional - nicht wirklich abgeholt. Auch wenn die Aussage, dass Wut nur immer mehr Wut erschafft, durchaus erschütternd untermauert wird.

    Inszenatorisch kann man dem Film nur wenig anlasten. Regisseur Yim findet visuell immer ordentliche Motive, um seine Geschichte angemessen zu präsentieren. Zwar greift der Filmemacher dafür nicht unbedingt auf innovative Hilfsmittel zurück, was aber dennoch im Ergebnis funktioniert. Mit dem Weglassen der Off-Texte in der Endphase verlagert er den Fokus weg von Hak-kyo auf Deokee, was dramaturgisch gesehen ein starker Schachzug ist, jedoch mit der überforderten Esom leider nicht die nötige Wucht erzielt. Durch die zu oberflächlichen Darstellerleistungen geht Scarlet Innocence so die mögliche aber vor allem notwendige Kraft verloren, die für solch ein Werk unabdingbar ist, damit der Zuschauer abgeholt wird. Auch bei der Figurenzeichnung von Hak-kyu leistet man sich weitreichende Schwächen, da der Charakter durch die unterkühlte Art nie wirklich greifbar ist.

    © 2021 Busch Media Group


    Letztendlich ist Scarlet Innocence ein Machwerk, das mit seiner abgründigen Atmosphäre und den teils erschreckenden Ideen zu überzeugen weiß. Jedoch kommt dem Film von Yim Pil-sung die erforderliche emotionale Kraft abhanden, da seine Figuren einen zu keinem Zeitpunkt auf ihre Reise mitnehmen.

    Fazit


    Regisseur Yim Pil-sung erweist sich einmal mehr als ein Filmemacher, der es versteht atmosphärische Unterhaltung mit abgründigen Ideen zu präsentieren. Jedoch knickt Scarlet Innocence bei seiner Figurenzeichnung und seiner überforderten Hauptdarstellerin ein, sodass die für dieses Werk unverzichtbare emotionale Erschütterung ausbleibt. Zusätzlich wird der Film mit zu vielen dramaturgischen Brüchen überfrachtet, wodurch er kein vollends stimmiges Gesamtbild ergibt. Am Ende wird der Zuschauer somit nie wirklich komplett abgeholt.


    5/10

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    Infos
    Originaltitel:
    마담 뺑덕 (Madam Bbaengdeok) / Scarlet Innocence (engl. Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2014
    Studio/Verleih:
    Cj Entertainment / Busch Media Group
    Regie:
    Yim Pil-sung
    Drehbuch:
    Yim Pil-sung, Jang Yoon-mi
    Kamera:
    Lee Sung-je
    Musik:
    Mowg
    Genre:
    Drama, Thriller
    Darsteller:
    Jung Woo-sung, Esom
    Start (DE):
    20.08.2021 (Heimkino)
    Laufzeit:
    113 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Scarlet-Innocence-04.jpg

      1,36 MB, 1.500×1.000, 55 mal angesehen

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