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Farben der Leidenschaft

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  • Einleitung


    2008 spendierten die Koreaner dem dortigen Bestseller The Painter of the Wind von Lee Jung-myung gleich zwei Adaptionen - eine als gleichnamige Serie und eine Umsetzung als Spielfilm mit dem Titel Portrait of a Beauty. Das Buch widmet sich dem Leben des tatsächlich gelebten kontroversen Malers Shin Yun-bok und arbeitet dabei mit der Hypothese, dass dieser eigentlich eine Frau war, die sich nur als Mann ausgab, um beruflich malen zu dürfen, da dies damals nur Männern gestattet war.
    13 Jahre nach dem Erscheinen in seinem Heimatland, bekommt man nun auch in Deutschland die unkomplizierte Möglichkeit zumindest die Filmadaption zu sehen, die hier den Titel Farben der Leidenschaft trägt.

    Im Zentrum steht Yun-jeong, die Tochter eines ehemals angesehenen Hofmalers, die von ihrem Vater dazu gebracht wird, sich als ihr Bruder auszugeben, nachdem dieser aufgrund seines mangelnden Talents als Maler Selbstmord beging. Yun-jeong soll nun ihre herausragende künstlerische Begabung nutzen, um den Ruf ihres Vaters am Hof wieder herzustellen. Doch ihre Vorliebe für kontroverse und sexuell explizite Malereien bringt sie schon bald in große Schwierigkeiten.

    In der Hauptrolle ist Kim Gyu-ri (Designated Survivor: 60 Days) zu sehen. Neben standen unter anderem noch Kim Nam-gil (The Closet) und Kim Yeong-ho (Empress Ki) vor der Kamera.
    Die Regie verantwortet Jeon Yun-su (Le Grand Chef).

    © 2021 Busch Media Group

    Kritik


    Wenig verwunderlich bei einem Film über Malerei wurde bei Farben der Leidenschaft viel Wert auf die visuelle Gestaltung gelegt. Und in dem Bereich kann man dem Werk auch keinerlei Vorwürfe machen. Die Kulissen, Kostüme und das Szenenbild sind durchgehend auf hohem Niveau und strotzen mit einer tollen Wahl der Farben und einer starken Belichtung. Untermalt von einem wunderschönen und bewegenden Score von Hwang Sang-joon (Shiri) verfehlen die Bilder nicht ihre Wirkung. Leider gelingt es aber Regisseur Jeon Yun-su und seinem Kameramann Park Hui-ju (Daddy-Long-Legs) diese Qualitäten vollends zu nutzen. Sobald sich die Kamera in Bewegung setzt, verlieren die Bilder ein wenig von ihrer Kraft, da die Fahrten viel zu häufig ungünstig gewählt und schlecht getimt sind. Kommt noch der häufig wenig feinfühlige oft sogar laienhaft wirkende Schnitt hinzu, wird den Bildern endgültig der Boden unter den Füßen weggezogen. Viel zu selten lässt Jeon seine Aufnahmen einfach mal für sich stehen und auf den Zuschauer wirken.

    Aber auch darstellerisch bewegt man sich nicht immer auf dem erforderlichen Level, um die Dramatik vollends auszuschöpfen. Auch wenn die beiden männlichen Hauptfiguren durchweg stark dargestellt werden, so kann Kim Guy-ri als Protagonistin den Film nur spärlich tragen. Zugegebenermaßen ist die Darstellerin stets bemüht, schafft es aber nur selten das emotionale Gewicht ihrer Figur greifbar zu machen. Letztendlich stehlen ihr dadurch ihre beiden männlichen Gegenparts Kim Nam-gil und Kim Yeong-ho stets die Show.

    Dramaturgisch kommt das Werk darüber hinaus etwas unausgegoren daher. Zu sehr verlässt man sich auf die visuelle Gestaltung und zu wenig konzentriert man sich auf die emotionalen Hürden, die Yun-jeong zu bewältigen hat. Zahlreiche Konflikte entfalten so kaum ihre tatsächliches Wucht und werden beinahe beiläufig gelöst. Aber ganz besonders die Vorliebe der Malerin für die explizite Darstellung der Sexualität ist wenig nachvollziehbar. Ihre Beweggründe oder die Faszination, die davon ausgeht, bleibt nahezu unbegründet oder schlichtweg behauptet. Stattdessen konzentriert man sich lieber auf eine wenig inspirierende Romanze zwischen ihr und einem Spiegelverkäufer. Anstatt beispielsweise hierüber ihre Faszination für erotische Themen zu erzählen, bleibt die Beziehung der beiden Figuren zu unschuldig und wenig ergreifend.

    Trotz der ganzen Kritik ist Farben der Leidenschaft kein gänzlich gescheiterter Film. Letztendlich lässt er nur zu viel Potential in zu vielen Bereichen liegen, wodurch das Werk über den Durchschnitt nicht hinauskommt.

    © 2021 Busch Media Group

    Fazit


    Farben der Leidenschaft überzeugt durch tolle Kulissen, gelungene Kostüme, einem bewegenden Soundtrack und einer wundervollen Belichtung. Leider werden einige dieser Qualitäten durch eine schwache Regiearbeit unnötig degradiert. Aber auch dramaturgisch wird einiges Potential liegen gelassen, sodass das Werk von Jeon Yun-su nie die emotionale Kraft entwickelt, die der Geschichte eigentlich zugrunde liegt. Nett anzusehen ist das Ganze letztendlich häufig dennoch.


    5/10

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    Infos
    Originaltitel:
    미인도 (Miindo) / Portrait of a Beauty (engl. Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2008
    Studio/Verleih:
    Cj Entertainment / Busch Media Group
    Regie:
    Jeon Yun-su
    Drehbuch:
    Jeon Yun-su, Han Su-ryeon, Lee Jung-myung (Buch)
    Kamera:
    Park Huiju
    Musik:
    Hwang Sang-joon
    Genre:
    Drama, Historienfilm
    Darsteller:
    Kim Gyu-ri, Kim Nam-gil, Kim Yeong-ho
    Start (DE):
    27.08.2021 (Heimkino)
    Laufzeit:
    108 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Farben-der-Leidenschaft-04.JPG

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