ANZEIGE

The Many Saints of Newark

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Knapp über vierzehn Jahre ist es nun her, dass die legendäre 'HBO'-Serie "The Sopranos" zu ihrem Ende gekommen ist. Auch in den vierzehn Jahren hat sich die Serie weiterhin im Gespräch gehalten, nicht zuletzt wegen dem zu seiner Zeit hochgradig umstrittenen Ende. Aber auch während der ernsten Coronaphase lernten viele Zuschauer die Serie während des Lockdowns kennen und lieben. Die Onlineforen sind gefüllt mit Diskussionen wie lange nicht mehr – und nun kommt auch noch ein Film dazu, der die Lore von "The Sopranos" erweitern soll. Vom Erfinder der Serie David Chase höchstpersönlich, unter der Regie des Veteranen Alan Taylor, der auch schon für einige der besten Episoden verantwortlich war. Was kann da schon schief gehen?

    Der Film spielt in der Ära der Newark-Unruhen: Der junge Anthony Soprano wächst in einer der turbulentesten Phasen in der Geschichte Newarks auf. Er ist gerade erst ein junger Mann, als rivalisierende Gangster beginnen, die Vorherrschaft des mächtigen DiMeo-Verbrecherclans infrage zu stellen. Zugleich erschüttern heftige Rassenkonflikte die Stadt. Mittendrin in diesen Zeiten des Wandels: Anthonys geliebter Onkel Dickie Moltisanti, der damit zu kämpfen hat, seine beruflichen und privaten Verpflichtungen miteinander in Einklang zu bringen. Dickies Einfluss auf seinen Neffen ist es schließlich, der aus dem unbedarften Teenager den übermächtigen Mafiaboss macht, den wir später kennenlernen werden: Tony Soprano.



    Kritik


    Was sich jeder Zuschauer und vor allem Fan der Serie gleich bewusst machen sollte: Dies ist kein Film über Tony Soprano, auch wenn es die Trailer und Poster so suggerieren. In erster Linie geht es um Dickie Moltisanti, dem großen Vorbild Tonys, von dem er in der Serie nur lobend gesprochen hat und so etwas wie sein persönlicher Held ist. Des Weiteren sind auch die restlichen bekannten Figuren, wie Silvio, Paulie oder Onkel Junior und Livia nur Nebenfiguren. Sie haben nicht viel Screentime und tragen nur einen kleinen Teil zur Geschichte bei.

    Mit Dickie Moltisanti in der Hauptrolle sollen die alten, glorreichen Tage der Mafia in New Jersey beleuchtet werden. Zumindest glorreich, wenn man den Erzählungen der Figuren glauben schenken mag. Im Großen und Ganzen ist das erwartungsgemäß natürlich nicht so. Die Mafiosi sind weiterhin ein Haufen unsympathischer Menschen, die vor nichts zurückschrecken, solange es ihnen selbst Geld oder sonst welche Vorteile bringt. Auch der große Dickie Moltisanti schlägt in diese Kerbe.

    The Many Saints of Newark will sich vordergründlich um die Charakterisierung des legänderen Dickie Moltisanti kümmern, dabei aber auch das heikle und an sich wichtige Thema rund um die Newark-Unruhen von 1967 behandeln. Diese werden doch leider nur recht stiefmütterlich behandelt, finden eher am Rande statt und haben nicht den großen Einfluss auf die Geschichte, wie man vermuten könnte. Viel mehr werden sie nach einer gewissen Zeit sogar weitestgehend links liegen gelassen und auf einen privaten Konflikt gelenkt, der durch die Aufstände zwar verstärkt wurde, aber auch schon vorher existierte.

    Das alles wäre auch kein Problem gewesen, wenn der Rest des Films komplett überzeugen könnte. Die Charakterisierung der einzelnen Personen ist im Großen und Ganzen zwar interessant und über weite Strecken gelungen, doch insgesamt wollte The Many Saints of Newark zu viel von allem. Die Fans von "The Sopranos" sollten zufrieden gestellt werden, so dass viele Figuren eingebaut wurden, auch wenn diese nur kurz vorkommen, dazu gibt es viele Easter Eggs und Referenzen zu entdecken, ebenso wie einige Szenen, die in der Serie als Rückblicke gezeigt wurden, können hier nun erstmals in voller Länge und mit mehr Kontext gesehen werden. Allerdings versucht der Film auch das Thema rund um die Mafia und ihre Machenschaften in Einklang mit den Aufständen zu bringen. Das alles in einem Topf ist etwas zu viel des Guten und lenkt von den vielen durchaus guten Einzelteilen ab, aus denen The Many Saints of Newark zusammengesetzt wurde. Ein Großteil der einzelnen Versatzstücke funktioniert sehr gut, wie beispielsweise die Idealisierung der Beziehung des jungen Tony Soprano zu seinem Onkel Dickie. Diese Szenen sind zwar rar gesät, machen aber Spaß zu schauen und bieten mit die beste Atmosphäre, die der Film zu bieten hat.

    Die ganz große Stärke des Films liegt, wie auch schon bei der Serie, in den Dialogen. David Chase und sein Co-Autor Lawrence Konner, haben hier wieder hervorragende Gespräche zu Papier gebracht, denen es sehr viel Spaß macht zu lauschen. Auch hier verbergen sich wieder einige Referenzen an die Serie, so dass gerade Kenner noch ein bisschen mehr auf ihre Kosten kommen. Aber auch den Darstellern ist es zu verdanken, dass hier so viel Unterhaltung aufkommt. So gut wie sämtliche Beteiligten machen einen guten Job und verkörpern ihre Figuren mit Leidenschaft und Überzeugung. Vor allem Michael Gandolfini, der seinem leider schon verstorbenen Vater James Gandolfini wie aus dem Gesicht geschnitten ist und mit seiner kompletten Gestik und Mimik an die Schauspiellegende erinnert, ist eine wahre Wucht. Sogar ein Ray Liotta, der ansonsten gerne zum Overacting neigt und dieses dann auch voll auslebt, hält sich hier überraschend gut zurück, so dass dies fast als nuanciertes Spiel bezeichnet werden könnte. Einzig negativ, zumindest wenn man die Serie kennt, fällt John Magaro auf. Seine Version des jungen Silvio Dante erinnert erschreckend an ein billiges Nachäffen des großartigen Steven Van Zandt, so dass seine Leistung oftmals die Szenen schmälert, in denen er zu sehen ist.

    Ein weiteres Highlight ist die musikalische Untermalung, die nicht nur den Zeitgeist gut trifft, sondern auch nahezu nahtlos in jede Szene passt und das Geschehen perfekt untermalt. Auch optisch macht The Many Saints of Newark einiges her. Durch die bekannten Bildkompositionen kommt eine vertraute Atmosphäre auf, in der man sich wohlfühlt und Lust auf Gabagool und ein Porksandwich von Satriales macht.



    Fazit


    Insgesamt ist The Many Saints of Newark bei weitem kein schlechter Film. Er bietet viele gute Ideen, verfügt über talentierte Darsteller und erstklassige Dialoge. Doch leider will der Film viel zu viel auf einmal. Hier hätte sich lieber auf weniger Themen konzentriert und diese dafür dann etwas mehr ausgearbeitet werden sollen. Das bekannte "Sopranos"-Flair schimmert an vielen Stellen durch und auch die Handschrift von David Chase ist überall zu erkennen, doch der ganz große Wurf ist es schlussendlich nicht geworden. The Many Saints of Newark ist ein sehenswerter Film, doch leider auch einer, der viel Potenzial liegen lässt.


    6/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    The Many Saints of Newark
    Land:
    USA
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Warner Bros. Pictures
    Regie:
    Alan Taylor
    Produzent(en):
    David Chase, Lawrence Konner, Nicole Lambert
    Drehbuch:
    David Chase, Lawrence Konner
    Kamera:
    Kramer Morgenthau
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Alessandro Nivola, Leslie Odom Jr., Jon Bernthal, Michael Gandolfini, Billy Magnussen, Vera Farmiga, Corey Stoll, Ray Liotta, John Magaro, Gabriella Piazza
    Inhalt:
    Der Film spielt in der Ära der Newark-Unruhen: Der junge Anthony Soprano wächst in einer der turbulentesten Phasen in der Geschichte Newarks auf. Er ist gerade erst ein junger Mann, als rivalisierende Gangster beginnen, die Vorherrschaft des mächtigen DiMeo-Verbrecherclans infrage zu stellen. Zugleich erschüttern heftige Rassenkonflikte die Stadt. Mittendrin in diesen Zeiten des Wandels: Anthonys geliebter Onkel Dickie Moltisanti, der damit zu kämpfen hat, seine beruflichen und privaten Verpflichtungen miteinander in Einklang zu bringen. Dickies Einfluss auf seinen Neffen ist es schließlich, der aus dem unbedarften Teenager den übermächtigen Mafiaboss macht, den wir später kennenlernen werden: Tony Soprano.
    Start (DE):
    23. September 2021
    Start (USA):
    01. Oktober 2021
    Laufzeit:
    120 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Links
    Webseite:
    https://www.warnerbros.de/de-de/filme/many-saints-newark
    Bilder
    • The Many Saints of Newark - Wide.jpeg

      659,95 kB, 1.620×1.080, 68 mal angesehen

    1.581 mal gelesen