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James Bond 007: Keine Zeit Zu Sterben

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  • Einleitung


    Fraglos sind die James Bond-Filme mit Daniel Craig ungemein beliebt, was sich auch bei dem immensen kommerziellen Erfolg der Werke niederschlägt. Dass die Qualität der einzelnen Filme dabei durchaus wankt, tat dem Doppelnullagenten bisher keinen Abbruch. Nach dem fulminanten und damals überraschend geradlinigen Casino Royale, folgte mit Ein Quantum Trost der Tiefpunkt der Craig-Saga, woraufhin mit Skyfall wiederum ein neues Hoch erreicht wurde, dessen Level mit dem mittelmäßigen Spectre allerdings nicht gehalten werden konnte. Nach dieser Statistik müsste mit dem Abgesang von Hauptdarsteller Daniel Craig in James Bond 007: Keine Zeit zu Sterben nun eigentlich wieder ein starker Vertreter nachkommen.

    Das Werk zeigt einen Bond, der nicht mehr im aktiven Dienst ist und ein ruhiges Leben versucht zu genießen. Doch sein Frieden ist von kurzer Dauer, als sein alter Freund Felix Leiter von der CIA auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Die Mission, einen entführten Wissenschaftler zu retten, erweist sich als weitaus tückischer als erwartet und führt Bond auf die Spur eines mysteriösen Bösewichts, der im Besitz von gefährlicher neuer Technologie ist.

    Neben Daniel Craig, der als letztes Mal als James Bond zu sehen sein wird, wirken in Keine Zeit zu Sterben außerdem noch unter anderem Rami Malek (Bohemian Rhapsody), Léa Seydoux (Einfach das Ende der Welt), Lashana Lynch (Captain Marvel), Ben Whishaw (Paddington), Naomie Harris (Rampage), Ana de Armas (Knives Out), Jeffrey Wright (Shaft), Christoph Waltz (Alita: Battle Angel) und Ralph Fiennes (Brügge sehen... und sterben?) mit.

    Cary Joji Fukunaga (True Detective) übernahm die Regie von Keine Zeit zu Sterben.

    © 2021 Universal Pictures

    Kritik


    Regisseur Cary Joji Fukunaga bewies bereits bei der ersten Staffel von True Detective, dass er es versteht die Wirkung von Locations eindrucksvoll einzufangen und dadurch eine besondere Atmosphäre zu kreieren. Und diese Qualität ist bei Keine Zeit zu Sterben stets spürbar. Ob es die beklemmende Eröffnungsszene in einer eisigen Schneelandschaft ist oder die engen Straßen der italienischen Altstadt Matera, in denen er ein beeindruckendes Actionfeuerwerk losbricht oder aber die farbenfrohe Clubwelt Jamaikas oder der perfekt arrangierte "vergiftete Garten" des Bösewichts oder einfach ein erdrückender Wald, der mit hervorragend eingesetzten Soundeffekten eine Flucht von James Bond und seiner Geliebten Madeleine Swann besonders nervenaufreibend macht, Fukunaga erweckt seine Set Pieces zum Leben und lässt gemeinsam mit seinem Kameramann Linus Sandgren (La La Land) dadurch eine ungemeine Dynamik entstehen. So ist der James Bond-Film visuell fraglos der aufregendste Film der Craig-Ära.
    Von dieser Qualität profitieren in erster Linie natürlich deutlich die Actionszenen, die eindrucksvoll eingefangen wurden und ohne großes Schnittgewitter auskommen. Fukunaga versteht es in den richtigen Augenblicken den Winkel zu öffnen und die weite Einstellung auf den Zuschauer wirken zu lassen, aber auch zum passenden Zeitpunkt wieder nah ans Geschehen heranzugehen und so beispielsweise die Wucht der Zweikämpfe zu untermauern. Dazu gesellen sich die starken Arrangements wie Choreografien der Actionszenen, sodass es hier immer wieder Abwechslung geboten wird.

    So aufregend Keine Zeit zu Sterben optisch auch ist, so uninspiriert kommt das Werk dramaturgisch daher. Die Geschichte ist wenig überraschend, der Inhalt wärmt vieles schon Dagewesenes auf und die Figurenzeichnungen greifen selten in die Tiefe. Beginnend mit einem Bösewicht, der kaum Raum spendiert bekommt und so leider viel zu austauschbar ist. Zwar gibt sich Rami Malek merklich Mühe seiner Figur darstellerisch Facetten zuzuschreiben, doch werden diese durch einen stark anders ausgerichteten Charakterenfokus nicht gewürdigt. Die Geschichte konzentriert sich mehr auf das Verhältnis zwischen Bond und Swann, was absolut nicht verkehrt ist, da deren Geschichte viel emotionales Potential bietet, doch stimmt die Chemie zwischen Daniel Craig und Léa Seydoux einfach nicht. Die Liebe der beiden Personen zueinander möchte sich einfach nicht auf den Zuschauer übertragen und so kommt fast die ganze emotionale Wucht abhanden. Letztendlich sorgt die fehlende Glaubwürdigkeit folglich zu einigen Durchhängern, da der Beziehung der beiden viel Platz eingeräumt wird. Die Laufzeit von über zweieinhalb Stunden wird dadurch eher zu einem Manko als zu einer Qualität.
    Aber auch die Handlung um die globale Bedrohung wirkt etwas hineingequetscht und ist wenig zweckdienlich. Hier wäre eine kleinere aber vor allem persönlichere Gefahr wahrscheinlich effektiver gewesen.

    © 2021 Universal Pictures


    Darstellerisch bleibt der Cast in der Regel souverän bis routiniert und kann kaum bleibende Akzente setzen. Dabei war die Neugier auf Lashana Lynch als neue 007 natürlich besonders groß. Über weite Strecken weiß sie definitiv zu überzeugen, auch wenn sie zu häufig aufgesetzt tough und cool daherkommt. Ganz besonders in den humoristischen Einlagen funktioniert das relativ wenig, obgleich man ihr das kaum vorwerfen kann, da der Film generell beim Humor versagt. Man merkt dem Werk spürbar an, dass dem Regisseur für Humor das Timing fehlt. Die einzige, die sich darüber hinwegsetzten kann, ist Ana de Armas, die in ihrem viel zu kleinen Auftritt allen die Show stiehlt. Mit viel Spielfreude und einem unglaublichen Charme stellt sie sich als Szenendiebin heraus und weiß nicht nur in den Dialogen zu begeistern, sondern überzeugt auch physisch in den Actioneinlagen. Von ihr hätte man liebend gern mehr gesehen.

    Mit Hans Zimmer holte man sich einen spannenden Komponisten an Bord, der bereits bei Mission: Impossible II sich einer weltberühmten Titelmelodie annehmen musste und darüber hinaus die Aufgabe überwältigend meisterte, dem Score dazu seinen unverkennbaren Stempel aufzudrücken und so bis heute den einprägsamsten und stärksten Score der ganzen Reihe ablieferte. Bei James Bond gelingt ihm dies leider jedoch nicht. Auch wenn der Soundtrack ordentlich ist, merkt man ihm nur sehr selten die Handschrift des Komponisten an. Darüber hinaus hat bis auf die aus dem Titelsong von Billie Eilish bekannte Melodie kaum eine Komposition einen anhaltenden Nachhall.

    Im Großen und Ganzen ist somit Keine Zeit zu Sterben ein durchaus sehenswerter Film geworden, dem die mögliche Durchschlagskraft aber dennoch fehlt. Ganz besonders emotional bleibt das Werk hinter seinen Möglichkeiten und somit auch deutlich hinter Skyfall.

    © 2021 Universal Pictures

    Fazit


    Keine Zeit zu Sterben ist visuell fraglos der aufregendste Teil der Craig-Ära. Dramaturgisch kann man das von dem James Bond-Film jedoch nicht behaupten. Zu routiniert kommt das Werk von Cary Joji Fukunaga daher und weiß in dem Bereich kaum Akzente zu setzen. Ein schablonenhafter Bösewicht, eine uninspirierte Bedrohung und eine nicht richtig funktionierende Liebesgeschichte bremsen den Film immer wieder aus. Dafür wissen die Actionszenen aber stets zu überzeugen.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    No Time To Die
    Land:
    Großbritannien
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    MGM / Universal Pictures
    Regie:
    Cary Joji Fukunaga
    Drehbuch:
    Neal Purvis, Robert Wade, Phoebe Waller-Bridge, Cary Joji Fukunaga
    Kamera:
    Linus Sandgren
    Musik:
    Hans Zimmer
    Genre:
    Action
    Darsteller:
    Daniel Craig, Léa Seydoux, Lashana Lynch, Rami Malek, Jeffrey Wright, Ana de Armas, Ralph Fiennes, Ben Whishaw, Naomie Harris, Christoph Waltz
    Start (DE):
    30.09.2021
    Start (USA):
    01.10.2021
    Laufzeit:
    163 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Keine-Zeit-zu-Sterben-04.jpg

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