Die Tribute von Panem - Catching Fire

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    Kritik


    Mit einem sensationellen Einspiel von fast 700 Mio. Dollar avancierte "Die Tribute von Panem" im letzten Frühling zum Überraschungserfolg. Das geplante Franchise wurde somit akzeptiert und sollte so schnell wie möglich Geld in die Kassen spülen, so ist es nicht verwunderlich dass bereits anderthalb Jahre später mit Catching Fire der zweite Teil in den Startlöchern steht und das nächste Buch sogar, wie schon bei anderen erfolgreichen Adaptionen, in zwei Teile geteilt wird. Bei Die Tribute von Panem: Catching Fire stimmt aber auch die Qualität, die nach dem überraschenden ersten Teil in keinster Weise nachgelassen hat.

    Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) haben durch eine List die Hunger-Spiele gewonnen, obwohl es eigentlich nur einen Überlebenden geben sollte. Genau aus diesem Grund können die beiden, die als tragisches Liebespaar gefeiert werden, ihren Ruhm nicht genießen. Präsident Snow (Donald Sutherland) weiß ganz genau was hinter dieser List steckt und sieht Katniss und Peeta nicht als Zeichen der Liebe, sondern als Zeichen der Rebellion. Während die zwei eine Tour durch Panem unternehmen, um ihren Sieg zu feiern, heckt Snow zusammen mit Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) schreckliche Pläne aus, um Katniss zu eliminieren. Schließlich kommen sie auf die bitterböse Idee, zum 75. Jubiläum der Hunger-Spiele aus den Siegern der einzelnen Distrikte nochmal auszulosen, um die Besten gegen die Besten, die Brutalsten gegen die Brutalsten und die Cleversten gegen die Cleversten kämpfen zu lassen. Da Katniss die einzige weibliche Gewinnerin aus Distrikt 12 ist, wird sie automatisch zurück in die Arena geschickt und muss erneut um ihr Leben kämpfen.

    Catching Fire mag vordergründig eine ähnliche Geschichte wie der erste Teil erzählen, aber es steckt soviel mehr dahinter. Die Hunger-Spiele werden auch hier aufgebauscht und es gibt auch wieder einen Kampf um Leben und Tod, doch die Beweggründe und Hintergründe sind vollkommen anders. Ist "Die Tribute von Panem: The Hunger Games" noch rein Medien- und Gesellschaftskritik zu sehen, weil sich Kinder und Jugendliche zum Vergnügen anderer gegenseitig umbringen müssen, liegt der Schwerpunkt im zweiten Teil woanders. Die Dystopie wird noch expliziter dargestellt und natürlich gibt es wieder Gesellschaftskritik, zum Beispiel wenn man sieht, dass es im Kapitol Drinks gibt, von denen man sich übergeben muss, um auch ja alle Leckereien probieren zu können, während in anderen Distrikten Menschen hungern müssen. Auch die Medienkritik ist sehr präsent, so soll zum Beispiel die geliebte Katniss zur Hassfigur werden, indem Folterungen und Hinrichtungen zwischen ihren Hochzeitsvorbereitungen gezeigt werden sollen, um die Menschen zu beeinflussen. Trotz all dieser Dinge geht es aber um Rebellion, um einen mutigen Charakter, um Hoffnung… Die Spiele dienen nicht einzig und allein dem Zweck, als Sieger hervorzugehen, sondern steckt da noch viel mehr hinter. Und genau das baut sich im Film hervorragend auf.

    Präsident Snow möchte Katniss auslöschen, um den Funken Hoffnung zu zerstören, um die Rebellion zu unterdrücken und eine Revolution zu verhindern. Dazu greifen er und die Spielemacher zu perfiden Tricks. Hier bietet die Fortsetzung noch mehr Ideen, von Killeraffen über eine Flutwelle, einen giftigen Nebel und noch vieles mehr, die den Spielern nach dem Leben trachten. Auch die Arena sieht viel besser aus und es steckt eine Idee dahinter, die wirklich klasse ist und fast noch mehr hätte ausgebaut werden können, weil die Idee unendlich viele Möglichkeiten geboten hätte.

    Auffallend ist, das das Budget um über fünfzig Millionen Dollar angehoben wurde. Dies sieht man in jeder Sekunde. Alleine die Einfahrt ins Kapitol ist groß und sieht gigantisch aus, im ersten Teil wirkte sie noch etwas billig, wie allgemein einige Effekte. In Catching Fire ist das anders, die Effekte sind top, wir bekommen mehr von Panem, den Distrikten und dem Kapitol zu sehen, was toll fürs Auge ist. Ebenfalls positiv fällt der Score von James Newton Howard auf, der zwar dem des ersten Teils ähnelt, aber auch da schon zu gefallen wusste. Er ist stehts perfekt eingesetzt und es toll, dass "Rue's Farewell" aus dem letzten Film wieder aufgegriffen wurde und emotional zu berühren weiß.

    Die viel bemängelte Wackelkamera, ein nicht verstandenes Mittel im ersten Film, die Hunger-Spiele authentisch darzustellen (und die Brutalität zu mildern), fehlt in Catching Fire komplett. Das ist vielleicht eine gute Wahl um Kritik zu entgehen, aber auf der anderen Seite wirkt der Film, als seien Jahre zwischen den Teilen, was neben der Kameraarbeit auch dem Budget zu verdanken ist. So sind die Kämpfe nicht mehr so brutal wie im ersten Teil, aber darum geht es im Endeffekt auch nicht. Im Grunde reicht bei einem solchen Film auch die Vorstellungskraft, wer sehen will wie sich Leute abschlachten, der sollte sich andere Filme anschauen und nicht eine Verfilmung eines Jugendromans, zumal die Filme thematisch gesehen schon brutal genug sind.

    Auch als Buchverfilmung wurde, wie beim ersten Teil bereits, alles richtig gemacht. Fast alle wichtigen Bestandteile sind im Film enthalten und es macht Spaß, alles wiederzuerkennen und zu finden. Längen im Buch wurden im Film ausgedünnt, was will man mehr? Das dient dazu, dass der Film eine tolle Spannung entwickelt, Katniss ist sehr sympathisch und man bangt mit ihr, aber auch sonst wurden viele Charaktere toll gezeichnet.

    Dies ist nicht zuletzt den Schauspielern zu verdanken. Donald Sutherland ist häufiger zu sehen als im Vorgänger, das ist toll. Er spielt den perfiden Präsidenten von Panem perfekt und authentisch. Philip Seymour Hoffman spielt undurchsichtig, aber gut. Lenny Kravitz ist als Cinna etwas blass, Elizabeth Banks spielt Effie Trinket jedoch perfekt. In ihren Kostümchen spielt sie total überspitzt, aber als es darum geht, dass sie Katniss' und Peetas Namen vorlesen muss, weil sie zurück in die Arena müssen, sieht man solch eine Zerbrechlichkeit in ihrem Gesicht, dass es einem wirklich leid tut. Sowieso hat sie eine interessante Entwicklung durchgemacht. Während Jeffrey Wright, Stanley Tucci und Amanda Plummer allesamt gut spielen, fallen besonders Jena Malone als Johanna und Sam Claflin als Finnick auf. Malone spielt überspitzt und wirkt echt, hat einen tollen Charakter während Claflin den Strahlemann spielt, hinter dem noch viel mehr steckt.

    Hauptaugenmerk liegt neben Liam Hemsworth als Gale, der nur etwas mehr Screen-Time als im Vorgänger hat, aber in den nächsten Teilen mehr zu sehen sein wird und dem genialen Woody Harrelson, der erneut in die Rolle des abgedrehten Alkoholikers Haymitch schlüpft und dabei wieder alles gibt, auf Josh Hutcherson und Jennifer Lawrence. Während Hutcherson seine Rolle gewohnt gut und authentisch verkörpert ist Lawrence, die in diesem Jahr für "Silver Linings" einen Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, eine Wucht. Sie spielt Katniss nicht, sie lebt sie. In jeder Minute kauft man ihr die Rolle ab, die sie voller Elan und Authentizität verkörpert.

    Fazit

    Die Tribute von Panem: Catching Fire steht seinem Vorgänger in nichts nach. Die Geschichte hat sich, wie auch die Charaktere, weiterentwickelt, bietet neben der hervorragend dargestellten Dystopie, Gesellschafts- und Medienkritik auch Mut und Hoffnung als Akt einer Rebellion. Durch höheres Budget gibt es mehr von Panem zu sehen, vieles wirkt größer und ausgereifter; gewaltiger! Francis Lawrence hat alles richtig gemacht und eine spannende und nah am Buch liegende Verfilmung gezaubert, die das Warten auf "Die Tribute von Panem: Mockingjay" nicht gerade leicht macht.

    9/10
    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    The Hunger Games - Catching Fire
    Land:
    USA
    Jahr:
    2013
    Studio/Verleih:
    Studiocanal / Lionsgate
    Regie:
    Francis Lawrence
    Produzent(en):
    Nina Jacobson, Jon Kilik
    Drehbuch:
    Simon Beaufoy, Michael Arndt, Suzanne Collins (Roman)
    Kamera:
    Jo Willems
    Musik:
    James Newton Howard
    Genre:
    Sci-Fi
    Darsteller:
    Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Donald Sutherland, Stanley Tucci
    Inhalt:
    Katniss und Peeta haben die Hungerspiele überlebt. Doch viel mehr: Sie haben dem mächtigen Kapitol die Stirn geboten. Ihr Beispiel ermutigt die unterdrückte Bevölkerung in den Distrikten zur Rebellion gegen das Regime. Doch dann ändert Präsident Snow kurzerhand die Spielregeln und lässt alle bisherigen Gewinner bei den anstehenden Hungerspielen noch einmal gegeneinander antreten. Auch Katniss und Peeta werden in die Arena geschickt und müssen sich erneut dem Kampf ums Überleben stellen. Und langsam wird ihnen klar, dass sie in Wirklichkeit Teil eines viel größeren Plans sind…
    Start (DE):
    21.11.2013
    Start (USA):
    22.11.2013
    Laufzeit:
    146 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren

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