Der Spion

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  • Einleitung


    Spionagefilme sind ein wenig aus der Mode gekommen, heutzutage setzt man eher auf actionreiche Geheimageenten wie bei James Bond oder den "Mission Impossible"-Filmen. Zwischendurch gibt es immer wieder mal ein Streifen, der das Thema etwas weniger actionlastig beleuchtet, vor allem seien hier die Verfilmungen der Romane von John le Carré genannt, wie z.B. "Dame, König, As, Spion" oder "A Most Wanted Man".

    In der Literatur hingegen setzt man sich mit der klassischen Spionage weitaus häufiger auseinander, so werden die Leben von für den Lauf der Geschichte wichtige Spione weitaus häufiger behandelt. Sei es im Zweiten Weltkrieg oder im Kalten Krieg, hier ist der Markt sehr ergiebig. Insbesondere die nicht ausgedachten Geschichten werden von Autoren wie Ben Macintyre spannend aufbereitet. Eine wahre Geschichte ist auch die des Films Der Spion des Regisseurs Dominic Cooke ("Am Strand"), die sich mit einem Geschäftsmann inmitten der Kubakrise auseinandersetzt. Spannend, sollte man meinen, aber ob dem wirklich ist, verraten wir euch in den nächsten Absätzen.


    © 2021 Eurovideo


    Kritik


    Anfang der Sechzigerjahre: Der Kalte Krieg zwischen den beiden Supermächten nähert sich seinem Höhepunkt, als Oleg Penkowski (Merab Ninidze), ein früherer hochrangiger Sowjetoffizier mit Freunden im Kreml, die westlichen Geheimdienste mit brisanten Informationen versorgt. Damit kein unnötiges Aufsehen erregt wird, wird der britische Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch) von der CIA und dem MI6 akquiriert, um die Informationen in den Westen zu schleusen.

    Die besten Geschichten schreibt tatsächlich das Leben selbst, und man sieht schon anhand der Synopsis, dass die Geschichte von Der Spion durchaus Potenzial in sich trägt. Der Beginn des Films ist etwas zu langsam geraten, und das Motiv von Wynne, die beiden Geheimdienste zu unterstützen, kommt dabei etwas zu kurz. Dann nimmt der Film ein wenig Fahrt auf und es ist insbesondere der guten Chemie seiner beiden Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch und Merab Ninidze zu verdanken, dass der Mittelteil sehr gut funktioniert. Die aufkeimende Freundschaft der beiden steht hier komplett im Fokus und scheint auch für den ganzen Film zentral zu sein. Allerdings kommt so leider Spannung auf, denn diese ist in Der Spion zweitrangig. Selbst zum Ende hin, als sich die Situation zuspitzt, wäre dahingehend tatsächlich mehr drin gewesen. Hier hat man es verpasst, das Tempo einheitlich anzuziehen, denn zum einen geht es hier dann doch etwas zu schnell, allerdings immer noch recht spannungsarm zur Sache, während eine weitere Durststrecke darauf folgt.

    Auch einige Details der Operationen werden im Film vernachlässigt: Ja, Spionage ist nicht immer atemberaubend und bombastisch wie bei 007, meist geht es nur darum, Dokumente hin- und herzuschieben. Aber wenn man beispielsweise das Buch "The Spy and the Traitor" von Ben Macintyre gegenüberstellt, welches fast von Anfang bis Ende durchweg spannend ist und ebenfalls auf wahren Begebenheiten beruht, dann kann Der Spion hier leider nicht mithalten. Vermutlich ist dies dem Medium Film geschuldet, denn hier muss man Akzente setzen, damit das Ganze nicht zu lang wird. Man hat sich hier bewusst für die Freundschaft der beiden Protagonisten entschieden. Des Weiteren kann man nur so spannend sein, wie es die Vorlage hergibt, aber manches Detail bezüglich der Spionage wäre sehr nett gewesen.

    Gut getan hätte Der Spion allerdings eine etwas differenziertere Sichtweise, insbesondere aufgrund der Fixierung auf die Freundschaft zweier eigentlicher Feinde. Die Russen und deren Aufrüstung sind hier die Bösen, während die Westmächte die Guten sind - das ist dahingehend schade, denn mit der Figur des Penkowski zeigt der Film bereits, dass ein Schwarz-Weiß-Denken nicht unbedingt angebracht ist. Zwar wird ein potenzieller Atomkrieg regelrecht verteufelt, aber dass die USA auch brav aufrüsten, scheint nicht so relevant zu sein bei dem Konflikt.

    Die Inszenierung des Films ist grundsätzlich routiniert, es gibt ein paar schöne Einstellungen, und Ausstattung, Szenenbild sowie Kostüme wirken authentisch und überzeugen - hier hat man tatsächlich den Eindruck, sich in den 60er Jahren zu befinden.

    Die Darsteller machen einen guten Job, insbesondere Cumberbatch und Ninidze wissen die Geschichte zu tragen. Insbesondere zum Ende hin dreht Cumberbatch nochmal richtig auf, um den jeweiligen Szenen auch die notwendige Intensität zu verleihen.

    © 2021 Eurovideo


    Fazit


    Der Spion ist keineswegs ein schlechter Film, bleibt aber leider hinter seinen Möglichkeiten. Vor allem mehr Spannung hätte dem Film gut getan, insbesondere auch hinsichtlich der Beziehung der beiden Hauptfiguren, die hier im Mittelpunkt steht, denn diese wäre dadurch noch besser zur Geltung gekommen. Es macht aber Spaß zuzuschauen, wie sich eine Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren entwickelt.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Courier
    Land:
    USA/UK
    Jahr:
    2020
    Studio/Verleih:
    Telepool/Eurovideo
    Regie:
    Dominic Cooke
    Produzent(en):
    Adam Ackland, Rory Aitken, Ben Browning, Ben Pugh
    Drehbuch:
    Tom O'Connor
    Kamera:
    Sean Bobbit
    Genre:
    Drama
    Darsteller:
    Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Jessie Buckley
    Inhalt:
    Anfang der Sechzigerjahre nähert sich der Kalte Krieg zwischen den beiden Supermächten seinem Höhepunkt. Oleg Penkowski (MERAB NINIDZE), ein vormals hochrangiger Sowjetoffizier mit Freunden im Kreml, füttert die westlichen Geheimdienste mit brisanten Informationen. Um Penkowski aus der direkten Gefahrenlinie zu nehmen, beschließen CIA und MI6, ihm einen Kontaktmann zur Seite zu stellen, der keinerlei Aufsehen erregt: Greville Wynne (BENEDICT CUMBERBATCH) ist ein harmloser britischer Geschäftsmann, der mit Spionage nichts am Hut hat und sich nur widerstrebend überreden lässt. Erstaunlicherweise freundet Wynne sich mit dem Russen an. Als Penkowski in Moskau aufzufliegen droht, startet Wynne gegen den Rat der Geheimdienste eine letzte Mission in den Osten, um den Freund zu retten – oder selbst in die Hände des KGB zu fallen…
    Start (DE):
    15.04.21 (Kino), 09.11.21 digital, 23.11.21 auf DVD/Blu-ray
    Laufzeit:
    110 Minuten
    FSK:
    noch nicht geprüft
    Bilder
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