Matrix Resurrections

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  • Einleitung


    1999 revolutionierte Matrix das Kino und wurde so zu einem der einflussreichsten Werke der Filmgeschichte. Nachdem zeitnah zwei Fortsetzungen folgten und etliche Filmemacher sich an den Werken orientierten, folgt nun fast zwei Jahrzehnte nach dem letzten Teil der Trilogie noch einmal ein Abtauchen in die Matrix. Dafür konnte man auch einige alte Bekannte vor und hinter die Kamera bekommen.

    In Matrix Resurrections macht sich ein neues Team aus Befreiten auf die Suche nach dem Einen. Und tatsächlich ist Neo nicht tot. Doch er scheint sich seiner Bedeutung nicht mehr bewusst zu sein und so muss er einmal mehr aus der Matrix befreit werden, um die Menschheit vor einer möglichen Bedrohung zu retten.

    Zu sehen sind in Matrix: Resurrections unter anderem Keanu Reeves (John Wick), Carrie-Anne Moss (Memento), Jada Pinkett Smith (Angel Has Fallen), Jessica Henwick (Love & Monsters), Neil Patrick Harris (How I Met Your Mother), Jonathan Groff (Mindhunter) und Yahya Abdul-Mateen II (Aquaman).

    Die Regie übernahm Lana Wachowski dieses Mal alleine.

    © 2021 Warner Bros.

    Kritik


    Vor etwa zwanzig Jahren erschufen die Wachowskis mit ihrer Matrix-Saga eine wegweisende Trilogie. Nicht nur visuell setzten die Werke neue Maßstäbe, auch intellektuell bewegte man sich auf einem ganz hohem Niveau. Und genau diese Kombination machte die Matrix-Filme so phänomenal. Es wurde großes Bombastkino geboten, das Action in ganz neue Sphären hob, indem es Computereffekte auf dem allerneusten Level präsentierte, aber darüber hinaus auch sehr viel Wert auf handgemachte Action setzte, die nicht nur aufwendige Schießereien bot, sondern auch spektakulär inszenierte vom Hongkong-Kino inspirierte Kampfszenen. Und genau diese spektakulären visuellen Augenblicke wurden gepaart mit philosophischen Gedanken, bei denen gerade der erste Teil bei den Zuschauern für großes Staunen sorgte. Die gedankliche Tragweite der Filme ist gar nicht beim ersten Mal zu erfassen und auch das macht die Werke bis heute zeitlos. Mit Matrix Resurrections setzt man nach dem eigentlich so stimmigen Ende von Revolutions noch einmal neu an und erzählt, wie es mit der Matrix sowie der Koexistenz von Menschen und Maschinen in der realen Welt sechzig Jahre nach den Ereignissen aus den ersten drei Filmen weitergeht. Und dafür haben sich die Macher zugegebenermaßen eine wirklich interessante Idee ausgedacht und unterwandern damit die aktuellen Muster der zurzeit so beliebten Reboots, Remakes und Fortsetzungen. Selbst ein für die Reihe eher ungewöhnliches Augenzwinkern wird hier eingearbeitet, sodass es sogar hin und wieder etwas zu lachen gibt. Doch abseits dieser Idee gelingt es den Verantwortlichen nicht die Geschichte auch adäquat weiterzuerzählen beziehungsweise -zudenken. Viel mehr hält man sich an den Highlights der alten Filme, die auch den kompletten Film über immer wieder in kurzen Szenenschnipseln den Zuschauern ins Gedächtnis gerufen werden, damit auch ja jeder, der die Filme seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hat, die Anspielungen, Verweise sowie Parallelen versteht. Auch wenn das ab und an visuell kreativ umgesetzt wird, so scheinen die Verantwortlichen den Zuschauern offenkundig deutlich weniger zuzutrauen, als noch vor etwa zwanzig Jahren. Generell werden hier philosophische Ansätze wenig subtil abgehandelt und leider auch selten konsequent weitergedacht - ja häufig sogar einfach mit einem Verweis auf die alten Werke abgetan. Wo man bei den Vorgängern abseits der Actionszenen den Darstellern noch an den Lippen hing, ist hier häufig wenig fordernd und somit auch wenig interessant. In der Konsequenz bricht Matrix Resurrections spürbar die Spannung weg, was bei einer Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden natürlich verheerend ist.

    Aber bereits in der Anfangsphase, in der man noch mit den neuen Ideen und der Metaebene das Interesse der Zuschauer geweckt hat, tritt man zu lange auf der Stelle und schlachtet das Konzept zu sehr aus, sodass man auch hier zu schnell beginnt abzuschalten. Glücklicherweise ist Matrix aber eben auch bekannt für die neue Maßstäbe setzenden Actionszenen. Doch auch hier unterwältigt man durchgängig. Zugegebenermaßen sind diese Augenblicke nicht wirklich schlecht, doch so richtig begeistern können sie eben auch nicht - und in Anbetracht, wie die Sequenzen in den alten Filmen noch heute einen zum Staunen bringen, enttäuscht das Gesehene nur noch mehr. Zu sehr versucht man mit der Zeit zu gehen und setzt auf viele Schnitte, anstatt wieder gegen den Strom zu schwimmen und neuartige Schauwerte zu präsentieren. Gerade die Kampfszenen, die noch das kleine Actionherz der Vorgänger waren, kommen müde und inspirationslos daher. Die Abwesenheit von Hongkong-Legende Yuen Woo-Ping, der die Darsteller damals auch einem langwierigen Training unterzog, damit seine Choreografien umso wirkungsvoller erschienen, ist leider in jedem Moment spürbar. Zu standardisiert aber eben auch zu mutlos geht man hier vor, wodurch die Action im Einheitsbrei der großen Produktionen untergeht.

    © 2021 Warner Bros.


    Darstellerisch fährt man mit vielen für das Franchise neuen Gesichtern auf. Doch auch hier bleibt man weitestgehend blass. Die neuen Schauspieler können keine Akzente setzen und bleiben farblos wie ihre erschreckend dünn geschriebenen Figuren. Einzig die neue weibliche Hauptdarstellerin Jessica Henwick erweist sich als Glücksgriff und weiß ihrer Figur die nötige Souveränität, Coolness und das Charisma abzugewinnen. Abseits davon kann selbst ein an seiner Rolle merklich Spaß habender Neil Patrick Harris keine Ausrufezeichen setzen. Die größten Enttäuschungen in der Besetzung sind jedoch Jonathan Groff und Yahya Abdul-Mateen II, die sich als neue Versionen der Figuren Agent Smith und Morpheus natürlich den Vergleich ihrer Vorgänger unterziehen müssen - ganz besonders wenn dann auch noch die kurzen Szenenschnipsel aus der Vergangenheit die Erinnerungen an die beiden Originaldarsteller omnipräsent machen. Hugo Weaving offenbarte fraglos eine furchteinflößende Darbietung mit einer ungemeinen Leinwandpräsenz. Groff hingegen bleibt unscheinbar und in keinem Augenblick einschüchternd, sodass die Parallele zu der Figur Smith zur Behauptung verkommt. Ähnlich verhält es sich mit Abdul-Mateen II, der in keiner Sekunde die faszinierende Ausstrahlung eines Laurence Fishburne erreicht.
    Aber selbst die alten Darsteller können außer nostalgischer Gefühle kaum Emotionen hervorrufen. Keanu Reeves wirkt die meiste Zeit etwas gelangweilt und abwesend, was zwar am Anfang noch zu seiner Figur passt, im weiteren Verlauf aber nur noch ermüdend ist. Ebenso präsentiert sich sein Look mit langen Haaren und Bart, der irgendwie nicht zum Erscheinungsbild Neos passen möchte. Darüber hinaus merkt man Reeves sein Alter in den Actionszenen unweigerlich an, die dadurch etwas behäbig daherkommen. Carrie-Anne Moss hingegen macht eine ordentliche Figur, der aber leider nur relativ wenig Szenen geschenkt wurden, in denen sie auch wenig Raum bekommt zu glänzen. Zumindest die Chemie der beiden Darsteller stimmt auch heute noch.

    Letztendlich hat Matrix Resurrections nichts Neues zu bieten und hat dem Franchise eigentlich auch nichts mehr hinzuzufügen, was natürlich bei solch einer stolzen Laufzeit noch erheblicher ins Gewicht fällt. So ist der vierte Teil zu keinem Zeitpunkt wirklich spannend, aber visuell leider ebenfalls wenig begeisterungsfähig.

    © 2021 Warner Bros.

    Fazit


    Matrix Resurrections lässt leider fast durchgehend das Gefühl aufkommen, dass die Macher keine Ahnung hatten, was sie eigentlich erzählen könnten. Und dennoch wird das Geschehen dermaßen aufgeplustert, sodass die Spannung fast gänzlich abhanden kommt. Wenig interessante Actionszenen, noch weniger interessante Figuren und die Abwesenheit von großen philosophischen Themen lassen eigentlich kein Feuer für das Werk entstehen. All die Aspekte, die die Vorgänger so faszinierend machten, sucht man hier vergeblich. So bleibt am Ende dank einer souveränen Inszenierung zwar noch ein durchschnittlicher SciFi-Film, in Anbetracht seiner Herkunft ist das Ganze aber leider erschreckend ernüchternd.


    4/10

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    Zweitmeinung


    BurningDer nunmehr vierte Ableger versucht mit einer ausschweifenden Erzählung auf der Metaebene neue Dimensionen zu erreichen, setzt dabei aber leider auf die bewährte Holzhammermethode. So macht die erste Stunde des Films zwar Spaß und bietet somit viel zum Entdecken, auch wenn es alles andere als subtil ist. In der zweiten Hälfte fällt der Film leider massiv ab und versucht seine dünne Story mit einigen Actionszenen zu kaschieren, die aber einer der größten Kritikpunkte des Films sind. Die einst so wunderschön anzusehenden, durchchoreographierten Actionsequenzen sind fort, dafür gibt es nun wilde Schnitte, hektische Bewegungen und leider nicht allzu viel zu erkennen. Der Showdown entpuppt sich als eine einminütige Sequenz, welche zehn Minuten lang wiederholt wird und auch keinerlei Spannung bietet. Matrix Resurrections hat einige interessante Ansatzpunkte, die es in der ersten Hälfte des Films auch öfters mal auf die Leinwand schaffen, hat aber mit einer uninspirierten Handlung zu kämpfen und stolpert ganz nebenbei noch über jene Actionszenen, für welche die alte Trilogie unter anderem so sehr gelobt wurde.

    5/10
    Infos
    Originaltitel:
    Matrix Resurrections
    Land:
    USA
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Warner Bros.
    Regie:
    Lana Wachowski
    Drehbuch:
    Lana Wachowski, David Mitchell, Aleksandar Hemon
    Kamera:
    Daniele Massaccesi, John Toll
    Musik:
    Johnny Klimek, Tom Tykwer
    Genre:
    Action, SciFi
    Darsteller:
    Keanu Reeves, Jessica Henwick, Yahya Abdul-Mateen II, Jonathan Groff, Carrie-Anne Moss, Neil Patrick Harris, Jada Pinkett Smith, Max Riemelt
    Start (DE):
    23.12.2021
    Start (USA):
    24.12.2021
    Laufzeit:
    148 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Matrix-Resurrections-01.jpeg

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