Doctor Strange in the Multiverse of Madness

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  • Einleitung


    Nachdem der vor allem Horrorgenre beheimatete Scott Derrickson den ersten Doctor Strange inszeniert hatte, schien Teil 2 wie gemacht für den den Filmemacher. Denn hier geht es für den Titelhelden ins Multiversum, wo er auf reichlich finstere Kräfte stößt, die das gesamte Multiversum in Gefahr bringen könnten. Wie der Titel Doctor Strange in the Multiversum of Madness bereits verspricht, sollte es dieses Mal sehr düster werden. Doch aufgrund von kreativen Differenzen trat Derrickson von seinem Posten als Regisseur zurück. Doch ein ähnlich verankerter Filmschaffender übernahm das Zepter - Sam Raimi. Als Regisseur der Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire prägte Raimi wie kein anderer das Bild des Comicblockbusters von heute. Doch auch er hat seine Wurzeln eigentlich beim Horrorfilm und ist diesem Genre auch bis heute noch sehr treu. So verantwortete er unter anderem Titel wie die Tanz der Teufel-Trilogie und Drag Me To Hell. Beim neusten Doctor Strange versucht er nun das Horrorgenre mit dem des Comicblockbusters zu verknüpfen.

    Neben Benedict Cumberbatch als Dr. Stephen Strange kehrten auch Benedict Wong als oberster Zauberer des MCU, Wong, Rachel McAdams als Dr. Christine Palmer und der Oscar®-nominierte Chiwetel Ejiofor als Baron Mordo zurück. Verstärkt wird der Cast durch Elizabeth Olsen in ihrer bekannten Rolle als Wanda Maximoff und Newcomerin Xochitl Gomez (Der Babysitter Club), die als America Chavez – ein Fan-Liebling aus den Comics – ihr MCU Debüt gibt.

    © 2022 Disney

    Kritik


    Eines muss man Doctor Strange in the Multiverse of Madness lassen, das Werk legt ab der ersten Minute ein ungemeines Tempo an den Tag und nimmt dieses auch nie so richtig raus. Regisseur Sam Raimi präsentiert eine wilde Achterbahnfahrt, die zwar nicht unbedingt an einen verrückten und unterhaltsamen Ritt durch die Möglichkeiten des Multiversums anmutet, sondern vielmehr wie ein actiongeladener Trip durch eine Geisterbahn. Raimi fährt hier visuell immer wieder herrlich schaurige Bildkreationen auf, die die Realität auf angenehme Weise verzerren. Aber auch bei den teilweise doch überraschend heftigen Auseinandersetzungen lotet er die Grenzen der FSK-Freigabe ab 12 gekonnt aus. Immer im richtigen Augenblick wird weggeschnitten, sodass ein brutales Bild im Kopf entsteht, ohne dass man die eigentliche Gewaltspitze gesehen hat. Vor allem wenn Scarlet Witch bei den Illuminati rot sieht, geht es da alles andere als zimperlich zu. Und genau in den Augenblicken, in denen man Raimis Handschrift deutlich merkt, ist Doctor Strange 2 immer wieder sehr gelungen. Folglich sind wenig überraschend die Horrorelemente die große Stärke des Films.

    Doch ist Doctor Strange in the Multiverse of Madness eben auch ein Comicblockbuster - und zwar einer aus dem MCU. Und somit dürfen natürlich reichlich Querverweise und einiger Fanservice nicht fehlen. Aber auch generische Comicaction gehört eben zu so einem Marvel-Blockbuster. Und genau bei den Punkten kommt das Werk immer wieder ins Straucheln. Die Querverweise sowie der Fanservice wirken nie wirklich harmonisch mit dem Rest des Films und kommen zu erzwungen daher, sodass sie einen immer wieder aus dem Geschehen reißen. Selbst der für Raimi-Filme berühmte Cameo wird zwar bei Fans des Regisseurs für grinsende Gesichter sorgen, so richtig passen möchte die Szene dennoch nicht. Ähnlich verhält es sich mit dem Humor, der zwar deutlich rarer als üblich gesät ist, dennoch immer wieder in die Geschichte gequetscht erscheint.
    Und wenn es dann zu den üblichen CGI-Action-Eskalationen kommt, treten trotz der rasanten Inszenierung spürbare Ermüdungserscheinungen auf. Glücklicherweise gelingt es Raimi einen immer wieder mit seinen düsteren Elementen einzufangen. Denn genau dann trieft seine Handschrift wieder aus jeder Pore und er offenbart seine für ihn bekannten Spielereien mit Kameraeinstellungen wie -fahrten. Und hier macht Doctor Strange 2 dann auch einfach einen höllischen Spaß.

    Abseits der ganzen Action und schaurigen Momente wurde die Handlung allerdings weitestgehend links liegen gelassen. Auch wenn das Werk ein tolles Tempo an den Tag legt und dadurch auch nie wirklich langweilig ist, kann der Film dennoch auch nie wirklich mitreißen. Weder die Handlung ist sonderlich interessant, noch sind es die Figuren. Letztere bekommen kaum etwas Tiefe spendiert, was gerade bei der neu eingeführten America Chavez, die auch ordentlich von Xochitl Gomez verkörpert wird, besonders schade ist. Aber auch die altbekannten Figuren können einen nie wirklich abholen. Chiwetel Ejiofor als Mordo ist nahezu vollständig verschenkt, zwischen Rachel McAdams und Benedict Cumberbatch herrscht so gut wie keine Chemie mehr, Elizabeth Olsens Figur kämpft mit sich ständig wiederholenden Konflikten, die die Darstellerin zwar zugegebenermaßen stark präsentiert, ab einem gewissen Punkt dennoch einfach abgenutzt sind. Nichtsdestotrotz bleibt sie die einzige Figur, die einen zumindest hin und wieder emotional abholt.
    Dramaturgisch holt man, wie schon gesagt, etwas wenig aus dem Thema Multiversum heraus. Auch der Zwischenstopp bei den Illuminati erweist sich in seiner Ausführlichkeit als Fremdkörper und bremst den Film mehr aus, als es ihn voranbringt. Aber auch darüber hinaus weiß Doctor Strange in the Multiverse of Madness nicht allzu viel mit den skurrilen Möglichkeiten anzufangen, sodass abgesehen von den Horrorelementen kein wirkliches Highlight durch die Grundidee entsteht.

    © 2022 Disney


    Auch wenn Doctor Strange 2 merklich nicht alles gut macht und das Werk immer wieder wie mit einer angezogenen Handbremse daherkommt, der Motor aber (gerade in den Horrorsequenzen) stets aufheult, macht der Film aufgrund der temporeichen Inszenierung und Raimis unverkennbarer Handschrift Spaß. Wenn sich dann auch noch Danny Elfmans angenehm aufdringlicher schauriger Score um die Szenen schmiegt, bekommt man durchaus einige wirklich schön düstere Filmmomente präsentiert, die es zu genießen einfach Spaß macht.

    Fazit


    Mehr Konzentration auf den abgründigen Wahnsinn hätte Doctor Strange in the Multiverse of Madness durchaus gutgetan, denn wenn es düster wird, ist die Comicverfilmung durchweg gelungen. Wenn es aber hin zur typischen Comicblockbuster-Formel geht, bleibt das Werk zwar nicht gänzlich schlecht, aber eben auch nicht sonderlich erwähnenswert. Aber vor allem finden diese beiden Elemente einfach nicht richtig zusammen. Doch Sam Raimi legt ein rasantes Erzähltempo an den Tag und überrascht immer wieder mit seiner klar zu erkennenden Handschrift, sodass das Werk trotzdem stets unterhaltsam ist.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Doctor Strange in the Multiverse of Madness
    Land:
    USA
    Jahr:
    2022
    Studio/Verleih:
    Walt Disney
    Regie:
    Sam Raimi
    Drehbuch:
    Michael Waldron
    Kamera:
    John Mathieson
    Musik:
    Danny Elfman
    Genre:
    Action, Fantasy
    Darsteller:
    Benedict Cumberbatch, Elisabeth Olsen, Xochitl Gomez, Benedict Wong, Rachel McAdams
    Start (DE):
    04.05.2022
    Start (USA):
    06.05.2022
    Laufzeit:
    126 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Doctor-Strange-in-the-Multiverse-of-Mdness-05.jpg

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