Old Henry

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  • Einleitung


    Die Hochzeit des Western, als Titel wie Spiel mir das Lied vom Tod, Django, Zwei glorreiche Halunken, The Wild Bunch oder Rio Bravo die Kinosäle füllten, liegt schon lange in der Vergangenheit. Und dennoch erblickte auch seit der Jahrtausendwende hin und wieder ein sehenswerter Titel aus dem Genre das Licht der Welt. Ob das starke Remake Todeszug nach Yuma, das Kevin Costner-Werk Open Range, der Rachefilm Seraphim Falls mit dem starken Hauptdarstellerduo Liam Neeson/Pierce Brosnan, der entschleunigte Die Ermordung des Jesse James, das intensive Westerndrama Hostiles, der abgründige Brimstone, der mehrfach oscarnominierte The Power of the Dog, der mit Horrorelementen angereicherte Bone Tomahawk oder aber der temporeiche Westernspaß The Good, The Bad, The Weird - alle sind unglaublich unterschiedlich und doch auf ihre Weise ungemein sehenswert. Mit dem auf dem renommierten Filmfest in Venedig gefeierten Old Henry folgt nun ein weiteres vielversprechendes Werk.

    Im Zentrum des Werks steht Henry McCarty, der sich mit seinem Sohn weit weg von jeglichem Trubel auf einer Farm niedergelassen hat. Als sie einen geheimnisvollen Fremden bei sich aufnehmen, bricht jedoch Chaos über ihr verschlafenes Bauernhaus herein, da der Schwerverletzte eine Tasche voller Geld bei sich hat, die der zwielichtige Sam Ketchum und seine Bande einfordern. Als sich jedoch Henry gegen die Eindringlinge zur Wehr setzt, offenbart der Farmer ein ausgeprägtes Talent mit der Handhabung von Schusswaffen.

    In der Titelrolle wird Tim Blake Nelson (Oh Brother, where art thou?) zu sehen sein. Neben ihm standen unter anderem noch Stephen Dorff (Blade), Scott Haze (Antlers) und Trace Adkins (Deepwater Horizon) vor der Kamera.
    Für Regie und Drehbuch zeigt sch Potsy Ponciroli (Super Zeroes) verantwortlich.

    © 2022 Koch Films

    Kritik


    Ganz im Geiste der klassischen Western wählte Regisseur und Drehbuchautor Potsy Ponciroli für seinen Genrebeitrag einen ruhigen Erzählrhythmus. Und dennoch schwebt über dem ganzen Werk eine bedrohliche Atmosphäre, da die Schurken gleich zu Beginn eingeführt werden und man genau weiß, dass es auf eine Konfrontation mit dem abgelegen wohnenden Vater-Sohn-Gespann hinausläuft. Die Kälte und Skrupellosigkeit die Stephen Dorff als Antagonist ausstrahlt, hat dabei einen großen Anteil an der beklemmenden Stimmung. Aber auch die blasse Bildersprache Poncirolis, die den weiten Landschaften wenig Schönheit zuspricht, erfüllt dabei ihren Dienst. Trotz der ruhigen Tonalität zögert der Filmemacher die erste Begegnung zwischen Protagonist und Antagonist nicht unnötig hinaus, sodass die Spannungsschraube dann relativ früh noch einmal angezogen wird. Ab dem Zeitpunkt rechnet man in jeder Minute mit einer Eskalation der Situation.
    Aber auch das Mysterium, dass in Old Henry um die Titelfigur aufgebaut wird, erfüllt hervorragend seinen Zweck. Zwar kann man sich schnell denken, in welche Richtung es in Henrys Vergangenheit geht, doch gerade deswegen sehnt man quasi den Showdown nahezu herbei, in dem die Kriminellen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

    Tim Blake Nelson macht als Titelheld eine ordentliche Figur, da er seine Geschichte stets mitschwingen lässt, durch seine Physis aber eigentlich genau dieser im Widerspruch steht. Und genau das macht seine Figur und seine Darbietung stets interessant. Ebenfalls ein darstellerischer Bonus stellt Scott Haze als verwunderter Reiter dar. Denn auch ihm gelingt es seine Figur so anzulegen, dass sie etwas Undurchschaubares umgibt. So herrscht ebenfalls im Hause Henrys stets eine gewisse Grundspannung. Lediglich Gavin Lewis erweist sich als unzufriedener Sohn von Henry als Störfaktor. Sein Verhalten wie die schwierige Beziehung zwischen ihm und seinem Vater sind immer wieder ungemein nervtötend. Dabei gelingt es weder dem Regisseur und Drehbuchautor diese Konflikte inszenatorisch wie dramaturgisch glaubhaft zu übermitteln, noch den beiden Darstellern der Charaktere. Zwischen Nelson und Lewis herrscht einfach keine Chemie. Die schwach geschriebenen Passagen zwischen den beiden verstärken dieses Manko noch zunehmend. Dabei wirken die Auseinandersetzungen ebenso wie die Figur von Lewis stets wie ein Fremdkörper - als ob man unbedingt noch einen emotionalen Konflikt in die Geschichte pressen musste. Letztendlich ziehen diese Schwachstellen, die sich um die Figur von Henrys Sohn ranken, den Film unnötig runter.

    Doch glücklicherweise können die Qualitäten dies immer wieder auffangen. Neben den bereits genannten gesellen sich dazu noch der unaufdringliche aber stets atmosphärische Score von Jordan Lehning (Küss mich, Zombie!) und ganz besonders der geradlinige und mitreißend inszenierte Showdown. Dieser fällt angenehm skrupellos aus, ohne sich dabei in Gewaltexzessen zu verlieren. Dass Ponciroli dabei auf unnötige inszenatorische Spielereien verzichtet fügt sich perfekt in die unaufgeregte Grundstimmung des Gesamtwerks ein.

    © 2022 Koch Films

    Fazit


    Old Henry ist ein angenehm unaufgeregter Western geworden, der auf unnötige inszenatorische Innovationen verzichtet und lieber ganz auf eine minimalistische Erzählung setzt, die eine beklemmende Atmosphäre kreiert und mit interessanten Figuren garniert wird. Lediglich die Beziehung zwischen dem Titelhelden und seinem Sohn missglückt Regisseur und Drehbuchautor Potsy Ponciroli vollends. Dennoch bleibt am Ende ein erfrischend altmodischer Western, der gerade Fans des Genres überaus gefallen dürfte.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Old Henry
    Land:
    USA
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Koch Films
    Regie:
    Potsy Ponciroli
    Drehbuch:
    Potsy Ponciroli
    Kamera:
    John Matysiak
    Musik:
    Jordan Lehning
    Genre:
    Western
    Darsteller:
    Tim Blake Nelson, Stephen Dorff, Scott Haze, Gavin Lewis, Trace Adkins
    Start (DE):
    19.05.22 (digital) / 26.05.22 (Blu-ray, DVD)
    Start (USA):
    01.10.2021
    Laufzeit:
    99 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Old-Henry-01.jpg

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