Prey

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  • Einleitung


    Verliefen die Dreharbeiten noch ohne großes Aufsehen um das Werk, kam es während der Postproduction platze es dann heraus, dass 10 Cloverfield Lane-Regisseur Dan Trachtenberg einen neuen Predator-Film inszeniert hat. War die Freude bei vielen Fans groß, dass es doch noch einmal Nachschub im Predator-Universum gibt, sorgte die Tatsache, dass die Produktion nun unter der Leitung von Disney stattfand, auch für reichlich vorurteilsbehaftete Skepsis. Doch nach den ersten atmosphärischen Trailern zum in der Vergangenheit spielenden Prey verstummten diese bereits zahlreich.

    Im Amerika des 18. Jahrhundert versucht sich die Comanche Naru als Jägerin und Kriegerin zu behaupten, was von ihren männlichen Stammesmitgliedern allerdings meist nur abfällig betrachtet wird. Als es zu merkwürdigen Vorkommnissen sowie Spuren im Jagdrevier des Stammes kommt, erhält Naru plötzlich die Möglichkeit zu beweisen, da sie auf den vermutlich gefährlichsten Jäger des Universums trifft.

    Das Drehbuch zu Prey kam aus der Feder von Patrick Aison (Jack Ryan) und die Hauptrolle verkörpert Amber Midthunder (The Ice Road).

    © 2022 Disney

    Kritik


    Unter dem Titel Prey schließt Predator 5 nicht an den letzten Teil Predator - Upgrade an, sondern verlagert seine Geschichte gut 300 Jahre in der Vergangenheit. Dies gab Regisseur Dan Trachtenberg leicht die Möglichkeit sich auf einige Stärken des ersten Teils zurückzubesinnen. So sind es doch gerade die Atmosphäre des Dschungels, die Bedrohung des Unbekannten und das beklemmende Gefühl, stetig beobachtet zu werden, die Hauptgründe, warum Predator noch heute so effektiv funktioniert. Weniger verhalfen die - zugegebenermaßen brachialen - Actionszenen, dem Film zum Kultstatus (wenn sie auch durchaus ihren Beitrag zur enormen Qualität beitragen). Trachtenberg setzt genau auf diese bedrückende Stimmung, lässt sich allerdings auch Zeit, bis diese richtig in Schwung kommt. Ähnlich wie damals John McTiernan teilt Trachtenberg sein Werk in zwei große Phasen. Stand bei Predator in der ersten Hälfte noch der Arnold Schwarzenegger-typische Actionanteil im Fokus, bevor es dann in Richtung Horror abdriftete, schlägt Prey in seinem ersten Abschnitt deutlich ruhigere Töne an. Trachtenbergs Film könnte zu Beginn glatt als ein Indianerdrama durchgehen, in dem eine Figur ihren Platz auf der Welt sucht und Konventionen zu durchbrechen versucht. Zwar gelingt es ihm nicht ganz so gekonnt diese Art von Geschichte zu bedienen, wie es einst McTiernan mit dem Actiongenre meisterte, doch holt einen auch diese Phase definitiv ab. Das liegt ganz besonders an den wundervoll fotografierten Landschaftsaufnahmen, an denen man sich, ähnlich wie anscheinend der Regisseur, nicht satt sehen kann, auf der anderen Seite aber auch an der glaubhaften wie charismatischen Hauptdarstellerin. Die noch relativ unbekannte Amber Midthunder behauptet sich allerdings nicht nur in den ruhigeren Augenblicken, was noch viel wichtiger ist, sie überzeugt im weiteren Verlauf hervorragend als sich zu Wehr setzende Kriegerin/Jägerin. Und gerade bei diesem Punkt kamen bereits die Nachfolger von Predator fast durchgängig ins Wanken. Midthunder markiert hier so die glaubhafteste Darbietung seit Schwarzenegger.

    In der zweiten Hälfte des Films lässt Trachtenberg dann die Hölle einbrechen. Wenn der Predator in Aktion tritt, werden zuerst brutale Jagdszenerien mit der dortigen Tierwelt gezeigt, bis er sich dann auch mit den Menschen anlegt. Leider sind die Computereffekte bei den Auseinandersetzungen mit den Tieren nicht gänzlich gelungen, in dem natürlichen Umfeld der Kulissen machen die Szenen dennoch einiges her. Ganz besonders auch, da sie gerade für Tierliebhaber teilweise schwer zu verkraften sind.
    Beim Predator selbst setzten die Verantwortlichen wieder auf praktische Effekte und Kostüme, was den Außerirdischen einmal mehr sehr einschüchternd und brachial wirken lässt. Trachtenberg gradet die Ausstattung des Predators angemessen down, sodass es durchaus glaubwürdig erscheint, dass das Werk 300 Jahre vor dem ersten Predator-Film spielt. Offensichtlichstes Beispiel dafür ist die deutlich spartanischere Maske, die merklich weniger futuristisch daherkommt, als in den später spielenden Filmen. Und dennoch gibt es natürlich auch ein Wiedersehen mit einigen der bekanntesten Waffen. So sind die ikonischen Krallen sowie natürlich die noch viel berühmteren Schulterkanonen mit ihren drei roten Ziellaserpunkten Teil der Ausrüstung. Letztendlich gelingt so eine gute Mischung aus Bekanntem und "Neuem".

    © 2022 Disney


    Der Regisseur weiß darüber hinaus das Equipment des intergalaktischen Jägers hervorragend einzusetzen. Ganz besonders eine Auseinandersetzung zwischen dem Alien und einer Horde von unangenehmen französischen Jägern in Mitte eines mit Asche verregneten Feldes bleibt da in Erinnerung. Und wer Bedenken bezüglich des Gewaltgrades hatte, wird allerspätestens an dieser Stelle eines Besseren belehrt. Trachtenberg hält in dieser Sequenz gnadenlos drauf, weiß aber dennoch dabei inszenatorisch einfallsreich zu bleiben, sodass die Szene auch künstlerisch durchaus zu überzeugen weiß.

    Grundsätzlich merkt man Prey aber an, dass dort Filmemacher am Werk waren, die sich mit der Materie auskennen und ganz besonders auch ihre Stärken kennen. Ging die Bedrohlichkeit der Predatoren in den letzten Filmeinträgen immer mehr verloren, gelingt es dem neusten Franchise-Beitrag diese wieder aufzubauen, ohne dabei dem Grundsatz zu verfallen, dass alles in irgendeiner Form mehr sein muss. Ganz im Gegenteil gelingt es Trachtenberg sogar dadurch, dass er den Mythos Predator wieder auf seinen Kern reduziert und das Jägerthema wieder ganz in den Mittelpunkt rückt.
    Gleichzeitig gibt es einige Anekdoten, die auf den ersten und auch auf den zweiten Predator-Film verweisen. Aber gerade wenn es inszenatorische Verweise gibt, spielt Trachtenberg dann mit den Erwartungen der Zuschauer, sodass seine Verbeugungen nie wie eine Kopie wirken.
    Ähnlich verhält es sich auch bei dem phantastischen Score von Videospielkomponistin Sarah Schachner (Call of Duty: Modern Warfare), deren Arbeit zwar irgendwie an die legendäre von Jerry Goldsmith erinnert, aber nie wie ein Abziehbild davon wirkt. Schachner findet eigene, teils sehr schöne Melodien und versteht es auch in den spannenden Augenblicken diese einnehmend zu untermalen. Wer also hier auf das berühmte Musikthema aus den Vorgängern wartet, wird definitiv enttäuscht. Stattdessen gibt es allerdings neue, dem Stil ähnelnde Klänge zu bestaunen und zu genießen. Dieser Aspekt unterstreicht auch eine weitere Qualität von Prey. Ähnlich wie bei der Titelauswahl fährt das Werk nicht im Fahrwasser der vorangegangen Filme. Er fühlt sich ungemein selbstständig an, auch wenn es, wie bereits erwähnt, Verweise auf andere Teile gibt. Aber zu keinem Zeitpunkt wirkt dies erzwungen, sodass man davon ausgehen kann, dass Trachtenberg künstlerisch viele Freiheiten hatte und Anekdoten wirklich nur dann einbaute, wenn er es für sinnvoll hielt.

    Mit einem merklichen Schwachpunkt hat Prey jedoch zu kämpfen - die Figuren. Auch wenn man mit Amber Mithunders Naru mitfiebert, so sind einem die anderen Charaktere letztendlich egal. Ganz besonders, da auch viele ihrer Stammesgenossen ungemein unsympathisch daherkommen, entwickeln ihre Tode leider nie eine nennenswerte emotionale Komponente. Die Dynamik des Teams im ersten Predator-Film war beispielsweise eines der zahlreichen Highlights, sodass jedes Dahinscheiden einer Figur einen traf. Hier gönnt man es den Figuren teilweise sogar.
    Aber mit der finalen Konfrontation lässt Trachtenberg dieses Manko in großen Zügen vergessen. Das ist zwar nicht immer gänzlich plausibel, mitreißend allerdings schon. Und gerade die Tatsache, dass Naru mit ihrem Verstand und nicht mit ihrer Physis dem Predator standhalten kann, sorgt beim Showdown für einige interessante Einfälle.

    © 2022 Disney


    Zwar gibt es inhaltlich mit den französischen Pelzjägern einen Schlenker, der das Werk unnötig ausbremst, zugegebenermaßen aber auch in eines der großen Highlights des Films führt, doch bleibt Prey über weite Strecken spannend, toll gefilmt, bietet eine einnehmende Hauptdarstellerin und kann mit einer beklemmenden Atmosphäre punkten. Folglich ist das Prequel der wohl beste Franchise-Eintrag seit Predator 2.

    Fazit


    Mit Prey hat Dan Trachtenberg einen audiovisuell starken Predator-Film abgeliefert, der nicht nur inszenatorisch zu überzeugen weiß, sondern auch mit einer tollen Hauptdarstellerin aufwartet. Atmosphärisch, brutal und handwerklich nahezu makellos, kommt das Werk aufgrund der blassen Nebenfiguren und ein paar Längen dennoch nicht ohne Schwächen aus, bleibt allerdings trotzdem fast durchgängig fesselnd.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Prey
    Land:
    USA
    Jahr:
    2022
    Studio/Verleih:
    20th Century Studios
    Regie:
    Dan Trachtenberg
    Drehbuch:
    Patrick Aison
    Kamera:
    Jeff Cutter
    Musik:
    Sarah Schachner
    Genre:
    Horror
    Darsteller:
    Amber Midthunder, Dakota Beavers
    Start (DE):
    05.08.2022 (Disney+)
    Start (USA):
    05.08.2022 (Hulu)
    Laufzeit:
    99 Minuten
    FSK:
    noch nicht geprüft
    Bilder
    • Prey-05.jpg

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