Unstoppable

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Echte Actionstars, wie man sie noch aus den 80ern und 90ern kannte, gibt es heute nur noch sehr wenige. Von einem hat man in den westlichen Hemisphären aber noch nicht allzu viel mitbekommen, wohingegen er in seinem Heimatland zu den größten Namen im Filmbusiness zählt - Ma Dong-seok aka Don Lee. Zwar sieht man ihn dort auch immer wieder abseits des Actiongenres, doch bekannt wie beliebt ist er ganz besonders für seine Auftritte als sympathischer Hüne, der sich vornehmlich mit seinen Fäusten seinen Gegnern gegenüberstellt. Und genau diesem Prinzip folgt der Action-Thriller Unstoppable.

    Dong-chul versucht ein ehrliches Leben mit seiner Frau zu führen, auch wenn das aufgrund seines Jobs auf dem Fischmarkt Incheons und seiner Schulden alles andere als leicht ist. Als sich der Wege seiner Frau und ihm unglücklicherweise mit denen eines Menschenhändlers kreuzen, wird in dessen Folge seine Frau entführt. Da die Polizei etwas hilflos bei der Suche nach ihr ist, lässt Dong-chul seine finstere Vergangenheit wieder aufleben und macht sich eigenständig auf die Suche nach seiner geliebten Ehefrau Ji-soo.

    Neben Ma sind unter anderem noch Kim Sung-oh (Missing You), Song Ji-hyo (New World), Park Ji-hwan (The Outlaws) und Kim Min-jae (Telekinese) zu sehen.
    Kim Min-ho feiert mit Unstoppable seine Spielfilmdebüt als Regisseur und Drehbuchautor.

    © 2022 Busch Media Group

    Kritik


    Wenn man Hauptdarsteller Ma Dong-seok in einer unsympathischen Rolle sehen möchte, muss man schon große Schritte in seiner Filmographie zurückgehen. Seit etlichen Jahren fällt es wahrlich schwer den koreanischen Hünen in seinen Rollen nicht ins Herz zu schließen. Und bei Unstoppable gelingt es besonders mühsam. Trotz seiner in der ersten rund halben Stunde etwas unbeholfenen und aus finanzieller Sicht verantwortungslosen Figur verkörpert Ma diese mit so einer Herzlichkeit, dass man Dong-chul dennoch irgendwie mag. Geplagt von finanziellen Problemen investiert Mas Dong-chul immer wieder große Summen, die seine Frau und er nicht haben, in Geschäfte, die häufig zum Scheitern verurteilt sind. So wissen sie seit geraumer Zeit nicht, wie sie die Kosten für ihre Wohnung tragen sollen und doch geht Dong-chul immer wieder solche großen Risiken ein. Dass er das Leben seiner Frau und von ihm wiederholt so sehr vor die Wand fährt, macht die Figur eigentlich nicht sonderlich sympathisch. Doch durch Dong-chuls Gutgläubigkeit, die herausragend von Ma dargestellt wird, tut einem die Figur dennoch irgendwie leid, auch wenn man sie für ihr Verhalten gerne Ohrfeigen möchte. In dieser Phase herrscht trotz der Problematik auch vornehmlich ein spaßiger Ton, sodass man leicht in den Glauben kommen könnte, eine Komödie zu schauen.

    Auch wenn diese Annahme mit der Entführung von Dong-chuls Frau Ji-soo erschütternd umgestoßen wird, so ist es dennoch die immer wieder aufkommende humorvolle Tonalität, die dem Werk wiederholt den Boden unter den Füßen wegreißt. Denn nicht nur Dong-chuls Freund und langjähriger Weggefährte ist ein etwas trotteliger Typus, auch der zur Hilfe gezogene Untergrundschnüffler Gomsajang bedient diese Art von Charakter. Letzterer versteht zwar etwas von seinem Job, verhält sich dennoch meist kindisch, sodass die tragische Situation immer wieder untergraben wird. Gerade die dauerhafte Kombination der beiden Mitstreiter von Dong-chul überlädt Unstoppable wiederholt mit amüsanten Szenen, die in großen Zügen allerdings unpassend sind.
    Das ist besonders schade, denn, sobald Ma Dong-seoks Dong-chul in den Beast-Modus umschaltet, entwickelt der Film eine wortwörtliche durchschlagende Wucht. Die Actionszenen sind kraftvoll inszeniert, sodass jeder Schlag das Wohnzimmer erschüttert. Gerade bei Mas Figur haben die Filmemacher den Bruch von Komik zu Ernst erstklassig hinbekommen. Nach der Entführung ist von Dong-chuls tollpatschiger Art nichts mehr zu spüren. Ruhig und fokussiert macht er sich auf die Jagd nach den Verbrechern, wodurch die Figur plötzlich eine ungemeine Dominanz erhält. Diese ist aber auch nicht gänzlich aus der Luft gegriffen, denn, was Ma sehr schön mitspielt, ist, wie die erfolglosen Bemühungen immer das Richtige zu tun, seiner dunklen Vergangenheit weichen. Auch diese Wirkung ist somit ganz besonders dem toll aufspielenden Ma zu verdanken, der beide Charaktereigenschaften mit jeder Phase seiner Physis, seiner Mimik und seiner Emotionen beherrscht. Dass gerade bei dieser Kombination Erinnerungen an Kultschauspieler Bud Spencer wachwerden, liegt da absolut nicht fern, auch wenn die Rollen des Italieners selten die Härte und die Komik in dieser Ausprägung im gleichen Zuge forderten.

    Aber auch abgesehen von der Hauptfigur ist Unstoppable immer dann am stärksten, wenn die Komik weicht und der tragischen Kraft der Geschichte gänzlich die Bühne bietet. Dann ist das Werk zwar nicht sonderlich innovativ, geradlinig sowie kraftvoll aber dennoch. Auch die Spannungsschraube zieht in dem Zuge ordentlich an, sodass die temporeiche Inszenierung über einige inhaltliche Ungereimtheiten hinwegfegt und diese kaum ins Gewicht fallen. Generell ist aber die Inszenierung aus technischer Sicht gewohnt erstklassig. Die Schauplätze sind gut gewählt, die Kamerafahrten dynamisch und die Actionszenen makellos eingefangen.
    Lediglich die zu lang geratene Einleitung sowie die unausgegorene Tonalität berauben Unstoppable der möglichen Kraft. Dass die Kombination Komik und Härte dennoch funktionieren kann, zeigte vorbildlich der ebenfalls mit Ma Dong-seok in der Hauptrolle besetzte The Outlaws. Dort hatte man das richtige Gespür, an welcher Stelle man die abgründige Geschichte durch humorvolle Augenblicke auflockern konnte und in welchen Momenten die Komik nichts zu suchen hatte. Bei Unstoppable fehlte Regisseur und Drehbuchautor Kim Min-ho genau dieses Feingefühl, wenn er auch an anderer Stelle vieles richtig machte.

    © 2022 Busch Media Group

    Fazit


    Unstoppable lebt ganz besonders von seinem charismatischen Hauptdarsteller, der das Umschalten von liebevoll unbeholfen in den brachialen Beast-Modus wie kein zweiter Schauspieler beherrscht. Regiedebütant Kim Min-ho weiß aber auch die Qualitäten von Ma Dong-seok hervorragend zu unterstreichen. Lediglich abseits davon gelingt es dem Filmemacher trotz starker Actionszenen nicht, die richtige Tonalität zu treffen. Zu häufig untergräbt unpassender Humor die tragische Weite der Geschichte.


    6/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    성난황소 (Sungnan Hwangso) / Unstoppable (engl. Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2018
    Studio/Verleih:
    Showbox / Busch Media Group
    Regie:
    Kim Min-ho
    Drehbuch:
    Kim Min-ho
    Kamera:
    Lee Sung-je
    Musik:
    Mowg
    Genre:
    Action, Thriller, Komödie
    Darsteller:
    Ma Dong-seok, Kim Sung-oh, Song Ji-hyo, Park Ji-hwan, Kim Min-jae
    Start (DE):
    30.09.2022 (Heimkino)
    Laufzeit:
    115 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Unstoppable-01.jpg

      1,59 MB, 1.500×1.001, 220 mal angesehen

    931 mal gelesen