Missing

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  • Einleitung


    Regisseur Aneesh Chaganty landete mit seinem Spielfilmdebüt Searching einen absoluten Hit. Bei Produktionskosten von unter einer Millionen US-Dollar spülte der Film über 75 Millionen in die Kinokassen. Gerade die Machart, dass alles nur auf Computerbildschirmen und Smartphones gezeigt wird, ließ die Kosten überschaubar bleiben. Durch den kreativen Umgang mit dieser Methode avancierte das Werk aber zu einem kleinen Publikumsliebling. Seitdem drehte Chaganty lediglich den Thriller Run., der zwar keine wirkliche Fortsetzung von Searching ist, allerdings im selben Filmuniversum angesiedelt ist. Nun folgt mit Missing der nächste Film in dieser Welt, der allerdings durchaus als Anthologie-Fortsetzung zu Chagantys Erstlingswerk funktioniert, da die Machart wieder eine sehr ähnliche ist - abermals spielt sich die Handlung nur auf Computerbildschirmen und Smartphones ab. Da das Werk allerdings inhaltlich für sich steht, stehen im Zentrum komplett neue Figuren.

    Dieses Mal dreht sich die Handlung um June, die verzweifelt versucht, ihre Mutter zu finden, nachdem Sie, während des Urlaubs mit ihrem neuen Freund in Kolumbien, verschwindet. Dazu zieht sie über eine Internetseite für Aushilfsjobs die Hilfe von dem Kolumbianer Javi hinzu, der sich dazu bereit erklärt, für sie vor Ort zu agieren. Nach und nach schafft June ein Bild der Ereignisse abzuzeichnen, die jedoch weit mehr Fragen aufwerfen, als Antworten liefern.

    Als Darsteller sind unter anderem Storm Reid (Euphoria), Joaquim de Almeida (Fast & Furious 5) und Nia Long (Third Watch) zu sehen.

    Die Regie übernahmen bei Missing die Spielfilmdebütanten Will Merrick und Nick Johnson nach einer Story von Chaganty.

    © 2023 Sony Pictures

    Kritik


    Was Searching bereits vormachte, meistert Missing mindestens ebenso gut. Das Regieduo Will Merrick und Nick Johnson gelingt es über die komplette Laufzeit von rund 110 Minuten immer wieder kreative Ideen zu finden, wie es die visuelle Gestaltung über Bildschirme stets abwechslungsreich und interessant arrangieren. Das Stilmittel nutzt sich nie wirklich ab und man merkt dem Film stets an, dass sich die Macher wahrlich viele Gedanken gemacht haben, um dieser Methode möglichst viele Qualitäten zuzusprechen. Was während des Hypes des Found-Footage-Kinos schnell zu einer ebenso kostengünstigen wie inspirationslosen Art des Filmemachens avancierte, wird hier mit all seinen Facetten ausgelebt. Merrick/Johnson wissen nicht nur mit der Smartphone-Ära gekonnt umzugehen, sie finden auch die interessantesten Ansätze das Medium Internet gekonnt einzusetzen. Dabei schwingt auch immer wieder ein ironischer Unterton mit, der durchaus für den ein oder anderen überraschenden Lacher sorgt.

    Aber die verspielte Inszenierung ist längst nicht die einzige Qualität von Missing. Der Film nimmt sich auch die Zeit, sich mit seinen Figuren zu beschäftigen, sodass das Werk ebenfalls emotional den Zuschauer abholt. Das ist nicht gänzlich der Dramaturgie zu verdanken, die hier zwar keine Welten bewegt, jedoch fraglos effektiv ist, sondern ganz besonders an den Darstellern. Storm Reid zeigt hier noch einmal deutlich, dass sie nicht nur in Nebenrollen zu brillieren weiß, sondern auch einwandfrei einen Film in der Leading-Position tragen kann. Aber das kleine Highlight ist hier Joaquim de Almeida, der mit solch einer sympathischen Art den hilfsbereiten Kolumbianer Javi verkörpert, dass man ihn einfach nur ins Herz schließen muss. Und so sind es gerade die Szenen zwischen Reid und de Almeida, die immer wieder für kleine bewegende Augenblicke sorgen - und das, obwohl sich die Darsteller im Film nicht einmal wirklich gegenüberstehen.

    Der Thriller-Plot funktioniert bis zur Hälfte auch außerordentlich gut und es macht irgendwie Spaß June dabei zu begleiten, Puzzlestücke zu finden und diese zusammenzusetzen. Auch wenn bei solch einer Geschichte das Wort Spaß irgendwie fehl am Platz wirkt. Leider hat man ab der Hälfte dann aber ein paar zu viele Twists eingebaut, sodass das Werk zum Ende hin etwas die Glaubwürdigkeit abhanden kommt. Hier wäre durchaus weniger mehr gewesen. Zu verkrampft versucht am immer wieder einen drauf zu setzen, sodass der Überraschungseffekt auch zunehmend verloren geht.
    Dennoch hält einen die temporeiche und einfallsreiche Inszenierung am Ball.

    Fazit


    Missing kann mit kreativen inszenatorischen Spielereien glänzen und weiß seinen speziellen visuellen Erzählstil gekonnt einzusetzen. Und dennoch schenken die beiden Regisseure Will Merrick und Nick Johnson ihren Figuren den nötigen Raum, damit der Zuschauer auch emotional abgeholt wird. Lediglich bei den Twists schießt man zum Ende hin etwas übers Ziel hinaus.

    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    Missing
    Land:
    USA
    Jahr:
    2023
    Studio/Verleih:
    Sony Pictures
    Regie:
    Will Merrick, Nick Johnson
    Drehbuch:
    Will Merrick, Nick Johnson, Sev Ohanian (Story), Aneesh Chaganty (Story)
    Kamera:
    Steven Holleran
    Musik:
    Julian Scherle
    Genre:
    Thriller
    Darsteller:
    Storm Reid, Joaquim de Almeida, Nia Long, Ken Leung
    Start (DE):
    23.02.2023
    Start (USA):
    20.01.2023
    Laufzeit:
    111 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Missing-01.jpg

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