Project Wolf Hunting

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

  • Einleitung


    Dass das koreanische Actionkino nicht zimperlich ist, ist wahrlich keine Neuigkeit. Doch mit Project Wolf Hunting erreicht man nun ganz neue Dimensionen, sodass der deutsche Independent-Filmverleih Capelight Pictures für die Kinoauswertung mehrere Anläufe bei der FSK brauchte, damit der Film ungekürzt auf den Leinwänden in Deutschland erscheinen kann.
    Die Prämisse des Werks legt dafür schon einmal eine passende Grundlage für blutiges Actionfest.

    Project Wolf Hunting dreht sich um eine Gruppe gewalttätiger Schwerverbrecher, die von den Philippinen nach Südkorea ausgeliefert werden sollen. Um die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten, erfolgt die Überführung auf dem Seeweg. Unter Deck eingesperrt und von zwei Dutzend Polizisten streng bewacht, gelingt es den Straftätern sich zu befreien und so beginnt eine blutige Auseinandersetzung auf dem Frachtschiff.

    Die Regie und das Drehbuch verantwortete Kim Hong-sun (Liar Game). Als Darsteller konnten unter anderem Jang Dong-Yoon (Beautiful Days), Jung So-min (Alchemy of Souls), Park Ho-san (Night in Paradise), Seo In-guk (Cafe Minamdang), Choi Gwi-hwa (The Roundup) und Sung Dong-il (The Great Battle) gewonnen werden.

    © 2023 Capelight Pictures

    Kritik


    Eins, was das geachtete Thriller- beziehungsweise Actionkino aus Südkorea ausmacht, ist, dass die Werke häufig durch ihre schonungslose Darstellung ihre düstere Stimmung durchschlagend untermauern. Dabei verläuft man sich in der Regel nicht in ausartenden Gewaltexzessen, doch man lässt sich von expliziten Gewaltdarstellungen auch nicht abschrecken. Die gekonnte, normalerweise nicht zum Selbstzweck verkommende Brutalität erhält so meist einen erzählerischen Wert. Mit Project Wolf Hunting wird dieser stilvolle Umgang nun vollends über Bord geworfen. Der Actionkracher von Regisseur und Drehbuchautor Kim Hong-sun ufert nahezu in jeder Actionszene dermaßen aus, dass das literweise spritzende und fließende Kunstblut in der Menge selbst Peter Jacksons Kult-Splatter Braindead in nichts nachsteht. Wirkt das in der ersten Hälfte teilweise durch die bierernste Tonalität etwas abstoßend, da sich das Werk nahezu voyeuristisch in den Gewaltausschweifungen suhlt, wandeln sich diese mit dem im weiteren Verlauf aufkommenden übernatürlichen Aspekten fast schon in einen Fun-Splatter. Völlig übertrieben werden hier Gliedmaßen herausgerissen, Schädel zertrümmert und Brustkörper zerschmettert. Bei jedem Körpertreffer spritzt das Blut nahezu in Fontänen und das erstklassige Sounddesign untermalt die ganzen Sequenzen mit den herausstechenden Geräuschen, sodass die Splattereinlagen nicht nur visuell sondern auch akustisch einschlagen.
    Da dabei auch möglichst viel auf praktische Effekte gesetzt wird, werden Fans von dieser Art Filmen hier ihre helle Freude daran haben.

    Abgesehen von den blutgetränkten Einlagen überzeugt die Inszenierung von Kim aber ebenfalls. Die Actionszenen sind dynamisch inszeniert und bieten auch immer wieder schöne Choreografien. Das Frachtschiff ist als Location gut gewählt und erzeugt durch seine archaische und kalte Aufmachung von der ersten Minute an ein ungutes Gefühl. Dazu kreieren die engen, metallischen Korridore durchgängig eine beklemmende Atmosphäre. Lediglich wenn dann mal die Computereffekte zum Einsatz kommen, schwächelt Project Wolf Hunting visuell merklich.

    Bei der Figurenzeichnung leistet sich der Action-Splatter leider unnötige Schwächen. Gerade die Polizisten verhalten sich in den Krisenaugenblicke immer wieder dermaßen bescheuert, dass ihnen jegliche Glaubwürdigkeit fehlt. Wenn die Polizei beispielsweise nach zahlreichen von den Insassen an Beamtenkollegen verübten brutalen Morden inklusive Schießereien immer noch zögern, auf die Straftäter zu schießen, kommt man aus dem Kopfschütteln schon gar nicht mehr heraus. Wenn dann endlich die wahre Gefahr auftritt und sich durch alle Passagiere, ob Polizist oder Verbrecher, metzelt, kommt das schon fast wie ein Befreiungsschlag daher. Lediglich mit Jang Dong-yoons mysteriösen Kriminellen hat man eine Figur im Ensemble, mit der man zumindest ein wenig mitfiebert.
    Mit zu Beginn merklichen Con Air-Anleihen kommt Project Wolf Hunting dramaturgisch anfangs fast schon wie eine Art Remake des Nicolas Cage-Actioner daher. Vom Transfer der Verbrecher vom Bus zum Schiff inklusive der Einführung des vermeintlichen Hauptbösewichts Jong-du, kommen klare Erinnerungen an das 90er-Jahre Werk auf. Im Gegensatz zum Hollywoodvorbild wird Jong-dus sadistische Seite jedoch nicht nur verbal beschrieben, sondern die nahezu überschwänglich tätowierte Figur darf sie auch inbrünstig ausleben. Darsteller Seo In-guk wirft sich spürbar motiviert in diese Aufgabe herein, wenn seine Darstellung auch immer mal wieder über das Ziel hinausschießt. Gleich verhält es sich mit den exzessiven Morden Jong-dus an seinen Opfern. Ob man diese hätte dermaßen explizit zur Schau stellen müssen, ist fraglich. Denn ebenso wie bei seinen Verbündeten erzählen die ausufernden Gewaltexzesse nicht mehr über die Figuren, als es weniger ausschweifende Brutalitäten getan hätten. Ja, hin und wieder wäre eine nicht so explizite Darstellung sogar in ihrer Wirkung intensiver und schockierender gewesen, da man sie im Kopf des Zuschauers hätte abspielen lassen können. So wirken diese Momente häufig schaulustig und primitiv.
    Wenn dann der eigentliche Antagonist auf den Plan tritt, transformiert sich diese Wirkung, wie oben bereits erwähnt, glücklicherweise.

    Subtil ist Project Wolf Hunting wahrlich nicht und auch kritische Untertöne sucht man hier vergebens, doch erzeugt er durch seine übertriebene Gewaltdarstellung, gerade in der zweiten Hälfte, einen nicht zu verkennenden Unterhaltungswert - vorausgesetzt selbstverständlich, dass man mit überzogenen Splatter-Einlagen etwas anfangen kann.

    © 2023 Capelight Pictures

    Fazit


    Das Werk von Regisseur und Drehbuchautor Kim Hong-sun kann man wahrlich als Action-Splatter bezeichnen, der sich in seinen Gewaltdarstellungen suhlt. Ist das in der ersten, sich sehr ernstnehmenden Hälfte noch teilweise abstoßend, wandelt sich das in der folgenden zu einem fast schon augenzwinkernd überzogenen Splatter-Exzess. Visuell ist das Ganze durchweg gut inszeniert, auch wenn man sich mit den immer wieder idiotisch agierenden Figuren wiederholt den Boden unter den Füßen wegreißt. Dennoch bleibt am Ende ein solider, temporeich inszenierter Genrebeitrag, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits jetzt der blutigste Actionfilm des Jahres sein dürfte.


    6/10

    :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2:
    Infos
    Originaltitel:
    늑대사냥 (Neukdaesanyang) / Project Wolf Hunting (engl. Titel)
    Land:
    Südkorea
    Jahr:
    2022
    Studio/Verleih:
    TCO / Capelight Pictures
    Regie:
    Kim Hong-sun
    Drehbuch:
    Kim Hong-sun
    Kamera:
    Yoon Ju-Hwan
    Musik:
    Kim Jun-sung Jo Ran
    Genre:
    Action, Fantasy, Horror
    Darsteller:
    Jang Dong-Yoon, Jung So-min, Park Ho-san, Seo In-guk, Choi Gwi-hwa, Sung Dong-il
    Start (DE):
    02.03.2023
    Laufzeit:
    121 Minuten
    FSK:
    keine Jugendfreigabe
    Bilder
    • Project-Wolf-Hunting-01.jpg

      3,43 MB, 2.000×1.333, 307 mal angesehen

    7.236 mal gelesen