Arielle, die Meerjungfrau

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  • Einleitung


    Disney verfilmt weiterhin fleißig die hauseigenen Zeichentrickklassiker und muss sich dahingehend auch immer wieder bei der mangelnden Kreativität dieser Vorgehensweise Kritik anhören. Dennoch steht außer Frage, dass das Studio damit kommerziell einige phänomenale Erfolge erzielte. Auch wenn die letzten entweder direkt beim hauseigenen Streamingdienst Disney+ untergebracht wurden (Peter Pan und Wendy, Pinocchio oder Susi & Strolch) oder aber mit Mulan sogar ein finanzieller Flop an den Kinokassen zu Buche steht, so kann man dennoch mit Titeln wie Der König der Löwen (über 1,6 Milliarden US-Dollar weltweites Einspielergebnis), Die Schöne und das Biest (über 1,2 Milliarden), Aladdin (über 1 Milliarde) oder Das Dschungelbuch (über 950 Millionen) auf einige erschlagende finanzielle Triumphe blicken. Allerdings liegen all diese Werke bereits mindestens vier Jahre in der Vergangenheit. Mit Arielle, die Meerjungfrau hat man sich nun einem der beliebtesten Zeichentrickfilme gewidmet. Für die Umsetzung hat man sich dafür den Musical-erfahrenen Regisseur Rob Marshall an Bord geholt, der bereits unter Disney die musikalischen Werke Into the Woods und Mary Poppins' Rückkehr inszenierte.

    Im Zentrum von Arielle, die Meerjungfrau steht die titelgebende Figur, die sich im Gegensatz zu den Verboten ihres Vaters, dem König der Meere, viel mit der Welt der Menschen auseinandersetzt. Diese Neugier führt dazu, dass sie die Menschen an der Meeresoberfläche beobachtet und sich schon bald in den abenteuerlustigen und liebenswerten Prinzen Erik verliebt. Von ihrem Wunsch, sich von den Ketten ihres Vaters loszureißen und ihren Gefühlen nachzugehen, getrieben geht sie einen Verhängnisvollen Deal mit der Meereshexe Ursula ein. Nun hat sie nur ein paar Tage Zeit, um an der Oberfläche von Erik einen wahrhaftigen Kuss zu bekommen, sonst gehört sie auf Ewigkeit Ursula. Doch diese hat dazu Arielle noch ihrer Stimme beraubt.

    Als Arielle ist die Sängerin Halle Bailey zu sehen. Darstellerisch zur Seite stehen ihr unter anderm Jonah Hauer-King (This is the Night) als Prinz Erik, Melissa McCarthy (Spy) als Ursula und Javier Bardem (Vicky Christina Barcelona) als König Triton.

    © 2023 Disney

    Kritik


    Nach den ersten Trailern musste Disneys Realverfilmung des hauseigenen Zeichentrickklassikers Arielle, die Meerjungfrau bereits viel Kritik einstecken. Effekte und Design sahen sich durch die etwas unnatürliche Präsentation viel Spott ausgesetzt. Umso schöner ist es, dass am Ende im fertigen Film alles überraschend gut zueinander findet. Denn die Realfilmumsetzung von Arielle ist definitiv eine der besten Verfilmungen des Traditionshauses. Gerade die letzten beiden Neuinterpretationen von Disneys berühmten Zeichentrickfilmen, Peter Pan und Wendy sowie Pinocchio, konnten weder Publikum noch Kritiker überzeugen. Zu lieblos, zu routiniert, zu kreativlos und visuell wenig überzeugend enttäuschten sie großflächig. Bei Arielle, die Meerjungfrau ist es umso schöner zu sehen, dass man sich allen Belangen deutlich mehr ins Zeug gelegt hat. Zwar kommt auch diese Realverfilmung ganz bestimmt nicht ohne Schwächen aus, doch ist das Herz durchweg am rechten Fleck. Das ist auf der einen Seite Regisseur Rob Marshall zu verdanken, der mit viel Liebe zum Detail und, auch wenn die Trailer das nicht vermuten lassen, visuell stets kreativ dem Werk eine wundervolle Bildersprache ganz im Geiste der märchenhaften Zeichentrickvorlage spendiert. Auf der anderen Seite haben die beiden bestens aufgelegten Hauptdarsteller, Halle Bailey als Arielle und Jonah Hauer-King als Prinz Erik, einen großen Anteil an der positiven Gesamtwirkung des Films. Dass Bailey die Gesangseinlagen stemmen würde, stand bei der mehrfach Grammy-Nominierten außer Frage. Dass sie aber in der Phase, in der ihrer Figur die Stimme genommen wurde, sogar darstellerisch am überzeugendsten ist, ist hingegen eine schöne Überraschung. Ganz besonders im Zusammenspiel mit Hauer-King entfaltet sich eine besondere Wärme, da die Chemie der beiden Darsteller ungemein gut ist. Man fiebert nur allzu gerne mit den beiden mit, sodass es ein Genuss ist, sie beim Näherkommen zu begleiten. Bailey schafft es darüber hinaus ihrer Figur die nötige liebenswerte Unschuld mitzugeben, dass man sie unweigerlich ins Herz schließen muss. Hauer-King hingegen tritt mit einer energiegeladenen, abenteuerlichen Selbstbewusstheit auf, dass sein Charme seine Wirkung nicht verfehlt.
    Hier zeigt sich auch eine der gelungenen dramaturgischen Anpassungen gegenüber der Vorlage. Erik strebt nach neuen Wegen, der Erkundung des Unbekannten. So treiben Arielle und Erik ähnliche Kräfte an, wodurch besonders Arielles Gefühle gegenüber Erik deutlich greifbarer werden, als noch in der Zeichentrickvorlage.


    Grundsätzlich gelingt es den Verantwortlichen das Original zu ehren, ja, sie halten sich teilweise sehr nahe an der Vorlage, gewinnen der Geschichte aber auch einige neue Facetten ab und erzählen selbst Bekanntes zeitgemäß, sodass die Neuverfilmung sogar inhaltlich ihre Daseinsberechtigung hat. Lediglich inszenatorisch wirken aus dem Zeichentrickfilm übernommene Motive teilweise etwas verkrampft und dadurch deplatziert. Einen schönen Fanservice liefern sie dennoch, wenn leider auch nicht viel mehr. Wenn Marshall aber kreativen Freiraum hat, nutzt er das stets gekonnt. Eines der Highlights bildet dabei deutlich die Umsetzung des Kulthits „Unter dem Meer“. Welch farbenfrohe Einfälle und abwechslungsreicher Einsatz von den verschiedensten Unterwasserlebewesen aufgeboten werden, ist einfach nur ein riesiger Spaß. Generell weiß der Filmemacher aber die Unterwasserwelten gekonnt in Szene zu setzen. Dabei wählt er bewusst keine allzu realitätsnahe Optik, sondern orientiert sich spürbar an der märchenhaften Stimmung der Vorlage. Und das ist bei der doch teils (im positiven Sinne) kitschigen Geschichte der absolut richtige Weg. Als guter Nebeneffekt gewöhnt man sich dadurch an die manchmal etwas künstlich wirkende Optik extrem schnell und sie fällt somit nicht ins Gewicht, im Gegenteil sogar, sie fügt sich der phantasievollen Gesamtwirkung des Films sehr gut ein. Denn Arielle ist kein Film, den man schaut, um möglichst naturalistisch Welten dargeboten zu bekommen, sondern in dem man in andere Welten abtauchen und den Alltag vergessen lassen möchte. Und das schafft der Film in seinen gut zwei Stunden auch tatsächlich.

    © 2023 Disney


    Mit die größten Kritiken im Vorfeld mussten sich die beliebten Figuren Sebastian, Fabius und Scuttle bieten lassen. Bei zumindest einer Figur offenbaren sich diese Beanstandungen als völlig unberechtigt – Krabbe Sebastian. Denn der kleine Wegbegleiter avanciert sogar zum heimlichen Szenendieb. Ganz besonders im Original macht das von Daveed Diggs (Snowpiercer) mit charmanten Akzent gesprochene Krebstier ungemein viel Spaß. Aber auch visuell ist Sebastian gut gelungen, da man sich zwar deutlich näher an einer echten Krabbe orientiert hat, man aber dennoch einen klaren Bruch zur Wirklichkeit spürt. Das kann man über Fisch Fabius allerdings nicht unbedingt sagen, da dieser seinem echten Vorbild sehr nah nachempfunden wurde, wodurch er etwas befremdlich wirkt. Das größte Problem bei ihm ist jedoch, dass er für die Handlung nahezu irrelevant ist und man ihn eigentlich komplett hätte weglassen können. Visuell am schwierigsten erweist sich Scuttle. Das realitätsnahe Design des Basstölpels (im Original übrigens eine Möwe) lässt den Vogel immer etwas hinterhältig wirken, auch wenn die Figur das ganz und gar nicht widerspiegelt. Darüber hinaus wirkt sie zu krampfhaft auf lustig getrimmt und besonders in der Originalversion ist sie dazu noch anstrengend von Awkwafina (The Farewell) vertont und bekommt noch eine zum Fremdschämen einladende Rap-Nummer spendiert.

    Wo Arielle darüber hinaus deutliche Schwächen aufweist, ist bei der Antagonisten Ursula. Melissa McCarthy gelingt es kaum der Figur die Bedrohlichkeit zuzuschreiben, die der Figur in der Vorlage innewohnt und die sie dringend benötigt. Auch der Showdown, der sich nahe an der Vorlage hält, gehört zu den weniger geglückten Momenten. Die sonst ordentlichen Computereffekte stoßen in dieser Phase an ihre Grenzen, die Szenerie ist unvorteilhaft dunkel geraten und die Action etwas hektisch eingefangen. Dadurch mutiert das Finale zu einem unnötig aufgebläht wirkenden aber vor allem lieblosen Actionbrei. Der Tonalität des Films hätte eine intimere und dadurch wahrscheinlich deutlich emotionalere Konfrontation mit Ursula besser gestanden.

    Arielle, die Meerjungfrau weist offensichtlich einige Schwächen auf, ist im Großen und Ganzen aber dennoch gut gelungen und dürfte einige neue Zuschauer für den Stoff gewinnen können. Fans des Zeichentrickklassikers werden einigen Fan-Service geboten bekommen und dazu ihre Lieblingssongs in einer nicht zu verleugnenden musikalischen Steigerung erleben dürfen.
    Und letztendlich verhält es sich optisch ähnlich wie einst bei Alita: Battle Angel. Nach einer gewissen Gewöhnungsphase wirkt die zuerst als Uncanny Valley wahrgenommene visuelle Gestaltung dann am Ende doch überraschend stimmig - dank der märchenhaften Tonalität.

    © 2023 Disney

    Fazit


    Rob Marshall präsentiert mit seiner Realverfilmung von Arielle, die Meerjungfrau ein farbenfrohes und visuell liebevolles Werk, das sich noch wie ein richtiges Märchen in bester Disney-Tradition anfühlt. Ganz bestimmt nicht ohne Schwächen ist der Film dennoch eine der schönsten Realverfilmungen aus dem Hause des Traditionsstudios, die gerade durch die zeitgemäßen Anpassungen aber auch durch die liebevolle Inszenierung sowie dem bestens aufgelegten Darsteller-Duo Halle Bailey/Jonah Hauer-King eine klare Daseinsberechtigung innehat.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Little Mermaid
    Land:
    USA
    Jahr:
    2023
    Studio/Verleih:
    Disney
    Regie:
    Rob Marshall
    Drehbuch:
    David Magee, John Musker (Filmvorlage), Hans Christian Andersen (Story-Vorlage)
    Kamera:
    Dion Beebe
    Musik:
    Alan Menken, Lin-Manuel Miranda
    Genre:
    Drama, Fantasy, Musical
    Darsteller:
    Halle Bailey, Jonah Hauer-King, Melissa McCarthy, Javier Bardem
    Start (DE):
    25.05.2023
    Start (USA):
    26.05.2023
    Laufzeit:
    135 Minuten
    FSK:
    ohne Altersbeschränkung
    Bilder
    • Arielle-die-Meerjungfrau-03.jpg

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Kommentare 2

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    greedo -

    "die zeitgemäßen Anpassungen" - eine schöne Formulierung. Da warte ich lieber auf Black Panther 3 mit Daniel Craig oder The Woman King 2 mit Meryl Streep.

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      ElMariachi90 -

      Die Formulierung war lediglich inhaltlicher Natur gemeint. Was auch durchaus im Gesamttext hervorgehen sollte.