1883

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  • Einleitung


    In Amerika erfreut sich die Serie Yellowstone immenser Beliebtheit und mauserte sich über die Jahre zu einem echten Phänomen. Die Serie kommt bereits auf 4 vollendete Staffeln, eine fünfte ist teils bereits ausgestrahlt und mit 1883 sowie 1923 wurden ebenfalls bereits zwei Prequels veröffentlicht und mit Bass Reeves und einer noch unbetitelten Spin-off-Serie mit Matthew McConaughey in der Hauptrolle stehen bereits die nächsten zwei Ableger in den Startlöchern. Auch wenn die Hauptserie aufgrund des Weggangs von Leadingman Kevin Costner mit Staffel 5 endet, ist somit für reichlich weiteren Stoff gesorgt. Bei den ganzen Ablegern war es aber 1883, der den Anfang machte und die Handlung in das titelgebende Jahr verlagerte.

    Im Zentrum der Serie steht die Familie Dutton, die im späten 19. Jahrhundert den Weg von Texas nach Westen in Richtung Oregon wagt, um endlich das Zuhause zu finden, das sie sich erträumen. Dabei müssen sie die letzten ungezähmten Gebiete Amerikas durchqueren, geradewegs durch die berüchtigten Great Plains. Dabei im Schlepptau: eine Gruppe von nach Freiheit strebenden unerfahrenen Pilgern.

    In den Hauptrollen sind unter anderem Tim McGraw (Flicka), Sam Elliott (Wir waren Helden), Isabel May (Young Sheldon), Faith Hill (Die Frauen von Stepford), LaMonica Garrett (The Last Ship) und Marc Rissmann (The Last Kingdom) zu sehen.
    Als kreativer Kopf hinter dem Prequel stand wie schon bei der Hauptserie wieder Taylor Sheridan, der auch die erste Folge von 1883 inszenierte.

    © 2023 Paramount Pictures

    Kritik


    1883 zelebriert den Freiheitsgedanken des Cowboy-Daseins mit jeder Phase. So kommt man unweigerlich nicht darum herum, selbst diesen Sehnsüchten zu verfallen. Zu verlockend sind die wunderschönen Bilder der Great Plains mit ihren ebenso ausladenden wie einladenden Kurzgras-Prärien. Und genau diesen Widerspruch fängt Taylor Sheridan und sein Team mit der Serie hervorragend ein. Die Faszination wie die Bedrohung, die diese Weiten ausstrahlen. Ob von umherziehenden Dieben, die skrupellos über die Nomaden herfallen, oder aber von der Natur selbst, die rücksichtslos ihr Dasein pflegt. Wunderschön und beängstigend zugleich. Gerade durch die wundervoll geschriebenen Off-Texte von Isabel Mays Elsa Dutton bekommen die Bilder noch ein zusätzliches Gewicht, ja sogar einen philosophischen Ton zugesprochen. Diese Symbiose sorgt nicht nur für eine traumhafte audiovisuelle Erfahrung, sondern verleiht dem Ganzen noch zusätzlich eine emotionale Tiefe.

    Darstellerisch ist der Hauptcast nahezu makellos. Ganz vorne Tim McGraw, der eigentlich eher unscheinbare Darsteller geht in der Rolle des grimmigen, vom Krieg gebeutelten aber stets um seine Familie sorgenden James Dutton einnehmend auf. Ungemein charismatisch erweckt er die Figur zum Leben, mit all ihrem Schmerz und ihrer Liebe zur Familie. Sam Elliott darf neben seiner gewohnt raubeinigen Art auch mal etwas Gefühl zeigen, wobei besonders ein Gespräch zwischen ihm und Isabel Mays Elsa über den Verlust seiner Familie im Gedächtnis bleibt. May als Dreh- und Angelpunkt der Serie funktioniert inhaltlich sehr gut. Die Schauspielerin meistert diese große Aufgabe auch weitestgehend sehr gut. Besonders wenn sie mit Glück erfüllt ist und ihre Faszination für das Leben in der Prärie den Zuschauer spüren lässt, ist das unweigerlich ansteckend. Lediglich wenn ihre Figur der Wut verfällt, driftet May leider zu häufig in eine trotzige Haltung, was im Laufe der Serie streckenweise etwas anstrengend anzuschauen ist. Ansonsten kann die Serie auch ungemeine Qualitäten aus der Dynamik zwischen den Figuren ziehen. Gerade die Cowboys, die sich um die Herde kümmern wachsen zum kleinen stetig pochenden Herzen von 1883 heran. Sympathisch durch ihre zurückhaltende und stets respektvolle Art avancieren sie zu einer angenehmen Konstanten. Und so wächst das Team, das die Pilger durch die Landschaften führt, zu einer Art Familie heran, der man nur allzu gerne beiwohnt.
    Aber auch einige kleine hochkarätige Gastauftritte hält 1883 bereit, die gut gewählte Figuren zugeteilt bekamen. Von Tom Hanks als ehemaliger Vorgesetzter von Dutton, über Billy Bob Thornton als die historische Figur des Marshal Jim Courtright bis zu Taylor Sheridan selbst als charismatischer Revolverheld, der die Weiten der Prärie bestreift auf der Jagd nach Pferdedieben und anderen Kriminellen.

    © 2023 Paramount Pictures


    Grundsätzlich liegt den Figuren aber stets etwas Trauriges bei. Alle sind gekennzeichnet vom Leben. Dem gegenüber steht die positive Energie Elsas mit ihrer noch unschuldigen Naivität. Auch hier zeigen sich wieder die Gegensätze, mit denen 1883 immer wieder spielt. Das Schöne kommt nicht ohne das Hässliche aus. Das Glück besteht nicht ohne das Grauen. So sind die Figuren immer wieder von Ängsten getrieben, halten sich dennoch verbissen an der Hoffnung, welche sie immer weiter anschiebt.
    Den emotionalen Zugang zu den Figuren findet man so spielend leicht, da man ihre Motivationen und ihre Gefühlswelt stets nachvollziehen kann. Gerade der Umgang miteinander ist trotz aller Konflikte immer ein respektvoller, sodass man selbst für die raubeinigsten Figuren im Hauptcast Sympathien entwickelt. Denn auch diese stehen stets für Werte ein. So ist 1883 ein Appell für das Miteinander und weniger ein Auskosten der Konfrontationen sowie ein Suhlen in den grausamen Taten, zu denen die Menschen fähig sind. Das heißt allerdings in keinem Augenblick, dass ein Handeln keine schwerwiegenden Konsequenzen hat. Denn biblische Nächstenliebe sucht man hier vergebens. Viel mehr geht es um Respekt und den konsequenten Folgen, wenn man diesen nicht hat. Eine simple Form der Gerechtigkeit, die man in einer komplizierten Welt zu sehr sucht.

    Umso weniger verwunderlich ist es, dass man bei der Inszenierung auf spektakuläre Shootouts verzichtete. In der Regel sind sie simpel und zweckdienlich gehalten. Im Rahmen der beeindruckenden und detailverliebten Ausstattung sind sie dennoch wirkungsvoll.
    Doch bei all dem Lob gibt es dennoch den ein oder anderen Punkt zu kritisieren, der sich ganz besonders in Folge 8 manifestiert. So schön es ist, der Figur Elsa beim Entdecken des Westens und dem Sammeln ihrer positiven wie negativen Erfahrungen zu begleiten, so unbeständig ist manchmal ihre Gefühlswelt. Und gerade in dieser eben genannten Folge rückt die Figur mit ihren eher anstrengenden Verhaltensweisen – Trotz und emotionale Wechselhaftigkeit – in den Vordergrund, wodurch Elsa einige Sympathiepunkte einbüßt. Auch wenn es stets erfrischend ist, wie sie mit den Normen der damaligen Zeit bricht, ist es dennoch ihre weiche Seite, die in dieser grobschlächtigen Welt selbst die unterkühltesten Männer bewegt. Folglich ist es schade, dass Elsa mehr und mehr in eine störrische Verbissenheit rutscht, die in Folge 8 ihren Höhepunkt findet. So bricht diese Folge aus dem ansonsten so phantastischen Gesamtwerk negativ heraus und die Macher hatten merklich Mühe in den letzten beiden Folgen diesen Fehlgriff wieder zu korrigieren. Glücklicherweise gelang ihnen dies spätestens mit der finalen Episode.

    © 2023 Paramount Pictures

    Fazit


    1883 ist eine erwartungsgemäß herausragende Ergänzung zum populären Yellowstone-Mythos. Großartig geschrieben, in phantastische Bilder getaucht und mit einem einnehmenden Cast ausgestattet ist auch diese Serie von Taylor Sheridan abermals ein wertvolles Stück Fernsehgeschichte, das den Freiheitsgedanken des Cowboy-Daseins in jeder Pore atmet. Lediglich mit einer missglückten Folge 8 reißt man sich etwas den Boden unter den Füßen weg. Doch gelingt es den Verantwortlichen den Zuschauer in den letzten beiden Folgen wieder vollends einzufangen.


    8/10

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    Infos
    Originaltitel:
    1883
    Land:
    USA
    Jahr:
    2021
    Studio/Verleih:
    Paramount Pictures
    Regie:
    Diverse
    Drehbuch:
    Diverse
    Kamera:
    Diverse
    Musik:
    Brian Tyler, Breton Vivian
    Genre:
    Western
    Darsteller:
    Tim McGraw, Sam Elliott, Isabel May, Faith Hill, LaMonica Garrett, Marc Rissmann
    Start (DE):
    08.12.2022
    Start (USA):
    19.12.2021
    Laufzeit:
    10 Episoden je ca. 60 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
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