Die Letzte Fahrt der Demeter

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  • Einleitung


    Mit seinem Werk Troll Hunter machte der norwegische Regisseur André Øvredal schnell international von sich reden. Mit seinem US-Debüt The Autopsy of Jane Doe legte er qualitativ stark nach und lieferte einen kleinen Genre-Geheimtipp. Der einen Hang fürs Düstere besitzende Kultregisseur Guillermo del Toro holte ihn sich dann für Scary Stories to Tell in the Dark, mit dem Øvredal seinen ersten größeren finanziellen Erfolg feierte. Nun darf er sich an wohl der Horrorkultfigur schlechthin versuchen - Dracula.

    In Die letzte Fahrt der Demeter erzählt Øvredal von der Überfahrt Draculas von den Karpaten nach London. Das Schiff Demeter nimmt am Ablegehafen Fracht entgegen, bei der die Crew nicht zu wissen scheint, was sie dort eigentlich transportieren. Doch schon kurze Zeit nachdem das Schiff in See stößt, ereignen sich merkwürdige Zwischenfälle an Bord, was mit dem Tod aller Tiere beginnt. Schon bald verschwindet auch ein Besatzungsmitglied nach dem anderen.

    Die Besetzung besteht unter anderem aus Corey Hawkins (6 Underground), Aisling Franciosi (The Nightingale) und Liam Cunningham (Harry Brown).

    © 2023 Universal Pictures

    Kritik


    Keine Figur prägte das Bild des Vampirs so sehr, wie die des von Bram Stoker erschaffenen Grafen Dracula. Wenig verwunderlich wurde sich diesem Charakter auch schon zahlreich in Film und Fernsehen gewidmet – sei es in Form einer losen Anlehnung oder gar werksgetreu anhand Stokers Romanvorlage. Regisseur André Øvredal und seine beiden Drehbuchautoren Zak Olkewicz und Bragi F. Schut nahmen sich für ihren Film Die letzte Fahrt der Demeter lediglich dem Kapitel „Logbuch der Demeter“ von Stokers Kultbuch an. In diesem sind die Logbucheintragungen des Kapitäns zu lesen, die von einer grauenhaften Kreatur an Bord erzählen, die die Crewmitglieder nach und nach dezimiert. Das kurze Kapitel geht nicht wirklich viel ins Detail bei den Geschehnissen an Bord, was den kreativen Köpfen hinter dem Film durchaus reichlich Spiel lässt, um die Überfahrt auszuschmücken.

    Und das glauben die Verantwortlichen auch getan zu haben, denn das Werk wird auf fast zwei Stunden Laufzeit aufgepustet. Doch viel zu erzählen haben die Macher dabei leider nicht. Besonders bei den Figuren wagt man nicht in die Tiefe zu gehen, sodass das Schicksal der Beteiligten einen kaum berührt. Das Drehbuch schenkt ihnen kaum Substanz, aber auch die Darsteller, die mit Corey Hawkins, Aisling Franciosi und Liam Cunningham in den Hauptrollen von durchaus fähigen Namen angeführt werden, schaffen es nicht, ihren Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen, damit man mit ihnen mitfiebert. Da hilft es leider auch nicht, dass Øvredal die Attacken von Dracula durchweg atmosphärisch einfängt.
    Dass die Prämisse, dass eine Gruppe von Menschen mit einem grauenvollen Wesen auf limitierten Raum feststeckt, viel Spannungspotential innehat, bewiesen nicht nur Genremeilensteine wie Alien oder Das Ding aus einer anderen Welt. Doch das Autorenteam gelingt es einfach nicht, die klaustrophobische Stimmung einzufangen, was allerdings in erster Linie auf die dramaturgischen Schwächen zu schieben ist. Zwischen die Figuren herrscht kaum eine interessante Reibung, die den beengten Raum noch kleiner erscheinen lässt, und die Entscheidungen, die die Figuren treffen, laden zu häufig zum Kopfschütteln ein. So verwundert es wenig, dass dem Werk im Mittelteil so langsam die Puste ausgeht.

    Dass der Film bis zu diesem Zeitpunkt dennoch spannend bleibt und den Zuschauer auch danach noch zumindest interessiert, wenn auch nicht wirklich gefesselt, am Ball behält, ist einzig der herausragenden Ausstattung, dem phantastischen Creature-Design, den tollen Effekten und der geübten Inszenierung von Regisseur Øvredal zu verdanken. Denn ganz besonders visuell bewegt sich Die letzte Fahrt der Demeter weit über den gängigen Genrestandards. Alleine das Schiff ist ein Genuss zu bestaunen. Hier hat man sich spürbar Mühe gegeben und ein echtes detailreiches Schiff erbaut, dass seinen ganz eigenen Charakter hat. So ist es wenig verwunderlich, dass es zum heimlichen Star des Films avanciert. Doch auch Dracula ist optisch hervorragend geglückt und auch hier hat man häufig auf echte Kostüme, anstatt auf Computereffekte gesetzt. Und wenn dann der Computer doch mal herhalten musste, sind auch diese Effekte überraschend erstklassig geglückt. Ganz besonders wenn das Schiff sich der englischen Küste nähert und der Nebel am Schiff heraufkriecht, ist das schon überwältigend. So kommt Die letzte Fahrt der Demeter visuell deutlich gelungener daher, als so einige Blockbuster der letzten Jahre.
    Øvredal setzt bei der Inszenierung auf beliebte Motive des klassischen Schauerkinos. Schummeriges Kerzenlicht, Nebel und viel Arbeit mit Schatten fügen sich hervorragend in die Tonalität der klassischen Vorlage ein, sodass das Werk auch glatt vor etlichen Jahrzehnten entstanden sein könnte. Das ist auf der einen Seite eine tolle Qualität, auf der anderen allerdings auch ein kleines Manko, denn irgendwie hat man zu häufig das Gefühl, dass man hier nichts Neues geboten bekommt. Denn so gekonnt sich der Filmemacher an den Inszenierungskniffen des altmodischen Horrorfilms entlanghangelt, so selten gewinnt er diesen auch neue Aspekte ab.
    Toll anzusehen ist das Ganze dennoch, auch wenn es dann doch nie so richtig spannend wird.

    © 2023 Universal Pictures


    Wäre der Film etwa eine halbe Stunde kürzer gewesen, wären die Mankos vermutlich nicht so sehr ins Gewicht gefallen. Doch so verliert Øvredal seine Zuschauer zunehmend im Verlauf des Werks. Auch wenn er dann hin und wieder mit konsequent heftigen Szenen den Zuschauer wachrüttelt, kann er ihn über die komplette Länge dann doch nicht packen. Aber mit einer phantastischen Schlusssequenz, die abermals optisch herausragend inszeniert ist, hinterlässt der Filmemacher dann doch noch einmal einen starken letzten Eindruck, der von Bear McCrearys, für den kompletten Film beispielhaft stehend, teils donnernden und stets unheilvollem Score erstklassig untermalt wird. Und mit Beginn der End Credits, wenn McCrearys an die Sounds vom Godzilla-Hauptthema erinnernde Komposition ertönt, wird nochmals untermauert, dass aus technischer Sicht Die Letzte Fahrt der Demeter bemerkenswert stark ist.

    Fazit


    Mit Die letzte Fahrt der Demeter beweist Regisseur André Øvredal einmal mehr sein handwerkliches Können, wenn es um atmosphärische Horrorfilme geht. Und dennoch wird man leider fast durchgängig das Gefühl nicht los, nichts Neues zu Gesicht zu bekommen. Audiovisuell ist der Horrorfilm allerdings fraglos eine Wucht.


    6/10

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    Infos
    Originaltitel:
    The Last Voyage of the Demeter
    Land:
    USA
    Jahr:
    2023
    Studio/Verleih:
    Universal Pictures
    Regie:
    André Øvredal
    Drehbuch:
    Bragi F. Schut, Zak Olkewicz, Bram Stoker (Vorlage)
    Kamera:
    Roman Osin, Tom Stern
    Musik:
    Bear McCreary
    Genre:
    Horror
    Darsteller:
    Corey Hawkins, Aisling Franciosi, Liam Cunningham, David Dastmalchian
    Start (DE):
    17.08.2023
    Start (USA):
    11.08.2023
    Laufzeit:
    118 Minuten
    FSK:
    ab 16 Jahren
    Bilder
    • Die-letzte-Fahrt-der-Demeter-01.jpg

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Kommentare 1

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    joerch -

    Gut geschriebene Kritik. Dein Fazit ist (leider?) genau das, was ich nach den Trailern für mich erwarte...