Die Wandernde Erde 2

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  • Einleitung


    Mit einem Einspielergebnis von fast 700 Millionen US-Dollar allein in China ist der chinesische SciFi-Blockbuster Die Wandernde Erde bis heute einer der erfolgreichsten chinesischen Filme aller Zeiten. War das Werk bereits im Jahr 2019 mit einem Budget von rund 50 Millionen US-Dollar eine der größten Produktionen aus China, wurde für das Prequel Die Wandernde Erde 2 das Budget mehr als verdoppelt und auf etwa 130 Millionen US-Dollar angehoben. Und auch wenn der zweite Film nicht die Erfolge des Erstlings überbieten konnte, so stehen am Ende dennoch sensationelle gut 600 Millionen US-Dollar alleine aus seinem Heimatland zu Buche.

    Die Wandernde Erde 2 erzählt von der nahen Zukunft, in der sich die Sonne rasant ausdehnt und droht die Erde innerhalb eines Jahrhunderts mit allem Leben zu verschlingen. Die Vereinte Regierung der Erde beschließt gigantische Raketentriebwerke zu bauen, um mit diesen unseren Planeten von der Sonne wegzubewegen. Terroristen hingegen versuchen weltweit, das kühne Vorhaben zur Rettung der Menschheit zu torpedieren: sie möchten das Bewusstsein jedes einzelnen Menschen auf einer gigantischen Matrix speichern. Zur Rettung der Menschheit muss sich schließlich ein zusammengewürfelter Haufen von Helden auf eine lebensgefährliche Mission ins All begeben - doch das Universum hat auch seine Tücken.

    In der Hauptrolle kehrt Chinas Superstar Jing Wu (Meg 2: Die Tiefe) wieder zurück. Darstellerische Unterstützung erhält er dabei von unter anderem Andy Lau (Infernal Affairs), Xuejian Li (Empire of War) und Zhi Wang (Kung Fu Traveler).
    Die Regie verantwortete abermals Frant Gwo.

    © 2023 Plaion Pictures

    Kritik


    Nicht nur das Budget hat man merklich ansteigen lassen, sondern auch bei der Laufzeit des Films wurde ordentlich zugelegt. Kam Teil 1 noch auf knapp über zwei Stunden, kratzt Die Wandernde Erde 2 schon fast an der Drei-Stunden-Marke. Allerdings dürfte dieser Fakt zunächst etwas abschreckend wirken, denn der Vorgänger wusste bereits nicht wirklich seine zwei Stunden ausreichend zu füllen, was einige Längen als Konsequenz nach sich zog. Und nun soll das Prequel also fast eine Stunde länger laufen. Und tatsächlich haben es die Verantwortlichen überraschenderweise geschafft, dass es nahezu keinen Leerlauf gibt. Denn Die Wandernde Erde 2 fühlt sich streckenweise wie eine actiongeladene Miniserie an. Über mehrere Zeitabschnitte erzählt, liefert der Film von Frant Gwo immer wieder einzelne Höhepunkte, mit denen auch gewisse Erzählstränge zu einem Ende finden, und doch arbeitet das Werk stets auf ein großes Zeil hin. So bekommt der Film einen ungemein dynamischen erzählerischen Rhythmus, sodass die fast drei Stunden Laufzeit förmlich an einem vorbeirasen.
    Auch in der Tonalität wird bei den einzelnen Abschnitten experimentiert. Das geht zwar nicht immer auf, gerade die eher humoristisch angelegte Phase, in der Hauptdarsteller Jing Wu um die Aufmerksamkeit einer Kollegin kämpft, wirkt in ihrer Art etwas deplatziert und gliedert sich nur schwer in den Rest des Films ein, doch macht es im Allgemeinen dennoch Spaß so abwechslungsreiche Facetten einer Geschichte zu erleben.

    Gwo und seinen Drehbuchautoren gelingt dabei auch etwas, dass dem ersten Film gänzlich abhanden kam: Man interessiert sich als Zuschauer plötzlich für die Figuren und ihre Geschichten - ja, man fiebert sogar mit. So sind die Schicksale der beiden Protagonisten überraschend berührend und sorgen damit auch, dass man die Motivationen von ihnen sehr gut nachempfinden kann. Jing Wus Astronaut bekommt dadurch endlich das Profil, das er als Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse benötigt. Andy Lau als wichtigster Neuzugang beweist darüber hinaus einmal mehr, warum er seit über 40 Jahren erfolgreich im Schauspielgeschäft ist und seit mehreren Jahrzehnten zu den größten Darstellern Chinas gehört. Charismatisch und mit einer emotionalen Tiefe zieht er ab seinem ersten Auftritt die Aufmerksamkeit auf sich. Er spielt stets auf dezente Weise einen unverkennbaren Schmerz mit, der sich erst im Verlauf des Films ergründet.

    © 2023 Plaion Pictures


    Einer der Hauptgründe, warum man sich ein solches SciFi-Spektakel anschaut, sind selbstverständlich die Bilder. Und auch hier liefern die Macher ordentliche Arbeit ab. Die Effekte sind zwar nicht immer ohne Makel, doch gemessen an dem Gros der Hollywood-Blockbuster der letzten Jahre, braucht sich Die Wandernde Erde 2 nicht zu verstecken. Besonders bei einer großen Actionszene zum Ende des ersten Drittels, als Terroristen versuchen den Aufzug ins All zu sabotieren, hat Gwo seine Effektspezialisten sich mal richtig austoben lassen. Hier werden wahrlich durchgehend starke Effekte mit rasanten Actionszenen kombiniert, dass es eine Freude ist, dem ganzen zuzuschauen. Da vergisst man auch schnell, die Logik zu hinterfragen.
    Grundsätzlich beweisen die Macher auch bei den Actionsequenzen ihr Gespür für abwechslungsreiche Schauwerte. So kommen bei dem ganzen Krawall niemals Ermüdungserscheinungen auf.

    Ein großer Kritikpunkt vergangener Blockbuster aus China, ist der überschwängliche sowie äußerst fragwürdige Patriotismus. Und auch Die Wandernde Erde 2 kommt wahrlich nicht ohne aus. Da man sich aber hier im SciFi-Genre bewegt, ist das deutlich leichter zu schlucken, als bei Filmen, die in der Gegenwart oder schlimmer noch vor historischem Hintergrund spielen. Doch auch hier hat Gwo aus den Fehlern (zumindest ein wenig) gelernt und den omnipräsenten Patriotismus auf ein Niveau heruntergeschraubt, welches sich zumindest mit den Sehgewohnheiten der großen thematisch ähnlichen Hollywood-Streifen deckt. Denn, wenn selbst ein Michael Bay neben manch chinesischem Werk aus der nahen Vergangenheit wie ein feinfühliger Patriot erscheint, dann wundert es kaum, dass diese Tatsache dem ein oder anderen Werk den Boden unter den Füßen weggerissen hat - und dazu zählt auch Teil 1 von Die Wandernde Erde.
    Im Prequel wird, wie bereits erwähnt, selbstverständlich auch nicht gänzlich darauf verzichtet und ja, auch immer mal wieder etwas zweifelhaft dick aufgetragen, doch hält es sich im noch gerade erträglichen Rahmen.

    Die Wandernde Erde 2 ist im Gesamten ein wirklich temporeiches SciFi-Spektakel geworden, das dank seiner langen Laufzeit schon fast zu einem unterhaltsamen Event wird. Dass man dabei nicht so auf die Logik achten sollte, erschließt sich aber wahrscheinlich bereits aus dem Titel und spätestens aus der Synopsis. Hier und da sind natürlich große Genre-Vorbilder nicht von der Hand zu weisen und auch schleichen sich bei Dramaturgie und Effekten immer wieder einige Holperer ein, Spaß macht das Ganze dennoch, sodass man über die kleinen Fehler gerne hinwegsehen kann.

    © 2023 Plaion Pictures


    Fazit


    Die Wandernde Erde 2 ist ein großes Blockbuster-Spektakel geworden, das zwar nicht ohne Schwächen auskommt, durch seine abwechslungsreiche Gestaltung aber viel Spaß bereitet und den Vorgänger dabei deutlich übertrifft.


    7/10

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    Infos
    Originaltitel:
    流浪地球 2 / The Wandering Earth 2 (engl. Titel)
    Land:
    China
    Jahr:
    2023
    Studio/Verleih:
    China Film Group Corporation / Plaion Pictures
    Regie:
    Frant Gwo
    Drehbuch:
    Ruchang Ye, Frant Gwo, Yang Zhixue, Gong Geer
    Kamera:
    Michael Liu
    Musik:
    Roc Chen
    Genre:
    SciFi
    Darsteller:
    Jing Wu, Andy Lau, Xuejian Li, Zhi Wang
    Start (DE):
    21.12.2023
    Laufzeit:
    173 Minuten
    FSK:
    ab 12 Jahren
    Bilder
    • Die-Wandernde-Erde-2-01.jpg

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