Stephen King's: Der Nebel/The Mist

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    Es gibt 153 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Emily.

      The Mist:

      Die DVD steht nun auch schon seit nem guten Jahr bei mir rum und gestern Abend kam ich dann auch endlich mal dazu, mir Frank Darabonts "neuestes" Werk anzusehen.

      The Mist ist in erster Linie keine sonderlich charakterfokusierte Geschichte. Das hat einerseits damit zu tun, dass bereits Kings Vorlage viel zu kurz war, um eine solche zu sein. Andererseits wollten sowohl King als auch Darabont aber auch etwas ganz anderes zeigen: Nämlich das Verhalten einer Gruppe von Menschen auf engstem Raum in absoluten Extremsituationen. Stellt man das Einkaufszentrum, in dem die Leute gefangen sind, mal mit einer einsamen Insel gleich und den Nebel mit dem gefährlichen Meer, in dem weiß Gott was lauert, dann hat man das, was Lost einem in den frühen Jahren erzählt hat, minus der tiefer beleuchteten Charaktere. Und diese Situation weiß der Film hervorragend zu nutzen: Wie schnell Menschen in solchen Umständen auf ihre primitivsten Urtriebe zurückfallen, wirkt in The Mist also vor allem deswegen so hervorragend in Szene gesetzt, weil diese Aspekte die wohl bedrückendsten und erschreckendsten im Film sind.

      Die Effekte sind teilweise nicht sonderlich gut gelungen, was man besonders den Tentakeln negativ ankreiden kann. Zum Glück sieht man die meisten Kreaturen aber nur im Dunkeln bzw. im besonders Nebligen, so dass dies die meiste Zeit nicht wirklich auffällt. Und das sorgt wiederum dafür, dass der Film einige der wohl horrendsten Ekel-Szenen parat hält, die ich seit langem gesehen habe - hat mich als Zuschauer teilweise beim Mark gefasst.

      Der Cast ist ziemlich gut gewählt und auch wenn die meisten etwas unterfordert wirken, muss ich hier ganz besonders Marcia Gay Harden loben: Ihr Charakter der Mrs. Carmody hätte so leicht zu einer lächerlichen Charikatur werden können (und in diesem Fall muss ich sagen, dass da sowohl Kings Novella wie auch Darabonts Drehbuch nicht sonderlich einfallsreich waren). Durch Hardens nuancierte Darstellung aber, wirkt der Charakter nicht einfach nur verrückt und religionsbesessen, sondern tatsächlich ernsthaft besorgt und als ob sie auf ihre Weise nur das Beste für alle im Sinn hätte.

      Ich höre immer wieder die Vergleiche mit Shwashank und Green Mile und bis auf den Namens des Regisseurs und den Namen der Person, die die jeweiligen literarischen Vorlagen lieferte, frage ich mich: Warum? Muss The Mist so gut sein wie die? Muss man ihn, weil die beiden so absolut klasse und so gut wie makellos waren, in der Gegenüberstellung als schlecht/schlechter bezeichnen? Oder kann The Mist nicht einfach nur auf seine Art gut sein, weil er erschreckend und aufregend ist und dem Zuschauer eine Gesellschaftszeichnung vorgelegte, die absolut ihr Ziel erreicht hat?

      MIr hat der Film gefallen. Hat er das Horror-Genre neu definiert? Bestimmt nicht. Aber ich bevorzuge diese Art von Horror gegenüber dem Folter-Horror, der vor allem in den letzten 8 Jahren oder so eine Art Renaissance erlebt hat. Und weil man solche Filme derzeit nur selten bekommt, gebe ich meine volle Zufriedenheit mit dieser Review ab.

      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry."

      David Chase

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      Schönes Review, Data.
      Ich nehme an, du hast die Farbversion des Films gesehen? Ich empfehle dir da nochmal irgendwann die "Director's Choice"-Version anzuschauen. Die ist in Schwarz/Weiß und wirkt nochmal anders, vielleicht sogar besser. Vor allem die CGI-Effekte sehen in Schwarz/Weiß natürlich nicht mehr so billig aus. Man merkt bei diversen Einstellungen, dass Darabont das in Schwarz/Weiß im Kopf hatte. Sollte ja eine Art Hommage an die 50er-Jahre-Monsterfilme werden wenn ich mich richtig erinnere. Das Studio hat aus finanziellen Gründen dann aber ein farbiges Release gefordert.

      Du bist doch auch Dark-Tower-Fan, oder? Hast dich dann auch so über das DT-Filmposter zu Beginn des Films gefreut? :hammer:
      Ich habe mir damals dieses 3er-Set gekauft, weils zu dem Zeitpunkt besonders günstig war und daher habe ich glücklicherweise beide Varianten auf DVD. Die Director's Choice-Version werde ich mir also sicherlich irgendwann noch reinziehen.

      Ach ja, das Roland-Gemälde ganz am Anfang des Films. Solche Details gefallen mir natürlich immer und daran merkt man halt, dass da mit Darabont auch ein richtiger Fan auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Er wäre ehrlich gesagt auch meine erste Wahl, nachdem Abrams und Co. abgesprungen sind, um die Dark Tower-Reihe zu verfilmen. Vielleicht hab ich ja Glück und Howard schmeißt bald das Handtuch.^^

      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry."

      David Chase

      Ich hoffe nicht, dass Howard hinwirft. Denn das würde sicherlich auf lange Zeit das Aus für eine DT-Verfilmung bedeuten. Ihr glaubt doch nicht, dass sich nach der Aufgabe von Abrams und Howard sofort jemand finden würde - geschweige denn Darabont - der sich diesem Stoff annimmt?

      Und ich verstehe eh nicht, was alle gegen Howard haben. Für mich ist er ein guter Handwerker und mit Autor Aikva Goldsman hat er auch wieder seinen talentierten Schreiberling dabei. Howard/Goldsman/Gazer bedeuten eine große Produktion und das freut mich, denn ich hatte immer die Befürchtung - gerade bei King ist das ja Gang und Gäbe - dass das irgendwann nur eine billige TV-Produktion wird, wahrscheinlich von Mick Garris inszeniert.
      Nein, nein, das ist schon in Ordnung so wie das ist mit Howard/Goldsman/Gazer. :)
      Lange hat es gedauert bis Frank Darabont sein Lieblingsprojekt umsetzen konnte und der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Der Horrorfilm hat im letzten Jahrzehnt eine kleine Renaissance erlebt (teilweise mit hartem R-Rated-Horror) und so passt diese King-Adaption mit dem brillant-bösartigem Ende von Darabont perfekt in diese Ära. An der Oberfläche ein spannendes Monster-Movie (coole Viecher / teils derbe Kills) und unterhalb der Nebelbank der Zerfall der geordneten Zivilisation. Gerade das Abtauchen in diese menschlichen Makel macht "The Mist" zu einem wahren Geheimtipp, denn es wird dermaßen über die Strenge geschlagen, dass es einfach Spaß macht das etwas schneller ablaufende "10-kleine-Negerlein-Spiel" (wenn man mir den Ausdruck verzeiht) mit anzusehen. Zur Abwechslung muss ich die Weinsteins mal loben, denn bei keinem anderen Studio hätte man alleine schon das Ende durchsetzen können. Und die etwas "Low Budget"-mäßige Herangehensweise und der daraus entstehende Druck für Darabont & Co. helfen ungemein. Willkommen zurück in den 70ern/80ern. Crewmitglieder rütteln am Tor um dem Zuschauer zu signalisieren da draußen ist ein Monster. :thumbup:

      Frank Darabont und Stephen King, ja, das passt. Die beiden Kumpels hätten sich um den "Schwarzen Turm" kümmern sollen.

      9 / 10 "The Thing"-Hommagen :thumbup:


      Olly schrieb:

      Zur Abwechslung muss ich die Weinsteins mal loben, denn bei keinem anderen Studio hätte man alleine schon das Ende durchsetzen können. Und die etwas "Low Budget"-mäßige Herangehensweise und der daraus entstehende Druck für Darabont & Co. helfen ungemein.


      Dafür musste Darabont ja auch Budgetkürzungen hinnehmen...
      Das wars aber Wert finde ich :) Und King selber sagt ja auch, dass das Filmende besser als das Ende der (langen) Kurzgeschichte ist - recht hat er :)

      Genießt die Stille.....

      joerch schrieb:

      Olly schrieb:

      Zur Abwechslung muss ich die Weinsteins mal loben, denn bei keinem anderen Studio hätte man alleine schon das Ende durchsetzen können. Und die etwas "Low Budget"-mäßige Herangehensweise und der daraus entstehende Druck für Darabont & Co. helfen ungemein.


      Dafür musste Darabont ja auch Budgetkürzungen hinnehmen...
      Das wars aber Wert finde ich :) Und King selber sagt ja auch, dass das Filmende besser als das Ende der (langen) Kurzgeschichte ist - recht hat er :)

      Das war es absolut wert. Wenn brillante Filmemacher kreativ werden müssen gewinnt meist der Zuschauer.

      Diese angeblich schlechten CGI-Effekte (ich fand sie okay, weil sie auch die Low Budget-Ebene gut unterstreichen) sind aber immer noch besser als das was ich heute so in Großproduktionen sehe. Wenn ich mir den extrem künstlichen "Jumanji 2"-Trailer ansehe, dann wird mir schlecht. Und bei "The Mist" spielen sie ohnehin keine große Rolle, da der Film einfach bockstark ist.

      Bei dieser Weinstein-Serie werden sie aber eine erheblich größere Rolle spielen, weil der Rest leider zu vertraut wirkt. Da konzentrieren sich die Augen ganz gerne auf das Spektakuläre und das sind meist die Effekte.


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      Wuchter schrieb:

      Ja die CGI war aber damals schon schlecht. Hat diesmal gar nix mit altern zu tun. Ist aber auch das einzige Manko. Die Atmosphäre und vor allem das geniale Ende sind nach wie vor top.


      Naja - mittelmäßig finde ich die Effekte - schlecht ist dieser CGI Kram in Asylum-Filmen.

      Daleron schrieb:

      Darabont hatte den Film eigentlich auch als Schwarz/Weiß-Veröffentlichung im Sinne einer Homage an die alten Monsterfilme geplant. In der inzwischen veröffentlichten s/w-Version wirken die Effekte daher auch gar nicht mehr so schlecht.


      Wegen der SW-Fassung muss ich immer noch auf die BD umstellen :(

      Genießt die Stille.....
      Das Bild von Roland Deschain in den ersten Minuten des Films, hatte wesentlich mehr Charakter, Tiefgang und war wesentlich Näher an der Reihe, als der komplette Dark Tower Film aus diesem Jahr :P

      Die Novelle von King kenne ich nicht, aber habe nun auch endlich mal diesen "Klassiker" nachgeholt ^^

      Atmosphärisch dicht, kann The Mist vor allem mit der Situation innerhalb des Supermarktes überzeugen, zeigt er doch eindrucksvoll, dass die wahre Gefahr aus dem Inneren kommt, und nicht von den Monstern außerhalb. Thomas Jane in der Hauptrolle war überzeugend, auch Toby Jones hatte seine Momente, der Rest war eher nettes Beiwerk. Was aber ganz und gar nicht nett war, waren die Effekte - die Monster sahen doch teilweise schon echt übertrieben mies aus.

      Im Mittelteil hatte der Film dann leider einen kleinen Hänger, aber das grandios krasse Ende haut dann doch nochmal ordentlich rein und entschädigt dafür ziemlich. Heftig, was hier aufgefahren wurde. Hat mir sehr gefallen und hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt. So Enden würde ich gerne öfters bei solchen Filmen sehen. Aber dann wärs ja nichts besonderes mehr ...


      7/10
      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2:
      Ich habe den Film auch gestern Abend gesehen, und wir hatten uns noch nicht einmal abgesprochen :P .

      Ich muss sagen, bei der ganzen Lobhudelei, die man ja von allen Seiten mitbekommt, bin ich ein wenig enttäuscht. Ich kann den Film nicht als Meisterwerk sehen, auch wenn ich es gerne tun würde. Das kann aber daran liegen, dass mich Horror zum größten Teil einfach nur noch langweilt. Was hier definitiv punkten konnte, sind die gesellschaftskritischen und religionskritischen Ansätze. Das Drumherum blieb leider etwas blass, die Effekte... Naja, nicht so gut.

      Auch die Inszenierung hatte mich nun nicht wirklich abgeholt. Die Handkamera nervte mich zu Beginn sogar, ich glaube, dass man hier grundsätzlich eine andere Atmosphäre erzeugen könnte, die bei mir etwas besser angekommen wäre. Sagen wir mal so: Den Song von Dead can Dance am Ende kenne ich äußerst gut. Damals lief der Film lange in unserem Kino 8, so dass ich sehr häufig, wenn ich mit dem Fahrstuhl vom Projektionsraum nach unten gefahren bin, den Song gehört habe. Die Bilder dazu kannte ich bis gestern ja nicht. Ich hatte da wer weiß was für Bilder zu vorgestellt, aber nicht diese.

      Und dann habe ich noch einen Kritikpunkt: Das vieldiskutierte Ende. Das ist ja ansich in Ordnung so, aber ein Film, der viel über die Metaebene aussagen will, sollte mir nun vielleicht noch erklären, weshalb diejenigen, die
      Spoiler anzeigen
      nichts getan haben, gerettet werden, während die, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen wollen, im Prinzip bestraft werden. Ich kann das nur so deuten, dass Selbstinitiative nicht gut ist. Oder aber der Suizid wird moralisch abgestraft, aber das wäre wieder sehr christlich. In diesem filmischen Kontext ist mir das nicht ganz klar bzw. widerspricht sich der Film irgendwie. Pro Christentum kann ich mir bei King einfach nicht vorstellen.


      Die Darsteller konnten aber allesamt überzeugen. Das war schon gut gespielt.

      Ich glaube, der Film hätte etwas kürzer und anders inszeniert besser sein können. Hat mich nun leider nicht abgeholt, aber das große Potenzial erkenne ich durchaus. Vielleicht sollte ich mir mal besser die Kurzgeschichte von King geben, klappt hier eventuell besser (bzw. funktioniert Horror bei mir gelesen sowieso besser als im Film...)

      Hm. Ich schwanke zwischen 6 und 7 Punkten.