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Das Cabinet des Dr. Caligari

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    Es gibt 13 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Data.

      Das Cabinet des Dr. Caligari

      DAS CABINET DES DR. CALIGARI

      (d, 1920)




      kinostart deutschland: 20. februar 1920

      genre: drama / horror / thriller / stummfilm
      regie: robert wiene
      buch: hans janowitz, carl mayer
      darsteller: werner krauss (dr. caligari), conrad veidt (cesare), friedrich fehér (francis), lil dagover (jane), hans heinrich von twardowski (alan), rudolf lettinger (dr. olson)...
      länge: u.a. 71 min
      imdb: click
      rottentomatoes: click


      mit hilfe des somnambulen cesare versetzt dr. caligari eine kleine norddeutsche stadt in angst und schrecken. tagsüber präsentiert caligari den an einer merkwürdigen, tranceartigen krankheit leidenden cesare auf dem jahrmarkt. dort sagt der hochgewachsene, dürre und blasse somnambule den schaulustigen die zukunft voraus. des nachts aber schleicht dieser sklave caligaris durch die stadt und begeht unter dem einfluss seines herrn furchtbare morde. als eines nachts ein junger mann ermordet wird, dem cesare den nahen tod prophezeit hatte, ahnt francis, ein freund des toten, dass dr. caligari mit der sache zu tun hat. caligari entpuppt sich als wahnsinniger, doch am ende schlägt der film noch mal einen haken...
      quelle


      ___________________________________________________________________________



      "1. richtiger horrorfilm der filmgeschichte", "klassiker des deutschen expressionismus", "meilenstein des stummfilms"... eeeendlich hab ich diesen etwas in die jahre gekommenen, cineastischen augenschmaus gesehen und wow! die story ist tricky (von wegen keyser soze-twists gibts erst seit den üblichen verdächtigen), der aufbau geschickt (eine der ersten rahmen/binnenhandlungsschachtelungen der filmgeschichte), das schauspiel, naja, für unseren geschmack vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber, wie auch die kulissen, eben expressionistisch und die kulissen, mein lieber mann!, auch wenn's heute besser ginge, immer noch eine augenweide!
      bin zugegebenermaßen stummfilme nicht gewöhnt und da fällt es schon mal schwer, ne gute stunde bei der musik stillzusitzen und doch ist mir klar, dass ich da gerade etwas grandioses gesehen habe. keine ahnung, ob hier groß interesse an dem film herrscht, aber jeder filmfan, der etwas auf sich hält und auch nur ein klitzeklein wenig an filmgeschichte interessiert ist, muss (ja, ich denke, das darf man in diesem fall sagen) diesen film gesehen haben.
      Bilder
      • caligari.jpg

        16,86 kB, 450×351, 907 mal angesehen
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      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „kane“ ()

      Ganz meine Meinung! Neben Metropolis, Der Golem und Panzerkreutzer Potempkin DER wichtigste Film aus dieser Zeit. Ich denke es gibt nur wenige Filme, die so viel in der Filmwelt verändert haben wie dieser...man sehe sich nur die Werke Tim Burtons an...dann weiß man woher er seinen Stil hat.

      Nur so als Tipp: Ein ebenso wegweisender Regisseur war Lubitsch und auch Fritz Lang...von beiden gibt es Boxen von Transit Film - seit neuestem die "Fritz Lang 6- Disc Collection" mit den beiden ersten Dr. Mabuse Teilen, Frau im Mond und Spione...alle liebevoll Restauriert.

      Von Calligari kann ich leider nur die Eureka Fassung aus UK empfehlen. Diese ist aber auch nicht besonders von der Qualität her und auch die expressionistischen Zwischentitel sind nur nachgemacht. So weit ich gehört habe, ist aber derzeit eine Fassung bei der Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung in Arbeit...diesmal sogar mit denursprünglich farbigen deutschen Zwischentiteln (handcoloriert). Bis zu deren Erscheinen (was sich noch lange hinziehen kann) ist aber meiner Meinung nach die UK Fassung von Eureka die beste Wahl.

      Hier noch ein paar Links zum Thema:

      follow-me-now.de/html/das_cabinet_des_dr__caligari.html
      filmhistoriker.de/magazine/cabinet_caligari_dvd_eureka.htm
      murnau-stiftung.de/de/suchergebnis.asp?ID=472
      Original von hasendeddy
      Nur so als Tipp: Ein ebenso wegweisender Regisseur war Lubitsch [...]

      sehr wahr! und daher bitte gleich hier lang. einer meiner absoluten lieblingsfilme! :hammer:

      (sorry wegen ot)
      An alle Berliner:

      Der Film wird im Zuge der Veranstaltungsreihe Stummfilm Konzerte wieder im Kino Babylon gezeigt. Mit Klavier- und Cellobegleitung. Ich freu mich, hab den das letzte mal vor Jahren gesehen. :goodwork:

      Datum: 15. Dezember 2009
      babylonberlin.de/stummfilme.htm

      Sicherlich für einige von Interesse da der Film nach wie vor kaum als DVD zu haben ist.
      Signatur lädt...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „goodspeed“ ()

      Kane hat im Grunde schon alles gesagt, erster Horrorfilm der Filmgeschichte, sein expressionistische Stil inspirierte so manch berühmten Filmemacher (Tim Burton ist ja gerade wieder so "en Vogue" bei den jüngeren Generationen. Die sollten sich mal fragen aus welchen Quellen Burton während seinen Anfängen geschöpft hatte).
      Inhaltlich ist ihm sein Pionierstatus auch ich abzuerkennen. Aber, und das muss ich leider Gottes sagen, zünden bei mir solche Stummfilme einfach nicht mehr. Zudem habe ich generell Probleme mit vielen der grossen Theoretikern. Griffith, Eisenstein, der frühe Lang, alle haben durch ihr Schaffen dem Film erst die Möglichkeit gegeben sich zu entwickeln, aber über die Generationen hinweg wirken die alten Originale wie ein Stück Kohle und die modernen Filme wie sie ab der Mitte des 20. Jahrundert entstanden wie funkelnde Diamanten.

      Das Kabinett des Dr. Caligari ist filmhistorisch von unschätzbaren Wert und man sollte ihm den gebührenden Respekt zollen. Das wars aber auch schon.
      Signatur lädt...
      Original von goodspeed
      Aber, und das muss ich leider Gottes sagen, zünden bei mir solche Stummfilme einfach nicht mehr. Zudem habe ich generell Probleme mit vielen der grossen Theoretikern. Griffith, Eisenstein, der frühe Lang, alle haben durch ihr Schaffen dem Film erst die Möglichkeit gegeben sich zu entwickeln, aber über die Generationen hinweg wirken die alten Originale wie ein Stück Kohle und die modernen Filme wie sie ab der Mitte des 20. Jahrundert entstanden wie funkelnde Diamanten.


      "more matter, with less art." ;)
      nein, ernsthaft. was meinst du mit der kohle und den diamanten? da du zuvor schon zu viele zeitgenössische filme gesehen hast, die bei lang & co
      Spoiler anzeigen
      (lang hat caligari zwar letztendlich nicht gemacht, aber ist das ungleich schwerere schwergewicht als wiene und soll immerhin den kniff vorgeschlagen haben)

      die schule gegangen sind, dass du die originale nicht mehr... sagen wir, subjektiv gut finden, sondern nur noch objektiv für ihren stellenwert in der filmgeschichte wert schätzen kannst?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kane“ ()

      Ich habe den Film gerade gesehen. Wirklich interessanter Film aus der Zeit des deutschen Expressionismus dazu mit einem Endtwist. Aber ich muss zugeben das Stummfilme schon ein bisschen anstrengend sind. Außerdem kann man die schauspielerische Leistung nur als völlig overacted bezeichnen. Trotzdem sehr sehenswert für jeden Filmfan.
      Nun ja, erster Horrorfilm der Filmgeschichte stimmt nicht. "Der Student von Prag" - 1913, "Der Golem" - 1915, "Der Golem und die Tänzerin" - 1917, "Die Augen der Mumie Ma" - 1918. Um die Definition Horror bei den genannten Filmen kann man sich jetzt natürlich vortrefflich streiten.

      Aber es sind alles deutsche Produktionen, ja. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, dass die Deutschen jemals wieder einen zumindest halbwegs guten Horrorfilm auf die Beine stellen können. 8|

      Was "Das Cabinet des Dr. Caligari" betrifft - wer Horror nur mit Innereien in Verbindung bringt bitte schnell die restaurierte Fassung auf Blu-ray mit superben Extras bestellen. Denn Horror ist mehr als Blut, Sex und Wahnsinn.
      Quelle: amazon.de/Das-Cabinet-Caligari…+cabinet+des+dr.+caligari
      "The clouds are swirling. There will be tears shed over the bay."
      100 Jahre "The Cabinet of Dr. Caligari" - deutscher, brillanter Expressionismus! :birthday:

      Here we are 100 years later – not only is The Cabinet of Dr. Caligari one of the most influential pictures in the horror genre, it also stands as a monumental cornerstone of film history.

      Zum Bericht: bloody-disgusting.com/editoria…nism-cabinet-dr-caligari/
      "The clouds are swirling. There will be tears shed over the bay."
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      Da ich den Film noch nie gesehen habe, dürfte das genau das richtige Event für mich sein:

      Toundra plays 'Das Cabinet Des Dr. Caligari‘
      Madrid’s TOUNDRA aren’t an ordinary instrumental band. They are as influenced by the big names of progressive and rock as they are by the many faces punk and alternative rock. These cross-cultural, pan-generational inspirations have had a significant impact on the Spanish quartet. Throughout their career, starting with 2007, these rockers have been inspired by but have always created something new out of their favorite bands and on their latest studio album, ‘Vortex’ (2018) TOUNDRA shaped the future of instrumental music.



      Hab die Band 2016 schon mal auffem Freak Valley Festival gesehen, von daher weiß ich um ihre musikalischen Fähigkeiten. In Kombination mit diesem Stummfilm-Klassiker dürfte sich daraus etwas sehr Interessantes ergeben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kinski“ ()

      Ach, Babsi ( @kane ), ich vermisse dich hier im Forum. Danke für den Thread, wer weiß, ob es den ohne dich auch gegeben hätte.

      Hab mir vor Kurzem drei dieser frühen Stummfilmklassiker auf Bluray gekauft und mit Caligari gestern den ersten davon in den Player geschoben. Das 100-jährige Jubiläum hatte ich dabei ehrlich gesagt gar nicht im Kopf.

      - Das Cabinet des Dr. Caligari

      Ich bin solche Stummfilme, wie wahrscheinlich der Großteil meiner lieben Mitredner hier im Forum, ebenfalls nicht gewohnt und auch wenn ich gerne mehr davon sehen möchte, bin ich vorab immer ein wenig unruhig, ob ich jetzt tatsächlich die nächsten achtzig Minuten still sitzen und mich darauf konzentrieren kann. Hat sich herausgestellt, dass das verdammt einfach geht, wenn man den richtigen Film vor sich hat. Ich meine - ich will es nicht übertreiben mit geheucheltem Lob - aber ich bin hin und weg wie gut und unterhaltsam dieser Streifen war. Cleveres Storytelling und ein interessantes Framing-Device, in welchem der Kern der Geschichte platziert ist. Absolute Mühelosigkeit, wie die wichtigsten Charaktere eingeführt wurden auf eine Weise, dass man sofort ihren Platz in der Geschichte versteht. Ich denke, man kann hier sehr viel über Storytelling lernen, wenn man sich anschaut, mit was für begrenzten Mitteln man damals arbeiten musste. Noch beeindruckender wird das, wenn man sich die innere Komplexität von Caligari anschaut, mitsamt den vielen zueinander laufenden Storylines und einem Twist-Ende, das es in sich hat. Hätte ich nicht erwartet, dass man damals schon - und wir reden hier ja von den Anfangszeiten des unterhaltenden Spielfilmes - so mit den Erwartungen des Zuschauers gespielt hat.

      Visuell ist der Film schlichtweg grandios. Die skurrilen, surrealen Sets wirkten damals schon wie eine Theaterproduktion auf Film festgehalten. Wie sich herausstellt, wollte Regisseur Robert Wiene damit etwas ganz Bestimmtes aus dem geistigen Zustand seines Protagonisten vorweggreifen, was mir auch erst im Nachgang klar wurde. Darüber hinaus wird der Horror hier mit expressionistischen Gesichtsausdrücken und vor allem mit Schattenspielerei dargestellt, was für sehr erinnerungswürdige Bilder sorgt. Vor allem aber ist dieses stilistische Mittel zum bekanntesten Markenzeichen der Filme dieser Ära geworden. Murnau und Lang haben auf diese Weise Inszenierungen in Nosferatu oder M - Eine Stadt sucht einen Mörder geschaffen, die heute noch zu den am meisten diskutierten Szenen aus diesen Filmen gehören. Kurzum: Der Film ist wirklich richtig toll anzusehen, ein wahrer Schmaus für das Auge. Stummfilme hatten zudem mit dem Laster zu kämpfen, nicht schnell einen Dialog runterbrechen zu können. Die wichtigsten Infos, die nicht mit Gesichtsausdrücken übermittelt werden konnten, mussten auf Texttafeln rübergebracht werden. Um dem Publikum aber nicht zu viel Gelese zumuten zu müssen, war es wichtig, nur das Wichtigste auf die Leinwand zu schreiben. Ich finde es erstaunlich und denkwürdig, mit wie viel Dialog man heutzutage regelrecht zubombardiert wird, alles einer vermeintlichen Komplexität zuliebe. Was einen natürlich zu der Frage führt, was moderne Filmemacher von diesen frühen Klassikern noch lernen können.

      Roger Ebert nannte Das Cabinet des Dr. Caligari den wahrscheinlich ersten waschechten Horrorfilm in der Geschichte des Kinos. Kann ich so nicht bestätigen (denn ich weiß es nicht, ehrlich gesagt), aber ich nehme ihn hier einfach mal beim Wort. Der Einfluss Caligaris auf den deutschen Expressionismusfilm ist sicherlich nicht wegzudiskutieren. Clever und temporeich erzählt, vergehen die knapp achtzig Minuten wie im Flug. Hab mich wirklich keine Minute gelangweilt. Was fast schon wieder verteidigend klingt. Ich will nicht, dass das hier alles klingt wie "Für die Zeit wirklich nicht schlecht". Auch wenn man als Kind des späten 20. Jahrhunderts dazu tendiert, Filme aus dieser Zeit mit bestimmten Formulierungen etwas zu schmälern. Die Machart ist natürlich eine andere und bestimmte stilistische Mittel wirken äußerst veraltet - weil sie es eben sind. Aber das ist Teil des Charmes, den man genießen kann, wenn man sich nur darauf einlässt. Der Film ist was für's Auge, er ist was für den Nostalgiker und vor allem bietet er die Möglichkeit, etwas zu sehen, das so alt ist wie das Kino selbst. Und wenn es nur dazu dient, dass man sich für den besseren Filmsnob halten kann, dann ist das doch auch schon was.

      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Data“ ()

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