Das siebente Siegel

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Es gibt 5 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Bavarian.

      Das siebente Siegel

      Bewertung für "Das siebente Siegel" 2
      1.  
        7 (0) 0%
      2.  
        4 (0) 0%
      3.  
        10 (1) 50%
      4.  
        6 (0) 0%
      5.  
        9 (1) 50%
      6.  
        5 (0) 0%
      7.  
        2 (0) 0%
      8.  
        3 (0) 0%
      9.  
        8 (0) 0%
      10.  
        1 (0) 0%


      Originaltitel: Det Sjunde inseglet
      Kinostart Deutschland: 14.02.1962
      Drama, Fantasy
      Schweden 1957, ca. 96 min.
      FSK: ab 16

      Regie: Ingmar Bergman
      Drehbuch: Ingmar Bergman
      Buch: Ingmar Bergman

      mit Gunnar Björnstrand, Bengt Ekerot, Nils Poppe, Max von Sydow, Bibi Andersson

      Inhalt: Mitte des 12. Jahrhunderts kehrt Ritter Antonius Blok von einem Kreuzzug ins pestverseuchte Schweden zurück. Dort wird er bereits vom Tod erwartet, der ihn heimholen will. Doch Blok ist nicht bereit zu sterben, ohne den Sinn des Lebens erkannt zu haben. Er überredet den Sensenmann zu einem Spiel. Der Tod gewährt ihm eine Gnadenfrist: Für die Dauer einer Partie Schach darf er Gott suchen.
      Und dann hab ich mich tatsächlich mal an meinen ersten Ingmar Bergman-Film getraut, Das Siebente Siegel von 1957, das gleichzeitig auch vermutlich sein am meisten zitiertes Werk ist. Der Plot ist so schlicht, wie er sattelfest ist: Unser Protagonist, der Ritter Antonius Block, blickt kurz vor seinem Tod auf sein Leben zurück. Der Tod ist gekommen, um ihn zu holen, doch Block möchte nicht sterben, bevor er eine letzte gute Tat geleistet hat und schlägt dem Sensemann ein Schachspiel vor, das ihm als Fristauschub dienen soll, bis es zu Ende gespielt ist. Der Tod gibt sich beeindruckt und gewährt ihm den Wunsch.

      Ich hatte den Film lange Zeit auf der Liste und hatte mich wahnsinnig auf ihn gefreut. Dem Siebenten Siegel kann man eine gewisse Theatralik ja nicht absprechen, was nicht verwunderlich ist, basiert es doch auf Bergmans eigenem Bühnenstück Holzmalerei. Der Film ist eine große Allegorie und nur so gespickt von biblischer Symbolik und verheißungsvoller Bildsprache. Die Geschichte nimmt Platz, während die Pest in Schweden wütet, und lässt Block eine Vielzahl an Charakteren begegnen, denen nach und nach droht, dass sie alle in die Fänge des Todes geraten.

      Das Ganze ist erzählt über eine unglaublich starke Bildsprache, bei der nicht verwunderlich ist, wie viel davon Einzug in den modernen Zeitgeist gefunden hat, wie viel Einfluss sie auf andere Filmemacher hatte - und wie sehr sie selbst heute teilweise noch in der Popkultur verankert ist. Die Szene, als der Tod mit Block das Schachspiel am Strand aufsetzt, und der Totentanz zum Schluss - Letztere, eine der schönsten Einstellungen, die ich je auf Film gebannt gesehen habe - markieren Anfang und Ende der Geschichte, die Realisation (Blocks), dass die Zeit ausläuft, und ein frivol-beängstigender letzter Gang, den wir alle irgendwann vor uns haben.

      Max von Sydow wurde mit diesem Film wohl zum Weltstar katapultiert - aber sein markantes Gesicht sah hier schon aus, als wäre es für immer da gewesen. Allgemein hat der Film eine vorzügliche Besetzung mit Bibi Andersson und Bengt Ekerot, die Darbietungen lieferten, die mir Tage später noch nachhallen. Der Film ist stellenweise albern, witzig und leicht und das bildet einen starken Kontrast zu der Schwere, die er in anderen Szenen mit sich bringt. Das Siebente Siegel ist ein ganz wunderberares, erzählerisch und bildsprachlich fesselndes Werk, das in eine ganz eine Kerbe von Genre schlägt, das ihn mich schlecht mit anderen Filmen vergleichen lässt. Aber auch das ist ein Grund mit dafür, warum sich der Film so tief in das Gedächtnis prägt.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase
      Ja, wirklich ein großartiges Stück, war vor einigen Jahren sogar mein Lieblingsfilm und von Bergman für mich sein Bester. Falls du noch mehr von ihm sehen magst, kann ich dir Wilde Erdbeeren empfehlen, der auch ganz schön ist, der Rest den ich kenne ist mir aber auch zu sperrig.

      Die Besetzung ist oben schon beschrieben, Max von Sydow ist wirklich die Idealbesetzung. Noch immer ein toller Schwarz Weiß Klassiker.

      inri999 schrieb:

      Ja, wirklich ein großartiges Stück, war vor einigen Jahren sogar mein Lieblingsfilm und von Bergman für mich sein Bester. Falls du noch mehr von ihm sehen magst, kann ich dir Wilde Erdbeeren empfehlen, der auch ganz schön ist, der Rest den ich kenne ist mir aber auch zu sperrig.

      Die Besetzung ist oben schon beschrieben, Max von Sydow ist wirklich die Idealbesetzung. Noch immer ein toller Schwarz Weiß Klassiker.

      "Die Jungfrauenquelle" von 1960 wäre noch zu erwähnen. Übrigens auch mit Max von Sydow. Mit einem Quasi-Remake hat Wes Craven 1972 übrigens seine Karriere begonnen. Er hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sein Vorbild Ingmar Bergman ist und er praktisch alles in Gang gesetzt hat.

      Ganz allgemein betrachtet sind wohl "Persona" und "Herbssonate" seine besten Filme.

      VHS - DVD - Blu-ray - UHD

      inri999 schrieb:

      Ja, wirklich ein großartiges Stück, war vor einigen Jahren sogar mein Lieblingsfilm und von Bergman für mich sein Bester. Falls du noch mehr von ihm sehen magst, kann ich dir Wilde Erdbeeren empfehlen, der auch ganz schön ist, der Rest den ich kenne ist mir aber auch zu sperrig.


      Hab mir da tatsächlich vor ein paar Jahren diese Arthaus-Collection mit zehn Filmen von Bergman geholt. Schickes Teil und schöne Aufmachung, kann ich empfehlen. Wilde Erdbeeren wäre der Reihenfolge nach dann als nächstes dran. Hätte ja richtig Lust, gleich damit weiterzumachen - will mir aber andererseits auch was für schwache Zeiten aufsparen.

      Aber danke dir für dein Feedback. Kommt ja langsam so was wie Leben in einen Thread, der 2007 eröffnet und dann nie wieder angerührt wurde. :)
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase
      Schon über einen Monat ist meine Sichtung von Das siebente Siegel her. Endlich komme ich mal dazu, diesen Thread aufzusuchen. Meine Eindrücke wirken immer noch sehr frisch und lebendig, als hätte ich ihn erst vor ein paar Tagen gesehen. Da hat die gewaltige und einnehmende Bildsprache gewiss so ihren Anteil.

      Der Film nährt sich mitunter von seinen zahlreichen Allegorien, bei der biblische Symbole auf profane Denkweisen prallen. Eine Art Aufbruch, der jedoch immer wieder von religiösen Mustern eingeholt wird. Wir sehen, wie diese zwei Spielfelder kollidieren. Doch zeitgleich auch, dass sich das Religiöse und das Weltliche nicht unbedingt widersprechen müssen, sondern letztendlich dieselben Konflikte nur mit verschiedenen Methoden behandeln. Riten als Sinnbilder oder Instrumente, die vermutlich faktisch inkorrekt sind und doch völlig akkurat vorherrschende Meinungen und Zeitgeister offenbaren.

      Das markante Schauspiel, die verheißungsvollen Stimmungen und die absolut fantastische Inszenierung machen diesen Bergman-Film zu einem maximalen Genuss. Ein cineastisches Theaterstück, das grob betrachtet statisch wirken mag, doch eigentlich unheimlich dynamisch ist. Bengt Ekerot als Der Tod sieht grandios aus und trifft in all seiner düsteren Bescheidenheit den Nagel auf den Kopf.

      Die letzten zehn Minuten erlangen dann den stimmungstechnischen Zenit des Films. Da entfesselt Bergman eine wahnsinnig intensive und unheilvolle Atmosphäre, die zuvor eher nur angedeutet und/oder aufgelockert wird - kreiert innerhalb dieser aber auch sehr viel Schönheit - allen voran in Form des hier im Thread bereits aufgegriffenen "Totentanzes". Eine damals völlig spontan entstandene Szene, die jedoch geschichtsträchtig schön aussieht.

      Jedenfalls motiviert mich der Film sehr, mich in hoffentlich nicht allzu weit entfernter Zukunft richtig tief bei diesem Regisseur reinzuknien.


    • Teilen

    • Bewertung für "Das siebente Siegel" 2
      1.  
        6 (0) 0%
      2.  
        2 (0) 0%
      3.  
        7 (0) 0%
      4.  
        9 (1) 50%
      5.  
        4 (0) 0%
      6.  
        5 (0) 0%
      7.  
        8 (0) 0%
      8.  
        3 (0) 0%
      9.  
        10 (1) 50%
      10.  
        1 (0) 0%