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Aguirre - Der Zorn Gottes

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    Es gibt 10 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Data.

      Aguirre - Der Zorn Gottes

      Aguirre - Der Zorn Gottes



      Alternativtitel:
      Aguirre, Wrath of God
      Aguirre, la Colere de Dieu
      Aguirre, Furore di Dio

      Produktionsland : Deutschland
      Produktionsjahr : 1972

      Genre : Abenteuer, Drama
      Lauflänge : 91 Minuten
      Freigabe : ab 12 Jahren

      Regie : Werner Herzog
      Drehbuch : Werner Herzog
      Musik : Popol Vuh

      Darsteller :
      Klaus Kinski
      Helena Rojo
      Del Negro
      Ruy Guerra
      Peter Berling
      Cecilia Rivera
      Daniel Ades
      Edward Roland



      Inhalt :
      In den peruanischen Anden des 16. Jahrhunderts ist ein spanischer Expeditionszug auf der Suche nach dem sagenumwobenen Goldland „El Dorado“. Der fanatische Lope de Aguirre (Klaus Kinski) zettelt einen Aufstand gegen den Anführer der Gruppe an, lässt ihn festnehmen, von einem Scheingericht zum Tode verzúrteilen und hängen. Besessen von der Idee, in Eldorado zusammen mit seiner Tochter eine absolute Dynastie zu gründen, treibt Lope de Aguirre mit einer Gruppe ohnmächtiger Gefolgsleute auf einem Floß den Amazonas hinunter. Er lässt die Mannschaft in einem Delirium aus Fieber, Hunger und Indianerangriffen vor die Hunde gehen. Mit Macht und Ruhmgier geladen wie mit Dynamit. Er nennt sich „Der Zorn Gottes“.



      Hintergrund :
      Die Produktion des Films war ebenso von Abenteuer und Katastrophen geprägt wie sein Inhalt: 350 aus einem Flugzeug geraubte Affen als Statisten und ein Klaus Kinski, der von Regisseur Werner Herzog unter Waffengewalt vor die Kamera gezwungen werden musste.

      (Quelle : DVD-Klappentext, Focus Edition)

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      RE: Aguirre - Der Zorn Gottes

      Ausführliche Filmkritik zu "Aguirre - Der Zorn Gottes" :



      „Ich bin der Zorn Gottes! Ich werde meine eigene Tochter heiraten, ich werde die reinste Dynastie gründen, die die Menschheit kennt, und gemeinsam werden wir über den ganzen Kontinent herrschen. Wir werden allem standhalten. Ich bin der Zorn, der Zorn Gottes! Wer will sich mir anschließen?“

      Dies ist der wohl meist zitierteste Part aus Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“. Mit diesem Film gab das geniale Duo Kinski / Herzog seinen Einstand in der Kinogeschichte. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, welch unbändige Kraft diese beiden - im positiven Sinne gemeinten – Irren entwickeln würden, in deren Folge noch vier weitere Meilensteine des Films entstehen sollten.

      Im Jahre 1560 machen sich spanische Eroberer auf, um das sagenhafte Goldland Eldorado zu finden. Sie müssen sich durch den dichten Dschungel des Amazonas ihren Weg bahnen. Als ihr Anführer wegen den unüberquerbaren Stromschnellen umkehren will, wird er von dem Edelmann Don Lope de Aguirre (Klaus Kinski) kurzerhand abgesetzt und später erhängt. Aguirre will unter allen Umständen zum Land Eldorado vordringen und ist bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.
      Der Weg der Eroberer ist überschattet von Indianerüberfällen, Hungersnot und Fieber. Und immer mehr Männer sterben einen grausamen Tod. Doch Aguirre ist wie von Sinnen, fordert Gott und die Natur heraus um sein Ziel zu erreichen. Am Ende ist Aguirre ganz allein auf seinem riesigen Floß. Gefangen von den gewaltigen Stromschnellen und umgeben von den Leichen seiner Männer. Und allein treibt er in sein endgültiges Verderben hinein ...

      Wahrscheinlich begehe ich jetzt in den Augen einiger Filmkritiker eine Majestätsbeleidigung – aber „Aguirre, der Zorn Gottes“ gibt mir persönlich ziemlich wenig. Zweifelsohne hat Herzog hier ein wirklich bildgewaltiges Epos mit wunderschönen Naturbildern abgeliefert, aber ich komme teilweise um vor Langeweile. Alle weiteren Zusammenarbeiten von Kinski und Herzog waren fesselnd, zusammenhängend in ihrer Erzählweise. „Aguirre“ jedoch verliert zumindest für mich einige Male den Handlungsfaden und hat außer den Gewalten der Natur und eines Klaus Kinski wenig zu bieten, das mich fesseln könnte. Mit Sicherheit hat Werner Herzog auch hier eine Vision verfolgt und der enorme, weltweite Erfolg mag ihm Recht geben, aber für mich persönlich kommt der Film nie an seine späteren Werke mit Kinski heran.
      Die ungeheure Natur – mal wunderschön und dann im nächsten Augenblick unberechenbar und tödlich – und Kinski ergänzen sich im Zusammenspiel. Doch ich hatte insbesondere von den Szenen mit den Indianern mehr erwartet. Zu jeder Zeit müssen diese Eroberer des Nutzlosen mit Überfällen der Eingeborenen rechnen, doch man sieht jedesmal nur ihre abgeschossenen Pfeile, nie die Indianer selbst.
      Dramaturgisch sicherlich eine Weile recht spannend, doch mir fehlt der direkte Vergleich zwischen den Herren des Urwalds und seinen Eindringlingen. So bleibt die Bedrohung stets nur vage im Hinterkopf des Betrachters, der sich somit ganz auf Kinski konzentrieren muss (oder darf).
      Kinski ist auch der einzige Schauspieler, der diese Bezeichnung zu Recht trägt. Alle anderen Akteure wirken wie Laiendarsteller und sind es hoffentlich auch. Sie stieren stumpf in die Kamera und tragen ihre Dialoge emotionslos vor. Gerade mal Peter Berling als Don Fernando de Guzman dürfte einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Er machte sich später allerdings mehr durch Fantasy-Romane einen Namen.
      Kinski unterscheidet sich grundlegend von der Trägheit der übrigen Akteure. Von ihm geht eine Urkraft aus, eine enorme Energie, die ihn selbst und den Film mitzureißen droht. Mit seinem Buckel und dem schleifenden Gang wirkt Aguirre so verletzlich, ist jedoch rücksichtslos und grausam zu den Anderen und zu sich selbst. Um den Traum vom sagenhaften Goldland zu verwirklichen, schlägt er sämtliche Warnungen und Gefahren in den Wind und treibt so seine Männer in den Tod.

      Kinskis Aguirre ist maßlos in jeder Beziehung, ebenso wie sein Darsteller selbst. Er kann seine eigenen Grenzen nur dann sprengen, wenn er sich ihnen nähert. Eine fantastische Leistung Kinskis, gleichermaßen beeindruckend wie auch bedrückend. Kinski/Aguirre ist von Beginn an dem Untergang geweiht, der Film selbst ist es zum Glück nicht. Kritik und Publikum waren sich bei „Aguirre, der Zorn Gottes“ ausnahmsweise einmal einig und auch heute noch gilt der Film als eines der größten Meisterwerke der Filmgeschichte.

      Bewertung : 7 / 10
      Aguirre - Der Zorn Gottes ist einer der depressivsten Filme, die ich bisher gesehen habe. Die ganze negative Stimmung, wird zusätzlich noch mit dem Score von Popol Vuh verstärkt. Aguirre vom Wahnsinn beherrscht, steuert er mit seiner 40 Mann-Truppe in den sicheren Tod.

      Neben atemberaubenden Aufnahmen der Natur. Bleibt der Film ein Highlight, durch Kinskis krankhafte Darstellung einer wahnsinngen Führerfigur. Eine Geschichte über Gier nach Macht, Land und die Bessenheit eines einzigen Mannes.

      Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now" wurde durch Werner Herzogs, Aguirre - Der Zorn Gottes inspiriert und diente sozusagen als Vorlage. :D

      8,5/10
      1. Genndy Tartakovsky's Primal 2. Love, Death & Robots 3. Castlevania 4. Yakuza goes Hausmann 5. Dota: Dragon's Blood

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Tomtec“ ()

      Ich hatte echt schlimmes erwartet. Werner Herzog ist was sein Gefühl für Dramaturgie und Ästhetik betrifft ein sehr...unkonventioneller und sehr fordender Regisseur. Darum ging ich an Aguirre auch mit höchster Vorsicht heran. Zu Unrecht wie es sich herausgestellt hat.
      Natürlich, Aguirre befindet sich fernab jeglicher Filmkonventionen, aber wer modernere Filmemacher wie Malick oder Coppola zu schätzen weiss, der findet auch Anschluss an Herzog, der unumwunden Vorbild für viele Filme der beiden genannten Filmemacher war.

      Lange Rede kurzer Sinn: Aguirre will intellektuell stimulieren. Der Film soll nicht gefühlt sondern gedanklich nachempfudnne werden, zumindest war das mein Eindruck. Keine dramaturgischen Höhensprünge oder filmtechnischen Finessen. Der Score ist wahrlich was besonderes, ähnlich wie bei Malicks Filmen heutzutage. Keine harmonischen Klänge sondern eine akustische Nachempfindung des geschilderten Elends.

      Hat mir überraschend gut gefallen. Und das obwohl ich Kinski nicht besonders hoch schätze. Er beherrscht sicherlich seine eigene, extreme Form des Method Actings, was gerade in solchen Rollen superb funktioniert, aber in meinen Augen ist gute Schauspielerei mehr als das.

      8/10
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      Vor ein paar Tagen gesehen.
      Also ich kann dem Streifen nicht sooo viel abgewinnen.
      Kinski, Soundtrack und Naturaufnahmen sind ohne zweifel ganz ok aber irgendwie fehlt mir da was.
      Kommt mir alles irgendwie wie ein Theaterstück vor.
      Von den Texten und von den Darstellungen der einzelnen Figuren.

      Kann man mal anschauen, wenns keine Alternativen gibt aber nichts wirklich besonderes. :(


      Von mir bekommt der 6/10 Giftpfeilen

      Für mich ganz deutlich der beste Film des Kinski/Herzog-Duos.
      Obwohl sich die beiden damals noch nicht so "verstanden" haben, wie bei ihren späteren Filmen.
      Kinskis Ausraster am Set sind fast legendärer als der Film selbst. Wer sich mal die Doku Mein liebster Feind angesehen hat, weiß wovon ich rede.
      Der Film selbst hat einfach eine unglaublich irre Atmosphäre, von der sich sogar Coppola für Apocalypse Now inspirieren ließ. Ich finde allein dadurch hat der Film schon seine Daseinsberechtigung.
      Kinskis Spiel ist hier ebenfalls eines der besten von ihm. Für mich ist die einzige Rolle, die an die hier gezeigte Intensität noch drankommt, die Rolle des Nosferatu gewesen.
      Aber wenn man sich mal auf der Zunge zergehen lässt, wie absolut irre und vollkommen wahnsinnig Kinski hier agiert, kann man wirklich nur den Hut vor ihm ziehen.
      Die Story an sich ist tatsächlich nicht so überragend, aber darum geht es hier auch gar nicht.
      Es geht um die Figur des Aguirre und welchen Wahnsinn, Angst und Schrecken diese verbreitet hat.
      Und das wird von Kinski und Herzog wunderbar illustriert.
      gestern auf arte wieder gesehen :D
      Hier gibt es nicht viel zu Sagen
      Aguirre ist einfach fesselndes Abenteuer,das sich nit der Suche nach der Stadt von El Dorado befasst.
      Dieser Film überzeugt vor allem aufgrund des fast schon dokumentarischen Stils und der ausgezeichneten Darbietung von Klaus Kinski. Die absolut sehenswerten Kulissen Perus und ein toller Soundtrack machen dieses Gesamtwerk einzigartig .
      8/10 Punkten
      :stern:
      Keine Frage Kinski ist wahnsinnig :D Schon krass wie er spielt, wiedert einen irgendwie richtig an. Der Film ansich konnte mich jetzt aber nicht vom Hocker hauen. Mir war das irgendwie stellenweise echt zu lahm. Die Atmosphäre und die unsichtbare Bedrohung ist schon ziemlich gut. Der Soundtrack wiederum hat mir nicht so zugesagt. Vor allem der Flöten spielende Einheimische ging mir mit seinem schiefen Gepiepe ziemlich auf die Nerven. Ich bin froh den Film endlich mal gesehen zu haben, hatte aber auf mehr gehofft.

      6,5/10
      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :halbstern: :stern2: :stern2: :stern2:




      Serienstaffeln 2019: -33-
      Filme 2019:
      -69-

      Serienstaffeln 2020: -33-
      Filme 2020:
      -279-
      Für Sammler und Liebhaber sicherlich interessant, das Limited Edition Blu-ray Steelbook von Aguirre - Der Zorn Gottes

      Limited Edition SteelbookTM
      Original mono audio (German and English)
      Alternative 5.1 Surround audio (German)
      Original theatrical trailer
      Stills gallery
      The Unprecedented Defence of the Fortress Deutschkreuz (1967, 16 mins): symbolic drama about four young men hiding from an imagined enemy
      Last Words (1968, 13 mins): short film about the last man to leave a former leper colony
      Precautions Against Fanatics (1969, 11 mins): short satire about horse-racing enthusiasts
      Fata Morgana (1971, 77 mins): hallucinatory film exploring mirages and the Mayan creation myth
      Feature-length audio commentary with Werner Herzog for both Aguirre, Wrath of God and Fata Morgana
      Fully illustrated booklet with a new essay by Laurie Johnston, full film credits and on-set photographs

      Germany | 1972 | colour | German language, with optional English subtitles; English language | 93 minutes | Original aspect ratio 1.33:1 | BD50 | 1080p | PCM 1.0 mono audio (48k/24-bit) and 5.1 DTS-HD Master Audio | Cert PG (contains moderate violence)

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      Ich habe mir jeden Falls das Steelbook gekauft und tue mir damit schwer, die Verpackung zu öffnen! :aargh: Wunderschöne Veröffentlichung von diesem großartigen Film. Besser als unsere Veröffentlichungen in Deutschland. Jetzt müssen nur noch Fitzcarraldo und der Rest der Kinski-Filme von Werner Herzog auch noch so eine edle Aufmachung bekommen.
      Bilder
      • Aguirre - Limited Steelbook Blu-Ray.jpg

        56,07 kB, 400×504, 45 mal angesehen
      1. Genndy Tartakovsky's Primal 2. Love, Death & Robots 3. Castlevania 4. Yakuza goes Hausmann 5. Dota: Dragon's Blood

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      - Aguirre, der Zorn Gottes

      Aguirre, der Zorn Gottes erzählt die Geschichte von dem spanischen Eroberer Gonzalo Pizarro, der mit seinem Trupp auf der Suche nach der sagenumwobenen goldenen Stadt El Dorado ist. Die Wanderung dorthin über die Anden und den dichten Amazonas erweist sich als zunehmend unbezwingbar und so schickt er einen seiner Männer, Lope de Aguirre, voraus und beauftragt ihn zusammen mit einer Handvoll Soldaten auf Flößen den Fluss hinterzufahren und die Strecke auszuspähen. Nach und nach erliegt die Gruppe der feindlichen Landschaft, wird dezimiert von den nie sichtbaren lokalen Inuks und der Mangel an Ressourcen und Rationen macht sie zunehmend fieberisch und bringt sie an den Rand des mentalen Wahnsinns.

      Aguirre, der Zorn Gottes ist auf eine ganz gewisse ARt ein beachtlicher Film. Gefilmt vor Ort in Peru, scheint der Dreh eine Zumutung für die ganze Besatzung gewesen zu sein. Herzog ist berüchtigt dafür, für eine bestimmte Aufnahme an menschliche Grenzen zu gehen und gar die Sicherheit seiner Darsteller und seiner Crew zu gefährden. Die Anfangssequenz, in der er die spanischen Soldaten und die gefangenen Incas filmt, wie sie einen schmalen und gefährlichen Weg am Bergabhang an den Anden entlanglaufen, ist eine minutenlange Aufnahme, die allein deswegen beeindruckend ist, weil man sieht, wie viele Komparsen er hier an das Set gejagt hat. Solche Aufnahmen lassen sich nicht im Studio fälschen und man sieht die Strapazen jedem Gesicht an, das an der Kamera vorbeiläuft. Jeder hier wäre inmitten der tropischen Hitze und der ungemütlichen Kostüme herzlichst gern irgendwo anders auf der Welt gewesen.

      Der Film ist auch bemerkenswert dafür, dass er die erste von fünf Kollaborationen zwischen Werner Herzog und Klaus Kinski markierte. Die beiden gerieten berühmterweise mehrmals während der Dreharbeiten aneinander, was Berichten nach auf die exzentrische und unberechenbare Arbeitsweise des Darstellers zurückzuführen war. Kinski spielt Aguirre wohl auf die einzige Art, wie er dies konnte: Mit einem unterschwelligen Wahnsinn, mit einer brodelnden Wut und mit Mordlust in den Augen, die einem sagt, dass man diesem Typen besser aus dem Weg gehen sollte. Kinski war schon zu Lebzeiten ein kontroverser Charakter. Die Anschuldigungen seiner Tochter Pola, die nach seinem Tod aufkamen, machten ihn letztlich zu einem regelrechten Feindbild. Aguirre ist Klaus Kinski und andersrum. Die Figure und der Schauspieler verschmelzen auf eine surreale Weise miteinander, wie es nur wenige Schauspieler mit ihren Rollen tun. Der Charakter an sich ist nicht sonderlich tiefgründig oder ausgebaut - ich würde sagen, noch nicht mal überaus interessant. Aber Kinskis Darstellung hat eine merkwürdig hypnotisierende Art an sich, die auf den ganzen Film ein interessantes Tuch des Unwohlseins legt, das sich bis zum Schluss nicht lösen möchte.

      Werner Herzog ist ein Regisseur, der an großen Themen und Ideen interessiert ist und der weniger Wert auf Plot und Dialog legt. Es ist daherkommend, dass Aguirre, der Zorn Gottes weniger mit inhaltlichen Stärken aufwarten kann und mehr durch Aufnahmen beeindruckt, die kurios und irrwitzig, bizzar und geprägt von biblischen Metaphern sind. Es ist das Abdriften seines Protagonisten in den Wahnsinn, was diesen Film ausmacht und der Film hat keine stärkere Einstellung zu bieten als die finale Szene mit Aguirre auf dem Floß, umgeben von seinen toten Kameraden und Affen hinterherjagend, während er von Eroberung und der Zeugung einer Dynastie vor sich her fiebert. Die Kamera kreist dabei scheinbar endlos um ihn herum, um die tödliche Spirale zu verbildlichen, in der er sich befindet und der er nicht mehr entkommen kann. Diese letzten Momente haben sich nachdrücklich bei mir eingeprägt.

      Ich kann nicht sagen, dass mich der Film völlig abgeholt hat, denn er ist auch ein stellenweise äußerst merkwürdiges Erlebnis. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, ist aber über weite Strecken völlig fiktional. Der Dialog („Arschloch“, „Scheiß drauf“) reißt einen mehr als einmal aus der zeitliche Realität, in der man sich einfinden soll. Und der deplatzierte Humor („Die langen Pfeile scheinen wieder in Mode zu kommen.“) hat mich oft etwas verblüfft zurückgelassen.

      Aguirre, der Zorn Gottes gilt als eines der größten Meisterwerke der Kinogeschichte. Und ja, er war sicherlich handwerklich sehr gut gemacht, mit einem Regisseur am Steuer, der vielleicht mehr Dichter als Filmemacher ist, der deswegen zu gewaltiger Bildsprache imstande ist und mit Klaus KInski einen Hauptdarsteller gefunden hat, ohne dessen unglaubliche Leinwanddominanz wahrscheinlich nichts hieran funktioniert hätte. Ich kann nicht sagen, dass mich der Film emotional angesprochen hat. Ehrlich gesagt, war ich öfter abgestoßen von ihm, als angetan. Ich bin mir andererseits aber auch nicht sicher, ob das nicht genau das war, was der Film sein musste.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase



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