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The Irishman (Martin Scorsese)

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    Es gibt 446 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Wuchter.

      Ob THE IRISHMAN mit Scorsese's alten (Mafia-) Filmen mithalten kann und ob er sich überhaupt lohnt, verklicker ich euch hier:

      Pepe Nietnagel schrieb:

      Stimmt schon. Leute schauen sich ganze Staffeln mit 10 oder 12 Folgen am Stück an; kritisieren aber, wenn ein Film mal 200 Minuten Filmlänge hat ... :D

      Selbst 400 Minuten wüsste Meister Scorsese spannend umzusetzen. Spannend iSv "tolle Szene, ich will gleich die nächste kennenlernen". So zumindest würde ich sein bisheriges Ouvre schlicht zusammenfassen. Und noch ist er nicht in Rente. :)
      Pure Cagesploitation.


      Ein Segen, dass solch ein klassischer Film heutzutage noch zustande gekommen ist. Und gleichzeitig auch eine absolute Schande, dass 'Netflix' hier einspringen musste, weil kein Studio bereit war, dafür Geld auszugeben und den Film ins Kino zu bringen, wo er eigentlich hingehört.

      Ganz im Stile alter Klassiker, erzählt The Irishman in absoluter Stille, völlig unaufgeregt eine Geschichte über ein komplettes Leben, verfällt dabei in seiner gigantischen Laufzeit von 209 Minuten jedoch niemals in Langeweile. Jede Szene hat ihre Daseinsberechtigung, die Dialoge sind spannend zu verfolgen. Es gibt so viele wirklich gute Szenen in diesem Film, seien es nun spannende, die die Handlung um wichtige Details erweitern, oder beiläufige Gespräche, wie zb. über die maximale Dauer einer noch akzeptablen Verspätung. Und gerade diese Mischung macht The Irishman so authentisch und lebensecht.

      Aber insbesondere auch die drei Hauptdarsteller De Niro, Pesci und Pacino. Alle drei spielen grandios wie zu alten Zeiten auf, und vor allem endlich mal wieder Pesci in einem Film zu sehen ist besonders großartig. Auch schön zu sehen, dass er hier mal nicht den Choleriker spielt, sondern einen in sich gekehrten Charakter, der trotzdem mit allen Wassern gewaschen ist. Wenn diese drei Meister ihres Fachs zusammenkommen und dann auch noch von Martin Scorsese geführt werden ... ja, dann entsteht wahrlich Magie, der man sich nur schwer entziehen kann.

      The Irishman ist weniger ein Film, als ein Erlebnis. Die Atmosphäre dieser lange vergangenen Zeit sprießt aus jeder Pore des Films. Dass Scorsese hier mit viel Herzblut ans Werk gegangen ist, merkt man deutlich. Und auch wie er es in diesem Film einmal mehr, wenn nicht sogar noch viel besser als in seinen vorherigen Werken schafft, den nach außen getragenen Glamour der Mafia zu dekonstruieren und zu zeigen, wie wenig erstrebenswert ein solches Leben im Grunde ist und man auf Lebzeiten damit nicht glücklich wird.

      Mit The Irishman hat Martin Scorsese einen der beeindruckendesten und vor allem zum Ende hin gefühlvollsten Mafiafilme inszeniert, die man zu sehen bekommen kann.



      9/10
      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: <3
      Mein Filmtagebuch



      „I think storytelling is all about children. We human beings love to hear stories being told - and it first happens when you're a kid.“
      - David Chase

      PRP schrieb:

      Ein extrem übertriebener langweiliger Film der viel zu lang geht und mind. 15 Jahre zu spät gedreht wurde.


      Woanders meinte einer es fühlt sich an wie ein Best of von Martin Scorseses Lebenswerk, nur das ende scheint etwas zu lang geraten zu sein. Bei den meisten Filmen die heute so Produziert werden wundert es mich zumindest nicht das einige den Film als Langweilig empfinden. Ich bin dagegen dankbar das heute auch noch solche Filme raus kommen. Auch wenn es bezeichnend ist das man für so etwas inzwischen Netflix braucht weshalb Martin Scorsese wohl insbesondere auf Marvel schlecht zu sprechen ist die ja die Kinolandschaft in den letzten Jahren diesbezüglich beinflusst haben.

      GrafSpee schrieb:

      PRP schrieb:

      Ein extrem übertriebener langweiliger Film der viel zu lang geht und mind. 15 Jahre zu spät gedreht wurde.


      Woanders meinte einer es fühlt sich an wie ein Best of von Martin Scorseses Lebenswerk, nur das ende scheint etwas zu lang geraten zu sein. Bei den meisten Filmen die heute so Produziert werden wundert es mich zumindest nicht das einige den Film als Langweilig empfinden. Ich bin dagegen dankbar das heute auch noch solche Filme raus kommen. Auch wenn es bezeichnend ist das man für so etwas inzwischen Netflix braucht weshalb Martin Scorsese wohl insbesondere auf Marvel schlecht zu sprechen ist die ja die Kinolandschaft in den letzten Jahren diesbezüglich beinflusst haben.


      Ich liebe Mafia-Filme bzw. Filme die in diese Richtung gehen, aber mit diesem Film konnte ich einfach nicht warm werden. Schade, was wäre es nur für ein Genuss gewesen, wenn diese vier (inkl. Martin) vor 20-25 einen Film in dieser Richtung gemacht hätten.
      "The worst part of being old is remembering when you was young".
      Alvin Straight in The Straight Story

      The Irishman ist nicht nur ein Gangsterfilm, sondern ein kompliziertes Epos, das als düster-komische Meditation über Kriminalität, Altern und Sterblichkeit die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts begleitet. Scorsese selbst dekonstruiert das Genre, dass er vor Jahrzehnten perfektionierte und gibt seinem Film, eine für das Genre selten erreichte Melancholie mit, die man so zuletzt bestenfalls in "Es war einmal in Amerika" gesehen haben dürfte. Während Frank Sheeran Mord um Mord begeht, ziehen Jahrzehnte US-Amerikanischer Geschichte ins Land, die er bewusst und unbewusst mitzufärben scheint und zwar in einer einzigen Farbe: Rot.

      Was The Irishman von Scorseses bisherigen Mafia Werken unterscheidet, ist die Stimmung seiner Erzählung: Waren in Goodfellas, Casino und auch Gangs of New York immer auch Aufbruch, Exzesse und jugendlicher Tatendrang präsent, sind sie hier einer bedrückenden Müdigkeit und Sentimentalität gewichen. Dass der Film nicht gänzlich in diese Kerbe schlägt ist wohl auch dem fantastischen Drehbuch von Steven Zaillian zu verdanken, der die geschichtlichen Details und die Vermittlung von Kriminalität und Moral in einer Branche, in der sie gänzlich zu fehlen scheint mit genügend Humor erzählt. Ob sich alle Geschehnisse so abgespielt haben mag bezweifelt werden, aber Scorsese ist ohnehin mehr an den Problemen und zentralen Konflikten seiner Charaktere interessiert, die in einer Ermordung und einem Telefonat ihren Höhepunkt finden. Die wichtigsten Momente finden zwischen den großen historischen statt, nämlich dann, wenn Sheerans Familienleben zu Tage tritt. Peggy Sheeran (Anna Paquins) wird neben Hoffa zum zentralen Konflikt. Gegen Ende des Films spielt The Irishman seine Stärken aus und nutzt das Gangster Epos für eine Mediation über Sterblichkeit, die im Laufe des Films auch von Frank Sheeran erkannt wird und der sich beim Anblick des eigenen Sarges die Frage stellt: War es das alles wert? Zum Schluss müssen während den inzwischen bedeutungslosen Ritualen, importiertes Brot und teurer Wein, Traubensaft und Billigbrot weichen. Auf das Unausweichliche wartend, verblasst das Vergangene und verkommt zur Stille. In der letzten Szene erinnert ein offener Türspalt an eine Gewohnheit eines alten Freundes und die Hoffnung auf eine wachende Hand, die für Frank Sheeran nicht erscheinen wird.

      Noch ein paar lose Gedanken:
      Spoiler anzeigen

      - Ich habe den Film jetzt zweimal gesehen und umso größer die Leinwand, desto besser wirkt das de-aging Verfahren. Allerdings finde ich es trotzdem eher befremdlich. DeNiro sah zu keinem Zeitpunkt jünger als 50 aus und als Pesci ihn beim ersten Treffen "Kid" nennt, musste ich schon schmunzeln. Das Alter in den Bewegungen ist auch nicht zu leugnen. Als DeNiro den Ladenbesitzer verprügelt, sah das unfreiwillig komisch aus.
      - Der Cast macht das alles fantastisch, aber Pesci ist next level Shit.
      - Der Aufbau zum Hoffa Mord ist ein All timer, also wirklich etwas für die Filmgeschichtsbücher
      - Der Film hat so wahnsinnig viele Details: Das brechen des Brots am Anfang und dann später im Gefängnis; der erste Mord ist tatsächlich schon der an Hoffa, nur eben im Close-up von Sheeran; auf der großen Feier sagt DeNiro zu Pacino: "Ich stehe hinter dir" usw. usw.



      "No form of art goes beyond ordinary consciousness as film does,
      straight to our emotions, deep into the twilight room of the soul.
      "
      Ingmar Bergman
      Hatte wirklich Bedenken ob dreieinhalb Stunden dann doch nicht too much sind. Wie oft sieht man schon einen Film mit 200+ Minuten Laufzeit? Das klang einfach zwangsweise nach Leerlauf für mich. Aber Scorsese hat es dann doch wieder wie bei "Wolf of Wall Street" hinbekommen, dass ein sehr langer Film einem nicht sehr lange vorkommt. Klar, es ist schon ungewöhnlich, wenn man nach zwei Stunden sieht der Film geht jetzt nochmal eineinhalb Stunden. Als würde man quasi zwei Filme hintereinander gucken, da braucht man auch viel Sitzfleisch. Aber in dem Fall sind es zwei gute Filme - denn diese lange Laufzeit wird bemerkenswert gut gefüllt und ich hatte schon bei vielen Filmen, die nicht mal halb so lang gingen mehr Langeweile. Mir fällt jetzt auch auf Anhieb nichts ein, wo ich sagen würde "Das hätte man locker weglassen können".

      Ich kann nur jedem empfehlen, der/die den Film noch gucken will: Genießt es. Nehmt euch wirklich die Zeit, macht das Zimmer dunkel, holt euch ein Getränk und hockt euch vor den Fernseher - mit dem Wissen: Jetzt kommt das (höchstwahrscheinlich) letzte große Mafia-Epos in dieser legendären Konstellation. Roberto DeNiro, Joe Pesci, Al Pacino und Harvey Keitel unter der Regie von Martin Scorsese. Saugt jede Minute davon auf - denn so jung kommen wir nicht mehr zusammen. ;) Das was ihr da sehen werdet, wird es so in dieser Form nie wieder geben. Und glaubt mir: Dann vergehen die 3,5 Stunden auf einmal schneller als man gedacht hätte.

      Mafia-Filme waren für mich früher immer "Aufzugsfilme": Es geht hoch und dann wieder runter. Gefühlt immer das gleiche Konzept. Und deswegen bin ich selbst mit den großen Genre-Klassikern nie wirklich warm geworden. "The Irishman" finde ich aber trotzdem super.

      Aber was macht dieser "Aufzugsfilm" für mich besser als andere Genre-Vertreter? Vor allem eins: Das Fahrtempo. Dieser Film ist kein Rausch, dieser Film ist kein Glamour und dieser Film ist auch nicht "cool". Hier gibt es keinen Scarface, der wie eine Karikatur den Kopf durch die Koksberge zieht und dann von Maschinengewehrsalven durchlöchert überstilisiert in einen Pool fällt und diesen mit Blut füllt. Das Töten ist hier nicht "cool", es passiert fast schon beiläufig im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht schnell und kalt über die Bühne. Es ist so nüchtern-beiläufig, dass die tödlichen Schicksale mehrere Figuren einfach nur kurz als Text eingeblendet werden, wenn wir sie zum ersten Mal sehen. Auch keine großen Drogen- & F*ck-Orgien à la "Wolf of Wall Street" erwarten Einen. Denn das hat mich immer ein bisschen an diesen Filmen "abgeschreckt": Ihre Wirkung auf gewisse Zuschauer. Nicht einfach nur Fans der Filme, sondern wirklich Leute die das Gezeigte dort unironisch hochstilisieren und einen Belfort aus "Wolf" fast schon nacheifern. Leute die bei Oliver Stones "Wall Street" einfach die letzten Minuten abschalten und die Gecko-Figur als Idol ansehen. Leute, welche die falschen Schlüsse aus solchen Filmen ziehen.

      "Irishman" macht es solchen Zuschauern allerdings schwer bis unmöglich, etwas zum Nacheifern zu finden: Den besagten Rausch des Höhenflugs erleben wir nicht wirklich. DeNiro hockt auch in keiner protzigen Villa, hat keinen millionenschweren Fuhrpark. Robert DeNiro steigt zwar in der Rankordnung auf aber verliert auf dem Weg dorthin soviel an Werten und Familie, dass es einem nie wirklich als lohnenswerte Errungenschaft vorkommt. Was er gewinnt steht nie in einem Verhältnis dazu, was er im Umkehrschluss verliert. Da sitzt kein Zuschauer vor dem Fernseher und denkt sich insgeheim "Geil, so wäre ich auch gerne". Wer will so schon sein?

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      DeNiros Figur stirbt nicht theatralisch im Kugelhagel, sondern versauert gebrechlich und allein im Altersheim. Von seiner falschen "Familie" sind mittlerweile auch alle tot und keiner für ihn da - und von seiner echten Familie will keiner etwas von ihm wissen. Seine echte Familie hat er im Stich gelassen, war in den entscheidendsten Jahren nicht für sie da. Die Familie, die ihn als Vater und nicht als Schläger oder bloßen Geldgeber gebraucht hätte. Denen er nicht imponiert, wenn er einen Ladenbesitzer kaputt schlägt oder wenn dessen Verbrechen in den Zeitungen landen. Er war nicht wirklich für sie da und deswegen gibt es auch keinen Grund jetzt für ihn da zu sein. Das ist die brutale Quittung für das Verbrecherleben, die Geister die er rief: Und nichts sagt deutlicher "Das hast du jetzt davon" aus als das letzte Schlussbild des Films. DeNiros gebrochene Figur im Altersheim, alleine im Zimmer an Weihnachten vor der angelehnten Zimmertür, durch die niemals geliebte Gesichter treten werden.


      Gut dargestellt fand' ich auch die Parallele zum Krieg, die Frank Sheeran so entscheidend geprägt hat. Seine Taten im Krieg unterscheiden sich nicht großartig vom Dienst in der Mafia: Befehle ausführen, Menschen töten, nichts hinterfragen und damit aufsteigen. Das ist natürlich keine Entschuldigung für sein Handeln aber eine Erklärung, weshalb schon die ersten Mordaufträge so spurlos an ihm vorbeigehen.

      Zum großen Verjüngungs-Streitpunkt: Für mich kein störender Faktor gewesen. Den Uncanny-Valley-Effekt wirst du nie komplett loswerden, weil dir dein Gehirn immer sagen wird "Das kann jetzt grade nicht echt sein, DeNiro ist über 70 Jahre alt". Bei der "ganz jungen" Version von DeNiro würde ich auch sagen: Jepp, da fällt es schon auf, z.B. bei der besagten, kurzen Kriegssequenz. Da wirkte es in der Nahaufnahme wirklich wie eine (wenn auch sehr gute) Videospielfigur aus einer "Battlefield"-Rendersequenz. Aber grade die "mittlere" Version von ihm, die den Großteil der Screentime einnimmt, die funktioniert super. Seltsamer fand' ich da die blauen Kontaktlinsen, die für mich das Gesicht gerade in Nahaufnahmen viel eher künstlich haben aussehen lassen. Genauso wie es auch schon @Wucki in seinem tollen Beitrag geschrieben hat: Es sind eher die Bewegungen, die es deutlich machen. Du hast einen im Gesicht verjüngten DeNiro auf den langsamen, trägen Körper des über 70-Jährigen DeNiros. Das fällt in den vielen ruhigen Szenen am Tisch oder im Auto nicht wirklich auf aber gerade in den etwas hektischeren Szenen wirkt es schon wie ein Fremdkörper. Wenn DeNiro als eigentlich noch "jüngere" Version einen Ladenbesitzer zu Brei schlägt, sich dabei aber so sperrig bewegt und schon fast das Bein zum Tritt nicht mehr hochbekommt - das sticht schon stark heraus, gerade bei einem ansonsten so starken Film.

      Aber alles in allem: Es funktioniert. Es ist nicht perfekt, nicht frei von Fehlern - aber es ist auch kein K.O.-Kriterium und anders wäre der Film schwer bis unmöglich geworden.

      Schauspielerisch? Ja, was soll ich sagen... genau die Granate, die man sich erhofft hat. Und es ist so schön, DeNiro und Pacino mal wieder in der Liga zu sehen, die ihnen gebührt. Kein "Dirty Grandpa", kein "Jack & Jill". Und es ist so schön, dass die Beiden einen würdigen Duo-Abschluss kriegen und es nicht bei dem lauwarmen "Righteous Kill" bleiben sollte. Aber das ganz große Highlight des Films ist Joe Pesci. Eine großartige Abschiedsvorstellung - diesmal nicht die Choleriker-Paraderolle auf Autopilot, sondern eine zwar immer noch hochgefährlich aber dafür wesentlich bedachtere Figur. Würde es zwar auch Brad Pitt für "Once upon a time... in Hollywood" gönnen aber eigentlich müsste jetzt schon Pesci's Name auf den Nebenrollen-Oscar eingraviert werden. Das ist eine Liga für sich. Harvey Keitel war auch eine absolute Präsenz. Die kurze Screentime die er hatte, hat er eingenommen. Alleine dieses Gespräch mit ihm, DeNiro und Pesci am Tisch: Dieser Blick durch die Brille, herrlich. Ray Romano hat mich komplett überrascht zu sehen. Hatte das irgendwann mal gelesen, dass er mitspielt aber wohl wieder vergessen. Auch deswegen hat es sich gelohnt keine Trailer zu gucken. Ebenfalls Stephen Graham, ach komm... eigentlich jede Figur des Films ist super besetzt, auch DeNiros Filmtochter spielt super authentisch.

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      Al Pacino's "You're late"-Szene ist auch genial. Diese Anspannung im Raum zwischen allen Figuren, die eigentlich nur an einem Tisch sitzen. "Wenn du einen Mann länger als 10 Minuten warten lässt, dann sagst du ihm damit etwas. Du sagst ihm "f*ck dich"... willst du mir etwas sagen?". Bei aller Coolness des Dialogs wird auch hier schön der Charakter von Pacinos Figur gezeichnet: Er kann sich, nicht mal für seinen eigenen Vorteil, hinten anstellen und einmal die eigenen Werte zurückhalten. Er kann kein böses Spiel zu guter Mine machen. Sein Gegenüber sitzt aktuell am längeren Hebel, Jimmy Hoffa ist abhängig von ihm und trotzdem muss er ihn wegen seines Outfits und Unpünktlichkeit zur Rede stellen. Eine Befindlichkeit, die er sich in diesem Moment nicht leisten kann aber trotzdem rausholt und die ein erster großer Schritt in den eigenen Abgrund ist.



      Ob es der beste Film des Jahres ist kann ich nicht sagen - dafür habe ich viel zu wenig gesehen. Und klar, alles ist und bleibt Geschmackssache: Ob einem nun mehr das Herz beim lauten Avengers-Finale oder bei Scorseses letzten "leisen" Mafia-Streifen aufgeht - oder sogar bei Beidem. Völlig wurscht. Aber es ist zweifelsohne einer der besten Filme des Jahres. Und genau wie einer der besten Animationsfilme des Jahres ("Klaus") läuft der nicht auf den Leinwänden, sondern auf einem Streamingdienst. Verrückte Welt. Aber ich bin dankbar, dass dieses Kaliber von einem Film trotzdem das Licht der Welt erblickt hat und Scorsese die Gelegenheit einfach genutzt hat, sein Wunschprojekt umzusetzen. Scorsese lässt jeden seiner ikonischen Darsteller noch einmal glänzen und schafft das, was Spielberg und Scott nicht mehr gelingt: Im hohen Alter immer noch grandiose Filme abzuliefern und kein Schatten seiner selbst zu sein. Und der gute Mann ist ja schon mit DiCaprio und DeNiro am nächsten potentiellen Knallerprojekt dran. Scorsese ist einfach King.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Snipes“ ()

      Ich fand den Film ebenfalls sehr stark.
      Habe es zwar nicht geschafft ihn in einem Rutsch durch zu gucken, sondern bin nach der 2ten Stunde eingedöst, aber das lag nicht daran das der Film nicht spannend war, sondern das ich einfach todmüde war :D

      Schauspielerisch war das aufjedenfall ein absoluter Überfilm. Aber da haben meine Vorredner auch schon alles gesagt, was es zu sagen gibt.

      Einen ticken kürzer hätte er für mich sein können. Ich glaube genau 3 Stunden wäre ideal. Dennoch fühlte sich nichts unwichtig an.

      Es ist mir ja fast schon peinlich, aber ich habe von dem deaging nichts mitbekommen.
      Ich wusste das nicht und habe es auch nicht bemerkt. Der Film hat mich so verschlungen das ich da generell keinen Gedanken zu gefasst habe.

      Anscheinend funktioniert das aber ja auch auf einer großen Leinwand besser als auf einem TV. Ich hab ihn auf einer 120 Zoll Leinwand gesehen. Vielleicht lags daran.