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Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil)

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    Es gibt 12 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Olly.

      Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil)

      Bewertung für "Im Zeichen des Bösen" 1
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      Im Zeichen des Bösen







      Originaltitel: Touch of Evil
      Genre: Thriller, Film-Noir
      Erscheinungsjahr: 1958
      Produktionsland: USA
      Länge: 106 Min
      Drehbuch & Regie: Orson Welles
      Musik: Henry Mancini
      Trailer: klick (imdb)

      Cast: Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Joseph Calleia, Akim Tamiroff, Joanna Moore, Ray Collins, Dennis Weaver, Mort Mills, Marlene Dietrich, Zsa Zsa Gabor, Joseph Cotten


      Inhalt:
      Los Robles ist eine Kleinstadt an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, in der mit Bordellen und Drogen das Geld verdient wird. Kurz nach dem Passieren der Grenze wird ein Auto vor den Augen des mexikanischen Rauschgiftpolizisten Miguel Vargas (Charlton Heston), der seiner Frau Susan Vargas, wie er dem Grenzbeamten erzählt, einen Schokoladenshake kaufen möchte, von einer Bombe in die Luft gesprengt. Am Explosionsort begegnet Vargas dem korrupten US-Inspektor Hank Quinlan (Orson Welles). Es entspinnt sich eine intrigenreiche Geschichte zwischen den beiden Antagonisten, bei der Quinlan nicht einmal vor dem Fälschen von Beweisen und Mord zurückschreckt.

      Quelle: wikipedia.de

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      Der wohl düsterste und schaurigste Film-Noir den ich je gesehen habe.
      Mit Miguel Vargas und Hank Quinlan stehen sich zwei Cops gegenüber, wie sie unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Auf der einen Seite der junge, aufstrebende und edelmütige Drogenfahnder Vargas, auf der anderen der alte, korpulente und korrupte Quinlan, der sich das Gesetz nach Belieben zurechtbiegt. Orson Welles beeindruckt nicht nur als Autor und Regisseur, sondern auch oder viel mehr noch in seiner Rolle als Quinlan, er gibt der Figur eine unglaubliche melancholische Tiefe, verkommt nicht zum klassichen Bösewicht, sondern präsentiert sich als ein um seine Ehefrau trauernder, verbitterter alter Mann, der die Flucht aus seinem Elend in der harten und kompromisslosen Ausübung des Gesetzes sucht, dabei nicht vor Mord und Beweisfälschung zurückschreckt. Seine persönliche Tragödie bewegt, man möchte ihm gar verzeihen und eine Abkehr von seinen Missetaten wünschen. In Quinlans Figur entfremdet sich Touch of Evil vom klassichen Film-Noir, es gibt kein klassisches Heldentum und auch kein Anti-Heldentum, ich möchte fast sagen Orson Welles parodiert das Genre, obwohl das vllt. schon zuviel gesagt ist, aber nicht zuletzt gilt dieser Film als Endpunkt jener Filmepoche.
      Die Inszenierung ist einfach sensationell, der Vorspann präsentiert sich in einer ungeschnittenen Kamerafahrt durch die Straßen der mexikanischen Kleinstadt Los Nobles (dem Ort der Handlung), die Hauptakteure werden bei der Gelegenheit gleich eingeführt und die Handlung zum Ende des Vorspanns durch eine gewaltige Explosion forciert. Wer sich davon einen Eindruck machen möchte, kann sich den Vorspann auch bei youtube ansehen, sehr lohnenswert weil seiner Zeit weit voraus, wohlgemerkt ist Touch of Evil bereits 50 Jahre alt (klick). Ich kann diesen Film eigtl. jedem ans Herz legen, ein Werk, das in allen Belangen aus der Reihe tanzt und auch jenen gefallen mag, die sonst mit den alten Schinken nicht viel am Hut haben. Kurzweilig, atmosphärisch, packend und zum Nachdenken anregend.
      Übrigens auch musikalisch wunderbar untermalt von Henry Mancini.

      9,5/10
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Winnfield“ ()

      ich kann deiner kritik eigentlich ziemlich zustimmen - bis auf das wort "kurzweilig". dazu muss ich aber gestehen, dass ich touch of evil schon sehr lange zu hause hatte, mich aber nie groß dazu, ähm, aus ermangelung eines bessern wortes sage ich: überwinden konnte, ihn auch zu gucken. irgendwie war der film in meinem kopf fest mit "lang" assoziiert. gesehen habe ich ihn dann doch im kontext eines film noir-seminars und tja, was soll ich sagen? der film kann schon halten, was die spektakuläre anfangssequenz, die ich natürlich vorab schon mehrfach gesehen hatte, verspricht - toller film, gerade was die äesthetik betrifft, wobei man es von welles nicht anders erwarten muss - the magnificent ambersons, so sehr man dem drehbuch ansieht, wie zerschnitten es wurde, ist doch einer der, ja, schlicht und ergreifend schönsten schwarz/weiß-filme, die ich je gesehen habe! trotzdem geht es mir mit touch of evil so wie ich es schon von einigen im bezug auf citizen kane gehört habe: man kann einfach nicht anders als staunend anzuerkennen, dass man ganz große filmkunst vor sich hat, aber liebe wird es wohl nicht werden.

      ps. der vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass ich dir auch was den düsteren ton angeht zustimme, aber der "fieseste" (im durchaus positiven sinn) film noir (im etwas dehnbaren sinne dieses wortes) war für mich in dem seminar le corbeau, ein französischer film, während des 2. weltkrieges mit deutschen besatzergeld gedreht, der gleichzeitig faschistisch und antifaschistisch genannt wurde - das muss man auch erst mal schaffen.



      Original von Winnfield
      In Quinlans Figur entfremdet sich Touch of Evil vom klassichen Film-Noir, es gibt kein klassisches Heldentum und auch kein Anti-Heldentum, ich möchte fast sagen Orson Welles parodiert das Genre, obwohl das vllt. schon zuviel gesagt ist, aber nicht zuletzt gilt dieser Film als Endpunkt jener Filmepoche.


      o-ha. fast überlesen. interessanter gedanke, das element der parodie. ich weiß nicht, ob ich soweit gehen würde, obwohl ein bißchen (oder auch ein bißchen mehr) sicher mit drinsteckt, aber das scheint mir für film noir generell charakteristisch zu sein. ringe gerade für eine hausarbeit in besagtem seminar u.a. mit billy wilders double indemnity / frau ohne gewissen und empfinde diesen trotz der frühen enstehungszeit (1944; der beginn des amerikanischen film noir wird ja meist mit the maltese falcon / die spur des falken nur drei jahre früher angesetzt) der parodie bzw. überwindung dieses genres viel näher (vielleicht auch einfach, weil ich weiß, dass billy wilder dahinter stand und ich ihn -durchaus in seinem genie natürlich- nie so ganz ernstnehmen kann ;) ). vielleicht meinen wir aber auch in gewisser weise etwas ähnliches. was ich bei touch of evil sehr spannend fand, war die für film noir wohl durchaus typische eigenschaft, andere genres mitzuintegrieren, aber gleichzeitig auch zu unterwandern, was in touch of evil schön mit dem western passiert (kanonenfutter für das "film noir als stil"- und gegen das "film noir genre"-argument?).

      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von „kane“ ()

      Original von kane
      ich kann deiner kritik eigentlich ziemlich zustimmen - bis auf das wort "kurzweilig".


      hmmm das man sich an einem Wort so aufhalten kann ;)
      aye ich hab es wohl mit wenig Bedacht gewählt, aber im Film Noir ist Touch of Evil doch eines der ereignisreicheren Werke.

      Original von kane
      o-ha. fast überlesen. interessanter gedanke, das element der parodie.


      Das Touch of Evil einfach anders ist und aus dem Rahmen fällt, fiel mir speziell eigtl. erst am Schluss auf, wo man doch ein bissarl ratlos aus dem Film entlassen wird. Nachdem ich meine Gedanken dann strukturiert habe, vielen mir erst die ganzen Unterschiede auf. Was Welles damit bezweckte weiß ich nicht, wird sicherlich irgendwo irgendwann einmal dazu Stellung bezogen haben, vllt. nehme ich mir da auch zuviel raus und es war einfach nur eine neue Interpretation des Genres.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Winnfield“ ()

      Original von Winnfield
      hmmm das man sich an einem Wort so aufhalten kann ;)

      nö, wieso? würde eher sagen, dass es mir nur als einstieg diente ;)

      Original von Winnfield
      aye ich hab es wohl mit wenig Bedacht gewählt, aber im Film Noir ist Touch of Evil doch eines der ereignisreicheren Werke.

      das hab ich damit nicht unbedingt gemeint. ereignislos ist touch of evil keinesfalls. im gegenteil wenn ich ihn da bspw. mit double indemnity oder gilda (noch so ein film, der besondere erwähnung in der arbeit finden soll ;) ) vergleiche, hebt die handlung wesentlich mehr, aber als schnell und fesselnd würd ich touch of evil jetzt nicht bezeichnen.

      Original von Winnfield
      Das Touch of Evil einfach anders ist und aus dem Rahmen fällt, fiel mir speziell eigtl. erst am Schluss auf, wo man doch ein bissarl ratlos aus dem Film entlassen wird. Nachdem ich meine Gedanken dann strukturiert habe, vielen mir erst die ganzen Unterschiede auf. Was Welles damit bezweckte weiß ich nicht, wird sicherlich irgendwo irgendwann einmal dazu Stellung bezogen haben, vllt. nehme ich mir da auch zuviel raus und es war einfach nur eine neue Interpretation des Genres.

      ich hab ja in dem seminar nicht mal annährend wirklich viele noirs gesehen und auch davor nicht viel mehr, aber dass touch of evil da aus dem üblichen schema (was auch immer das sein mag) fällt, ist schon am setting im ländlichen grenzgebiet und den damit anliegenden problemen ersichtlich und dass die figur quinlan einen philip marlowe oder sam spade fast unterhölt, ist schon auch klar - touch of evil in der hinsicht als schlusspunkt des zyklus / genres / der bewegung film noir zu sehen, macht von daher schon sinn. ich bin mir nur nicht sicher, ob ich das element der übertreibung und des spotts, die ich mit dem begriff der parodie verbinden würde, so sehr in touch of evil finde. wie gesagt, das schelmische lachen meine ich eher hinter double indemnity zu hören. wenn ich an touch of evil denke, assoziiere ich ihn eher mit einer stimmung der ernüchterung und desillusionierung.
      Letztes Jahr gesehen. Mir ging’s auch so, dass der Film auch erstmal ein paar Tage lang Staub gefangen hat bevor er bei mir im Player gelandet ist. Der Film begründet ja quasi das Ende der damaligen Noir-Zeit. "ToE" ist wie ihr 2 schon erwähnt habt recht kurzweilig; zumindest für sein Genre (obwohl "Spur des Falken" für mich der kurzweiligste ist^^) und insbesondere für seine Zeit. Vor allem sehr ungewöhnlich (zumindest hab ich’s noch nicht oft gesehen) die recht ländliche Stimmung und ein sehr übergewichtiger Orson Welles. Ansonsten ist der Film aber recht spannend, unterhaltsam und bindet die Nebenhandlungen ganz gut ein. Mein persönlicher Welles-Favorit ist aber immer noch "Die Lady von Shanghai". :)

      8/10
      "Directing ain't about drawing a neat little picture and showing it to the cameraman. I didn't want to go to film school. I didn't know what the point was. The fact is, you don't know what directing is until the sun is setting and you've got to get five shots and you're only going to get two."

      David Fincher
      Original von kane
      Original von Tyler Fincher
      "ToE" ist wie ihr 2 schon erwähnt habt recht kurzweilig

      hihi, nichts für ungut, aber genau das hab ich nicht gesagt ;)


      Oh, sry...stimmt ja. :rolleyes: 'nichts für ungut' ;)
      "Directing ain't about drawing a neat little picture and showing it to the cameraman. I didn't want to go to film school. I didn't know what the point was. The fact is, you don't know what directing is until the sun is setting and you've got to get five shots and you're only going to get two."

      David Fincher
      Original von Tyler Fincher
      "ToE" ist wie ihr 2 schon erwähnt habt recht kurzweilig; zumindest für sein Genre (obwohl "Spur des Falken" für mich der kurzweiligste ist^^)


      danke für den Support ;)
      aber den Malteserfalken fand ich wiederum nicht so kurzweilig *achselzuck*

      Original von kane
      ich bin mir nur nicht sicher, ob ich das element der übertreibung und des spotts, die ich mit dem begriff der parodie verbinden würde, so sehr in touch of evil finde.


      Vargas
      Spoiler anzeigen
      als Triumphator
      ist eben kein Held mit dem man sympathisieren möchte wie jene Helden und Antihelden aus The Maltese Falcon, The Big Sleep oder Notorious, die gesamte Schlusspointe wirkte auf mich, als würde Welles alle Klischees ad absurdum führen wollen. Hinzu kommt auch noch Quinlan, der wie du schon angedeutet hast, wenn ich das richtig interpretiere, eine Art unmoralischen Prototyp von Phil Marlowe verkörpert.

      Ich gebe dir aber schon recht, Parodie ist ein zu starkes Wort. Vllt. lässt sich abschließend sagen, dass die parodistischen Elemente, die wie du auch schon sagtest durchaus genre-charakteristisch sind, in Touch of Evil einfach etwas stärker ausgeprägt sind als in thematisch ähnlichen Filmen (s.o.). Da ich Double Indemnity nicht gesehen habe (für ein objektives Bild vom Film Noir sollte der eigtl. nicht fehlen) werde ich darauf auch nicht näher eingehen können, da sind meine Grenzen erstmal erreicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Winnfield“ ()

      Original von Winnfield Da ich Double Indemnity nicht gesehen habe (für ein objektives Bild vom Film Noir sollte der eigtl. nicht fehlen) werde ich darauf auch nicht näher eingehen können, da sind meine Grenzen erstmal erreicht.

      kein problem, ich reite auf dem film eigentlich auch nur so rum, weil ich gerade so an ihn hinbrüten muss, um bis heute abend möglichst noch 3 seiten über die sich darin befindliche femme fatale zu produzieren (so zumindest der plan... :rolleyes: wir stehen bisher bei 5 zeilen einleitungssatz :( )

      Original von Winnfield
      Vargas
      Spoiler anzeigen
      als Triumphator

      ich finde die verwendung gerade dieses wortes interessant, weil er zwar am ende
      Spoiler anzeigen
      ja recht behält, aber von triumph

      eben nicht viel zu sehen ist - das ist doch recht genretypisch, macht aber gleichzeitig auch die düstere atmosphäre (zumindest für mich) von touch of evil aus - weil von der bogart'schen coolness nichts mehr übrig ist. ich muss gestehen, dass ich trotz eines gewissen orson welles-fandaseins die heston figur in dem moment etwas spannender fand (mit zwei hausarbeiten zu othello springt man halt sofort auf das farbiger mann/weiße frau-syndrom an ;) ).
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      er triumphiert weil er überlebt, aber klar es ist ein dreckiger Sieg und unter dieser Prämisse könnte man gar sagen dass Quinlan die Gunst des Zuschauers mehr für sich gewinnt und trotz seines Dahinscheidens über den schmierigen Vargas triumphiert

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Winnfield“ ()

      Original von Winnfield
      Spoiler anzeigen
      er triumphiert weil er überlebt,

      :headbash: vergiss was ich geschrieben habe. es war mit quinlan in mind. tschuldigung! (dafür hab ich für double indemnity jetzt aber fast schon ne halbe seite, yay! babysteps, aber immerhin! ;) )
      auch wenn ich den begriff der parodie immer noch nicht so ganz akzeptieren will, vielleicht wegen meiner zu engen vorstellung dieses begriffs, hast du natürlich völlig recht mit dem, was du geschrieben hast.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „kane“ ()

      Orson Welles-Klassiker kommt in einer neuen Kreation des Mediabooks, mit 3 Schnittfassungen!

      Am 23. Juli 2020 wird Koch Films Im Zeichen des Bösen erneut auf Blu-ray bringen, dieses Mal in einem Quer-Mediabook und in 4K restauriert. Wie wir vom Label erfahren haben, soll das für alle Fassungen zutreffen, allerdings wurden die Master nur im Bildformat 1,85:1 erstellt.

      Quelle: schnittberichte.com/news.php?ID=15934
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