Im Westen Nichts Neues (Edward Berger)

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    Es gibt 34 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von TheKillingJoke.

      Bin doch etwas ernüchtert. Die Inszenierung ist Bombe, sehr ambitioniert, ein paar wirklich tolle Shots, allerdings hat man das auch schon alles irgendwie mal gesehen. Zu Beginn viel Symmetrie, Kamerafahrt, Deakins lässt grüßen. Und Kubrick. Und wer sonst noch alles. Aber dennoch toll anzuschauen.

      Die Darsteller sind soweit überzeugend, wir brauchten allerdings Untertitel.

      Positiv hingegen, dass auf Details geachtet wurde, wie gelbe Zähne und sowas.

      Nervig die akustische Untermalung, dieses Dröhnen passt meiner Meinung nach nicht. Klang eher nach Futureworld, War of the Worlds oder sowas, aber nicht WWI.

      Die Story um Brühl hätte ich nicht gebraucht. Die Perspektive eines Soldaten hätte gereicht. Irgendwie fehlte mir auch ein bisschen Plot, mir kam es es eher wie eine Aneinanderreihung möglichst schockierender Szenen vor. Zu viel Holzhammer, insbesondere auch mit dem General.
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      ​Ja, die Kontraste zwischen Sesselpupser im Luxus und den Soldaten, die er in den zu Dreck (und Tod) schickt, wurde klar. Vielleicht etwas zu sehr.
      Ich hatte ein bisschen den Eindruck, dass man hier einfach nur einen draufsetzen wollte. Ja, das Buch ist grausam und blutig, aber hier nahm man sich ohnehin schon künstlerische Freiheiten, was okay ist - aber mir kam das alles eine Spur zu gewollt vor. 1917 hat es meiner Meinung nach besser gemacht, indem man eine kleine Mission als Plot setzt und sich anhand dessen an den Grausamkeiten des Krieges abarbeitet.

      Es ist kein schlechter Film, und wenn da viele drauf stehen, mag das durchaus seine Berechtigung haben, aber für mich hat es nicht ganz funktioniert.
      Hab ihn nicht zu Ende geguckt

      Zuerst dacht ich mir WOW was n gut gemachter Film ... aber zunehmend kam ich mir wie in einem gewaltporno vor - als ich dann irgendwann realisierte dass es quasie kaum story gibt, hab ich ausgemacht

      wer einfach mal krieg erleben möchte kann ja mal reinschauen ... aber ein spielfilm ist das für mich nicht - zum Teil auch richtig (unnötig) grausam
      "Filme sind ihre eigene Sprache"

      Emily schrieb:



      Die Story um Brühl hätte ich nicht gebraucht. Die Perspektive eines Soldaten hätte gereicht. Irgendwie fehlte mir auch ein bisschen Plot, mir kam es es eher wie eine Aneinanderreihung möglichst schockierender Szenen vor.


      Ist auch eine Änderung die man nicht verstehen muss, ich mag ja die Verfilmung von 1979 sehr und für mich gehörte der Anfang wo alle noch Schüler warnen. Und auch der Spätere Heimaturlaub dazu, wenn man das alles weg lässt dann fehlt es der Geschichte irgendwie auch an wichtigen Charakter Momenten. Ist wie bei "Das Boot" und der neuen Serie man versucht da immer irgendwelche neuen Aspekte rein zubringen die der Geschichte meistens überhaupt nicht helfen.
      Es ist schon auch nicht der dankbarste Job, Im Westen Nichts Neues neu verfilmen zu dürfen. Der Film von Lewis Milestone ist nicht nur eine heute noch beliebte (und bekannte) Verfilmung des Romans von Erich Maria Remarque. Es ist – und bleibt – halt auch der definitive Antikriegsfilm und das hat sich in über 90 Jahren seit seines Erscheinens nicht geändert. Was umso beachtenswerter ist, wenn man bedenkt, dass es an Vertretern im Genre ja wahrlich nicht mangelt. Ich hab die Neuverfilmung von Edward Berger gestern noch im Kino erwischt – es ist wahrscheinlich die letzte Vorstellung gewesen, jetzt, wo Netflix den Film endlich ins Programm genommen hat. Ich war daher hin- und hergerissen, wo ich ihn mir zuerst anschauen sollte, hab mich dann aber letztlich für die Leinwand entschieden, weil sich Filme in dem Format dann halt doch nochmal anders betrachten lassen.

      Das Meisterwerk von 1930 bleibt unerreicht und ich denke, es macht auch wenig Sinn, die beiden Filme miteinander zu vergleichen (oder gar noch den Fernsehfilm aus den 70ern mit ins Boot zu holen). Bergers Film ist ohnehin mehr eine Neuverfilmung des Buches – oder vielleicht sogar eine Re-Examinierung der Rolle des Deutschen im ersten Weltkrieg im Allgemeinen. Ob man den alten Film nun kennt oder nicht – ob man ihn mit in die Bewertung einfließen lassen möchte oder es sein lässt – letztlich würde man sich hier nur an Details aufhängen oder sich in Nebensächlichkeiten verrennen (wie, die Unterschiede in den Verfilmungen oder zur Vorlage zu diskutieren). Der neue Film erreicht sein Ziel auch völlig unabhängig davon: Er schockiert auf genau die Weise, wo er schockieren möchte. Er sorgt für Unwohlsein, für Abscheu, für Übelkeit darüber, was in diesem – und jedem anderen Krieg – geschehen ist und geschieht und sorgt für Erschrecken vor dem, wozu der Mensch in diesen unmenschlichen Situationen in der Lage ist. Der Film ist grausam und stellenweise vielleicht sogar auf übertriebene Art und Weise, aber er ist nie unangebracht oder gleichgültig in seiner Gewaltdarstellung.

      Im Westen Nichts Neues hat, zumindest in der ersten Hälfte, eine interessante Struktur, in der es ein Element gibt, das den einen Schauplatz in den anderen überleitet. Ich nenne es „das Element“, weil es keine bestimmte eine Sache ist, sondern mehr ein Symbol in Form einer Uniform, die vom Schlachtfeld kommt, neu aufbereitet und an den Nachschub weitergegeben wird, der dann die Identitätsplaketten von den Toten auf dem Schlachtfeld aufsammelt, die dann zu den obersten Befehlshabern kommen, die anhand dessen über den weiteren Kriegsverlauf entscheiden. Mir kam das zu diesem Zeitpunkt wie ein ganz bewusst gewähltes narratives Mittel vor, mit dem der Film womöglich das ersetzen wollte, was im Roman die reine Ich-Perspektive des Protagonisten ist und wovon man sich im Film stellenweise etwas loslöst. Schade fand ich, dass dieses Element dann ab diesem Zeitpunkt unter den Tisch gefallen lassen wurde. Es gab da noch den Schal, den einer der jungen Soldaten von einer hübschen Französin bekommen hat und dieses Element wohl forttragen sollte. Aber das Weitertragen, das symbolisch dafür hätte sprechen können, wie sehr die Kriegsmaschinerie und die Befehlsebenen miteinander verkettet sind, wird dadurch unterbrochen und es wirkt somit nicht mehr ganz so elegant und geschmeidig, wie das zu Beginn noch den Anschein machte.

      Beinahe völlig überflüssig befand ich die Rolle des Generals, dem aus meiner Sicht zu viel Screentime zukam und der in seiner Attitüde, besonders aber in seiner optischen Darstellung, wie die Parodie eines Bond-Bösewichts wirkte, und somit auch einfach nicht in den Rest des Films passen wollte. Aber allgemein sind die Sets bombastisch und viele der besten, effektivsten Szenen im Film finden in den schmutzigen Engen der Schützengräben statt. Die Kameraarbeit – besonders in den Szenen, in denen auf dem Kriegsfeld gerannt wird – erinnern ein wenig zu sehr von 1917 inspiriert, aber dafür ist der Schnitt eine kleine Meisterleistung, wie er das Durcheinander des Geschehens einfängt. Und die Musik ist das mitunter Beste, was ich dieses Jahr im Kino gehört habe.

      Ich kann verstehen, wenn Im Westen Nichts Neues manchem Zuschauer zu viel ist. Der Film ist harte Kost, selbst wenn er nicht gerade Soldaten mit abgetrennten Gliedmaßen zeigt. Aber ich bin überzeugt davon, dass es nötig ist, diesen schmutzigen Krieg in all seiner Niederträchtigkeit zu zeigen, um sich der Unmenschlichkeit bewusst zu werden. In diesem Sinne hat Edward Berger alles richtig gemacht und eine gelungene, zeitgenössische Adaption geschaffen, die in ihrer Struktur konsequenter hätte sein können, aber inhaltlich dann tatsächlich was zur Thematik beizutragen hatte.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Data“ ()

      @Data


      Was mich interessieren würde, gab es im Kino auch Tonprobleme? Aktuell wird diesnja gerade sehr aufgeregt überall diskutiert von Leuten die sagen, sie haben öfter Schwierigkeiten gehabt was zu verstehen als sie den Film bei Netflix geschaut haben.
      Andere sagen, sie hatten keine Probleme mit dem Ton.
      Ich selbst hab ihn noch nicht gesehen.
      @KBBSNT:

      Manchmal hatte ich Schwierigkeiten, auszumachen, was einzelne Schauspieler gerade gesagt haben – der Film hat halt auch die ganze Palette deutscher Dialekte in kunterbunter Mischung zugelassen, es wird oftmals sogar zwischen Sprachen mitten in der Unterhaltung gewechselt und obendrauf wurde halt auch noch genuschelt, was für mein ohnehin nicht ganz ideales Gehör dann auch nicht hilfreich war. Aber nein, eine schlechte Tonabmischung wäre mir jetzt erstmal nicht aufgefallen, falls das gemeint war.
      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase
      Ja, so ganz lese ich aus den ganzen Kommentaren zum Beispiel auf der Netflix Seite, auch nicht heraus ob es jetzt einfach nur das typische deutsche nuschel Problem ist oder wirklich irgendwas mit der Tonspur nicht hinhaut bei Netflix.

      Werd den Film erst frühestens nächste Woche gucken können und lass mich dann mal überrasch.

      Danke für die Antwort

      Emily schrieb:

      Positiv hingegen, dass auf Details geachtet wurde, wie gelbe Zähne und sowas.


      Das ist mir auch aufgefallen - eigentlich sogar noch mehr, weil am Anfang 1-2 mal glänzend weiße Zähne zu sehen waren, bei denen ich noch dachte, dass passt überhaupt nicht, weil es so deutlich war...

      Emily schrieb:

      1917 hat es meiner Meinung nach besser gemacht, indem man eine kleine Mission als Plot setzt und sich anhand dessen an den Grausamkeiten des Krieges abarbeitet.


      Tatsächlich ist die Stärke von im Westen nichts neues (Buch + die beiden alten Verfilmungen), dass es keine "Missionsstory" gibt oder ähnliches.
      Die Jungs kommen begeistert an die Front, eigentlich leben Sie ein Leben zwischen 2 Extremenen - Langeweile im Dreck und Todesangst im Dreck - und am Ende wofür?
      4 Jahre in denen es mal ein paar Meter voran und dann ein paar Meter zurück ging. Keine "heroischen Aufgaben", sondern einfach Sinnlosigkeit...
      Das mag den einen oder anderen Netflix-Zuschauer auch überfordern, dass man keine "klassische Handlung" hat, aber so wird ja die Sinnlosigkeit erst deutlich, weil es außer dem vermeintlichen Gesamtsieg nur sinnloses über die Todeszone gerenne gibt....

      GrafSpee schrieb:

      Ist auch eine Änderung die man nicht verstehen muss, ich mag ja die Verfilmung von 1979 sehr und für mich gehörte der Anfang wo alle noch Schüler warnen. Und auch der Spätere Heimaturlaub dazu, wenn man das alles weg lässt dann fehlt es der Geschichte irgendwie auch an wichtigen Charakter Momenten. Ist wie bei "Das Boot" und der neuen Serie man versucht da immer irgendwelche neuen Aspekte rein zubringen die der Geschichte meistens überhaupt nicht helfen.


      Tatsächlich war die Brühl-Storyline an sich gar nicht schlecht (Denn die Unterschrift in diesem Zug und die Art der Verhandlung ist ja auch die Basis des 2ten Weltkrieges...) - aber hier halt fehl am Platz.
      DIeser Teil des Films inklusive der letzten Entscheidung des Generals kurz vor 11 waren in meinen Augen viel zu sehr "Ich zeig euch mal mit dem Holzhammer wie grausam und sinnlos Krieg ist".

      Alleine diese totale Veränderung des Endes des Buches führt ja dazu, dass man den Film eigentlich nicht "Im Westen nichts neues" nennen dürfte...
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      Im Buch sterben die Schüler so vor sich hin, bis der letzte - nach Heimaturlaub, in dem er mit der richtigen Welt schon gar nicht mehr klar kam - dann irgendwann an einem "normalen Kriegstag" wie einige andere auch bei einem sinnlosen Gefecht stirbt und die Tagesmeldung im Frontbericht ist halt "Im Westen nicht neues" / "All Quiet on the western front", was in meinen Augen dann ja fast das schlimmste ist, weil es zeigt, dass der Einzelne, bzw. ganze Einheiten nicht zählen in so einem gigantischen Gemetzel (was der erste Weltkrieg ja war).


      Unterm Strich fand ich den recht solide inszeniert, gut bebildert, durchaus mit der Darstellung der Sinnlosigkeit und der menschenverachtenden Situation, aber am Thema "Buchverfilmung" vorbei.
      Er ist die dritte (mir bekannte) Verilmung des Buches und diese wurde (auf hohem Niveau) von Film zu Film schlechter. Die beste bleibt die aus den 30ern, die 70er-Jahre TV-Verfilmung mit John-Boy Walton und Ernest Borgnine sieht zwar "TV-70er" aus, was aber passt und auch diese besser macht als den Netflix-Film...
      Ich darf leider nicht zu sehr ins Detail gehen....

      Aber das ist meine Signatur....
      Im Westen nichts Neues ist wohl einer der eindringlichsten und unangenehmsten Antikriegsdramen der letzten Jahre. Direkt von Beginn an, zieht der Film einen in die schmutzige Welt des Krieges. Leid und Elend an jeder Ecke, die brutale Realität wie Krieg nach all den Versprechungen und Vorstellungen wirklich ist, und links und rechts häufen sich die toten Körper ehemaliger Kameraden. Im Westen nichts Neues macht keine Gefangenen und hält die Kamera kompromisslos auf jede Grausamkeit drauf, die das Kriegsgeschehen zu bieten hat. Menschlichkeit bleibt hier nahezu auf der Strecke, die einzigen Lichtblicke, an denen man sich eventuell erfreuen könnte, sind die, in denen die Truppe ein paar freie Minuten hat und sich eine Gans klauen kann oder in Gedanken schwelgen kann, was sie wohl nach Kriegsende alles machen werden. Doch diese Momente sind selten und umso schmerzhafter, wenn kurz darauf wieder eine Szene kommt, in der sich zwei Soldaten völlig alleine in einer Grube gegenüberstehen und es nur darum geht, wer wen nun schneller töten kann. Vor allem diese Szene, ist eine der eindringlichsten und emotionsgeladenen des kompletten Films.

      Dank der durch die Bank hervorragenden Leistungen sämtlicher Beteiligter, wirkt die Hilflosigkeit und Verzweiflung nochmal um ein vielfaches echter. Gerade durch die Inszenierung des Kriegsgeschehens und den oftmals nur durch Mimik dargestellten Gefühlen der Soldaten, kann Im Westen nichts Neues eine wunderbar dichte und bedrückende Atmosphäre aufbauen, die einen von Anfang bis Ende nicht mehr loslässt, einen mit einem eindringlichen Score in den Sessel drückt und die überlangen 148 Minuten kaum spüren lässt. Einzig die doch eher etwas trockenen Szenen rund um Daniel Brühl und seine sogenannten Friedensverhandlungen ließen den Flow des Films etwas stocken und hätten etwas kürzer ausfallen können. Doch davon ab ist der Film eine absolute Wucht und kann vor allem mit seiner Atmosphäre und der wunderbaren Austattung an Kostümen und Kulissen punkten.
      Mein Filmtagebuch



      „I think storytelling is all about children. We human beings love to hear stories being told - and it first happens when you're a kid.“
      - David Chase

      Ich muss sagen, dass er mir auch echt gut gefallen hat.

      Anfangs war ich skeptisch, aufgrund der Änderungen zur Buchvorlage. Da orientiert sich diese Verfilmung nur noch sehr lose dran. Zur Front ging es ziemlich schnell, das Aufpeitschen des Lehrers fiel zumindest gefühlt kurz aus. Von der Grundausbildung sieht man gar nichts, dementsprechend kommt auch später der Ausbilder nicht vor. Ebenso fehlt der Heimaturlaub, für mich schon ein zentrales Kapitel der Buchvorlage.

      Aber die Rechnung geht trotzdem für mich auf. Quasi von Anfang an ist man drin im Film und muss das quasi mit den Protagonisten durchstehen. Ja, hart ist er, aber ich fand es gut ausbalanciert. Nicht so wie bei "Hacksaw Ridge", den fand ich an einigen Stellen zu splattrig und daher unfreiwillig komisch, beziehungsweise ging mir das an der Grundintention der dortigen Geschichte vorbei. Hier kommt man wie gesagt über einen vorlagefernen Weg auch zum Ziel. Die Einschübe mit Brühl und dem Waffenstillstandsvertrag fand ich nicht schlecht, bildeten ein harten Kontrast zwischen den Welten der älteren, verhandelnden Männer und der jungen Männer, die tausendfach und sinnlos sterben.

      Also für mich wirklich eine Empfehlung, insgesamt einer der stärkeren Filme in einem allerdings eher schwächlichen Filmjahr.

      8/10