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Der schlechte, deutsche Film

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    Es gibt 79 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Olly.

      Der schlechte, deutsche Film

      So mancher wird mich jetzt wieder verfluchen, aber aufgekommen ist die Diskussion ausgerechnet im SHERLOCK-Thread, wo gefragt wurde:

      Original von Karl_113
      Warum bekommen deutsche Sender eigentlich nicht solche Serien wie die BBC hin ??



      Um mal den guten Gerd Scobel zu zitieren - damals im Zusammenhang mit dem aufkommenden Kinoerzählungen im TV durch "24"

      "Im deutschen Fernsehen da kommt das Licht immer schön von oben und alles wird ausgesprochen damit auch der letzte Depp in den hintersten Reihen kapiert worum es geht."

      Und das in einer öffentlich-rechtlichen Sendung wie "Kulturzeit". Okay, das war vor über 5 Jahren. Mittlerweile kann man von "Kulturzeit" solche Statements nicht mehr erwarten. Leider.

      Wobei sich die Öffis durchaus bemühen neuen Schwung in die Bude zu bringen. Stichworte: Börne-Tatort oder Mord mit Aussicht. Beide Serien sind immer wieder sehr amüsant, aber über die "nette Primetime-Unterhaltung" kommts eben nicht hinaus. Stattdessen werden immer solche "deutschen Familienepen" gedreht, die mit großen Stars aufwarten, aber dafür inhaltlich sowas von schrottisch sind. Ausstattung und Optik wie in den Staaten, das können die Deutschen mittlerweile. Jetzt müssten sich nur noch jemand finden, der auch gute Drehbücher schreibt. Und daran haderts gewaltig. Zumindest auf bundesdeutschen Boden. Die Schweizer und Ösis sind da von anderem Kaliber. Ich glaube, in der BRD wären mit den Öffis (von den Privaten rede ich aus gutem Grund gar nicht erst) Filme wie "Hell" oder "Cargo" niemals möglich gewesen. Womöglich liegts auch daran, dass gerade die Schweizer sowas von unbeeindruckt von ihrem "großen Bruder" Deutschland sind. Hinzu kommt, dass der öffentlich-rechtliche Zensurrat ... pardon ... ich meinte natürlich Medienrat ;) so ziemlich alles verhindert, was irgendwen politisch verärgern könnte. Große Politserien wie "State of Play" oder "Borgen" sind daher in Deutschland schon aus Prinzip nicht möglich. Der CDU-dominierte Zensurrat (oh, jetzt hab ichs schon wieder gesagt!) geht ja schon auf die Barrikaden, wenn Tatort oder Polizeiruf 110 mal so ein bisschen realpolitisch werden. Da kann man große Themen gleich vergessen. Dadurch das unsere Medien eben nicht unabhängig Entscheiden dürfen kommt am Ende eben nur der immergleiche TV-Müll raus, der denn jedes Mal groß als "TV-Event" beworben wird ... gääähn ...


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      Doctor Who?
      Only the Doctor!




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      Da ich mich jetzt irgendwie betroffen fühle ... drehen wir es mal um. Was müsste man in Deutschland denn anders machen, damit Filme und Serien besser ankommen? Denn so beliebt sind "Hell" und "Cargo" ja auch nicht beim Publikum gewesen. Ich meine mich sogar erinnern zu können, dass einige deutsche Autoren ganz und gar nicht froh über "Hell" waren, da dieser lt. deren Aussage keine zweite Ebene bzw. keine Meta-Aussage hatte abgesehen von "es ist heiß und das ist dramatisch und ein paar Menschen sterben spannend".

      Was wünscht sich das Publikum denn? Einfach "nur" gute Drehbücher? Die gibt es durchaus. Aber warum werden die dann mit Missachtung durchs Publikum gestraft, dass dann doch wieder die Dutzendware sehen will. Goodspeed hat da in einem anderen Thread mal etwas aufgegriffen:

      Original von goodspeed
      Da ich gerade an einem Artikel über den deutschen Genrefilm sitze und etwas ernüchternd feststellen musste, dass die interessanten Filmbeiträge es selten ins Kino schaffen, sondern nur diejenigen, die ähnlich wie Robin Hood oder Lost Place im Fahrwasser der Amerikaner fahren, wäre mein Wunsch, dass man sich weniger am US-Kino als am Rest der Welt orientiert.

      Warum werden dann aber immer Vergleiche zu US-Serien und -Filmen gezogen? Zumal ich behaupten würde, dass der deutsche Film durchaus eine eigene Handschrift hat (grade gelesen: "Helden" verkauft sich in andere Länder super, hier bei den Kritikern durchgefallen), uns selbst aber diese Handschrift aus irgendeinem Grund nicht sonderlich gefällt.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „GregMcKenna“ ()

      Für eine fundierte Aussage fehlt mir leider der Überblick, was TV-Stuff Marke Deutschland, den Briten und auch USA betrifft. So ein paar "übliche Verdächtige" kenne ich schon, aber den Großteil leider nicht. Dein Beitrag erinnert mich an eine Diskussion, die ich vor laaaaanger Zeit (bestimmt 20 Jahre her) mal mit einem Kumpel hatte. Da ging es auch darum, dass wir (damals) doch eher US-Sachen sehen wollten und von den Deutschen eigentlich nur Comedy. Einer der Punkte damals war, dass wir uns in Ausstattung und der Orte, wo die Handlung stattfindet, einfach mehr Ungewohntes und weit Entfernteres wünschten. Als Location ist New York und London für uns damals junge Zuschauer einfach interessanter gewesen als München oder Berlin - von einem deutschen Bauernhof ganz zu schweigen. Die coolen US-Nummernschilder auf US-Musclecars während einer schnell geschnittenen Verfolgungsjagd kam bei uns natürlich viel cooler an als ein gemächlich gefilmtes Rennen zwischen einem Opel und einem Golf.

      Heute würde ich natürlich das anders sehen, weil man ja auch selbst die Welt anders sieht als als Teenager. In wie weit sowas im Allgemeinen für heutige Teens gilt, kann ich natürlich nicht so gut beurteilen, da die Welt sicherlich "kleiner" geworden ist seit den 80ern. Was man aber schon noch zu den Unterschieden sagen kann, ist der Produktionsstandard und die Kosten. Da hinken die deutschen Serien schon hinterher. Mir persönlich gefallen ja Sachen wie "Der letzte Bulle" oder "Hubert und Staller", aber da dürfte eine Staffel ein ähnliches Budget haben wie ein paar Folgen Breaking Bad. Für die Gage von Charlie Sheen für eine Folge "Anger Management" könnte man sicher 10 Folgen "Hubert und Staller" drehen (oder mehr).

      Hinzu kommt noch wohl die Abwandlung eines alten Sprichworts: Der Prophet gilt im eigenen Land nichts. Es gibt natürlich sehr gute deutsche Darsteller ... es ist aber schon seltsam, dass als deutscher Muttersprachler eine deutsche Serie in denen die Darsteller ihre eigenen Stimmen (mit allem, was dazugehört) haben, ANDERS rezipiert wird als eine synchronisierte US-Serie (gilt auch für Filme). Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht gefunden, aber es ist bei den meisten Zuschauern so. Auf der einen Seite hat man natürlich der Vorteil dia- bzw. soziolektaler Feinheiten, auf der anderen Seite gibt es diese seltsame Vertrautheit einer Synchronfassung. Die deutschen Synchronsprecher sind allesamt sehr sehr gut, aber auch ein recht überschaubarer Haufen. So kommt es natürlich vor, dass man bestimmte Stimmen immer wieder hört und dadurch sich eine Vertrautheit auch mit unvertrauten Charakteren unterschwellig einstellt. Und bei Originalguckern kommt die Faszination der verschiedenen englischen Varianten hinzu, die man als geübter Englischgucker mit der Zeit "heraushört". Da den Londoner von einem aus Leeds unterscheiden zu können oder zu merken, der Typ kommt aus dem amerikanischen Süden, während sein gegenüber aus Texas zu sein scheint, macht einen Originalgucker stolzer als in einer deutschen Serie einen Bayern von einem Berliner unterscheiden zu können.

      Letzendlich, wenn man mal von den Budgets absieht, gibt es hier wie da sehr gute Leute. Und jedes Land hat auch seine kleinen Eigenheiten, sowas wie Dr. Who wäre eher untypisch deutsch. Wohingegen ich mir ein "Hubert und Staller" in den schottischen Highlands auch nicht wirklich vorstellen könnte...

      Just my 2 cents ... ;)
      Interessante Punkte, die Hulk da anspricht. :gruebel:

      Ich persönlich habe per se nichts gegen den deutschen Film. Aber er trifft quasi fast nie meinen Geschmack. Diese ganzen Familienkomödien, die wir zuhauf produzieren, sind nicht mein Ding und die wenigen Genrefilme hinken qualitativ meist ihren Vorbildern hinterher. Woran das liegt weiß ich nicht. Damit habe ich mich ehrlich gesagt auch noch nie wirklich beschäftigt.

      Wobei es ja auch einige Perlen hierzulande gibt. Spontan fallen mir das jetzt "Das Experiment" und "Die Welle" ein. Und selbst "Wir sind die Nacht" ist in meinen Augen ein guter Vertreter der Vampirfilme.
      Original von GregMcKenna
      (grade gelesen: "Helden" verkauft sich in andere Länder super, hier bei den Kritikern durchgefallen)


      Trash mit exotischen Touch ist lustig, aber Trash vor der eigenen Haustür einfach nur peinlich. ;)


      Ich denke, die Sache ist die, dass das deutsche Publikum eher auf "lustiges für Zwischendurch" steht. Ich denke eine ernste Serie a la "Braking Bad" würde hier durchfallen. (Um so lustiger die Nachrricht, dass ein deutsches Studio offenbar die Serie hierzulande remaken will. Ich seh schon Heino Ferch beim Meth kochen vor mir. :freaky: )
      Auch die typischen Themen des deutschen Films sind so durchgenudelt. Weltkrieg (am besten mit Hitler und Geschichtsrevisionismus drin!), Mauer, DDR, alte Adelshäuser/arme Spiesbürger während der NS-Zeit (natürlich mit Quoten-Juden), historische Katastrophenfilme (und dank Sat1 haben wir ja so ziemlich jede Sturmflut, eingebrochene Zeche und bedeutendere Geiselnahme schon hinter uns) Heimatfilme aller Kolleur, Krimis im Plattenbau ... dann hörts aber langsam auch auf.

      Die meisten Leute, die ich so kenn wollen einfach was anderes. Die Themen kommen einen einfach irgendwann zu den Ohren wieder raus. Das Problem sind meiner Meinung nach nicht die verschiedenen Lokalitäten, sondern dass immer nach Schema F gearbeitet wird. Dann kopiert man noch den Stil von irgendwelchen namenhaften US-Vorbildern, aber ohne Liebe zum Stoff funzt es einfach nicht.

      Es gibt durchaus gute, deutsche Filme, die von diesen Schemata abweichen, aber wie schon gesagt: die kommen nicht im Kino und wenn überhaupt im Fernsehen, dann irgendwo deplaziert im Nachtprogramm.

      Ach ja, und gut heißt ja nicht gleich erfolgreich. Viele Leute rennen immer wieder in den ganzen Til Schwaiger Schmuß und findens toll. Mir kommt da regelmäßig das Brechen. :puke:


      I am the Doctor!
      Doctor Who?
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      Original von DarkWizard
      Original von GregMcKenna
      (grade gelesen: "Helden" verkauft sich in andere Länder super, hier bei den Kritikern durchgefallen)

      Trash mit exotischen Touch ist lustig, aber Trash vor der eigenen Haustür einfach nur peinlich. ;)

      Wenn der Satz stimmen würde, müssten wir uns über französischen Trash die Bäuche halten. Tun wir aber nicht. Und die Amis lieben auch ihren Sharknado. Insofern kann da wohl was nicht ganz stimmen.

      Original von DarkWizard
      Ich denke, die Sache ist die, dass das deutsche Publikum eher auf "lustiges für Zwischendurch" steht. Ich denke eine ernste Serie a la "Braking Bad" würde hier durchfallen. (Um so lustiger die Nachrricht, dass ein deutsches Studio offenbar die Serie hierzulande remaken will. Ich seh schon Heino Ferch beim Meth kochen vor mir. :freaky: )

      Also es gibt durchaus hochqualitative deutsche "ernste" Serien: "KDD", "Der Kriminalist" und wer erinnert sich noch an "Im Angesicht des Verbrechens"? Aber du hast in dem Punkt recht, dass diese Serien selten wirklich große Erfolge feiern. Und wenn, dann sind es auch gerne Krimis. Aber wir wollten ja darüber reden, was die Deutschen so hervorbringen. Nicht das, was sie letzten Endes goutieren.

      Original von DarkWizard
      Die meisten Leute, die ich so kenn wollen einfach was anderes. Die Themen kommen einen einfach irgendwann zu den Ohren wieder raus. Das Problem sind meiner Meinung nach nicht die verschiedenen Lokalitäten, sondern dass immer nach Schema F gearbeitet wird. Dann kopiert man noch den Stil von irgendwelchen namenhaften US-Vorbildern, aber ohne Liebe zum Stoff funzt es einfach nicht.

      Soweit mal kein Widerspruch. Nur frage ich mich: Wie definiert sich Liebe zum Stoff? Woran erkennt man den in einem Film/einer Serie? Ode anders: Wie erkennt man Lieblosigkeit zum Stoff? Denn das sich der Deutsche mit Nazis und der Stasi und allem nicht auskennen würde wäre ja nun eine sehr mutige Vermutung. Man stellt sie nicht heroisierend dar sondern oftmals als Antagonisten, ja. Ist das Lieblosigkeit? Vielleicht. Lange Zeit drehte sich ja der Deutsche Film sehr darum, wie schwer es doch ist, Deutscher zu sein und die ganze Kriegsschuld, etc. (wovon ich behaupte, dass es Teil der dt. Filmhandschrift ist).

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Original von GregMcKenna
      Original von DarkWizard
      Original von GregMcKenna
      (grade gelesen: "Helden" verkauft sich in andere Länder super, hier bei den Kritikern durchgefallen)

      Trash mit exotischen Touch ist lustig, aber Trash vor der eigenen Haustür einfach nur peinlich. ;)

      Wenn der Satz stimmen würde, müssten wir uns über französischen Trash die Bäuche halten. Tun wir aber nicht. Und die Amis lieben auch ihren Sharknado. Insofern kann da wohl was nicht ganz stimmen.


      Das Problem an Filmen wie "Helden" ist, dass sie sich selbst todernst nehmen. Ich habe tatsächlich die erste Stunde geguckt und es war furchtbar. "Sharknado" will Trash sein und das macht den großen Unterschied aus.

      Insgesamt kommt einfach wenig qualitativ hochwertiges aus Deutschland. Auf den öffentlich rechtlichen laufen seit man denken kann die typischen Krimis (Ausnahmen wie "Der Kriminalist" bestätigen die Regel) und Heimatfilme und auf den Privatsendern irgendwelche schwachsinnigen Komödien oder TV-Events wie "Die Wanderhure" usw.

      Das mit "der eigene Prophet..." kommt schon hin. Stellt Euch doch mal die Darsteller aus großen Serien als deutsche Muttersprachler vor und ändert nur das Land. Könntet ihr Euch z.B.

      Bonanza mit einer Großbauernfamilie in Oberbayern,
      Colt Seavers als Stuntman bei den Bavaria Studios,
      das Trio mit 4 Fäusten irgendwo an der Ostsee,
      Magnum auf Rügen,
      Dr. Banner / Hulk, der durch's Ländle wandert,
      Smallivlle als Kleinstadt bei Hannover,
      Mulder und Scully mit bayrischem oder hessischem Akzent,
      Prison Break in der Justizvollzugsanstalt Tegel oder
      Breaking Bad in der Umgebung von Frankfurt

      vorstellen? Wohl eher nicht. Aber warum nicht? Wenn das Konzept und die Drehbücher sonst bleiben und die Darsteller so gut spielen, wie im Original? Man kann das Phänomen nicht richtig erklären und greift zu Strohhalmen wie "das passt einfach nicht dahin".

      Wenn wir fernsehen oder ins Kino gehen, dann wollen wir was anderes sehen, als das, was vor unserer Haustür ist. Der Deutsche, wenn er nicht gerade zu wenig verdient, um es sich nicht leisten zu können, macht auch zum Großteil Urlaub im Ausland. Die deutsche "Seele" ist nun mal so, das zu erklären, benötigt eine lange, intensive Untersuchung, worüber man mehrere Doktorarbeiten schreiben könnte - und die alle ein anderes Fazit ziehen würden ....
      Ich bin mir sicher das es genug gute Autoren, Regisseure und Producer gibt die Qualitativ hochwertiges Fernsehen oder Kino machen könnten.
      Leider stehen die Sender diesen Filmemachern oftmals im Weg... Und das schlimmste daran ist, dass man die Sender verstehen kann...
      Deutsche Fiction wird von Krimis und Komödien beherrscht.
      Wenn sich mal jmd. an etwas anderes getraut hat fiel er auf die Schnauze. Daher wollen die meisten Sender keine oder kaum noch Experimente eingehen.
      Das Problem ist, dass viele Deutsche Zuschauer einem deutschen Thriller oder Actionfilm von Anfang an skeptisch gegenüber stehen und diesen dann gar nicht erst gucken.
      Das Image des Deutschen Films ist so miserabel, dass es sicherlich erst 5 - 10 richtig bombastische Filme / Serien geben müsste um dieses Bild zu korrigieren und wieder Interesse für den Deutschen Film bei den jüngeren Zuschauern zu wecken - Aber wie gesagt: Die Filme die man dafür bräuchte werden meistens nicht produziert aus angst vor Misserfolgen...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Olli86“ ()

      Das Verreisen ins Ausland hat eher etwas mit dem deutschen Klima und Statusdenken zu tun. Die Inselaffen sieht man im Urlaub auch allerorten, und die schaffen dennoch den Spagat zwischen Trash und Qualitätsproduktionen, die auch angesehen werden. Ich habe kein Problem damit, wenn die Location in irgendeiner deutschen Großstadt ist (z.B. in Lola rennt). Ich gehe deutschen Filmen viel mehr aus schlechten Erfahrungen aus dem Weg, geht denke ich den meisten hier ähnlich. Film und Fernsehen made in Germany sind gebrandmarkt, das hat man sich selbst eingebrockt und darunter leiden dann diejenigen, die wirklich was auf dem Kasten haben.

      An talentierten Leuten mangelt es hier nicht, Daniel Brühl wird wahrscheinlich eine Oscar-Nominierung bekommen im kommenden Jahr, Werner Herzog ist in Hollywood völlig anerkannt und respektiert, traurigerweise viel mehr als bei uns. Das Stichwort heißt Risikomanagement. Drehbücher mit wiederkehrenden Themen und Stereotype für die seichte Unterhaltung werden anstelle von innovativen, gewagten Ideen durchgewunken. Kurzfristiger, überschaubarer Erfolg > langfristiger und größerer Erfolg, der aber nur eventuell eintreten könnte. Diese Risikoaversion ist bei uns viel stärker ausgeprägt als sonstwo.

      Dass dieser scheiß Film "Helden" aus dem Drecksladen Dreamtool auch noch mit 3,5 Mio. Euro von deutschen Filmfonds bezuschußt wurde, ist einfach bezeichnend für den fehlenden Mumm und die völlige Ahnungslosigkeit von Kulturbeauftragten in diesem Land. Dieser Dreck wird mit unseren Steuergeldern finanziert, das ist wirklich unfassbar. Und als Dank wird man vom Regisseur auch noch beschimpft (er spricht zwar nur über Filmkritiker, aber er meinte eigtl. alle kritischen Zuschauerreaktionen):

      "Eigentlich bin ich zu lange schon in diesem Beruf, um Fernsehkritiken zu lesen geschweige denn ernst zu nehmen. Aber in diesem Fall wurden sie mir – trotz meiner aktuellen Dreharbeiten – von allen Seiten her aufgedrängt.

      (...)

      Ich glaube, wir haben alle recht verwundert zur Kenntnis genommen, wie unsere Kritiker für wenige Tage sich in einem kollektiven, fast pöbelhaften Zorn auf einen Film so einig waren wie selten.

      (...)

      Woher dieser akute Beißreflex der Kritiker stammte, ist mir nicht ganz klar. Wir haben in unserem Film weder faschistoide noch pädophile Tendenzen, wir rufen weder zur Gewalt gegen Minderheiten auf und haben auch keine versteckten religiösen Terrordrohungen zwischen den Szenen versteckt.

      (...)

      Sie scheinen wirklich ein sehr eigenartiges Leben zu führen, unsere Kritiker.

      (...)

      Wir haben gemeinsam einen Film gemacht, der uns viel Erfindungsreichtum, Originalität und Arbeit abverlangt hat. Wir haben das Tag für Tag mit sehr viel Spaß gemacht. Unser Ziel war immer ein großer spannender Unterhaltungsfilm in einem Genre, das für uns alle recht neu und ungewohnt war."

      Das ist jetzt vielleicht am Thema vorbei, aber diese Aussagen sind so unverschämt und der letzte Absatz so realitätsfremd, dass ich sie hier nicht unerwähnt lassen wollte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Winnfield“ ()

      Okay, also so wie das klingt, gehen wir von einem Teufelskreis aus: Die Produzenten wollen keine mutigen Projekte angehen aus Angst vor der Ablehnung der Zuschauer. Die Zuschauer wollen die mutigen Projekte gar nicht erst sehen weil sie davon ausgehen, dass es eh der übliche Schund ist. Was wiederum dazu führt, dass die Projekte zu keinem Erfolg führen und wieder nur die sicheren Schienen gefahren werden.

      Wo könnte man diesen Kreislauf stoppen bzw. unterbrechen? Ich meine, hier sind ja viele Filmfans und Dtl. hat ja gute Filme ("Das Leben der Anderen", "Oh Boy", "Gegen die Wand", "Good Bye, Lenin") und in den Staaten wird auch viel Ausschuss produziert, den wir nie mitkriegen. Brauchen wir einen 1A-Thriller, damit dann in der Folge erstmal wieder ein paar Thriller produziert werden - weil dann die Produzenten durchs Nachlaufen Sicherheit haben?

      "You're fighting a war you've already lost."
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      Die Haltung von Filmförderern muss sich einfach grundsätzlich ändern, vor allem im Bezug auf den deutschen Genrefilm. Von finanziellen Rückschlägen darf man sich nicht abschrecken lassen, und die wird es ganz sicher am Anfang geben, weil man das deutsche Publikum für den Genrefilm einfach verloren hat. Sieht man ja immer wieder, wenn es hin und wieder doch noch einer in die Kinos schafft. Zumal ich diese Risikoaversität ohnehin nicht verstehe, die Filmfördergesellschaften der Länder verschenken ihr Geld zum Teil sowieso an die Produzenten (man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege), warum versucht man dann nicht, einen Film zu finanzieren, der das Potenzial hat, künstlerisch und kulturell wertvoll zu sein, statt eine beliebige Komödie zu subventionieren, die vllt mehr Zuschauer ins Kino lockt, dafür aber von der Kritik zerrissen wird?

      Man muss sich ein Publikum aufbauen, und das dauert halt. Ich erinnere mich an eine sehr unkonventionelle Polizeiruf 110-Folge mit verrückten Charakteren, viel Brutalität und hohem Tempo, die von den meisten Zuschauern in ihrem Gewohnheitstrott sehr nagativ aufgenommen wurde. Die Kritik hat die Folge gefeiert, hat auch ganz gute Wertungen bei imdb. Aber die Reaktionen waren damals verhereend. Es war rückblickend betrachtet wohl einfach das falsche Format bzw. die falsche Zielgruppe für diese Geschichte, unter jüngeren, aufgeschlosseneren Menschen hätte sie mehr Anklang gefunden, aber die wurden nicht erreicht, weil sich von denen niemand für Tatort und Konsorten interessiert. Das hat aber bei den ÖR leider niemand begriffen.

      Ich habe beim googlen zufällig eine Kolumne mit einem sehr interessanten Kommentar entdeckt, der die ganze Situation im deutschen Fernsehen versinnbildlicht:7

      "Ich habe während einer Drehbuchentwicklung das Buch nach der ersten Fassung vom NDR mit den Anmerkungen zurück bekommen, "ich solle bitte linearer die Geschichte aufbauen und die unnötigen Subplots rausnehmen, außerdem; Warum muss die eine Figur lesbisch sein? Und kann der Opa am Ende bitte doch nicht sterben? Was ist der Grund das Mehmet Türke ist, das trägt doch nichts zur Geschichte bei, machen wir einen Tobi draus.

      (...)

      Bei HBO oder BBC gehen die Bücher zurück an die Autoren mit dem Vermerk: "Mehr Anspruch, weniger Linear bitte!"

      zeit.de
      Original von Winnfield.

      "Ich habe während einer Drehbuchentwicklung das Buch nach der ersten Fassung vom NDR mit den Anmerkungen zurück bekommen, "ich solle bitte linearer die Geschichte aufbauen und die unnötigen Subplots rausnehmen, außerdem; Warum muss die eine Figur lesbisch sein? Und kann der Opa am Ende bitte doch nicht sterben? Was ist der Grund das Mehmet Türke ist, das trägt doch nichts zur Geschichte bei, machen wir einen Tobi draus.

      (...)

      Bei HBO oder BBC gehen die Bücher zurück an die Autoren mit dem Vermerk: "Mehr Anspruch, weniger Linear bitte!"

      zeit.de


      Hahaha, wundervoll!. Paradebeispiel wie es ist, wenn man mit den ÖR arbeitet (resp. mit den erzkonservativen Gremien mit dem Durchschnittsalter ein Mingvase...). Wenn man für das ZDF-Kinderprogramm animierte Kurzfilme konzipiert, verhält es sich ähnlich. Alle Konzepte werden auf dieselben Kernthemen runtergebrochen, auf pädagogische Werte und ein Weltbild, die seit 50 Jahren im deutschen Fernnsehen unverändert blieben.

      Zu DarkWizards Aussage "Jetzt müssten sich nur noch jemand finden, der auch gute Drehbücher schreibt. Und daran haderts gewaltig."

      Ähm, nein. Wenn Deutschland etwas besitzt, dann talentierte Filmemacher. In allen Bereichen, jeden Alters. Das problem ist das System. Angefangen bei der Förderung, über die Projektvergaben innerhalb der ÖR, den vergreisten Gremien, der falschen Hierarchien und dem Irrglauben, man wüsste, was das deutsche Publikum sehen will. Zu aller erst behaupte ich, dass Deutschland selbst nicht weiß was es sehen will. Viele behaupten zwar "och, deutsche Filme/Fernseen ist nicht meins", aber das einfach nur Quark. Die Nationalität spielt keine Rolle. Es genügt eine Qualitätsserie made in Germany und die allgemeine Meinung "deutsches Fernsehen ist doof" würde sich sofort revidieren. Der Zuschauer als solcher mag seine Vorlieben haben, aber erfolgreiche und beliebte Dramaserien funktionieren alle nach den gleichen Mechanismen. Ob nun Battlestar galactica, Lost, Breaking Bad, Sherlock, Luther, Animeserien etc. Diese Serien sind nicht so beliebt, weil sie amerikanisch oder britisch oder japanisch sind, sondern weil sie auf narrativer Ebene funktionieren - nach gutem alten Handwerk. Der Zuschauer weiß anfangs vllt nicht warum, nur dass er sie gut findet.

      Die BBC hat nicht mehr Budget für ihre Serien als wir in Deutschland. Und sie sehen auch nicht besser aus - trotzdem sind sie erfolgreicher und werden von dem eigenen Publikum gesehen, vom internationalen Publikum ganz zu schweigen. Sie konzentrieren sich auf die Qualität ihrer Ware. Wie? In dem sie sich auf simple Regeln des Film- und Fernsehmachens fokussieren. Regeln, die Deutschland nicht (mehr) auf die Reihe bekommt. Deutsche Drehbuchautoren und Regisseure verstünden zwar ihr Handwerk, aber weil die kreative Entscheidungsbefugnis bei den Geldgebern liegt (oder bei Leuten, die keien AHnung haben, wie Filme oder Serien funktionieren), passiert es ständig, dass vielsprechende Projekte nach einem Rattenschwanz von Kompromissen zu dem unsäglichen Brei mutiert, den man täglich ausgesetzt ist.

      Darum setze ich kleine Hoffnungen in die aktuell laufende Untersuchung des Bundesverfassungsgericht bezüglich der Förderung der Film- und Kinobranche. Eine Revolution wird nicht stattfinden, aber vielleicht ein Umdenken. Eine Signalwirkung. Der "helden" Quark ist ein anderes Thema, tangiert aber auch die Problematik der Förderung. Anstatt eine handvoll kleinere TV-Movies zu produzieren, pfefferte RTL alles in einen einzigen Film - geleitet von einem übrig gebliebenen Redakteur (ehemals zeichnete ein Redaktionsteam für ein Dutzend TV-Movies Im Jahr verantwortlich). Also genau entgegengesetzt des US-Vorbilds in Autorenteams zu arbeiten. Dass RTL in drei Jahren und 8 Mio Euro bestenfalls ein durchschnittliches Asylum Movie hinkriegten (bestenfalls, denn Asylum produziert ihre Filme für unter eine Million und innert einem jahr) spricht für sich. Richtig weh tut es, wenn man RTL und dem Helden- Regisseur mit ihrer völlig verzerrten Wahrnehmung zu hört. Asylum machte aus einer Marktnische Profit. Sie produzieren bewusst Mängelexemplarfilme, die vom Zuschauer als "Trash" oder Nonsens wahrgenommen word. Ist legitim, den so werden die Filme auch produziert. Deutschland dagegen hat völlig das Eichmaß verloren. Wurde von der Realität überholt. Das Gute daran ist, dass sich das problem von selbst lösen wird. Sobald jüngere Generationen nachrutschen und Schlüsselpositionen besetzen, wird auch die deutsche Film und Fernsehlandschaft wieder aufschließen können. Notfalls dauert das noch 10 Jahre. Aber es wird passieren.
      Signatur lädt...
      Original von goodspeed
      Darum setze ich kleine Hoffnungen in die aktuell laufende Untersuchung des Bundesverfassungsgericht bezüglich der Förderung der Film- und Kinobranche.


      Hm ich sehe das eher andersrum. Die Kläger bemängeln ja, dass die geförderten Filme zu wenig einspielen und kein Geld zurückfließt. Dann kommt man vllt auf dumme Gedanken und schränkt die Förderung von Genre- und Experimentalfilmen noch weiter ein und setzt noch mehr auf Blödelkomödien, von denen man sich einfach mehr Erfolg verspricht.
      Original von Winnfield
      Original von goodspeed
      Darum setze ich kleine Hoffnungen in die aktuell laufende Untersuchung des Bundesverfassungsgericht bezüglich der Förderung der Film- und Kinobranche.

      Hm ich sehe das eher andersrum. Die Kläger bemängeln ja, dass die geförderten Filme zu wenig einspielen und kein Geld zurückfließt. Dann kommt man vllt auf dumme Gedanken und schränkt die Förderung von Genre- und Experimentalfilmen noch weiter ein und setzt noch mehr auf Blödelkomödien, von denen man sich einfach mehr Erfolg verspricht.

      Soweit mir das Fördersystem erklärt wurde, bevorzugt es diese Blödelkomödien bereits. Es gibt zwei Arten von Förderung: Referenzförderung und Projektförderung. Referenzförderung bevorzugt die Projekte, die von erfolgreichen Leuten angeschoben wurden. Da zählen Zuschauerzahlen und Gewinn ebenso dazu wie Preise und Auszeichnungen. Wer also erstmal eine Maschine am Laufen hat, kann sie mit der Referenzförderung am Laufen halten. So kommen zB Schweiger und Schweighöfer usw. an ihre Gelder. Die Projektförderung ist die einzige Chance für Neulinge und Erstlinge, an Fördergelder zu kommen. Nachteil gegenüber der Referenzförderung ist die Tatsache, dass die Gelder für die Projektförderung bei wirtschaftlichem Erfolg zurückgezahlt werden müssen. Zudem benötigt man hier anstatt einer guten "Erfolgsbilanz" die gesamte Vorbereitung: Drehplan, Besetzungsplan, Finanzierungsplan etc.

      Falls ich jetzt was durcheinandergebracht habe, bitte ich um Korrektur. Aber so gesehen verstehe ich schon, warum goodspeed sich durch den Rechtsstreit eine Änderung der Bevorzugung der "großen" Projekte herbeisehnt.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Nach meinem Verständnis argumentieren die Kläger (resp. die Geldgeier von der UCI) eher gegen die kulturelle Förderung, die keine Zuschauer generiert, und nicht gegen die kommerzielle. UCI verdient schließlich nichts an deutschen Genrefilmen aus der Projektförderung, die kaum einer sehen will. Deshalb glaube ich, dass die Denke bei den Leuten in den Fördergremien eher in Richtung Referenzförderung umschlägt. Wer referenzgefördert werden will, muss u.a. auch eine gewisse Besucherzahl nachweisen, der Erfolg ist dort also sozusagen schon vorprogrammiert, die Kinos verdienen dabei mit.

      Dann kann man wohl tatsächlich nur, wie goodspeed prophezeit, warten bis sich die Dinge von selbst zum Guten wenden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Winnfield“ ()

      Heute nachmittag bin ich spontan in "Sein letztes Rennen" mit Dieter Hallervorden gegangen. Einer der besten Filme, die ich seit langem gesehen habe und ich hatte mehrmals feuchte Augen vor lauter Rührung.

      Leider war ich aber auch der EINZIGE Zuschauer im Saal. Ich fand den Film so gut, der kann gerne die deutsche Bewerbung für die Oscars nächstes Jahr werden. Ein intensiver Film, ein Thema (Altwerden ... was dann?) das uns alle angeht! Wenn Herr Hallervorden für DIE Leistung nicht ein paar Preise abräumt, ist was faul ...

      Es gibt definitiv den guten deutschen Film, nur will den von der breiten Masse niemand sehen ...
      Ich stimme dem Threadersteller zu, dass der deutsche Film optisch mittlerweile gut mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann. Es gibt auch durchaus gute Drehbücher, die man allerdings suchen muss.

      Ein großes Problem ist jedenfalls, dass Deutschland einfach keine guten Schauspieler zu bieten hat. Was über Mimik noch gut ausgedrückt werden kann, wird spätestens bei den ersten gesprochenen Worten wieder komplett zerstört. Und hier liegt meines Erachtens das Hauptproblem: Was mir regelmäßig sauer aufstößt, ist die deutsche Vertonung.

      Egal, ob deutsche Serien oder Filme, es hört sich oft einfach immer nach einem "Kammerspiel" an. Die Darsteller tönen unfreiwillig nach einem Nuschler und man versteht kaum irgendwas. Und die ganzen Hintergrundgeräusche hören sich nur blechern an und nerven. Während in anderen Ländern aufgrund dieses Problems zum großen Teil nachsynchronisiert wird und wichtige Geräusche in der Postproduction eingebaut werden, bekommen wir nur die "unbehandelte" Ware. Deswegen mag ich mir keine deutschen Krimis mehr anschauen bzw. anhören. Immer mitzuraten, was gerade gesagt wurde, macht fernsehen anstrengend und verfehlt damit seinen Zweck. Dann bleibe ich lieber bei meinen britischen Serien, die sauber und klar synchronisiert sind. Wir sind mittlerweile alle so sehr verwöhnt von einem klarem Sound, dass es einfach nur ärgerlich ist, dass dieser positive Trend noch nicht den Weg nach Deutschland geschafft hat.
      Original von Karas
      Wir sind mittlerweile alle so sehr verwöhnt von einem klarem Sound, dass es einfach nur ärgerlich ist, dass dieser positive Trend noch nicht den Weg nach Deutschland geschafft hat.

      Der Klang, um den Anglizismus zu vermeiden, ist wirklich teilweise fragwürdig. Dieser war aber auch nicht immer schlecht. In den 50er und 60er Jahren, war die Technik generell zwar nicht so ausgereift, wie man das heute kennt, doch die Schauspieler konnte man deutlich besser verstehen.

      Das liegt wohl an deren deutlicher Ausprache und was ich besonders bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass man in solchen älteren Filmen noch wirklich gutes Deutsch sprach. Das ist leider heute nicht mehr zu finden.

      Gutes Beispiel ist der Film Hokuspokus (1953)
      Keine talentierten Schauspieler? Was sind die Messlatten, Keinohrhase und GZSZ? Weil dazwischen klafft eine RIESIGE Lücke aus Arthouse und Programmfilmen, die es nur selten ins Kino schaffen, voll mit Newcomern und alten Hasen die sich gegenseitig an die Wand spielen. Ich kann nur jedem empfehlen mal das eigene Multiplex Kino oder die eigenen vier TV-Wände zu verlassen und sich stattdessen Karten für ein Kurzfilm- oder Filmfestival zu gönnen, Das öffnet einem die Augen.

      Und bezüglich dem Ton wird auch mit verschiedenen Maß gemessen. In Deutschland ist man sich zwei Klangqualitäten gewohnt. Synchronisiert oder OT. Die Synchro - und da sind wir uns hoffentlich einig - ist technisch glasklar, aber zerstört alles, was der Schauspieler mit seiner Stimme, seinem Akzent etc. in die Rolle einbringt. Der OT dagegen bietet eben dieses, nur leider schauen heutzutage zu viele Deutsche nur noch Hollywoodfilme mit Millionenbudgets, entsprechend ist deren Sound abgemischt. Die Hälfte der Szenen werden nach dem Dreh neu eingesprochen, andere Soundspuren wieder und wieder neu abgemischt bis von der nativen Tonaufnahme nichts mehr vorhanden ist. Dafür kracht es am Ende in Hyper-100.2-Atmos-Abmischung (was seinen eigenen Reiz hat (siehe Gravity), aber nicht in diesem Filmsegment von dem ich gerade Rede).

      Dieselbe Art von Filmen, die in Deutschland gerne als "nuschelnd" bezeichnet wird, klingen in AMiland frappierend ähnlich (also Indiekino, Arthouse, Low Budget und natürlich Mumblecore), Bei den Amerikanern und Briten scheint es also nicht anders zu sein. Nicht der Ton ist schlechter geworden, sondern durch die Überproduzierung und Abmischung moderner Filme ist sich der Zuschauer schlicht nichts mehr gewohnt. Ist nicht bloß ein problem hierzulande, wenn selbst die Amerikaner die Akzente von The Wire nicht mehr verstehen, weiß man, was man der Technikbesessenheit von Hollywood zu verdanken hat.
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