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Bridge of Spies - Der Unterhändler (Steven Spielberg)

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    Es gibt 46 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Snow.

      An seinen letzten Geheimdienstthriller kommt Spielberg mit Bridge of Spies bei Weitem nicht ran. Man könnte den Film auch betiteln mit "Der Verhandler". Eigtl. geht es im ganzen Film fast nur ums Verhandeln. Das wird zwar durchaus anspruchsvoll und auch spannend inszeniert, aber mir fehlte etwas Action und vor allem die Bedrohlichkeit des Moments. Irgendwie hat sich Hanks' Figur immer auf sicherem, diplomatischen Terrain bewegt.

      Ich verstehe mal wieder die Reaktion vieler auf diesen Film einfach gar nicht: weder finde ich den Film irgendwie pro-amerikanisch, noch haben mich die Darsteller besonders beeindruckt. Mark Rylance spielt einen Spion, der den ganzen Film über total gelassen und unbeeindruckt ist von den äußeren Umständen. Er verzieht nicht eine Miene, er ist die personifizierte Ruhe. Aber dafür eine Oscar-Nod und vllt sogar den Goldjungen? Ich versteh's nicht. Naja, wohl immer noch besser als Stallone.

      Ein solider Thriller mit soliden Schauspielern, solidem Drehbuch, solider Kamera, solider Regie. Alles solide, nichts herausragend.

      7/10
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      Scholleck schrieb:

      Solide Kritik. :D


      hahahaha :D
      kann @Winnfield nur zustimmen. dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
      der Film ist handwerklich gut gemacht aber wenn es sich nicht um dieses interessante Thema aus dieser interessanten Zeit handeln würden, zu welcher es (zumindest gefühlt) wenig Filme gibt, hätte ich sogar nur 6 Punkte vergeben. die ganze Zeit habe ich noch auf eine spannende Wendung gewartet, aber der Puls des Zuschauers bleibt den kompletten Film über gleich. gesehen und sicher bald vergessen, was schade ist. bin großer Tom Hanks Fan.
      @joerch du hast sicher recht. man kann das als eine Art Dokumentation sehen, dann erwartet man sicher weniger "konstruierte" Spannung. hätten sie mal ne Doku draus gemacht. gern auch mit Hanks als Erzähler / Moderator. dann sitzt man als Zuschauer wenigstens nich da und wartet. Realität ist gern mal langweiliger als Film. deswegen schaue ich aber Filme. sonst könnte ich mich ja auch an den Straßenrand setzen und die Menschen beobachten. :shrug:
      Das auffälligste gleich zu Beginn: Tom Hanks neue Synchronstimme ist ziemlich ungewohnt, wenn man die altbekannten Filme der 90er und frühen 2000er Jahre noch im Ohr hat. Joachim Tennstedt macht seine Sache ausgezeichnet, doch gegen so eine Legende wie Arne Elsholtz reicht das leider nicht. Je länger der Film andauerte, desto mehr konnte ich mich mit der Stimme halbwegs anfreunden, doch in manchen Szenen stellte ich mir tatsächlich vor, wie die alte Synchro wohl in dem Moment geklungen hätte und da wurde mir wieder bewusst wie sehr Elsholtz fehlt. Hanks spielt gewohnt routiniert und liefert eine erneut starke Vorstellung ab. Doch auch der übrige Cast braucht sich hinter dem mehrfachen Oscargewinner nicht verstecken. Allen voran trifft dies auf Mark Rylance zu, der den russischen Spion extrem abgeklärt und gefasst verkörpert - eine Figur die sich schon vor langer Zeit auf diesen Moment vorbereitet hat und wusste was im Falle einer Gefangennahme auf ihn zukommen würde und diese Gewissheit ist wirklich in jeder Szene zu spüren. An dieser Stelle ein kurzer Exkurs: Ich muss ja zugeben, dass ich damals als großer Stallone Fan enttäuscht war, dass Sly den Oscar nicht gewonnen hatte, doch nach Sichtung dieses Films muss ich anerkennen, dass die Wahl nicht so kontrovers ist wie manch andere Oscar relevante Entscheidung vergangener Jahre. Damit sage ich allerdings nicht, dass ich Rylance als den verdienteren Gewinner ansehe, damit meine ich nur, dass ich jetzt besser nachvollziehen kann, wieso Rylance ihn bekommen hat ( bin immer noch der Meinung das Stallone es hätte machen sollen ). ;) Doch zurück zum eigentlichen Film. Spannung ist durchgehend vorhanden und nur sehr selten kommt so etwas wie Langeweile auf. Die Gespräche sind von großer Intensität und es macht Spaß den Charakteren beim taktieren zuzuschauen. Den Soundtrack steuert diesmal nicht John Williams bei ( der erste Film von Spielberg ohne dessen Beteiligung seit 1985! ) was mich aber nicht weiter gestört hat, weil Newmans Score ebenfalls ganz stark ist und immer überzeugen kann. Die Atmosphäre der 50er Jahre ist perfekt wiedergegeben worden und spätestens wenn das Geschehen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch in Berlin abspielt werden einem extrem authentische und beklemmende Bilder präsentiert.

      Es gab hier im Thread kritische Stimmen betreffend der Darstellung der deutschen Soldaten der DDR, doch mir ist nichts dergleichen aufgefallen. Die gesamte Situation gerade zur Zeit des Mauerbaus war doch höchst angespannt und das spiegelt sich auch im Verhalten der Wachen wieder, die sicherlich von der Sowjetunion bestimmte Vorgaben zum Verhaltenskodex bekamen und das in einem vom Krieg zerstörten Land, insbesondere in Gegenden wo immer noch Ruinen zum alltäglichen Stadtbild gehörten, die Rechtsstruktur noch nicht wieder komplett hergestellt war und kleine umherstreunende Banden nichts ungewöhnliches waren, erklärt sich eigentlich von selbst. Ich habe hier eher den Eindruck, dass sich generell dran gestört wird, dass es mal wieder die Deutschen trifft.^^ Aber wie gesagt, im Vergleich zu manch anderen Filmen, in denen ein ungerechtfertigtes Schwarz/Weiß Bild präsentiert wird, hatte das hier höchstwahrscheinlich schon einen hohen Grad an Realität.

      Das Ende lässt einen erleichtert, wenn auch nicht gänzlich zufrieden zurück, was wohl auch Spielbergs Intention war, da die Teilung Berlins ja erst beginnen sollte. Der Epilog dagegen hat mir echt gut gefallen.



      8,5/10