Feinde [engl.: Hostiles] (Christian Bale)

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    Es gibt 27 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Burning.

      Mir hat gefallen, dass der Film sich nicht auf eine Seite schlagen möchte, gab zu jener Zeit auf beiden Seiten brutale Mörder genauso wie Menschen mit Empathie und Verständnis für die jeweils andere Kultur. Hier wird nichts beschönigt, aber auch nichts verharmlost, die ganze Brutalität und Erbarmungslosigkeit wird schonungslos dargestellt, und mittendrin ein Fünckchen Hoffnung, weil wildfremde Menschen aus völlig unterschiedlichen Kulturen, die einander verachten, durch ein gemeinsames Schicksal eine Verbindung herstellen. Schöne Geschichte, hart, brutal, warmherzig. Leider mit zu vielen Längen, hätte man ein bisschen zusammenstauchen dürfen. Mir hat auch so ein bisschen ein Charakter gefehlt, an dem man sich aufreiben kann, so ein richtig fieses US-Army-Arschloch z.B., die gab es zwar, aber das waren nur Statisten-Rollen. Die Schlußszene war cool.

      7/10
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      Feinde

      Zu meiner großen, positiven Überraschung wurde der Film gestern in einem kleinen Kino in meiner Nähe unter dem Begriff: "Filmauslese" gezeigt was zum einen den Vorteil hatte, dass der Film nur 6,50€ gekostet hat (so wenig hab ich glaub ich schon seit Jahren nicht mehr für eine Kinokarte bezahlt) und zum anderen, dass der Saal nur äußerst spärlich besucht war, was einem solchen Film äußerst entgegenkommt.
      Doch der größte Pluspunkt an dem gestrigen Ausflug war selbstverständlich der Film selbst, denn mich persönlich hat er vollends überzeugt.

      Von Beginn an wird klar, dass wird kein Spaziergang. Schon in der Anfangsphase wird deutlich, wie gnadenlos es hier zur Sache geht, wie ungeschönt alles dargestellt wird und das es so gut wie keine Tabu´s zu geben scheint. Von einem: "Das können wir doch nicht bringen!" ist man hier meilenweit entfernt.
      Weg von der romantisierten Darstellung des Wilden Westen´s, kein strahlender Revolverheld oder stahlharte Männer die es schulterzuckend hinnehmen, wenn sich ihre Wege mit Leichen pflastern. Bösewichte scheint es hier wie Sand am Meer zu geben, den Guten, sucht man fast vergebens. Jeder hat Blut an den Händen, manches schon vertrocknet, manches noch ganz frisch.
      Traumatisierte Charaktere an jeder Ecke, gebrochene Männer und Frauen, fast allesamt seelenlose Hüllen und die Großaufnahmen präsentieren uns scheinbar durchgängig tote Augen.
      Dabei wird eine Geschichte erzählt, die, wenn man sie auf das Wesentliche reduziert, simpler nicht sein könnte. Eine lange Reise von A nach B und die verhassten Figuren müssen in dieser Zeit irgendwie klar kommen. Doch erweist sich diese Odyssee als ein alptraumhafter und vielschichtiger Trip durch menschliche Abgründe, dessen Gewicht sich so erbarmungslos auf meine Brust presste, dass ich zeitweise so angespannt war, dass mir selbst die Atmung erschwert wurde. Und das ist weder als Metapher gedacht, noch eine Übertreibung. Mich hat der Film voll und ganz in seinen Bann gezogen.
      Dazu sei noch zu erwähnen, dass ich den Verlauf der Geschichte als äußerst unorthodox empfand und deshalb in meinen Augen auch nicht vorhersehbar war, was ich natürlich ebenfalls als fetten Pluspunkt ansehe. Manches lässt einen unbefriedigt zurück, weil man es eben aufgrund der zigfachen Erfahrung als Zuschauer, ganz anders erwartet und ich behaupte einfach mal, dass exakt dieses Gefühl auch erreicht werden sollte.

      Ich muss gestehen, dass Christian Bale in den letzten Jahren bei mir persönlich nicht mehr ganz den großen Stellenwert hatte wie er in z.B. noch zu den Batman Zeiten gehabt hatte und ich muss auch sagen, dass sich z.B. Tom Hardy und Michael Fassbender in der letzten Zeit eher auf meinem Radar befanden.
      Aber was Bale in Feinde abgeliefert hat, war beinahe beängstigend stark. Ich gehe sogar soweit und sage, dass das für mich seine beste Leistung bisher war. Ich fand es absolut faszinierend zu sehen, wenn man seinen starren Gesichtsausdruck zu sehen bekam und er seine Mimik so gut wie nicht veränderte, aber dahinter in seinen Augen konnte man erkennen, wie gebrochen seine Figur war und wie müde. Er hat diese Rolle einfach gelebt, er wurde zu dieser Figur und das empfand ich als richtig krass. Und dazu gab es noch so wunderschöne, intime Momente mit Bale, die gleichzeitig aber auch so todtraurig waren, dass man meiner Meinung nach frei jeglicher Empathie sein muss, um da nicht mitzugehen.
      Im Gegensatz zu ihm muss ich sagen, dass ich mit Rosamund Pike nicht ganz so glücklich war. Ich sag es aber auch gleich, irgendwie bin ich kein richtiger Fan von ihr, auch wenn ich nicht genau sagen kann, warum eigentlich. Vielleicht eine persönliche Abneigung meinerseits? Kann es wirklich nicht sagen.
      Denn auch hier finde ich nicht, dass sie es schlecht macht, aber mir hat dann dieses gewisse Etwas gefehlt, den es gebraucht hätte, um ihren Charakter noch komplett abzurunden. Auch ihre Figur hat meist einen starren Gesichtsausdruck aufgesetzt, ihre Mimik ist so angespannt, dass es schon beim zusehen schmerzt, aber das subtile Spiel hätte eine andere Schauspielerin vielleicht noch besser rüber gebracht. Marion Cottilard käme mir da in den Sinn.
      Wes Studi spielt den Indianer Chief Yellow Hawk und auch er gefiel mir sehr gut. Seine Rolle wirkte in meinen Augen authentisch, er besitzt die nötige Leinwandpräsenz und schafft es allein durch sein Auftreten den Respekt auszustrahlen, den diese Figur braucht um zu funktionieren. Dazu ist an einer der schönsten Szenen im gesamten Film beteiligt.

      Auch der Score gefiel mir richtig gut. Gerade diese einsamen Klänge des Streichers mochte ich sehr, unterstrichen nochmals die gesamte Stimmung des Films und passten wunderbar zu den Bildern, die einem serviert wurden.
      Diese bestanden überwiegend aus Landschaftsaufnahmen, die sich teilweise bis zu dem Horizont erstreckten und auch wenn sie nie den Hochglanz eines The Revenant erreichten, fügten sich auch diese Bilder richtig schön ein und auch hier wurde es wieder geschafft, die trostlose Stimmung zu untermalen.

      Ich denke man merkt, dass ich von Feinde hellauf begeistert bin und es sehr schade finde, dass ihm bisher nicht noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Das ist ein Film, den ich sehr gerne einmal ein paar gewaltbereiten Leuten zeigen würde um denen begreiflich zu machen, was für Konsequenzen es haben kann, wenn man seinen Mitmenschen zu etwas antut. Sowohl für die anderen, als auch für sich selbst. Nur allein mir fehlt der Glaube daran, dass sie ihn so empfinden würden, wie ich es tat.
      Denn das ist auch die Hauptthematik des Films. Das Verarbeiten traumatischer Ereignisse und auch wie schwer es ist, so etwas hinter sich zu lassen. Manche schaffen es auch gar nicht. Hoffe ich selbst komme nie in eine solche Situation.
      Zwei kleine Dinge würde ich dem Film ankreiden: Zum einen die bereits erwähnte Rosamund Pike, die ich nicht für die Idealbesetzung ihrer Figur halte.
      Und zum anderen hätte auch die Beziehung zwischen den Figuren von Christain Bale und Wes Studi etwas mehr Feinschliff vertragen können. Das kam mir an einem Punkt zu Sprunghaft vor und ich hatte das Gefühl, dass noch mindestens ein Dialog fehlte.
      Aber das war es dann auch schon. Ansonsten ein super Erlebnis und ich kann dem Film jeden empfehlen, der empfänglich ist für melancholische Dramen, einer ruhigen Inszenierung und gleichzeitig auch vor heftigen Szenen nicht zurückschreckt. Wobei man bei Letzterem sagen muss, dass das Kopfkino auch viel zu tun bekam.
      Auch wenn es strange klingt, so würde ich Feinde wohl als einen kruden Mix aus Valhalla Rising und Manchester by the Sea im Westerngewand bezeichnen, auch wenn ich noch darauf verweisen möchte, dass solche experimentellen Bilder aus Refn´s Wikinger Film, gänzlich fehlen. Gleichzeitig ist Feinde weit entfernt von einer durchschnittlichen Produktion.
      Egal, genug geschrieben. Fand den Film super.

      9 von 10 Punkten
      Gute Kritik :thumbup: wird bei uns nirgends im Kino laufen, daher warte ich mal auf die Heimkinoauswertung
      Die Filmografie von Scott Cooper empfand ich bis zum jetzigen Zeitpunkt eher nicht so gelungen. Aber dennoch hat mich Hostiles seit dem ersten Trailer interessant und glücklicherweise habe ich den Film doch gesehen.
      Hostiles ist ein rauer, brutaler und langsam erzählter Neo-Western, der eine sehr gelungene melancholische Atmosphäre besitzt. Der Film wirkt fast schon eine Post-Apokalyptische Geschichte über eine hoffnungslose Welt voller Leid und Schmerz. Cooper schafft es sehr stimmungsvolle Bilder einzufangen und die Szenen gekonnt zu inszenieren. Christian Bale und Rosamund Pike zeigen eine sehr gelungene und subtile schauspielerische Leistung.
      Hin und wieder fehlt der Handlung und den Charakteren ein wenig Tiefe, jedoch stört das dem Gesamtbild weniger. Zudem trägt die großartige Musik von Max Richter unheimlich viel zu Atmosphäre bei.

      Hostiles ist ein sehr gelungener Film, der mir wirklich gut gefallen hat. Die raue Atmosphäre und die kompromisslose als auch konsequente Art des Films wissen zu gefallen.

      ​​​​​​​8/10


      LETTERBOXD

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      dieKritik
      Mit Integrität und zugleich klagend poetisch erzählt dieser große Film vom Ende einer Ära. "Feinde - Hostiles" ist eine harte aber einfühlsame Erzählung von Blut und Staub, bevölkert von Charakteren, die mehr durch Gesten als durch Worte sagen. Die Gewalt, die Cooper zeigt, ist so extrem und scheußlich, dass man sich entsetzt abwenden möchte.

      Christian Bale beweist erneut, dass er einer der brillantesten Schauspieler seiner Generation ist. Über weite Strecken hinweg trägt er die Handlung durch sein Charisma beinahe im Alleingang.

      Ein bildgewaltiges und intensives Epos über Gnade und Vergebung - Liebe und Hass...Ein Meisterwerk!!!

      10/10


      Oha, was für eine bedächtige und zeitgleich brutale Reflexion. Ganz groß. Eine Abhandlung über Verlust, Trauer, Hass und Feindschaft und damit verbundene Routinen, Abstumpfungen und Projektionen. Das Wort Teufelskreislauf war selten angebrachter. Ein herrlich hässlicher Film, der letztendlich seine Figuren während der Empathie-Entwicklung durch die Hölle gehen lässt. Das Acting war brillant, die Schauwerte majestätisch sowie bedrohlich und die Töne von Max Richter stimmig wie eh und je. Hinzu kommt die angenehme Tatsache, dass Cooper keine Position bezieht, sondern die atmosphärisch-unangenehmen Bilder sehr differenziert für sich sprechen lässt.

      Ausnahmefilm. Outstanding. :)
      Hostiles wartet mit einer ruhigen, aber überaus bewegenden Geschichte auf. Rund um Hass, Verzweiflung, Vergebung und auch Anerkennung, bietet der Film über seine üppigen 134 Minuten Laufzeit eine interessante Geschichte, welche tiefer verwurzelt in den Menschen nicht sein könnte. Mit einer ruhigen, aber intenisven Inszenierung, seinen äußerst starken Darstellern und den geschliffenen Dialogen, weiß Hostiles die richtigen Hebel zu ziehen um zu einem bemerkenswerten Stück Film zu werden. Bei einer erneuten Sichtung ist hier eine höhere Wertung durchaus wahrscheinlich. Top!



      8/10
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