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Ein verborgenes Leben - A Hidden Life (Malick)

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    Es gibt 16 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von freido.

      Ein verborgenes Leben - A Hidden Life (Malick)

      Wie die brandenburgische Filmförderung bekanntgab, dreht Terrence Malick u.a. in Deutschland den Film "Radegund" mit August Diehl in der Hauptrolle und Valerie Pachner in einer Nebenrolle. Es geht dabei um den österreichischen Kriegsdienstverweigerer und Widerständler Franz Jägerstätter, der später von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen werden sollte.

      Quelle: medienboard.de

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
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      Bin kein Freund seiner letzten Filme, aber das klingt doch sehr vielversprechend. August Diehl ist eine exzellente Wahl und ohnehin einer der besten Schauspieler Deutschlands. Bleibt nur abzuwarten wann der Film denn erscheint, passend dazu aus einem anderen Forum:
      Very, very excited. 2032 can't come soon enough.
      ^^
      Jessica, Only Child, Illinois, Chicago
      Der vollständige Cast ist jetzt auf: crew-united.com/?show=projectdata&ID=218148 zu sehen.

      Unter anderem mit dabei: Bruno Ganz, Matthias Schoenaerts und Jürgen Prochnow.
      Jessica, Only Child, Illinois, Chicago
      "Voyage of Time" hat ebenfalls "tolle" Kritiken bekommen, ist aber auch bei vielen seiner Fans durchgefallen. :P

      Ich finde fast alles großartig was der macht. :D

      Hoffe er macht nicht wieder eine längere Pause, auch wenn ich jetzt nicht einen großen Künstler drängen will.
      "The clouds are swirling. There will be tears shed over the bay."
      Erster Trailer

      Jessica, Only Child, Illinois, Chicago
      "Eine Kathedrale für die Sinne" - deutscher Trailer!

      Deutscher Kinostart: 31. Januar 2020



      Ohne den Bezug zur Braunen Zeit wäre es bestimmt wieder ein 10/10-Malick geworden. Je einfacher, desto wuchtiger sind seine Filme. :D
      "The clouds are swirling. There will be tears shed over the bay."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Olly“ ()

      - A Hidden Life

      Ich wollte mir den neuesten Spielfilm von Terrence Malick unbedingt noch dieses Jahr im Kino ansehen. Doch die COVID-19-Pandemie, die auch zur Schließung aller öffentlichen Veranstaltungen, inklusive Kinovorführungen, geführt hat, hat dies letztlich – wie so vieles 2020 – verhindert. Und das finde ich nach wie vor sehr schade, denn ich schätze Malick als Filmemacher ausgesprochen und als ich den Trailer zu A Hidden Life zum ersten Mal im Vorspann eines anderen Filmes gesehen hatte, wusste ich, dass dieser Film auf die große Leinwand gehört.

      Vielleicht war A Hidden Life schon immer das Projekt, das für Terrence Malick bestimmt war. Er ist bestimmt kein einfacher Filmemacher. Sicherlich kein Massentauglicher. Seine Filme sind lang und manchmal unerträglich langwierig. Einen Plot im klassischen Sinne gibt es nicht. Und auch A Hidden Life ist mehr eine Aneinanderreihung von Momenten, von Lebenssituationen, oft unendlich langen Einstellungen, in denen wir etwas beobachten, ohne dass wirklich etwas passiert, währenddessen zwar etwas geschieht, aber das nichts zum größeren Verständnis beiträgt. Die Kamera fängt die Schauspieler oft perspektivisch von unten ein, nimmt Szenen, in denen getanzt und gefeiert wird, verzerrt auf, als würden wir durch ein Aquarium blicken. Es ist fast so, als würde Malick nie ganz ran wollen an das, was vor ihm passiert, sondern möchte es eher von einer gewissen Distanz beobachten, als fühlte er sich so sicherer. Selbst der Dialog hörte sich mehr so an, als würden die Charaktere Briefe vorlesen, die sie einander geschrieben hatten. Ich war dementsprechend nicht überrascht, als ich im Nachgang erfahren hatte, dass die Originalbriefe von Franz und Franziska Jägerstätter als Grundlage für das gesprochene Wort – oft aus dem Off – gedient haben.

      „Eine Kathedrale für die Sinne“ hat Variety den neuesten Film von Terrence Malick genannt. Ich liebe diese Beschreibung, denn sie fängt den Film in all seiner Wucht besser ein, als ich es jemals mit Worten hätte beschreiben können. Denn ja, A Hidden Life ist eine Kathedrale für die Sinne.

      Eine Kathedrale für die Augen, denn die Bilder vom Drehort in Südtirol sind von unbeschreiblicher Schönheit.

      Eine Kathedrale für die Ohren, denn die Musik von James Newton Howard ist tragisch und verfolgt mich immer noch.

      Eine Kathedrale für die Seele, denn die Schicksale, die im Film geschildert werden, zeigen die ganze Tragik des zweiten Weltkrieges – und ja, vielleicht aller Schicksale, die während extremen Regimen dieser Art existieren – am sehr intimen Beispiel einer kleinen Bauernfamilie, die unscheinbarer nicht hätte sein können.

      A Hidden Life erzählt die Geschichte von Franz Jägerstätter und seiner Familie aus dem Bergdorf Sankt Radegund. Als die Wehrmacht auch ihn einberuft, den Schwur auf Hitler zu leisten und im Krieg zu dienen, weigert er sich. Der Film beginnt mit dem idyllischen Leben, das die Familie auf dem Hof in ihrem Heimatdorf führt. Er schildert im weiteren Verlauf Seine Festnahme, Verurteilung und Exekution, während parallel erzählt wird, wie seine Frau und Kinder nach und nach ausgegrenzt werden von der Gemeinschaft, von Freunden, ja sogar von der eigenen Familie, die ihn als Verräter bezeichnen und ihn beschuldigen, seine Familie im Stich zu lassen.

      Der zweite Weltkrieg hat viele menschliche Opfer gefordert. Was aber auch verloren ging – und das ist ein wichtiges Spiegelbild zu unserer eigenen, politisch leicht entflammbaren Lage -, sind Würde, Anstand, gegenseitige Achtung, Respekt. Terrence Malick fängt dies in kleinen Momenten ein, die eine aufgebrachte Dorfbevölkerung zeigen, die wütend ist, lange nachdem Franz – der Verräter – abgeführt wurde. Es werden verachtende Blicke gestohlen, es wird Abfall geworfen, es werden Beleidigungen geschrien, es werden Rüben vom Feld geklaut. Die Demütigungen, welche Fani und die Kinder erleben mussten, sind nicht weniger erschütternd, als die Pein, die Franz im Gefängnis über sich ertragen ließ. Es fängt unsere Gesellschaft in ihren anstandslosesten Momenten ein und zeigt, wie leicht wir uns mitziehen lassen können, wenn der wütende Mob die Mistgabeln in die Hand nimmt.

      Und gleichzeitig stellt der Film die Frage, ob es all dies Wert ist, ob wir unsere eigenen moralischen Ideen über die der Gesamtheit stellen dürfen. Bruno Ganz – der den Richter spielt – konfrontiert Jägerstätter an einem Punkt im Film: „Haben sie ein Recht, dies zu tun?“. Jägerstätter erwidert: „Habe ich ein Recht, dies nicht zu tun?“. Der Film gibt keine Antwort auf diese Frage – Moral ist etwas sehr persönliches, sehr intimes, das sich nicht verallgemeinern lässt. Ich denke, jeder Mensch sollte sich über seine eigenen moralischen Leitlinien Gedanken machen und im Klaren sein. Franz Jägerstätter hatte eine klare Vorstellung davon, was richtig und was falsch ist und er hat dafür sein Leben gegeben. Ich war mir über seine Geschichte und sein Schicksal nicht bewusst, bevor ich diesen Film gesehen hatte. Ich bin tief erschüttert davon, mit welcher Sturheit und mit welcher Überzeugung er seinem eigenen sicheren Tod entgegen getreten ist. Ich wüsste nicht, ob ich denselben Mut hätte. Ich bin mir aber sicher vor meiner unendlichen Achtung vor ihm und seiner Familie, vor der Kathedrale seines Lebens.

      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase

      The Fiend schrieb:

      @Data schöner Bericht. Den Film merke ich mir vor. Ist an mir vorbei gegangen.


      Ist glaub an den meisten vorbeigegangen. Deswegen dürfen solche Threads auch gern gepusht werden. :)

      Soweit ich weiß, ist der auf Prime für ein paar Euros zu leihen. Ansonsten ist mir nicht bewusst, wo man ihn streamen kann. Ich hatte ihn von meiner Arbeitskollegin auf BD ausgeliehen. Sie hatte sich den Film gekauft, da sie eine kleine Statistenrolle hatte (ist allerdings geschnitten worden). Außerdem ist ihre Tochter als Baby (sogar recht prominent schon im Trailer) zu sehen. Fand ich sehr cool, als sie mir das erzählt hat. :)

      "I think there should be visuals on a show, some sense of mystery to it, connections that don't add up. I think there should be dreams and music and dead air and stuff that goes nowhere. There should be, God forgive me, a little bit of poetry." - David Chase

      Data schrieb:

      The Fiend schrieb:

      @Data schöner Bericht. Den Film merke ich mir vor. Ist an mir vorbei gegangen.


      Ist glaub an den meisten vorbeigegangen. Deswegen dürfen solche Threads auch gern gepusht werden. :)

      Soweit ich weiß, ist der auf Prime für ein paar Euros zu leihen. Ansonsten ist mir nicht bewusst, wo man ihn streamen kann. Ich hatte ihn von meiner Arbeitskollegin auf BD ausgeliehen. Sie hatte sich den Film gekauft, da sie eine kleine Statistenrolle hatte (ist allerdings geschnitten worden). Außerdem ist ihre Tochter als Baby (sogar recht prominent schon im Trailer) zu sehen. Fand ich sehr cool, als sie mir das erzählt hat. :)


      Ich habe schon geschaut, was er auf Amazon kostet. Werde vlt. Ende des Jahres mal zuschlagen. Generell, bin ichi mmer an solchen Filmen interessiert.
      Dezent motiviert von @Datas Worten habe ich mich dann auch mal daran gewagt, die hier herumliegende BR auszupacken und mir einen Abend für das freizunehmen, um die "Kathedrale der Sinne" in aller Ausführlichkeit zu besichtigen.

      Ungefähr 3 Stunden später bin ich zwar weniger euphorisch als mein Vorredner, muss aber dennoch mein Haupt vor den Bildern von Jörg Widmer neigen, die die Heimat von Franz Jägerstätter einfangen. Generell ist "A Hidden Life" ein Kleinod und ein Beweis dafür, was auch deutschsprachige Crews schaffen können, wenn sie mal nicht an das Fließband der Fernsehsender gekettet sind. Der hier zu Werke gehende Kameramann dreht sonst auch ARD-Krimis. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Apropos Zunge: Die Töne von James Newton Howard in ihrer Melancholie sind bemerkenswert, das Thema in seiner Elegie aufwühlend. Doch am Ende muss ich auch konstatieren, dass der Film nicht auf den Punkt kommt und Malick an seiner eigenen Aufgabenstellung scheitert: Den Widerstand von Jägerstätter zu ergründen. Während "Der Schmale Grat" einen Blick auf das Böse in der Welt wirft, will sich Malick hier dem Guten nähern. Und obschon die Parallelen in unsere heutige Welt in "A Hidden Life" prominent sind, entweicht das Gute dem Blick der Kamera, den Tönen der Musik und den Fingern der Schauspieler in jeder Sekunde mehr. Sobald die Handlung ca. ab der Mitte repetitiv wird, habe ich mehr und mehr den Eindruck, der Film wolle das Meer an die Wand nageln oder einen Fluss in einem Eimer fangen. Und ich habe auch das Gefühl, dass Malick genau dieser Umstand im Schnitt bewusst wurde. Denn mehr als Sturheit hat er als Motiv für den Widerstand von Jägerstätter nicht anzubieten. Und so bleibt der Film am Ende gefangen in Gemälden und Musikstücken. In einer Kathedrale, die das Gute ausstellen will doch am Ende nicht mehr zu bieten hat als eine leere Heldenfigur. So schafft man nur Bewunderer - keine Nachahmer.

      Damit will ich nicht sagen, dass "A Hidden Life" ein schlechter Film ist. Er ist Malick in Reinform. Und es ist auf eine gewisse Art und Weise beruhigend, dass es sehr viel schwerer ist, das Gute abzubilden als das Böse. Dass das Gute von sehr viel mehr Mysterien umfangen ist als die Dunkelheit. Zugleich aber auch ist es - niederträchtig formuliert - ein überlanges Musikvideo, das auch eine BBC-Doku über Österreich sein könnte und an der Grenze zur Konzeptkunst kratzt. Prächtig ausgestattet, herrlich orchestriert - doch am Ende muss auch die Substanz stimmen. Und da sehe ich "Tree Of Life" schon noch ein ganzes Stück weiter vorne. Nichtsdestotrotz: Sehenswert - aber bitte Sitzfleisch mitbringen.

      6 von 10 Mopedfahrten

      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern2: :stern2: :stern2: :stern2:

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Interessant. Ich habe mir den neuen Malick noch nicht gegeben. Ich nähere mich seinen Werken mit äußerster Vorsicht, denn bei zu ruckartiger Bewegung erschlagen sie einen glatt. Ich bin aber recht guter Dinge, wenn das klappt, dann springt mal wieder eine 10/10 dabei raus. Interessant ist auch, dass sein 10. nicht sein letzter Film ist. "​The Last Planet" sei sogar abgedreht. Persönlich warte ich ja immer noch auf sein größtes und sein aussagekräftigstes Werk.
      "The clouds are swirling. There will be tears shed over the bay."