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GregMcKenna goes to Hollywood

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    Es gibt 268 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Erzwo.

      Scholleck schrieb:

      Finde ja Dein Beispiel mit "Monster" sehr gut gewählt. Wie oft gewann ein Film gerade dadurch an Qualität, da man nur begrenzte Mittel zur Verfügung hatte?! Wenn man in diesem Falle viel mehr und viel eher die Monster gesehen hätte, wäre das mit Sicherheit zu Lasten die tollen Atmosphäre gegangen.

      Genau das. Und viele Filme spielen dieses Spiel: "Alien", "Der weiße Hai", "Das Boot", "Safety Not Guaranteed". Okay, Letzterer benutzt es nicht für die Atmosphäre sondern für den Plot aber im Grunde machen alle aus der Budget-Not eine Tugend. Und das ist auch eine Chance für deutsche Filme: Um die Materiallosigkeit herum eine Story zu gestalten. Aber auch das ist etwas, was man erstmal schaffen muss.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
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      So gesehen ist es ja echt gut, dass Edwards dieses "Ich zeig das Monster nicht"-Element von einer Indie-Produktion rüber in seinen Blockbuster "Godzilla" gerettet hat. Ich fand dieses Anteasen nämlich gut und man sollte sich nicht von einem zu großen Budget in Versuchung führen lassen und den Film weniger effektiv gestalten. Blöderweise hatte "Godzilla" ab einem ziemlich frühen Zeitpunkt keine Charaktere mehr, die einen ähnlich gut durch die Story geführt haben wie das Pärchen in "Monsters". Das war für mich dann der Knackpunkt beim Film.
      Puh - was für ein Thread.
      Zum Einen: danke für den Einblick hinter die Kulissen, sowas finde ich persönlich immer spannend.
      Zum Anderen:

      Thema Deutscher Film... ich höre die Grillen zirpen... Tumbleweed rollt durchs Bild...
      Ernsthaft, ich habe schon sehr oft versucht, für mich herauszufinden warum deutsche Filme bei mir nicht funktionieren. Früher war es sicher Arroganz meinerseits (nur Amerika ist cool, alles andere Schrott) aber in den letzten Jahren habe ich (vergeblich) versucht, den Filmen hierzulande eine Chance zu geben.
      Ein Problem ist sicher das Genre. Wie ihr ja selber schon festgestellt habt, es gibt nicht viel Auswahl: Krimis, Komödien, Liebeskomödien (omg, noch viel schlimmer gehts nicht :rolleyes: ) oder Dramen. Oder ein Mix aus Drama und Komödie - Dramedy.
      Krimis, wenn sie gut gemacht sind, könnten mich noch halbwegs überzeugen. Gibts aber kaum.
      Komödien: bin ich kein Fan von, wenn dann eher in Richtung Austin Powers/Hot Shots/Und täglich grüßt das Murmeltier... deutsche Komödien kann ich mir nicht geben. Allein die Szenen in den Trailern verursachen bei mir Fremdschämen vom Feinsten. Keine Ahnung, warum.
      Der letzte Film dem ich eine Chance geben wollte war Honig im Kopf. Ich habe erlebt wie die Minuten sich qualvoll zu Stunden gezogen haben. (gut, ich denke ihr hier im Forum würdet den sowieso als mies einstufen aber der Rest des Landes hat den doch gefeiert?)

      Kommen wir zum Drama. Jemand hier hat das ganz gut beschrieben. Die deutschen Filmemacher versuchen immer Kunst zu produzieren, ganz besonders bei Dramen. Die Dialoge sind absurd, die Schauspieler überzeugen null weil sie alles zu ernst nehmen und die dramatische Seite auf Teufel komm raus unbedingt schauspielerisch herausarbeiten wollen. Frankreich hat mit "Ziemlich beste Freunde" gezeigt, dass es auch außerhalb der USA anders geht. Ruhig plätschert der Film vor sich hin und die Darsteller sind ehrlich und bleiben sich treu. Man merkt ihnen das "Spielen" nicht an.

      Jetzt habe ich "Nachtmahr" nicht gesehen, nur den Trailer. Ich will daher den Film nicht vorverurteilen. Thematisch wäre es was für mich. Aber schon beim Trailer dachte ich teilweise, dass ich den nicht gut finden werde. Die Szene mit den Freunden, die sich lustig machen. Das ist nicht realistisch in meinen Augen. Wenn ich sehe, dass meiner Freundin die Panik in die Augen geschrieben steht, dann zeige ich nicht mit dem Finger auf sie und lache schallend. Sondern ich denke entweder sie verarscht mich oder sie hat irgendein Problem und mache mir Sorgen. Die nächste Szene mit dem Psychologen fand ich auch nicht so überzeugend. Zu lange Pausen, zu viele bedeutsame Blicke. Die beiden haben kein Gespräch geführt sonden einen Dialog nachgespielt. Sorry, aber so empfinde ich das. Ich kaufe es ihnen nicht ab.

      Ich denke, das ist mein größtes Problem mit deutschen Filmen. Die Schauspieler nehmen ihre Rollen zu ernst. So haben sie es auf der Schauspielschule gelernt. Ich kann mir direkt vorstellen, wie alle anfangs in einem Kreis stehen und einen "Baum" spielen. Jeder auf seiner eigene Art. Mit dieser Form der Kunst kann ich nichts anfangen. Mein Tipp an deutsche Filmemacher wäre: konzentriert euch auf die Handlung. Und hört auf, die Schauspieler so übertrieben ausdrucksvoll ihren Text sagen zu lassen. Es muss viel lockerer kommen. Das haben die Amis uns meilenweit voraus. Zuletzt ist es mir bei Deadpool aufgefallen: Ryan Reynolds redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Dabei ist da haufenweise Blödsinn dabei, Sprüche, er flucht und macht Witze aber wie er es macht, kaufe ich es ihm total ab.

      Aber das ist nur meine Meinung was weiß ich schon :uglylol:

      Trotzdem, weiter so Mr. McKenna, ich werde versuchen mich hier weiterzubilden :thumbup:
      Every life comes with a death sentence.
      @Kiddo, @Scholleck und @sladge: Also ich nehme aus euren Anmerkungen mit, dass euch die dt. Filme vor allem zu ernst sind bzw. sich selbst zu ernst nehmen. Ich lese da erstmal raus, dass euch eine gewisse Lockerheit bzw. auch Humor fehlt. Als Beispiel würde ich da jetzt mal "Interstellar" sehen, der trotz seiner verkopften Struktur und seiner Bildgewalt auch Humor - über die Helfsrobos - einstreut. Also in diese Richtung. Oder?

      Kiddo schrieb:

      Ich kann mir direkt vorstellen, wie alle anfangs in einem Kreis stehen und einen "Baum" spielen.

      Du hast ja keine Ahnung wie recht du hast. :D

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."

      GregMcKenna schrieb:


      Kiddo schrieb:

      Ich kann mir direkt vorstellen, wie alle anfangs in einem Kreis stehen und einen "Baum" spielen.

      Du hast ja keine Ahnung wie recht du hast. :D


      Ich hatte es befürchtet :D

      GregMcKenna schrieb:


      Also ich nehme aus euren Anmerkungen mit, dass euch die dt. Filme vor allem zu ernst sind bzw. sich selbst zu ernst nehmen. Ich lese da erstmal raus, dass euch eine gewisse Lockerheit bzw. auch Humor fehlt.


      Yup. Ich würde noch weiter gehen und behaupten, die meisten Schauspieler sind entweder nicht für den Film geeignet sondern gehören auf eine Theaterbühne. Oder vielleicht haben sie auch Film-Potential und der Regisseur hat zuviel Theaterschule hinter sich und will seine Schauspieler genauso haben... und nur amerikanisierte Zuschauer wie ich verstehen nicht, was er uns mit seinem Werk sagen will...

      GregMcKenna schrieb:


      Als Beispiel würde ich da jetzt mal "Interstellar" sehen, der trotz seiner verkopften Struktur und seiner Bildgewalt auch Humor - über die Helfsrobos - einstreut. Also in diese Richtung. Oder?


      Ich habe Interstellar gesehen aber weiß nicht genau was du meinst... :gruebel:
      Every life comes with a death sentence.

      Kiddo schrieb:

      und nur amerikanisierte Zuschauer wie ich verstehen nicht, was er uns mit seinem Werk sagen will.

      Halb-halb. Einerseits ist das Mainstream-Kino natürlich amerikanisch dominiert. Keine Frage. Und auch die Sehgewohnheiten sind entsprechend. Aber daraus folgert sich manchmal die selbsterfüllende Prophezeiung, dass der deutsche Film nix kann - weil ihm nix zugetraut wird. Der alte Teufelskreis: Macher macht Film für sich und nicht für die Zuschauer, Zuschauer mögen Film nicht, Macher verbittert und macht nächsten Film nur noch mehr für sich. usw.

      Kiddo schrieb:

      Ich habe Interstellar gesehen aber weiß nicht genau was du meinst...

      Bei aller "Größe" die der Film hat, reißen die Roboter hin und wieder kleine Sprüche:

      TARS: [as Cooper repairs him] "Settings. General settings. Security settings."
      TARS: "Honesty, new setting: ninety-five percent."
      TARS: "Confirmed. Additional settings."
      Cooper: "Humor, seventy-five percent."
      TARS: "Confirmed. Self destruct sequence in T minus 10, 9..."
      Cooper: "Let's make that sixty percent."
      TARS: "Sixty percent, confirmed. Knock knock."
      Cooper: "You want fifty-five?

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."

      GregMcKenna schrieb:


      Bei aller "Größe" die der Film hat, reißen die Roboter hin und wieder kleine Sprüche:

      TARS: [as Cooper repairs him] "Settings. General settings. Security settings."
      TARS: "Honesty, new setting: ninety-five percent."
      TARS: "Confirmed. Additional settings."
      Cooper: "Humor, seventy-five percent."
      TARS: "Confirmed. Self destruct sequence in T minus 10, 9..."
      Cooper: "Let's make that sixty percent."
      TARS: "Sixty percent, confirmed. Knock knock."
      Cooper: "You want fifty-five?

      :thumbsup: Stimmt das war gut...
      Einfach aber gut. Es spielt sicher eine Rolle bei dem Thema aber für mich persönlich ist wirklich das größte Problem die Überzeugungskraft der Darsteller. Das nächste Problem ist, dass ich leider hauptsächlich Filme aus den Genres Horror, SciFi und/oder Action mag und somit hat das deutsche Kino es doppelt schwer mit mir. Aber ich werde mir definitiv Nachtmahr - unvoreingenommen - anschauen und dann nochmal meine Meinung dazu hier posten ;)

      (Ich habe darüber nachgedacht und ich komme ums Verrecken auf keinen deutschen science fiction Film abgesehen von Traumschiff Surprise meine ich. Gibt es sowas überhaupt? udn ich meine keine Zusammenarbeit à la De/Ca/US)
      Every life comes with a death sentence.

      Kiddo schrieb:

      (Ich habe darüber nachgedacht und ich komme ums Verrecken auf keinen deutschen science fiction Film abgesehen von Traumschiff Surprise meine ich. Gibt es sowas überhaupt? udn ich meine keine Zusammenarbeit à la De/Ca/US)

      Aktuell im Kino: "Wir sind die Flut".

      Ansonsten: "Pandorum" (2009), "Die Kommenden Tage" (2010), "Hell" (2011), "Wolfzeit" (2003), "Boy 7" (2015), "A Sound Of Thunder" (2005), "Die Innere Zone" (2005). Sind nicht alle gut aber das sind die, die mir grade so seit 2000 einfallen.

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Oops wie konnte das alles an mir vorbei gehen?
      Ich erinnere mich nur an "Hell" aus der TV-Vorschau weil ich zuerst dachte Hell = Hölle aber dann hatte es mit der Sonne zu tun und ich habs ignoriert (Weil das Thema mittlerweile ausgelutscht ist, auch auf der anderen Seite des Ozeans wie ich finde). Werde aber die anderen mal näher betrachten. :thumbup:
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      Tag #61 oder auch: Taschenrechner raus.

      Es ist an der Zeit: Produzentenunterricht. Und weil ich bei Zahlen schlecht bin, hab ich einfach alles abfotografiert und präsentiere euch: Was kommt an Geldern beim Produzenten bzw. den Machern vom Erlös einer Kinokarte an? Und wieviel Zuschauer braucht ein deutscher Film im Durchschnitt, um schwarze Zahlen zu schreiben? Auf Los gehts los.



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      Tag #72 oder auch: Yay, das erste Quartal ist geschafft!

      Das erste Quartal ist für mich rum und bald gehts auch in die Weihnachtsferien. Dann gibts hier auch wieder mehr zu lesen, weil ich dann nicht in Arbeit ertrinke. Bis dahin heute ein wichtiger Link für alle, die sich für die Drehbücher bzw. Filme von übermorgen interessieren und auch abseits von Franchises schauen. Die Blacklist ist erschienen. Die ominöse Liste der besten unverfilmten Drehbücher dieses Jahr. Die Autoren dahinter werden derzeit alle von Produzenten belagert und das eine oder andere Script wirds sicher auf die Leinwand schaffen. Dies ist auch die Liste, auf der jahrelang "Passengers", "Arrival" und "Chappie" rumoxidierten. Als bestes Script - Spoileralarm! - gilt übrigens das Biopic über Madonna und "I, Tonya" hat sich Margot Robbie bereits geschnappt. Wer mal reinsehen will, dem seien die Scripte wärmstens empfohlen. Wer eines davon sogar lesen will, dem besorg dich das ggf. gerne. :)

      Klick mich hart.

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      Interessant zu wissen. Bist du da auf dem Laufenden, wenn jemand eins der Scripte verfilmt? Außer den von dir genannten meine ich. Wie kommt es überhaupt zu so einer Liste. Wer entscheidet, welches Script da drauf kommt und welches nicht? Gibt es da eine Jury? Ich meine, das sind doch alles Scripte, die vorher durchgefallen sind oder nicht?

      Da sind einige wirklich potentiell für mich interessante Storys dabei. Zum Beispiel THE KINGS OF MAINE. Ich kenne viel von King, also auch viel über ihn meine ich (er ist der einzige, wo das Vorwort fast genauso interessant ist, wie die Geschichte selber). Wenn es gut gemacht ist (und Kings Segen bekommt) wäre es was für mich.

      Ansonsten habe ich mal alles überflogen und bin über MOTHER und O2 gestolpert. Könnte spannend sein. Wie lesen sich denn Scripte? Ich meine ich habe irgendwo eins in den Tiefen meiner externen Festplatte irgendwo. Ist es nicht mühselig zu lesen oder kann man sich da gut reinfinden? Jedenfalls wenn es geht, wäre ich an einem der o. g. Scripte interessiert.
      Every life comes with a death sentence.

      Kiddo schrieb:

      Interessant zu wissen. Bist du da auf dem Laufenden, wenn jemand eins der Scripte verfilmt? Außer den von dir genannten meine ich. Wie kommt es überhaupt zu so einer Liste. Wer entscheidet, welches Script da drauf kommt und welches nicht? Gibt es da eine Jury? Ich meine, das sind doch alles Scripte, die vorher durchgefallen sind oder nicht?

      "Auf dem Laufenden" ist viel gesagt. Ich krieg mit, wenn Spec-Scripts an Studios verkauft werden. Aber ob und wie sie dann weiterverfolgt werden, krieg auch ich meist erst durch offizielle Stellungnahme der Studios mit, wenn gecastet wird.
      Wie kommt es zu der Liste? Die wird von der "Blacklist" erstellt. Die Blacklist ist eine Website, auf der du gegen ein (recht geringes) Entgelt dein Drehbuch hochladen kannst. Dort wird es dann - wenn du Glück hast - von Leuten aus der Branche gelesen. Die bewerten es dann - wie einen gekauften Amazon-Artikel - und dadurch kriegt dein Script eine höhere Wertung und wird eventuell von mehr Leuten gelesen. Klar - man liest ja eher die Fünf Sterne-Sachen als die Drei Sterne-Sachen. Am Ende des Jahres (wie unlängst geschehen) hat jeder Development Executive in Hollywood eine handvoll Stimmen und kann sie auf die Scripte verteilen, die er oder sie am besten fand. So entsteht diese Liste. Eine volle Ladung aller Filme, die von dieser Liste stammen, gibt es hier.

      Im Anhang hab ich mal die drei Drehbücher zum Download angehängt, die du in deinem Beitrag erwähntest. :)
      Dateien

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „GregMcKenna“ ()



      Tag #77 oder auch: Jahresabschlussbilanzen.

      Huh, 2016 war ein turbulentes Jahr. In der Welt sowieso und für mich mit einem Umzug und einem Traumstudium dann auch noch ganz besonders. Die Filmakademie Baden-Württemberg ist ein bemerkenswerter Ort, wenngleich auch ein wenig Elfenbeinturm. Wo man auch hinsieht und mit wem man auch spricht, kommt man vom Alltäglichen rasch ins Tiefsinnige und niemand schreckt vor harten, tiefgängigen Diskussionen zurück. Hier wird jede Einstellung, jeder Frame und jede Lichtsetzung bis ins Mark auseinander genommen. Ein bemerkenswertes Ego hat hier jeder aber das braucht man in der Branche wohl auch. Dennoch ist mein Jahrgang zum Glück mit sehr angenehmen Menschen gefüllt. Die Philosophie hier schmeckt mir ganz gut: Niemand wird geschont, dafür hat man auch alle Freiheiten der Welt. Das Techniklager quillt über vor kinofähigen Kameras und Cutter auf gleichem Niveau sitzen neben dir in den Seminaren. Apropos Seminare. Im ersten Jahr hat man ja keine Semester sondern Quartale. Mein erstes Quartal war bei dem sehr unterhaltsamen und äußerst freundlichen Matthias Pacht. Weil man als Medienmensch aber immer busy sein muss (die Verwendung von so vielen Anglizismen geht mir selber auf den Sack aber so reden die alle und weil man oft Englisch spricht, merkt mans kaum), ist man mit Unterricht natürlich nicht ausgelastet sondern packt sich selber noch Projekte dazu. Das macht Spaß und fordert. Überhaupt erlebe ich an der Filmakademie das erste Mal, dass Menschen freiwillig viel und hart arbeiten. Also wirklich viel und hart. 24/7-hart. Und die auch noch nach einem 14 Stunden-Tag zu einem kommen und fragen, ob es noch was zu tun gibt. Hier wird Film geatmet und gelebt. Das erste Mal in meinem Leben fühle ich mich ein bisschen zuhause. Wir hocken hier in einem relativ kleinen Kreis alle in einem Nest aufeinander, entsprechend eng schweißt das natürlich zusammen. Wenn ich an Weihnachten nach Hause fahre, ist das ein bisschen wie sich Harry Potter fühlen musste, wenns aus Hogwarts in die Ferien ging: Eigentlich ist die Schule total gefährlich und dauernd wird man ermutigt, sein Leben aufs Spiel zu setzen aber zugleich entwickelt das auch eine wunderbare Magie.

      So, genug geschwärmt. 2017 wird hart und haarig. Da kommt einiges auf mich und alle anderen zu. Ich werd wohl nach dem Drehbuch auch den nächsten Schritt machen und mal Regie für einen Dreiminüter in einem Episodenfilm machen (ANGST!!!) und gleichzeitig mein Script-Portfolio ausbauen. Meinen Ruf als "Age of Ultron"- bzw. Marvel-Liebhaber (AN EINER "KUNSTHOCHSCHULE"!) eilt mir mittlerweile voraus aber das ist in diesem Forum ja auch nicht anders. Die Weihnachtsferien sind vollgepackt mit Hausaufgaben. Als Drehbuchautor hat man für den Rest seines Lebens Hausaufgaben. Immer. Und sie enden nie. Aber das wird witzig. Allein wegen dem Hunger und dem Talent, das hier versammelt wird. Wenn von 2016 eines bleibt, dann der Hunger auf die kommenden vier Jahre. Vielleicht bin ich großkotzig. Vielleicht übernehm ich mich. Aber wie schon zu Beginn geschrieben: Man scheitert sich so voran.

      Frohe Weihnachten. :)

      Das ist jetzt also Film. #garnichtmalübel

      Ein von @officialschulz gepostetes Foto am


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      Tag #104 oder auch: Ein Drehbuchautor sieht rot.

      2017. Ein Jahr könnte gar nicht turbulenter losgehen - mit zwei Wochen Dauerbeschuss aus Terminen und Pflichten. Man möge mir daher meine kurze Absenz hier verzeihen. Wie schon angedeutet, muss ich mich nun als Regisseur verdingen. Noch vollmundig im Herbst 2016 mit "Wie schwer kann das schon sein?" angekündigt, gestehe ich jetzt ein: Es ist wirklich einfacher als befürchtet. Alles was man braucht ist ein klares Konzept, viel Überzeugungskraft, ein bisschen präzise Recherche und die Fähigkeit, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen (okay, es gehört vielleicht noch ein bisschen was dazu aber im Moment ...). Vor allem das Anleiten eines kreativen Teams ist ein Geschenk. Wenn man eine handvoll Leute um sich herum hat und die alle vor Ideen bersten, motiviert das wie kaum etwas Anderes im Leben. Aber genug des Singsangs. Ihr kommt ja nicht nur wegen frohen Nachrichten her. Die Regisseure sind nämlich gar nicht so gut drauf, dass ihnen jetzt auch noch so ein Autor an den Karren fährt. Aber sie werdens überleben.

      Ich habe in der vergangenen Woche auch viel Kontakt zu Redakteuren in den Fernsehsendern gehabt. Die Leute, denen immer die Schuld an "verdummtem Fernsehen" gegeben wird. Es ist ja spannend zu sehen, wie das dort gerechtfertigt wird. Niemand in den Redaktionen geht zu einem Autoren oder einem Regisseur und sagt "Ey, mach mal dümmer!". Viel eher heißt es dann, gewisse Dinge müssten klarer erzählt werden. Oder "herausragender". Harmlos aber auch spannend war ein Fall, bei dem die Freundin einer Nebenfigur (besagte Freundin tritt übrigens im Film nicht einmal auf sondern wird nur in einem Nebensatz erwähnt) Anwältin sein sollte. Die Redaktion meldete 48 Stunden vor Drehbeginn Bedenken an und wollte eine Lehrerin anstatt eine Anwältin. Okay, hatte ja keine Auswirkungen auf die Story selbst - aber die Aufgabe kam nur deshalb, damit die Redaktion ihre Anstellung rechtfertigen konnte und nicht auf absehbare Zeit wegrationalisiert werden würde. Ja, um sowas gehts hier auch. Generell habe ich Redakteure aber in der Tat als eher konservative Zeitgenossen kennengelernt, die lieber ein gemächliches und bekanntes Erzähltempo bevorzugen. Und die "The Dark Knight" nicht kennen. Aber das ist vielleicht ein Fall für den Comic-Post. Aber wo wir gerade bei Populärfilmen sind (irrer Themenschwenk aber was wollt ihr schon machen?): Erschreckend wenig Leute auf der Akademie haben "Star Wars" gesehen oder schätzen die Filme. Okay, dann sind sie Fachleute für Bela Tarr aber das hat mich schon ein wenig schockiert - mit welcher Ablehnung den SW-Filmen da begegnet wird. Aber vielleicht reiß ich die Klappe da auch zu weit auf - immerhin muss ich noch Sounddesigner für den Film finden, motivieren und dann im Keller festhalten.

      Positive Entwicklung der letzten Wochen und Monate: Nachdem ich aus dem Forum hier eher den Standpunkt mitgenommen "Produzenten sind kacke und geldgeil" hatte, muss ich ihn auf "Produzenten sind geldgeil" reduzieren. Aber das ist insofern positiv, als dass man auf monetärer Ebene immer jemanden für eine sinnvolle Diskussion hat. Und wenn man einen Film für 50.000 dreht und den international verwerten kann, kann einem kein Produzent das Konzept abschlagen. Ich find die Jungs (und seltenen Frauen) dahingehend sehr angenehm und auch als Gesprächspartner immer gut: Haben eine Meinung, verstehen was von Film und Geld gleichermaßen und spätestens wenn man eine Szene mit Kindern, Schnee und Hunden gleichzeitig im Script hat, fangen sie an zu weinen. Außerdem sind sie ein bisschen wie die Lannisters bei "Game of Thrones": Gut bei Kasse, zuverlässig in ihrer Vorgehensweise und über die Sache mit der Liebe untereinander reden wir noch mal.

      Spruch der Woche:
      "Drehbuch schreiben ist wie Kinderkriegen in den den 1800er Jahren: Mach viel; nicht alle werden es schaffen."




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      @GregMcKenna

      Das mit "Star Wars" und "The Dark Knight" bezieht sich aber ausschließlich auf die Redakteure, oder? Deine Mitstudenten dürften die Filme ja größtenteils wohl kennen.

      Neulich habe ich "Wild" gesehen. Ich kann ihn (zum Beispiel im Gegensatz zu "Victoria" und "Der Nachtmahr") nicht so wirklich abfeiern, aber er ist mutig und herausfordernd und ich glaube, ich verstehe ungefähr, was die Filmschaffenden damit aussagen wollten. Von daher ist der Film meiner Meinung nach ein gutes, wenn auch sperriges Beispiel für den guten, deutschen Film.

      Welche Filme (egal ob national oder international) werden denn an der Uni (egal ob von Studenten, Dozenten oder Personen im weiteren Umfeld) so gefeiert? Inwieweit beschäftigt man sich da mit den ganz aktuellen Filmen? Kann man aufgrund der eigenen, kreativen Arbeit überhaupt alles mitbekommen, was gerade so passiert? Oder konzentriert man sich eher auf die eigene, langsam entstehende Idee?

      TheKillingJoke schrieb:

      Das mit "Star Wars" und "The Dark Knight" bezieht sich aber ausschließlich auf die Redakteure, oder? Deine Mitstudenten dürften die Filme ja größtenteils wohl kennen.

      Die kennen die. Es gibt nicht wenige, die darüber die Nase rümpfen aber das ist nichts Neues. Hier im Forum sind ja auch gewisse Filmemacher geächtet bzw. außerhalb des Fokus. Genau wie hier Comicverfilmungen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, sind das an der Aka meist die P.T. Anderson-Sachen also generell das selbsternannte "klügere Kunst-Kino". In Potsdam oder München gibts ausschließlich sowas wie "Die Angst des Torhüters beim Elfmeter" usw. Aber generell ists hier breit gestreut. Da hast du mich als Marvel-Fan, einige Star Wars- und Comic-Anhänger (aka Nerds), einige Kunstfilmer (Bela Tarr, Berliner Schule), einige Doku-Leute (in diesem Forum zB komplett ignoriert) oder auch Werbe-Sachen (die teilweise mehr kreative Freiheit genießen als alle anderen)*. Insofern gibts da keine speziellen Filme, die besonders gefeiert werden. Die Mischung machts.

      Aktuelle Filme sind schwer zu sehen (wenig Auswahl bei den Kinos in der Nähe) und werden wenig diskutiert. Aber kommt vor. Man bekommt bei aktuellen Filmen aber in der Praxis einfach wenig mit, weil die Zeit fehlt. Man muss sich schon mühen, die zu sehen und dann noch jemanden zu finden, mit dem man sie diskutieren kann. Ich bin noch immer beschäftigt, Termine für "Passengers" und "La La Land" zu finden. :D

      * - Ich kann bei mehr Zeit und Interesse eurerseits mal ne Liste von den Filmen aufstellen, mit denen hier so hantiert wird und vielleicht mal ne alte Klausur zur damit verbundenen Stilanalyse reinstellen.

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