GregMcKenna goes to Hollywood

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    Es gibt 248 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Snow.

      Früher auf jeden Fall, als ich selbst noch immer wieder Pläne und Lust hatte, einen Amateurfilm zu drehen (und freilich auch heimlich geträumt habe, irgendwann mal darüber hinaus zu gehen) - aber mittlerweile ist da der Zug wohl abgefahren. Das bedeutet, Nutzen würde ich daraus vermutlich keinen mehr ziehen können, aber wie bei @Alexisonfire8 heißt das nicht, dass es nicht dennoch interessant sein könnte.
      So. Damit mal etwas Abwechslung herrscht, zeig ich mal drei Clips von Werberegisseuren - ich hab damit so gut wie nix zu tun. Sind alle mein Jahrgang, daher frag ich mal einfach die hier anwesenden Filmfans, welcher ihnen am besten gefällt. Und idealerweise auch, wieso. Los gehts:






      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Spot 1 ist böse, makaber und daher auch in meinen Augen grauenhaft. Aber vom Aufwandsfaktor sicherlich nicht ohne. Mit Tieren zu filmen ist eine große Herausforderung. Ich habe im Studium mit drei Kommilitonen mal eine Kurz-Doku über Alb-Büffel gedreht ... zwar mussten die Büffel keine Rollen übernehmen und durften so agieren wie sie es vom Leben gewohlt sind ^^ aber aufwändig war das schon. Von der Umsetzung her also wirklich Hut ab... aber das gilt für alle drei Spots. Optisch alle drei nahezu erstklassig. Favorit ist auch bei mir Spot 2, auch wenn er an einige ähnliche Werbespots erinnert.
      Mich spricht ehrlich gesagt gar nix von den dreien an. Alles schrecklich und zum fremdschämen. Technisch zweifelsfrei gut gemacht, da gibt es nix zu beanstanden, aber inhaltlich geht das überhaupt nicht. Wenn das Leute gemacht haben, die sowas studiert oder gelernt haben, dann auweia. Hab ich von Hobbyfilmern schon weitaus bessere Sachen gesehen.
      Der Erste ist wunderschön gemacht - Tolle Arbeit mit dem Tier - Hut ab.
      Der Twist ist leider völlig für die Tonne und ruiniert den ganzen Spot - Wirklich sehr schade.
      Ich weiß aber spontan gerade auch nicht, wie sie bei dem Thema die Kurve elegant zu Ikea bekommen hätten.

      Allerdings muss man dazu sagen das dies allen anderen Werbeagenturen auch egal ist.

      Es gibt derweil soviele hoch emotionale Werbespots die einfach 0 mit dem Produkt zu tun haben - Dachte hier wird es ähnlich.
      Die Verbindung zu Ikea war aber dann leider einfach nur schlecht und (sorry) dumm...

      Der 2te ist sehr witzig, aber visuell nicht ganz auf dem niveau wie die anderen beiden.

      Der 3te ist halt sehr ghetto hipster style - Ich kenne einen Kumpel der genau diesen Style über alles liebt - Ich finde es auch ganz nett zum ansehen - Spricht mich jetzt nicht totall an, aber funktioniert definitiv.

      Winnfield schrieb:

      Ganz klar Spot 1, nennt man schwarzen Humor.


      Da bin ich auch großer Freund von - Aber es passt tonal nicht zusammen.
      Dann hätte man das Ding am Ende viel abgedrehter machen müssen.

      z.B. hätte die Musik schlagartig von einer gescratchen platte unterbrochen werden müssen.
      Happy Musik setzt ein und der klassische Ikea erzähler spricht einen sarkastische one liner - Dann hätte es als Spaßclip evtl. funktioniert.

      So ist der Clip nichts halbes und nichts ganzes.

      Olli86 schrieb:

      Winnfield schrieb:

      Ganz klar Spot 1, nennt man schwarzen Humor.


      Da bin ich auch großer Freund von - Aber es passt tonal nicht zusammen.
      Dann hätte man das Ding am Ende viel abgedrehter machen müssen.

      z.B. hätte die Musik schlagartig von einer gescratchen platte unterbrochen werden müssen.
      Happy Musik setzt ein und der klassische Ikea erzähler spricht einen sarkastische one liner - Dann hätte es als Spaßclip evtl. funktioniert.

      So ist der Clip nichts halbes und nichts ganzes.


      Das ist ja nicht mal das Schlimme in meinen Augen.

      Es ist einfach das Problem, dass man das hier mit Ikea machen will.

      Ikeas Tonalität ist zwar ab und an mit schwarzem Humor gespickt (beispielsweise mit Opa bei den aktuellen Smilla Werbespots), aber das wird stets positiv beendet und stets in einen geselligen Hintergrund gepackt. Denn Ikea will eines schaffen: Geselligkeit und Familien-Gefühl.

      Denn in Schweden ist die Familie nun mal wichtig. Nach Lewis und Hofstede ist Schweden ein "femininer" Staat mit Fokus auf Sozialität und des Sich-Kümmerns. Und dieses schwedische Gefühl plus Gemütlichkeit will Ikea stets vorantreiben.

      Sowohl bei Ikea selbst (wer geht da schon alleine hin?) als auch in den Werbespots. Das zieht sich übrigens durch die ganze Ikea Struktur: Wohnungsbeispiele, die auf Geselligkeit getrimmt sind, ein Kundenbindungsprogramm namens IKEA FAMILIY, kundenfreundlicher Umgang bei Reklamationen und freiwillige Rückannahme und die Mitarbeiter sollen sich dutzen. Warum das Ikea macht? Weil Ikea aus Schweden kommt.

      Dieser Spot hier spricht nichts an. Der Spot geht sogar soweit und versucht diese Gefühle und Werte zu zerstören. Keine Anker aus dem Markengefüge von Ikea ist vorhanden, keine Ansprache schwedischer Kultur. Da hättest du dänisches Bettenlager am Ende haben können oder Möbel Boss. Aber selbst dazu passt es nicht. Es passt einfach nicht zur Identität von Ikea. Wer einen Werbespot macht, muss aber diese Identität in der Lage sein zu erfassen und auf den Bildschirm zu bringen.

      Hier haben die Macher rigoros versagt. Der schwarze Humor ist da für einen Ikea CEO bzw. CMO definitiv egal.

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      Kaibear schrieb:

      Dieser Spot hier spricht nichts an. Der Spot geht sogar soweit und versucht diese Gefühle und Werte zu zerstören. Keine Anker aus dem Markengefüge von Ikea ist vorhanden, keine Ansprache schwedischer Kultur. Da hättest du dänisches Bettenlager am Ende haben können oder Möbel Boss. Aber selbst dazu passt es nicht. Es passt einfach nicht zur Identität von Ikea. Wer einen Werbespot macht, muss aber diese Identität in der Lage sein zu erfassen und auf den Bildschirm zu bringen.

      Ist eine sehr interessante Analyse, die ich sogar sehr gut nachvollziehen kann. Wie siehst du dann im Lichte deiner Argumentation dann diesen Spot (auf den sich I'll be there for you teilweise bezieht)?


      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      ich hab auch nicht behauptet dass der Spot zu IKEA passt, das tut er nicht. Aber ich finde ihn für sich genommen gut. Er würde aber gut passen in einem Spielfilm über einen zynischen Werbefilmer mit sozialer Inkompetenz, der einen Werbefilm für einen familienfreundlichen großen Möbelkonzern drehen soll. Bei der Vorstellung im Büro, nachdem die CEOs erst zu Tränen gerührt sind und dann vor Empörung erzürnen, wird er schließlich vom Sicherheitspersonal sehr unsanft aus dem Firmengebäude geworfen. Da würdet doch auch ihr lachen.

      ich hätte den Clip vielleicht noch versucht zu retten, indem Herrchen paar Tage später wieder fit ist und anschließend mit Hundi im neuen Ikea-Bett kuschelt. :D
      Von der Aufmachung finde ich Spot 1 auch am Besten. Toll gefilmt und gerade die Kamera aus der Verfolgersicht mit der Musik dazu fand ich richtig schön. Dazu kommt ein Hund vor und ich liebe Tier/Mensch Freundschaften grundsätzlich. Also mit so etwas kriegt man mich ziemlich schnell und einfach.
      Nur wie schon erwähnt, fährt man das Ganze halt mit dem Ende völlig gegen die Wand und passt mal so gar nicht zu IKEA. Von dem Spot her waren das zwei völlig verschiedene Dinge. Das war in etwas so, als würde man ein krankes Kind zeigen das wieder gesund wird und am Schluss macht man dann Werbung Bier.
      Der zweite Spot war von dem lockeren Ton ganz unterhaltsam, mir persönlich aber etwas zu albern. Und die Kotz-Szene schoss dann für meinen Geschmack auch über das Ziel hinaus. Würde mich in keinster Weise zu einem Kauf animieren, sondern eher sogar abschrecken.
      Der dritte war okay, aber wirkte für mich wie schon zig mal gesehen. Abgekupfert, wenn man böse sein will. Aber die Kamera und die schnellen Schnitte mochte ich im Prinzip.

      Also trotz dem Ende ist der Erste doch mein Favorit, gefolgt vom Dritten und der letzte Platz geht an den Zweiten.

      GregMcKenna schrieb:

      Kaibear schrieb:

      Dieser Spot hier spricht nichts an. Der Spot geht sogar soweit und versucht diese Gefühle und Werte zu zerstören. Keine Anker aus dem Markengefüge von Ikea ist vorhanden, keine Ansprache schwedischer Kultur. Da hättest du dänisches Bettenlager am Ende haben können oder Möbel Boss. Aber selbst dazu passt es nicht. Es passt einfach nicht zur Identität von Ikea. Wer einen Werbespot macht, muss aber diese Identität in der Lage sein zu erfassen und auf den Bildschirm zu bringen.

      Ist eine sehr interessante Analyse, die ich sogar sehr gut nachvollziehen kann. Wie siehst du dann im Lichte deiner Argumentation dann diesen Spot (auf den sich I'll be there for you teilweise bezieht)?



      Hahaha der ist sehr gut. Der Schluss ist phänomenal.

      Was man hier aber noch zusätzlich hat (und das habe ich nicht bedacht oben): Der Faktor Zeit (wann es gemacht wurde) und Zielkultur. Bei deinem Clip würde ich sagen: Passt alles. Das ist Anfang 2000er Ende 90er Haltung, als Produkte im Vordergrund standen bzw. der Abverkauf (was anderes macht der Clip ja durch sein Ende nicht). Heute geht man ja auf die Beziehung - Customer-Relationship - ein und will konstant mit Gefühlen den Kunden "primen", wenn er die Marke sieht. Und es ist die USA als Zielmarkt. Trocken, aufs Produkt bedacht und auf Konsum ausgelegt. Das funktioniert in meinen Augen schön.

      Alles in allem: Wenn man diesen Spot entgegenstellt, passt meine Interpretation von dem Studentenprojekt nicht.

      Aaaaaber da ist der Faktor Zeit nochmals: Das hat mit Rücksicht auf das Erscheinungsjahr wohlmöglich gut gepasst und mit den Vorhaben, die Ikea damals ggf. hatte. Marketing und Markenbildung sind auch dem Wandel unterworfen. Dabei nicht nur zeitgenössischen Trends, sondern auch den eigenen (im Unternehmen) angelegten Initiativen. Und gerade da würde ich mich aus dem Fenster lehnen (ich kann es nur aus DE Sicht sagen) und sagen, dass Ikea da seit einigen Jahren das Ziel verfolgt das Thema Soziales und Familie in den Fokus zu setzen, sodass Ikea für die Kunden und deren Kinder in Zukunft der Ort ist, an dem man am Wochenende beherzt Möbel kaufen geht und Hot Dogs ist: Als Familie. Zeigt sich auch daran, dass in dem 2002 Spot kaum ein Mensch auftritt. Guck dir die heutigen Smilla Spots an: Familie, Freunde, Kinder, Hochzeit, Kleideranprobe und Musik bei den Freunden. Das strotzt nur so vor sozialer Interaktion.

      Unter heutigen Verhältnissen passt der Spot also nicht. Das Projekt, dass du gezeigt hast, folgt somit leider auch nicht den jetzigen Bewegungen von Ikea.


      Wäre mein Studium nicht vorbei, ließe sich glaube ich eine interessante Facharbeit oder gar Thesis zur Markenanalyse von Ikea schreiben. Wenn es das nicht schon in den tiefen des Netzes gibt.

      Aber ich betrachte hier halt das Marketing. Handwerklich sind in meinen Augen alle spitzenklasse. Die wissen, wie Licht, Kostüm, Text, Dramaturgie, Schnitt und Ton gemacht werden. Aber das Ganze muss ja auch dem richtigen Zweck dienen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Kaibear“ ()

      Also all die spots finde ich sehr gut gemacht, technisch und mit der Kamera usw aber:

      Nr 1 geht ja mal gar nicht :D sehe es wie Kaibear, Ikea steht dir Familie und Beisammensein und dieses Beispiel geht voll ins Gegenteil. Ich war am Ende ziemlich sauer :D

      Nr 2 ist nicht mein Geschmack, ich hab jetzt schon vergessen was beworben wurde und Tanzvideos von "lustigen" Typen gibt es auch genug

      Nr 3 ist etwas zu cool und zu langweilig, aber modern und kommt in der jungen Generation vielleicht ganz gut an, wenn auch ich sicher war dass es um eine Sportmarke geht

      "die Lampe" (Kommt mir tatsächlich bekannt vor) gefällt mir im Gegensatz zu Nr 1 gut. Der Schluss brachte mich zum Lachen. Ja, es geht hier weniger um Familienbande :D (und die Lampe hat ja noch funktioniert? Nachhaltigkeit wird von Ikea doch auch groß geschrieben) aber im Gegensatz zu dem Hund kann ich hier wirklich den Witz erkennen, und vielleicht ist frech sein auch ein Aspekt von Ikea und erst in der letzten Zeit kommen die ganzen Familien-lastigen clips, weswegen wir so schockiert reagieren?

      Mich würde noch interessieren, wie @GregMcKenna die clips bewertet aus "professioneller Sicht".
      Every life comes with a death sentence.

      Kiddo schrieb:

      Mich würde noch interessieren, wie @GregMcKenna die clips bewertet aus "professioneller Sicht".

      Naja, für mich ist das schwer weil ich das Machen aller Dreier mitbegleitet hab und auch die Wehwehchen in der Mache dahinter kenne. Warum manche Dinge eben so sind wie sie sind und manche Sachen eben funktionieren (oder auch nicht). Ich finde das Feedback von euch sehr faszinierend und wie die Clips wirken. Du zum Beispiel spürst das mit der Sportmarke und sprichst es auch an. Der Clip ist in der Tat von jemandem, der Commercials von Adidas und Nike macht und mit Christiano Ronaldo auf Du und Du ist. Obwohl sich der Clip also einer ganz anderen Marke widmet, greifen doch offenbar spürbar gewisse Mechaniken. Jetzt kann ich lang darüber philosophieren, woran das liegt (Banlieu-Feeling, Posing, Kameraeinstellungen auf Klamotten, derzeitige Lifestyle-Orientierung von den Sportmarken, etc.) aber ich find in der Tat das Feedback von euch viel spannender. Da sieht man gut, was funktioniert und was nicht. Was ankommt und was nicht. :)

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."
      Nach mehreren Wochen in der Entwicklung gibts ein neues Drehbuch, dessen Dreh sich mit Riesenschritten nähert. Aber ich suche noch ein paar Testleser, die Bock darauf haben, sich 30 Seiten Drehbuch reinzupfeifen und mir ein bisschen Feedback dazu zu geben.

      Genre: Suspense-/Agententhriller
      Länge: ca. 25 Minuten (30 Seiten)
      Inhalt: Nach einer wahren Geschichte - Die "Rosenholz"-Akten sind das Kronjuwel der Stasi und verschwinden in den Wirren des Mauerfalls aus den Archiven der DDR-Geheimpolizei. 1993 tauchen sie bei der CIA auf - wie die CIA an sie gelangt ist, ist bis heute unbekannt. Die CIA feiert es jedoch bis heute als den größten Coup des Kalten Krieges.

      Dieser Film erzählt die Geschichte, wie die Akten zur CIA gekommen sind. Eine Mischung aus "The Prestige" und "Tinker Tailor Soldier Spy". Basierend auf Zeugenaussagen, Berichten und wissenschaftlichen Untersuchungen der Jahn-Behörde.


      Wer Interesse hat, melde sich bitte gerne bei mir. :)

      "You're fighting a war you've already lost."
      "Well, I'm known for that."