Mary Magdalene (Rooney Mara, Joaquin Phoenix)

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    Es gibt 25 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von TheKillingJoke.

      Filmstarts mochte es nicht.

      Fazit: „Maria Magdalena“ präsentiert eine frische Sicht auf die biblische Titelfigur, bleibt dabei aber ziemlich blutleer.

      2 von 5 Sternen.


      „Wonder Woman 2“

      1. November 2019

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      Okay...nun, ich werde sehen. Auf IMDb hat er ja derzeit 6,5. Wenn man auf die 37 abgebenen Stimmen schaut, wird man feststellen, 14 Leute 10 gegeben haben, 8 Leute 1. Ich würde mal sagen, dass man vorsichtshalber beide Extreme abschnippelt. Und dann sieht es recht ausgewogen aus. Fas nach einer 7. ;)

      TheKillingJoke schrieb:

      Okay...nun, ich werde sehen. Auf IMDb hat er ja derzeit 6,5. Wenn man auf die 37 abgebenen Stimmen schaut, wird man feststellen, 14 Leute 10 gegeben haben, 8 Leute 1. Ich würde mal sagen, dass man vorsichtshalber beide Extreme abschnippelt. Und dann sieht es recht ausgewogen aus. Fas nach einer 7. ;)

      Haha, so mache ich das auch immer! Wenn so wenige Wertungen aber schon nur so ne magere Wertung abgeben, dann sieht es tendenziell aber nicht gut aus.
      Eine eher theologische Kritik habe ich hier gefunden:

      katholisch.de/aktuelles/aktuel…telin-der-apostel-im-kino

      Und das liest sich - zumindest für mich - ziemlich gut.

      Spoiler anzeigen
      Keine Prostituierte, keine Geliebte, keine Effekthascherei.


      Kann gut sein, dass dem Film dadurch vemeintlich der Biss fehlt oder er meinetwegen auch träge wirkt. "Blutleer" ist da ein Wort, was ich auch für mich nicht ausschließen mag. Man scheint zwar die üblichen Maria-Magdalena-Klischees umschifft zu haben. Aber wenn man das alleine schafft, steht ja noch nicht automatisch ein guter Film da. Der muss dann umso besser gefüllt werden, wenn man nicht auf die großen "Skandale" setzen kann.

      Nun ja, mal schauen. Ich werde berichten. ;)
      Israel, Anfang des 1. Jahrhunderts: Das Land ist von den Römern besetzt. Ein kleiner Teil der jüdischen Bevölkerung, zu der auch die Jerusalemer Priesteraristokratie gehört, profitiert von der Situation. Ein Großteil der Menschen jedoch lebt in armen Verhältnissen und sehnt sich nach dem Messias, einem echten König, der das Reich Gottes einläuten wird. In Magdala am See Genezareth lebt eine junge Frau namens Maria (Rooney Mara) mit ihrer Familie. Sie soll verheiratet werden und die üblichen Aufgaben einer Ehefrau übernehmen. Doch in Maria brennt die Sehnsucht nach einer Begegnung mit Gott, was sie zum Wanderprediger Jesus aus Nazareth (Joaquin Phoenix) führt. Sie schließt sich seiner kleinen Bewegung an und entwickelt ein tiefes Verständnis für seine Botschaft. Dies führt zu Auseinandersetzungen mit den männlichen Jüngern. Insbesondere Petrus (Chiwetel Ejiofor) betrachtet Maria mit skeptischen Augen. Die Konflikte verschärfen sich, als Jesus beschließt, mit seiner Botschaft in Jerusalem einzuziehen.

      Die folgende Kritik enthält SPOILER und eine Menge fachlicher Ergüsse.

      Kaum eine biblische Frauengestalt ist schillernder als Maria Magdalena. Als reuige Sünderin, ehemalige Prostituierte und potentielle Geliebte Jesu ist sie einer breiten Masse bekannt. Dabei gehen all diese Punkte auf Traditionen und Verschwörungstheorien zurück, biblisch fundiert ist davon nichts. Tatsächlich erzählen die Evangelien nicht allzu viel über Maria. Sie scheint die Wichtigste einiger Frauen gewesen zu sein, die Jesus als Jüngerinnen begleiteten. Vorgestellt wird sie über ihren Heimatort Magdala, was als Hinweis darauf zu werten ist, dass sie nicht oder nicht mehr verheiratet war. Laut Lukasevangelium trieb Jesus aus ihr sieben Dämonen aus, was man als physisches oder psychisches Leiden interpretieren könnte. In den Passionserzählungen steht sie – ganz im Gegensatz zu den männlichen Jüngern – am Kreuz und ist auch die erste Zeugin der Auferstehung.

      Mehr ist es zunächst nicht, was die Bibel zu berichten hat. Im Laufe der Kirchengeschichte wurde Maria schließlich mit anderen, bislang namenlosen Frauengestalten des Neuen Testaments zusammengelegt. Zu erwähnen wäre hier beispielsweise die Sünderin, die Jesus die Füße wäscht, oder die Ehebrecherin, die nur knapp einer Steinigung entgeht. Von päpstlicher Seite aus wurden diese fehlerhaften und folgeschweren Identifikationen in der Spätantike gefördert und unterstützt. Das zeigte sich zunächst in der Kunst, wo Maria Magdalena auf vielen Bildern eine gewisse Erotik umgibt. In der Moderne griffen auch Spielfilme das Prostituierten-Thema auf oder stellten Maria sogar als Geliebte Jesu dar – mal mehr, mal weniger geschmackvoll. Die Exegese jedoch ging in den letzten Jahrzehnten (auch im Zuge der feministischen Theologie) einen anderen Weg. Man konzentrierte sich wieder auf die Evangelien und auch einige apokryphe Texte, die nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Maria Magdalena erfuhr dadurch eine Art Rehabilitation und gilt inzwischen als Apostolin, was sie auf eine gleiche Stufe mit den männlichen Jüngern Jesu stellt. Ihren Festtag hat sie dem aktuellen Papst Franziskus zu verdanken.

      Nach dieser fachlichen Richtigstellung folgt nun mit "Maria Magdalena" auch ein Film, der der biblischen Frauengestalt gerecht werden möchte. Und tatsächlich verzichtet man auf sämtliche Effekthascherei. Keine Prostitution, keine sexuelle Beziehung mit Jesus, stattdessen die ruhig erzählte Geschichte einer Gläubigen. Das fehlende Spektakel mögen manche als langweilig empfinden, ich jedenfalls bin um diesen respektvollen Umgang sehr froh und rechne dies dem Film hoch an. Allerdings weiß ich auch, dass eine gute oder ehrbare Prämisse noch keinen perfekten Film macht, worüber "Maria Magdalena" hier und da auch ein wenig stolpert. Aber dazu später mehr.

      Der Film beginnt in Marias Heimatort Magdala, was in Wahrheit wohl mehr als ein kleines Kaff war, und stellt uns den Charakter vor. Hier muss man zwangsläufig die spärlichen biblischen Angaben anreichern, wenn man eine funktionierende Filmfigur haben möchte. Die Drehbuchautoren entschieden sich dafür, aus Maria eine Hebamme und Fischerin zu machen. Das eine ist naheliegend, das andere weniger nachvollziehbar. Die Fischerei war wohl doch eher eine Männerdomäne. Ihre Arbeit als Hebamme allerdings birgt eine schöne Symbolik, die im Film noch einige Male aufblitzt und gespiegelt wird (Stichwort: Lazarus). Maria zeigt sich als relativer Freigeist und möchte sich gewissen gesellschaftlichen Konventionen nicht unterwerfen: Sie will beten, wann immer sie will, und keine Ehefrau werden. Mit Rücksicht auf den historischen Kontext fragt man sich zwar, woher diese modernen Ansichten wohl kommen mögen, aber das Ganze wird einigermaßen annehmbar dargestellt – nicht zuletzt wegen Rooney Maras ruhigem, aber eindringlichem Spiel.

      Mit Joaquin Phoenix betritt mein eigentliches Highlight die Bühne. Das mag man in einem Film, der eigentlich um eine Frau geht, kritisch sehen. Aber für mich steht fest, dass Phoenix hier einen höchst interessanten Jesus präsentiert. Er füllt die Rolle mit einer Mischung aus permanenter Wut und Trauer, aber auch mit vielen freundlichen und gutherzigen Momenten. Phoenix' Jesus sorgt dafür, dass in seinen Szenen stets die Luft knistert und tatsächlich nimmt man ihm die härtere Gangart auch ab. Etwas kontraproduktiv ist höchstens die deutsche Synchronstimme, sowie manche Dialoge, die ein wenig weichgespült daherkommen. Da hätte man sich auch direkter am Bibeltext bedienen können, um besser auf den Punkt zu kommen.

      Durch die starke Präsenz von Jesus verlässt der Fokus Maria, was durch das dezente Spiel von Rooney Mara unterstützt wird. Dass man den Film hier angreift, kann ich verstehen, aber insgesamt ergibt sich für mich doch ein stimmiges Bild. Während die männlichen Jünger im Hinblick auf das Reich Gottes Umbruch und Aufstand, eben den großen Effekt erwarten, hört Maria als Frau in Ruhe zu und begreift, dass sich zunächst Menschen verändern müssen, bevor es Königreiche tun. Womöglich hätte man ihrem Charakter in der Mitte des Films trotzdem noch mehr offensichtlichere Entwicklung zugestehen können. Ein stärkerer Erzählfaden, der die einzelnen Szenen dramaturgisch geschmeidiger in Verbindung bringt, wäre ebenfalls nicht schlecht gewesen. Auf einen interessanten Nebenplot mit Petrus möchte ich dennoch hinweisen. Maria ist zusammen mit ihm auf einer Art Missionsreise. Dabei wird der Unterschied zwischen den beiden immer deutlicher und es wird außerdem klar, dass sich die Macher mit dem apokryphen Evangelium der Maria auseinandergesetzt haben. Darin werden Petrus und die Jüngerin quasi gegeneinander ausgespielt, wenn es um die Gunst Jesu, beziehungsweise das Verständnis seiner Botschaft geht. Ob ein apokryphes Evangelium viele Rückschlüsse auf historische Persönlichkeiten zulässt, ist fraglich. Allerdings wird dadurch deutlich, dass es in den frühen christlichen Gemeinden durchaus eine Diskussion um die Wertung des Petrus, beziehungsweise die der Maria gab.

      Der Film führt logischerweise nach Jerusalem und widmet sich dort zunächst der Tempelreinigung und dem Konflikt Jesu mit der religiösen Elite. Diese Szenen sind atmosphärisch sehr dicht, der Tempel wird bedrohlich inszeniert und Phoenix geht in seinen wütenden Momenten richtig auf. Man schafft es sogar zu vermitteln, dass es bei der Tempelreinigung nicht primär um eine Kritik an den Händlern geht. Jesus unterbindet mit seiner Aktion das aus seiner Sicht heuchlerische Sühneritual der Tempelpriester, bei welchem man im Prinzip gegen Geld seine Sünden los wird. Dies wird nicht wirklich in jeder Verfilmung deutlich. Ebenfalls in Jerusalem kommt eine neuartige Motivation des Verräters Judas zum Tragen. Im Film hat der Jünger seine Frau und seine Tochter verloren und verspricht sich vom nahenden Gottesreich ein Wiedersehen mit seiner Familie. Dementsprechend möchte er Jesus zum Handeln zwingen, indem er ihm seinen Feinden ausliefert. Man hat Judas zwar schon öfter mit interessanten, außerbiblischen Beweggründen ausgestattet, doch diese Sichtweise war tatsächlich erfrischend und menschlich gut nachvollziehbar.

      Am Ende geht alles recht schnell, fast schon zu schnell. Verhaftung und Hinrichtung geschehen in wenigen Minuten und ich muss gestehen, dass ich Phoenix' Jesus gerne als Angeklagten vor den religiösen und politischen Machthabern gesehen hätte. Doch der Film konzentriert sich – was wohl auch richtig ist – wieder verstärkt auf seine Protagonistin und lässt uns die letzten Stunden Jesu aus Marias Perspektive erleben. Seltsam wirkt nur, dass die Verleugnung des Petrus fehlt, wo der Film ansonsten doch sehr darauf bedacht ist, die Mängel der männlichen Jünger herauszuarbeiten. Im Zuge der Auferstehung wird Maria zur ersten Zeugin und Geburtshelferin der Kirche, was eine schöne Brücke zu ihrer Hebammen-Tätigkeit am Anfang des Films schlägt. Erwähnenswert ist auch die stimmige Verknüpfung mit dem Senfkorn-Gleichnis, nach welchem große Dinge einen kleinen, ganz unscheinbaren Anfang haben – eben ganz im Sinne von dem, was Maria vom Reich Gottes verstanden hat.

      Fazit: Der Film hat tolle Bilder und starke Darsteller, doch ich bezweifle, dass das einem Zuschauer reicht, der nicht religiös ist oder kein Interesse an Bibelexegese hat. In meinem Fall stehen die Dinge ja anders und ich kann dem Film – trotz einiger Stolpersteine – vieles abgewinnen. Er ist schön, unaufgeregt, ruhig, ein wenig meditativ und trotz der bekannten Geschichte hier und dort überraschend. Ich verteile knappe 8 von 10 Popcornguys!