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Too Old To Die Young (Nicolas Winding Refn, Miles Teller)

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    Es gibt 54 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Bavarian.

      Burning schrieb:

      The_Ghost schrieb:

      ich würde so langsam mal das Startdatum wissen :D

      14. Juni 2019!

      Trailer gibts auch noch:





      Endlich!

      Der Trailer sieht richtig gut aus, da habe ich definitiv Bock drauf!
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      The_Ghost schrieb:

      da habe ich definitiv Bock drauf

      Same! Refn tropft einfach aus jeder Pore dieses Trailers. Kann von mir aus auch gerne jetzt gleich losgehen.
      Mein Filmtagebuch



      „I think storytelling is all about children. We human beings love to hear stories being told - and it first happens when you're a kid.“
      - David Chase

      Erste Kritiken aus Cannes!

      Die ersten beiden Episoden liefen an und - jawohl - Refn spaltet mal wieder (ordentlich). :thumbup:

      Quelle: rottentomatoes.com/tv/too_old_to_die_young/s01
      Habe mir heute die ersten zwei Episoden angesehen und bin sehr angetan.
      Ein waschechter Refn was man hier bekommt und die Serie besitzt von Beginn an seine typische Sogwirkung. Dazu die langsame Art, die Figuren scheinen beinahe zu schweben, die behäbigen Dialoge die (mich) aber trotzdem fesseln, der hypnotische Score, die Lichteffekte, die pessimistische Grundstimmung, die Statisten die wie bewegungslose Skulpturen in der Gegend herumstehen und und und.
      Eine ganz gute Mischung aus seinen letzten drei Filmen würde ich mal spontan sagen.
      Bis jetzt leider noch kein nennenswerter Soundtrack alá Drive. Da hoffe ich das man noch das ein oder andere abgeranzte Lied zu hören bekommt.
      Mit 90 Minuten pro Episode recht lange. Gut, würde die Serie in normaler Geschwindigkeit spielen könnte man das wohl auch in 40 Minuten abhandeln, aber wo Refn draufsteht, ist eben auch Refn drin :P
      Finde das mit der Laufzeit aber gut, dieser Stil vom Dänen braucht das einfach.

      Wie gesagt, bis jetzt alles gut, auch wenn ich die zweite Folge nicht ganz so geil fand hat wie den Piloten, war aber trotzdem sehr sehenswert. Dazu hab ich Bock zu erfahren wie es weitergeht und werde bestimmt nicht lange warten, bis ich mit Episode 3 beginne.

      Ps. gegen 16 Uhr war es glaub ich als ich Folge 2 beendet habe und oben in der Amazon Bewertung hat die Serie zu diesem Stand 2 1/2 von 5 Sterne bekommen. Nach 2 Bewertungen.
      Wie gesagt, ein waschechter Refn halt :uglylol:

      Too old to Die Young

      Am letzten Montag habe ich dieses Meisterstück von einer Serie mit einem 4-Folgen Marathon abgeschlossen und bin noch immer hin und weg von dem, was ich da sehen durfte. Was für eine brutal geile Erfahrung. Ein Refn in Serienformat, der, ganz nebenbei bemerkt, für mich hier mal eben seine Bestleistung abliefert. Zwar war ich im Vorfeld nicht skeptisch dem gegenüber, hab mich sogar sehr darauf gefreut, aber die Hand hätte ich jetzt nicht dafür ins Feuer gelegt, dass der Stil über 10 Episoden funktioniert, oder ob es nicht doch irgendwann mich als Zuschauer ermüdet bzw. das Konzept über die komplette Laufzeit faszinieren kann.
      Aber dazu ein ganz klares Nope. Funktionierte perfekt.

      Über die Story möchte ich so wenig Worte wie möglich verlieren, da ich es gerade bei dieser Serie wichtig finde, so unvoreingenommen wie möglich an die Sache heranzugehen. Dazu wäre sie viel zu komplex und zu verstrickt und mit zu vielen Charakteren gespickt um dem Ganzen mit ein paar Worten gerecht zu werden. Nur soviel, Refn hat hier in meinen Augen was ganz eigenes geschaffen.
      Wie man es gewohnt ist setzt der gute Mann auf die "leisen" Töne, die aber gleichzeitig in gewissen Situationen so erbarmungslos in den Ohren dröhnen, dass fast schon körperlich wird. Der Spannungsaufbau ist immens und zieht sich durch die Episoden bis zum Schluss und irgendwann ist man soweit, dass man selbst in harmlosen Momenten fast permanent die Luft anhält weil man den Eindruck bekommt, dass etwas in selbiger liegt. Die Intensität ist sprichwörtlich atemberaubend, es könnte zu jedem Zeitpunkt etwas passieren und irgendwie hat man das Gefühl die Protagonisten schleichen über ein Pulverfass das jeden Moment droht hochzugehen, auch wenn man es selbst nicht genau greifen kann.
      Gleichzeitig versrpühen die Charaktere eine solche Engelsgeduld und bewegen sich selbst in den dramatischen Szenen wie in Trance durch die Kulissen, wirken dabei völlig emotionslos und sprechen nur die nötigsten Dinge. Das hat den ganz eigentümlichen Effekt, dass viele Dialoge im Grunde zwar nicht wirklich besonders gut geschrieben sind, aber dennoch fesseln wie in einem guten Kammerspiel.
      Es gibt ein paar wenige Momente, in denen sich manche Szenen zwar dann doch etwas ziehen und ein auch ein bisschen sperrig wirken, aber wenn man es schafft bei einer so langen Laufzeit (die meisten Episoden haben immerhin Spielfilmlänge) so wenige "Leerläufe" zu fabrizieren und das bei dieser Geschwindigkeit, ist das wahrlich keinen Minuspunkt wert.

      Begleitet wird das ganze mit dem Refn-typischen Synthie-Techno Score der in sehr vielen Szenen eingesetzt wird und gerade in der zweiten Hälfte greift man auch auf ein paar "richtige" Musikstücke zurück, die sich zum Teil so herrlich passend-unpassend einfügen, dass ich sogar einmal deswegen herzhaft lachen musste. Doch auch ganz oft, lässt man einfach die Stille sprechen und es ist trotzdem nicht leise.
      Apropos herzhaft lachen und passend-unpassend. Refn beschreitet ganz neue Wege, indem er auch einen äußerst skurillen Humor einsetzt, der mich auch an David Lynch und präziser, an Twin Peaks erinnern ließ. Sehr schön absurd und steht in einem harten Kontrast zu dem Rest was gezeigt wird. Witzige Passagen ist man vom Dänen zwar nicht gewohnt, aber wenn er sich diesen Humor beibehält, darf er den in Zukunft gerne öfters verwenden.

      Ganz groß war natürlich auch, und das war nicht anders zu erwarten, die Farbgestaltung. Diese bunten, stylischen Neonlichter die aber gleichzeitig extrem farblos und bedrückend wirken, wurden wieder genial eingesetzt und machten die Serie zusätzlich zu einem optischen Genuß. Mal subtil im Hintergrund, mal knallhart eingesetzt sodass es das ganze Bild ausfüllt und denrSzene einen ganz anderen Touch verleiht. Man verließ sich aber nicht nur auf die Farben sondern setzte auch andere optische Highlights die einem in regelmäßigen Abständen serviert wurden und das Ganze noch besonderer machten, wobei ich darauf auch nicht näher eingehen möchte.

      Die Schauspieler machten allesamt verdammt viel Spaß und eine verdammt gute Figur. Zwar könnte man behaupten, dass sie nicht viel zu tun hatten, da die meisten wie Schaufensterpuppen komplett emotionslos zu sein schienen und ihre Gesichtsmuskeln die meiste Zeit schonen konnten, aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lieferten alle eigentlich eine richtig gute Show ab. Hinter den versteinerten Mienen spielte sich um einiges mehr ab, dass Timing stimmte immer und es passte ganz einfach perfekt.
      Von Miles Teller war ich bisher nie ein großer Fan. Das er spielen kann hat er schon vorher bewiesen, aber trotzdem sah ich ihn bisher nicht so gerne. Irgendwie schien mir seine Nase nicht zu passen. Wie dem auch sei, für eine Refn Produktion ist er wie gemacht und hier hatte ich wirklich Spaß ihm zuzusehen und war sehr fasziniert von dem, was er gezeigt hat. Er kam mir hier auch viel gereifter vor als wie er z.B. in Whiplash war, obwohl er auch dort richtig stark gespielt hat. Die Rolle hatte er sich regelrecht einverleibt und hier passte auch seine Visage wie die Faust auf´s Auge. Gute Wahl.
      Extrem begeistert war ich von Cristina Rodlo, die ich vorher nicht kannte. Eine sehr geile Rolle hat sie spendiert bekommen und wenn sie im Bild ist, reißt sie fast jede Szene an sich, wechselt sich aber in der Hinsicht gut mit Augustu Aguilera ab, mit dem sie richtig gut harmoniert.
      Dazu gesellen sich noch John Hawks mit der für mich sympathischten Rolle und Jane Malone die ich immer gerne sehe und auch die beiden enttäuschen nicht.
      Der Cast ist verdammt stark gewählt.

      Es war echt krass wie schnell die 10 Episoden, 9 mit Überlänge, an mir vorbeigerast sind. So eine faszinierende und einnehmende Serienproduktion habe ich schon lange nicht mehr (oder überhaupt noch nicht?) gesehen und hat mich von Anfang bis Ende abgeholt. Ich mochte Refn schon vorher sehr gerne und jetzt hat er mich auch so weit, dass ich jedes zukünftige Projekt ohne den Hauch eines Zweifels sichten werde (auch wenn ich mit Only God forgives nichts anfangen kann). Immer schön zu sehen wenn ein Regisseur Film/Serie als Kunst sieht und auch spürbar Freude daran hat, die Möglichkeiten die ihm zur Verfügung steht voll auskosten möchte. Und besonders schön, dass seine Art des Filmemachens wohl ausreichend Anklang gefunden hat um diesen fortzuführen.
      Dieser hypnotischer Stil, die neuen, humoristischen Wege, die Musik, die Darsteller, die Story, die dynamische Trägheit und dieser erbarmungslose Spannungsbogen runden ein perfektes Serienerlebnis einwandfrei ab.
      Ich habe hier absolut nichts zu meckern und dazu hat Too Old to Die Young noch dieses gewisse Etwas. Ganz großes Kino. :thumbup:

      10 von 10 Punkten

      Nicolas Winding Refn führt uns in Too Old to Die Young wieder einmal in die niedersten Abgründe der menschlichen Seele und zeichnet dabei eine zutiefst nihilistische Welt. Die Reise durch die Unterwelt von Los Angeles verkommt zu einer albtraumhaften Odyssee aus Blut und Neonlichtern. Die Stadt, die in TOTDY gezeigt wird, präsentiert sich wie ein Los Angeles aus der Hölle. Es gibt keinen normalen Ort zu sehen. Verlassene Gebäude, Wüsten oder zwielichtige Gassen sind die Hauptschauplätze und wirken glatt wie das Innenleben der Charaktere.
      Die Charaktere lassen keine Bindung oder Sympathie zu und sind im Kern lebensmüde Gestalten.

      Too Old to Die Young stellt die Kulmination von Refn’s Werk seit Drive dar. Die Serie ist unglaublich langsam erzählt, teilweise scheint die Handlung in Zeitlupe abzulaufen oder gar stillzustehen. Manche Szenen fühlen sich auf eine gewisse Art und Weise unerträglich an, da der Zuschauer schon lange weiß, welch unausweichliches passieren wird und Refn das gezeigte gnadenlos in aller Langsamkeit voranschreiten lässt.
      Ohnehin zelebriert TOTDY das langsame erzähle, es ist sogar das wichtigste Stilmittel. Auf dem ersten Blick scheint TOTDY nicht viel zu erzählen, fast schon eine klassische Krimigeschichte zu sein. Jedoch erzählt die Serie ihre Geschichte fast ausschließlich nonverbal. Das Narrativ sind die Bilder und die Symbole, die ihnen inhärent sind. Der Stil, der sich hier aus Bildkompostionen, Beleuchtung, Farben und Musik zusammensetzt, wird hier zur primären Erzählform.

      Too Old to Die Young sieht umwerfend aus. Die Bilder, die Refn und die Kameramänner Darius Khondji und Diego Garcia kreieren, sind faszinierend und wunderschön. Sie wirken nahezu wie Gemälde. Vermutlich ist TOTDY die visuell beeindruckendste Serie, die ich bislang gesehen habe. Die Bilder, die Beleuchtung, der Sound und die Kameraarbeit verbinden sich zu einem fantastischen Kunstwerk. Cliff Martinez‘ elektrisierender Score untermalt das gezeigte mit passenden und tollen Klängen.

      Mit Too Old to Die Young liefert Refn eine tolle und eigenwillige Serie ab, in der er seinen Stil gnadenlos auslebt. Jedoch ist die Serie, wie auch seine Werke zuvor nicht für jeden geeignet und ziemlich sperrig. Wer sich darauf einlassen kann und Geduld mitbringt, erlebt eine außergewöhnliche und faszinierende Serienerfahrung, die viele Highlights bietet. TOTDY zeigt z.B. einer der gelungensten und ungewöhnlichsten, weil auch entschleunigten, Verfolgungsjagden der letzten Zeit.
      Amazon ist es hoch anzurechnen, dass sie mutig waren, Refn grünes Licht für eine Serie zu geben, die vollkommen konträr zu den eigentlichen Serien der Streamingdienste ist.

      9/10
      Ich hab mich erst mit The Neon Demon so gänzlich in Refn verliebt und mit TOTDY steigt er noch weiter in meiner Gunst. Elektrisierend und bedeutend. NWR ist ein Meister der Farben, der Ästhetik und der Stimmungen. Den Inhalt hier nun aufzuarbeiten, würde gerade meinen Zeitrahmen sprengen, doch was ich sagen kann: Ich habe massiv viel entdecken können. Sicher - die Serie ist oftmals sperrig, unzugänglich und durchaus anstrengend, doch große Kunst kann und darf fordern. Solch geballte exzentrische Kunst gab es in diesem Ausmaß seit Twin Peaks S3 im Serienunversum nicht mehr und ich bin einfach froh, dass es diese Serie bzw. diese "Filme" gibt.






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