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Avengers: Endgame

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      Tony Stark trifft in geschnittener Szene seine Tochter wieder.




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      5. Juni 2020


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      Nach etlichen Monaten habe ich mir die Tage jetzt auch mal Avengers: Endgame gegönnt. Und nach so vielen Jahren, so vielen unterschiedlichen FIlmen mit Ups und Downs, passt es irgendwie, dass nach dem stärksten Marvel-Film (Infinity War) einer der eher schwächeren FIlme folgt. Damit will ich nicht sagen, dass Endgame per se schlecht ist: Es gibt einige Elemente, die ich absolut fantastisch finde. Aber ebenso viele wenn nicht sogar mehr Momente, bei denen ich mich frage ob die gleichen Personen hinter den Kulissen beschäftigt waren, wie im inhaltlichen Vorgänger.

      Ich trenne das der besseren Übersicht in ein paar Punkte auf und setze alles in Spoiler-Tags (damit es verbirgt, wie viel Text ihr eigentlich hier vor euch habt :uglylol: ).

      Plot

      Spoiler anzeigen


      Der Plot von Infinity War war grandios, weil trotz der Masse an unterschiedlichen Fäden, die man bis dahin aufgesponnen hat, er so unglaublich simpel und einnehmend war. Alle Superhelden der Galaxie, die wir bis dahin kennengelernt haben, werden aus unterschiedlichsten Gründen in die Jagd nach den Infinity Stones verwickelt, weil eine unglaubliche, antagonistische Kraft alle motiviert oder antreibt (je nach Standpunkt). Auf diese Weise machen die insgesamt vier verschiedenen Plotebenen (Thanos, Thor/Rocket, Rest der Guardians+Stark/Spider-Man/Strange und Rest der Erde) in paralleler Erzählweise Sinn und erzeugen eine vollgestopfte, aber nachvollziehbare Struktur.

      Der Plot von Endgame hingegen...könnte besser sein. Er ist sicherlich ebenfalls sehr simpel gehalten, und trotz Zeitreise-Thematik mittendrin auch nicht zu überladen. Allerdings fühlt sich der Film von seinem Ton her wie ein Puzzle aus drei verschiedenen Filmen an.

      1.Teil

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      Der Beginn ist fantastisch, die Atmosphäre sowohl bei der "finalen" Konfrontation mit Thanos als auch über weite Strecken bis zum Beginn der Zeitreise ist sehr intensiv. Ich verstehe, wenn manche hier Probleme mit dem Pacing haben, da die Geschwindigkeit in der "Welt nach dem Snap" schon stark heruntergefahren wird. Sofern man Infinity War und Endgame als einen Film betrachtet, passt dieses Tempo allerdings und macht strukturell auch Sinn. (Ich bin persönlich allerdings kein Fan davon beide Filme als Gesamtwerk zu betrachten, aufgrund der Probleme im direkten Vergleich, die noch folgen werden.)

      Ich mag die Auszüge der Welt, die wir da sehen. Das Wandern von Scott durch die Straßen und das Gedenkmahl, Tonys neues Leben in Abgeschiedenheit, Cap, Natascha, und allen voran Ronin-Hawkeye...ja selbst ein wenig den Dude-Thor kann ich im Zuge seiner "Niederlage" gegen Thanos verstehen (auch wenn das andere Probleme mit sich bringt). Aber ich hätte mir liebend gerne mehr von genau dieser Welt gewünscht.

      Aber wenn man nachdenkt, beginnt es zu brökeln. Warum zeigt man uns einen gewaltigen Fortschritt in Banner/Hulks Leben nicht? Ich habe nicht gegen diese Darstellung des Hulks, auch wenn sein Humor teilweise zu zahm war. Aber nach Avengers I und II, wo aus dem Zwiespalt aus schwachem, aber hochintelligentem Menschen und der gewissenlosen Kampfmaschine (mal polemisch ausgedrückt) für einen Side-Character sehr viel herausgeholt wurde, wirkt es extrem unbefriedigend, wenn die Auflösung dieses wichtigen, inneren Konflikts im Off geschieht.

      Im direkten Vergleich wirken die Momente mit Scotts Befreiung aus dem Quantum Realm aufgrund einer zufällig kletternden Ratte (Zufall und Plot Convenience) sowie die Rettung von Stark und Nebula durch Captain Marvel (Deus Ex Machina) beinahe schon zahm.

      Ansonsten kann ich dem ersten Teil - im Grunde alles vor der Mission die Steine in der Vergangenheit zu organisieren - viel abgewinnen. Ein wundervoller Moment zwischen Scott und seiner Tochter, der zeigt, was Ant-Man und sein Nachfolger trotz aller Längen korrekt gemacht haben. Und ein unglaublicher Moment, wenn Hawkeye in der Zeit zurückreist, gerade WEIL man seinen Verlust erst eine halbe Stunde zuvor miterlebt hat. Und auch der Humor ist meistens gut (wenn auch oftmals zu sehr in die Länge gezogen).



      2.Teil

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      Mit dem Mittelpart des Films biegt der Film komplett ab in den Fanservice. Kein Zweifel, es ist unglaublich unterhaltsam gewesen die Momente aus verschiedenen FIlmen aus einem "anderen" Licht zu sehen, wobei ich mir da auch mehr gewünscht hätte an Verflechtung als "nur" der Cap vs. Cap-Fight.

      Das Problem für mich ist, das abseits der drei großen Mains (Cap, Thor, Stark) kaum relevante DInge passieren. Cap wird noch einmal an seine Peggy erinnert, Tony bekommt seinen Moment mit seinem Vater und Thor's DIalog mit seiner Mutter ist der intensivste Thor-Moment des Films. Aber sonst? Wir bekommen Fanservice über Fanservice, in dem wir Szenen aus anderen Perspektiven miterleben und Charakter-Cameos unterschiedlicher Art sehen, beides teilweise garniert mit humorvoller Auflockerung.

      Hulks Dialog mit "Die Älteste" hingegen wirkt wie eine spätere Rechtfertigung für Steves Rückreise in die Vergangenheit. Sie werfen die Theorie der mehrfachen Dimensionen auf und werden dann dafür gemaßregelt, genau diese alternativen Zeitlinien zu erschaffen. Das Problem ist: Nicht nur die Entfernung der Steine sorgt für einen solchen Split-Effekt, sondern natürlich auch die eintretenden Veränderungen wie beispielsweise Lokis Flucht (mit Tesseract wohlgemerkt), Thors "Diebstahl" des Hammers oder das simple "Hail Hydra" von Cap im Aufzug. All dies lässt sich durch eine Rückkehr der Steine nicht wieder gerade rücken (was im ersten Fall natürlich zu Loki auf DIsney+ führt :nono: ). Aber auch die Rückgabe der Steine ist ein wenig grotesk, wenn man darüber nachdenkt, vor allem in zwei Fällen: 1. Rocket entnimmt Jane einen Stein, aber Cap injiziert ihn wieder...seltsame Vorstellung, dass Cap so "locker" auf Asgard geheim unterwegs ist.. 2. Der Soul-Stone wird bewacht von...Red Skull... Captain America trifft also auf seinen ersten großen Gegner und...tjoa...das wäre Stoff für noch eine Disney+-Serie.

      Speaking of the Soul Stone: DIe Szene zwischen Hawkeye und Black Widow, ihr Kampf um das "Opferrecht" wirkt leider sehr konstruiert. Sie sollen Opfern, was sie am meisten lieben, was bei Hawkeye im Grunde nicht mehr geht und auch bei Natascha bestenfalls hingedreht werden kann. Mein Problem ist dabei nicht die Plot Convencience darüber, dass sie halt passenderweise sich gegenseitig "lieben", sondern dass es ein SELBSTopfer wird. Beide wollen springen, um sich FÜR den anderen bzw. die anderen zu opfern. Auch der finale Moment ist kein "Einssehen" von Hawkeye, dass es richtig ist Widow fallen zu lassen, sondern eine bewusste Entscheidung von ihr. Im Kontrast zu Thanos, der mit Gamorrhas Opfer die Entscheidung trifft, etwas für IHN wichtiges zu opfern, wird es hier komplett umgedreht. Ich stell nicht die Frage ob es geht, aber dadurch hat die Szene - grade weil wir an derselben Stelle bereits ein Opfer hatten - bei weitem nicht den emotionalen Impact. Einzig der Dialog danach am Seeufer bringt hier Gewicht ins Spiel, aber bei Weitem nicht so viel, wie der Anblick zu sehen wie weit Thanos ist zu gehen für seine Ziele.

      Gleichzeitig dient der Mittelteil dazu, um für den letzten finalen Akt die Schachfiguren richtig zu stellen. Ich mag die Idee, dass sich beide Nebulas miteinander verbinden und somit den Vergangenheits-Thanos auf den Plan rufen. Auch das Abrufen der Erinnerung, so wie die emotionale Komponente gerade in Vergleich zwischen beiden Nebulas gefällt mir. Echte Probleme bringt dies erst für den finalen Teil des Films.




      3.Teil

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      Und da sind wir, im Abschnitt wo ich strukturell die meisten Probleme habe, weil ich einerseits unglaubliche Momente erleben durfte (allen voran alles mit Tony Stark), andererseits aber auch unglaublich oft nur mit dem Kopf schütteln konnte. Beim Plot selbst habe ich nicht sooo viel auszusetzen, die größten Probleme ergeben sich hier in den Charakteren und die Inszenierung des Films, weswegen ich es an dieser Stelle kurz mache:

      Nach dem langsamen Einstieg und dem relativ abwechslungsreichen Mittelteil wirkt das "Endspiel" von Pacing und Inhalt extrem schnell und von der Stimmung her komplett fremd. Entgegen mancher Logiklöcher, die ich hier nicht wirklich ausheben möchte, mochte ich den extremen Bruch zwischen "Haben wir es geschafft?" und aufkeimender Hoffnung in Gestalt von Scott sowie der visuell implizierten "Vernichtung" der Avengers und anschließender Schlacht.








      Charaktere

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      Endgame zeigt, dass die ersten drei Phasen des MCU vor allem einen Mann im Zentrum stehen hat: Tony Stark aka Iron Man. (Und nachdem was ich von Far From Home bisher weiß, scheinbar auch dort wichtig wird)

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      Ich mag die Poesie, die sich hier ergibt. Der erste Film handelt davon, wie ein arroganter, egozentrischer Mann seinen eigenen Wert erkennt, nachdem er beinahe stirbt. Er setzt sein Wissen und seine Ressourcen ein, um Gutes in der Welt zu bewirken und am Ende stirbt er für den großen hereoischen Akt und die Menschheit. Passend dazu kommt sein Zitat "I am Iron Man" an einer unglaublich wuchtigen Stelle und seine kleineren Arcs (Vater einerseits, Vaterfigur andererseits als Beispiel) kommen zu einem guten Ende.


      Zweiter Main ist natürlich der Anführer Steve Rodgers, der im Grunde genauso endet, wie er das MCU begonnen hat.

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      Der erste Captain America war in Ordnung, gut geschrieben, aber insgesamt sehr arm an Höhepunkten. Und über alle Filme hinweg bin ich nie so richtig warm geworden mit ihm, weswegen sein Ende hier mit der Rückkehr in ein "normales" Leben auf der richtigen Note endet. Kein Bombast wie bei Tony, dafür die Erfüllung einer Sehnsucht, die sich das Symbol für Krieg verdient hat.


      Und dann ist da Thor, bei dem ich einfach nicht schlau draus werde.

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      Er hat eindeutig kein ENDE per se bekommen, weil er sich noch mittendrin in der Entwicklung befindet. Das Problem: Thor entwickelt sich nahezu immer weiter (Thor 1 und 3), um dann wieder zurück zu fallen auf eine andere Form seines alten Status Quo. Im ersten Thor musste er sich als würdig erweisen und hat auf diese Weise seine Rolle in Asgard gefunden. Dazwischen ist er ein wenig schwankend, aber große Änderungen hat er in Avengers+ The Dark World+ Age of Ultron nicht zu verzeichnen. Erst mit Ragnarök wird durch die Zerstörung des Hammers wieder ein Arc in Gang gesetzt, wo im Grunde wieder sein Selbstbild wankt. Hier wird im Grunde derselbe Arc in anderer Form wiedergekäut, wogegen ich prinzipiell nichts habe...aber mit Infinity War+Endgame geschieht dies ein drittes Mal.

      Auch in Infinity War wird sein Selbstverständnis auf die Probe gestellt. Der mächtige Gott, gerade erst mit einem neuen Powerboost nach dem Ende von Ragnarök gesegnet, wird erneut in die Schranken gewiesen. Diesmal auf andere Weise, diesmal ist es eine zu mächtige Kraft, die ihn zurecht stutzt. In Infinity War ist er sich sicher, dass ein neuer Hammer das Problem löst, was - Überraschung - nicht klappt. Der Beginn von Endgame unterstreicht das noch, wie sich trotz seiner Stärke eine klare Niederlage ereignet. Endgame führt dies dann fort, in dem sie Thor im Zeitsprung noch weiter degenerieren lassen und all das aufgebaute Vertrauen in sich komplett demolieren. Erst zum Ende hin richtet er sich (nach Gespräch mit der Mutter) wieder auf und beginnt mit kleinen Schritten wieder zurückzufinden.

      Ich finde den Faden keineswegs schlecht, auch wenn ich Probleme mit dem Humor aus Ragnarök oder hier in Endgame habe (bin dahingehend auf Guardians gespannt, weil er in Infinity War super in dieses Team passte). Mein Manko besteht darin, dass der Arc noch immer nicht abgeschlossen ist. Die Demontage über Infinity War+ 20 Minuten Endgame haben bisher nur zur Realisierung geführt, dass er seinen Platz noch immer nicht gefunden hat. DIe Entscheidung am Ende den Thron an Valkyrie zu übergeben ist der erste Schritt, aber keine Auflösung für seine Entwicklung. Auch die Guardians werden nicht als Ende seines Weges stilisiert, weswegen wir hier nun in der Luft hängen und auf Guardians 3 und/oder Thor 4 warten müssen.

      Dies ist schlimmer als jedes Disney+ Getease wie bei Loki oder Falcon, weil es einen kompletten Charakter für das FInale eines drei Phasen andauernden Zyklus komplett in der Luft hängen gelassen wird. Dies ist beinahe schon enttäuschend. Da wir zudem dreimal einen ähnlichen Bogen mit Thor verfolgen (oder viermal wenn man Infinity War als einzelnen Arc betrachtet), kommt hier einfach eine gewisse Beliebigkeit rein und mein persönliches Investment in den Charakter sinkt.



      Ich weiß allerdings nicht, ob nicht doch eher der Hulk schlimmer dran ist. Er hat einerseits eine Humor-Therapie bekommen wie Thor, andererseits wird jegliche Charakterentwicklung komplett im Zeitsprung verborgen. Das ist ungemein ärgerlich, gerade weil in Infinity War mit der Angst von Hulk vor Thanos ein sehr interessantes Faß aufgemacht wird. Wie endet dieser Konflikt, wie kommt es, Bruce und Hulk eine innere Übereinkunft haben? Ich habe hier so viele Fragen, die zwingend eine Antwort fordern. Aber die Filme geben das nicht her. Hier wurde die Technik des Zeitsprungs extrem schlecht genutzt, weil hier zentrale Konflikte des Charakters einfach übersprungen werden.

      Aber auch hier - über den Humor von Hulk und Thor kann ich hinwegsehen. Kaum etwas ist so subjektiv wie Humor. Was aber nicht geht, wenn Humor eingesetzt wird, während eigentlich emotional wichtige Momente geschiehen. Deswegen möchte ich vor dem Antagonisten noch Peter Quill einen Abschnitt widmen.

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      Starlord hat sehr wenig Screentime. Kein Wunder, er verpulvert genauso in Staub wie die Hälfte der Galaxis. Doch während beispielsweise Spider-Man einen emotionalen Moment mit Tony (also für Tony) geschenkt bekommt mit dem Wiedersehen, verpassen die Writer bei Quill extrem viel Momentum.
      Da wäre einerseits die Tatsache, dass diese Schlacht das erste Mal ist, das Quill nach seiner Entführung wieder auf die Erde zurückkehrt. Dieser Moment MUSS in irgendeiner Weise emotionale Bedeutung haben, aber abgesehen von ein wenig Action und die Szene, auf die ich gleich eingehe, sehen wir ihn bei der Trauerfeier von Tony und dann direkt bei der Vorbereitung auf Abflug into Space. Ich empfinde das als Problem und in der Theorie als einen großen inneren Konflikt nach Vertrauen (Guardians) und Vaterfiguren (Guardians 2) sowie dem Verlust von Gamorrha (Infinity War).

      Ich verstehe, dass man Gamorrha in der Form, wie Peter sie kennt nicht zurückbringen kann. Dass man daher auf die "alte Gamorrha" zurückgreift, also jene vor ihrer Guardians-Zeit, ist verständlich. Ihr Wiedersehen artet aber dementsprechend aus. Peter (dessen Wut über ihren Tod mitschuld an der Eskalation von Thanos in Infinity War trägt) sieht sie wieder im Glauben sie verloren zu haben. Emotionaler Moment, der verständlicherweise brutal und somit mit einem ironischen Unterton von Gamorrha zerstört wird. Bis hierhin gehe ich mit, es setzt Tragödie auf für Guardians 3 und passt in die Zeichnung der Charakter. Aber hier ist die Szene nicht zu Ende. Dann reden Gamorrha und Nebula noch über ihn, u.a. mit dem Aussage "Entweder ihn oder ein Baum". Dieser Witz, der hier weitergetrieben wird, zerstört das emotionale Gewicht und die bittersüße Ironie der Rückkehr von Quills Liebe zu Gamorrha komplett. Hier hatten die Autoren KEINERLEI Gespür für das Timing und es vergisst zum Wohle eines Lachers die bis dahin aufgebaute Beziehung sowie den emotionalen Ausbruch aus dem direkten Vorgänger (mitunter stärkste Szene des FIlms, wie ich finde).


      Und zu guter Letzt Thanos. Seine Darstellung hier lässt mich daran zweifeln, ob die Macher wirklich dieselben sind wie bei Infinity War. :crashed:

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      Infinity War-Thanos ist der größte Bösewicht des gesamten MCU. Ich mag Loki und Zemo sowie die Symbolik hinter Ego und dann kommen ganz lange keine guten Bösewichter (wenn man die Netflix-Serien weglässt), aber Thanos ist grandios. Dies liegt selbstverständlich auch an seiner Inszenierung mit dem Löwenanteil an Screentime. Endgame-Thanos hingegen ist nicht bloß auf dem Reset-Knopf gewesen, sondern streckenweise umgeschrieben. Ich mag die Idee, dass man aus ihm durch die "Botschaft" aus der Zukunft, die durch Nebula von sich selbst erhält, noch mehr an "It's my destiny" glaubt. Aber E-Thanos lässt jede Tiefe vermissen, die IW-Thanos so ausgemacht hat.

      Ja, E-Thanos hat nicht dasselbe durchgemacht. Er hat nicht Gamorrha geopfert wie IW-Thanos. Gleichzeitig hat er aber auch noch nie direkten Kontakt mit der Erde gehabt - und dies wäre wichtig, um eine plausible Erklärung für seinen Wandel zu haben. IW-Thanos glaubt an die perfekte Balance und will das Leben schützen, indem er Leben auslöscht. Dies zieht IW-Thanos bis zum Schluss durch, stirbt beinahe und zerstört Wochen später die Infinity Stones auf Kosten der eigenen Gesundheit, weil sie zu mächtig sind. E-Thanos hingegen wird sicherlich dieser Philosophie folgen, wir wissen schließlich aus Infinity War, dass IW-Thanos der jungen Gamorrha diese Geschichte der Balance erzählt. Innerhalb des Endkampfes mit Thor+Cap+Iron Man wechselt aber seine Motivation innerhalb kürzester Zeit von "Leben retten durch Leben opfern" in "Leben zerstören, um neues Leben zu erschaffen". Der Wandel wäre nur dann nachvollziehbar, wenn E-Thanos eigentlich IW-Thanos wäre, also mit all dem Wissen der Kämpfe auf der Erde und Titan usw. Wenn IW-Thanos trotz aller Mühen, trotz all dem Erreichten immer noch von den Helden verfolgt und diese SEIN Schicksal nicht akzeptieren, kann ich mir diesen Wandel sehr gut vorstellen. Aber IW-Thanos hat die Steine zerstört und wird getötet. E-Thanos tritt an seine Stelle und zettelt einen Krieg aus einer komplett neuen Motivation an (ganz zu schweigen davon, dass er komplett passiv wird).

      Durch IW-Thanos wissen wir, was Jeder-Thanos in der Vergangenheit als Ziel hat. Mit der komplett anderen Herangehensweise an E-Thanos führen die Autoren Infinity War ad absurdum, weswegen ich beide FIlme getrennt voneinander betrachten würde. Würde ich sie zusammen nehmen, würde einer der besten Action-Filme aller Zeiten komplett an die Wand gefahren.



      Über Captain Marvel will ich nicht groß reden. Ihr Solo-Film war meh und hier wirkt sie wie ein Fremdkörper. Was soll man mehr sagen, außer dass sie nur dazu da ist, damit Tony und Nebula schnell nach Hause kommen und für einen weiteren Deus Ex Machina-Moment?




      Inszenierung

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      Hier sind es eher kleinere Probleme, die ich mit dem Film habe, weil sich mein persönlicher Frust vor allem auf die Charaktere bezieht. Doch die Aufteilung mit sehr starkeen Fokus auf Drama im ersten Teil, Momente im zweiten und Action im dritten Teil von Endgame lassen den FIlm bruchstückhafter wirken, als er eigentlich ist. Auch das Color Grading der FIlme ist schon länger ein Problem und würde ich daher "vernachlässigen".

      Schade finde ich nur, dass der Fanservice von den Charakteren in Infinity War zu den Erinnerungen an das MCU hier in Endgame switcht. Thor erstmals bei den Guardians zu sehen war fantastisch, Tonys und Stranges Kabbeleien sowie später die AUseinandersetzung mit Teilen der Guardians wirken frisch und im Grunde nach genau dem, was das Fanherz begehrt. Kleinere Shots wie Bucky, der Rocket wie eine Waffe herumzielt, wirken keineswegs aufdringlich, sondern fügten sich in Infinity War nahtlos ein. Was haben wir hingegen in Endgame? Ein guter Moment, wenn Captain America sich des Hammers würdig erweist. So wie getrennt voneinander abspielende Actionszenen verschiedener Helden, damit diese bloß alle Mal einen Moment haben.

      Inszenatorisch am schlimmsten fand ich den Woman-only Shot. Ich finde einen Großteil der weiblichen Heldinnen toll, aber so ein herauszoomen war keineswegs notwendig und wirkt eher an eine Anbiederung an die aktuellen Strömungen des Marktes, als an eine organische Einflechtung der Thematik.



      Jetzt kurz vor Schluss, nachdem ich durch das Schreiben dieser zahlreichen Zeilen meine Gedanken zum Film sortiert habe, ist es interessant zu sehen, wo ich jeweils gelandet bin. Im großen und Ganzen bin ich enttäuscht von Avengers: Endgame, weil mich vor allem die Charaktere im MCU in ihren Bann gezogen haben. Und wenn ich abgesehen von zwei Figuren keine guten Charaktere hier vorfinde (ganz im Gegensatz zu Infinity War), nach nun 22 FIlmen voll interessanter Charaktere, ist das traurig.

      Selbst die schwächeren Marvel-Filme wie Ant-Man II oder Thor II konnten irgendwie noch durch eben diese Charaktere punkten, weil die Marvel-Formel des Storytelling dem Protagonisten am meisten Raum gibt. Deswegen war Infinity War so frisch, weil es statt dem Protagonisten dem Antagonisten diese Rolle zukommen ließ. Endgame hingegen ist in der Summe nicht der krönende Abschluss, den ich mir nach Infinity War und all den anderen Filmen erhofft habe.

      Ich glaube was mich am meisten enttäuscht hat war, dass der Film die Charaktere nicht mehr durcheinandergewürfelt hat. Gewöhnlich sind die Filme dann am besten, wenn man Charaktere miteinander interagieren sieht, die vorher noch nicht viel miteinander zu tun gehabt haben. Infinity war hatte massig davon. Endgame praktisch gar nichts. Aber die Momente die da waren (Tony und Nebula, Carol und Thor, Nebula und Rhodey, Ant-man mit allen) waren die besten im Film. Mit Abstand.

      Und das Ende für Cap ist just BS. Das für Black Widow auch.