American Honey (Andrea Arnold, Sasha Lane, Shia LaBeouf)

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    Es gibt 27 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Hockenberry.

      American Honey (Andrea Arnold, Sasha Lane, Shia LaBeouf)

      Wie viele Punkte verdient American Honey? 3
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      "American Honey"

      Jahr: 2016
      Regie: Andrea Arnold
      Genre: Sozialdrama / Coming of Age / Roadmovie
      Land: USA, UK
      Cast: Sasha Lane, Shia LaBeouf, Riley Keough...





      Inhalt: Die achtzehnjährige Star (Sasha Lane) lebt in prekären Verhältnissen in Oklahoma, nachdem ihre Mutter es vorgezogen hat, ein Leben ohne ihre Tochter zu führen. Gemeinsam mit ihren beiden Halbgeschwistern fristet Star ein trauriges Leben bei ihrem Stiefvater, der nicht davor zurückschreckt, sich der jungen Frau in sexistischer Weise zu nähern. Als sie Jake (Shia LaBeouf) trifft, einen jungen Mann, der mit einer jugendlichen Drückerkolonne durchs Land reist, schließt sie sich der Gruppe kurzerhand an. Gemeinsam beginnt ein Roadtrip durch den Mittleren Westen. Tagsüber versuchen die Jugendlichen bei Haustürgeschäften Zeitschriftenabonnements zu verkaufen, die Nächte verbringen sie mit Alkohol und Partys.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „-Makaveli-“ ()

      Wow, okay. Mit einer solch hohen Qualität habe ich zugegeben nicht gerechnet. American Honey, der Bonny & Clyde und Easy Rider unserer Generation? In mancherlei Hinsicht, ja, aber dann doch nicht so wirklich. Der überlange Film ist eine in meinen Augen immens überzeugende Abhandlung mit dem diffusen Prozess des Erwachsenwerdens. Wobei der Film immer wieder unterschwellig betont, dass dieser Prozess eigentlich nie wirklich aufhört. Das verspielte, hoffnungsvolle Kind auf der einen, der mahnende Erwachsene auf der anderen Seite, Freiheit versus Verantwortung und das High Life im Konflikt mit Existenzsorgen. Licht und Schatten, egal wo die Kamera gerade hinhält.

      Arnold verarbeitet hier ein Road-Movie-like Drama über Selbstfindung, taucht auf diesem Trip in verschiedene soziale Milieus ein und setzt sich dabei auf eine losgelöste Art und Weise mit damit einhergehenden Ausprägungen auseinander. Und das alles derart gekonnt subtil, in einem völlig selbsterklärenden Erzählfluss - sehr, sehr geschickt. Einerseits hat der Film eine beklemmende und recht unangenehme Aura, doch immer wieder durchbrechen Hoffnungsschimmer die Tristesse, was dem Werk eine relativ melancholische und trostspendende Note verpasst. Exzellente Stimmungen und Bilder sowie ein geschickter Musikeinsatz lassen die stolzen 160 Minuten überraschend zügig vorbeirauschen.

      Wie bereits bei Xavier Dolans Mommy wird auch hier auf ein quasi-quadratisches Format gesetzt und der charakterfokussierende Effekt konnte mir auch hier imponieren. Damit diese Rechnung aufgeht, bedarf es aber gewiss ein zünftiges inszenatorisches Niveau, welches hier definitiv vorzufinden war. Dabei hätte man sich sicherlich zu Genüge (im typisch-breiten Format) an den beeindruckenden Landschaften ergötzen können, die doch theoretisch so prädestiniert für Road-Movies sind, doch diese Komfortzone gönnt sich Amerian Honey nicht. Der eine oder andere mag sich darüber beschweren, dass der Film mit seinen knapp drei Stunden zu lang geworden ist. Ja, doch - freilich hätte der Film seinen Plot auch in zwanig Minuten weniger abhandeln können, jedoch empfand ich die gewisse Behäbigkeit äußerst zielführend und charismatisch. Lege dem Werk keine seiner Minuten als langatmig aus - ganz im Gegenteil...

      Ansonsten: Authentisch gespielt und superb fotografiert. Womöglich nicht jedermanns Fall, doch zumindest von mir gibt es eine dicke Empfehlung.

      8 / 10

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Bavarian“ ()

      Wer will schon Amerikanischen Honig? Voll mit Glyphosat.

      Da du @Bavarian meine Beiträge ja gewissenhaft verfolgst, hast du bestimmt mitbekommen, dass der Film letztes Jahr in meiner Top 10 gelandet ist. Muss ja wohl als Werbung reichen :D


      "No form of art goes beyond ordinary consciousness as film does,
      straight to our emotions, deep into the twilight room of the soul.
      "
      Ingmar Bergman
      Mein Glauben an die MI-nschheit kehrt langsam zurück. <3

      Wucki schrieb:

      hast du bestimmt mitbekommen, dass der Film letztes Jahr in meiner Top 10 gelandet ist.


      Ich erinnere mich, als wäre es heute - ja. :)



      So ein bisschen Thread-Support ist aber dennoch schön. Ich halt den Scheiß jetzt hier oben, bis wir den Barbie-Thread kassiert haben..
      Habe es jetzt endlich mal geschafft American Honey zu schauen. Und wow, der Film ist echt klasse. Ohne große Stilmittel oder gar einer richtigen Story, hangelt sich dieses schöne kleine (lange) Drama an einer toll inszenierten Selbstfindungsgeschichte entlang. Mit kühlen Bildern weiß American Honey auf ganzer Linie zu überzeugen und zeigt mit wie wenig Mitteln ein richtig guter Film gemacht werden kann. Dazu die teils ziemlich beklemmende Atmosphäre, vor allem wenn die Gruppe Abends zusammensitzt, aber auch immer mal so zwischendurch. Viel Tristesse wird einem hier entgegen gebracht, aber die insgesamte Erfahrung des Film ist einfach klasse.

      Ganz großes Lob an Sasha Lane, die den Film wunderbar trägt und eine so starke Performance abliefert, wie ich sie in dieser Art Film schon lange nicht mehr gesehen habe. Wirklich ganz großes Lob, das war richtig stark.


      8,5/10
      :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :stern: :halbstern: :stern2:
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      Habe ihn gestern auch gesehen und schließe mich an. Ihr habt schon alles gesagt, viel mehr fällt da nun auch nicht ein. Authentisches Roadmovie-Drama mit Überlänge (im positiven Sinne), schick gefilmt und stark gespielt. An das für heutige Verhältnisse ungewöhnliche 4:3-Format hatte ich mich nach ca. zwei Sekunden gewöhnt, aber so außergewöhnlich ist das ja nun auch nicht. Der ständige Wechsel zwischen hoffnungsvollen Szenen und Verzweiflung hat mich jedenfalls für gut 2 1/2 Stunden fesseln können und machte das Fehlen einer "richtigen" Story inklusive Spannungsbogen und dem ganzen Firlefanz irrelevant.

      8/10

      Hatte den ja schon immer mal im Hinterkopf und jetzt durch Deinen Anstoß @Bavarian wollt ich den bei Amazon erwerben, da im Moment recht günstig. Dachte so ein kleines Independent-Filmchen mit seinen üblichen 90-100 Minuten kann ich zwischendurch mal reinschieben, bis ich gesehen habe, der geht 163 Minuten!!! :uglyhammer:

      Spoiler anzeigen
      Hab ihn trotzdem gekauft ^^

      Juhu! Das freut mich doch sehr. :)

      Scholleck schrieb:

      Dachte so ein kleines Independent-Filmchen mit seinen üblichen 90-100 Minuten kann ich zwischendurch mal reinschieben, bis ich gesehen habe, der geht 163 Minuten!!!


      Haha, yes - der hat schon ne geschmeidige Überlange, jap. Aber er fühlt sich zumindest nach 90-100 Minuten an, meiner Meinung nach. :thumbup:
      American Honey

      Mittlerweile schon etwas länger in meiner Sammlung, konnte ich ihn mir gestern endlich zu Gemüte führen. Der Marvel Re-Run + diverse andere Gründe haben eine frühere Sichtung verhindert.
      Und ich muss sagen, das er mir auch sehr gut gefallen hat, nur wollte der allerletzte Funke nicht ganz überspringen, was aber auch mit persönlichen Gründen/Abneigungen zu tun hat, auf die ich noch eingehen werde.

      Zunächst einmal gefiel mir der Flair des Films sehr gut. Vor allem da ich vor kurzem erst The Florida Projekt im Kino sehen durfte, diesen richtig stark fand, und auch wenn die Geschichte eine ganz andere ist, kann er doch mit ähnlichen Vibes glänzen.
      Das fängt bei den Aufnahmen an, geht über die authentischen Dialoge und endet mit den Darstellern, die hauptsächlich aus Amateuren und/oder Newcomern bestehen.
      Ich mochte diese Bilder, die zum einen so hell, aber auch gleichzeitig so trostlos erschienen sehr gerne. Es war, als läge ein permanentes Flimmern in der Luft, das sich bedrückend auf den kompletten Unterton des Films legte und leise, aber dennoch spürbar und stetig mitschwang.

      Dazu zeigt der Film Gesellschaftskritik in so vielen Facetten und wird durch so viele Gesichter dargestellt, das man mit einer weniger gelungenen Inszenierung hätte Gefahr laufen können, den Zuschauer mit einer Reizüberflutung zu erdrücken. Aber hier wurde das mit Bravour gemeistert, da das Geschehen ausschließlich aus der Sicht der Hauptfigur (Star) gezeigt wurde und jede Interaktion mit ihren Mitmenschen so erzählt wurde, das es absolut gereicht hat, um den Standpunkt klar zu machen. Ganz egal wie kurz oder lang diese Momente gedauert haben. Vermutlich kam auch so die lange Laufzeit zu Stande, aber das ist alles, nur kein Kritikpunkt. Jede Szene fühlte sich richtig an, fühlte sich rund an. Es dauerte eben so lange, wie es nun mal dauerte und ich hatte nicht das Gefühl, das irgendwo unnötig die Schere angesetzt wurde.

      Die Geschichte drehte sich hauptsächlich um Star, die von Sasha Lane in ihrer ersten Rolle überhaupt sehr gut dargestellt wird (auch hier sehe ich Parallelen zu The Florida Project). Sie hat eine richtig starke Leinwandpräsenz und passt von ihrer Optik ebenfalls perfekt in diesen Film. Ihre Figur ist dabei auch hochinteressant, da sie auch häufig mit dem eigenen Gewissen zu kämpfen hat, sagt was ihr nicht passt und dann auf der Gegenseite wiederum anderen Dingen vergleichsweise schulterzuckend entgegen tritt.
      Besonders erwähnenswert hierbei:
      Spoiler anzeigen
      Die Tatsache das sie es hasst, wenn man den "Kunden" Produkte durch Lügen aufschwatzt und in einer anderen Szene aber ihren Körper "verkauft".
      Man kann das denke ich verschieden interpretieren, aber mir gefällt der Gedanke am Besten, das Star es vorzieht einem ehrlichen Geschäft nachzugehen, von dem beide Parteien wissen, worauf sie sich einlassen, als irgendjemanden vorsätzlich zu verarschen um ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und mit dieser Ansicht gehe ich konform.

      Gut gefiel mir auch die Rolle von Riley Keough als Arbeitgeberin. Sie repräsentierte dieses Bild eines Chef´s, das viele Menschen so hassen und bei ihr gibt es auch nur eine Marschrichtung: Profit! Ganz egal wie, ganz egal wer. Hauptsache die Kohle stimmt. Für mich ein Sinnbild heutiger Arbeitnehmer/Arbeitgeber Verhältnisse, wobei ich mir natürlich selbst bewusst bin, das es durchaus eine Menge guter Chef´s gibt.
      Dann wäre da noch Shia LaBeouf und so kommen wir zu meiner ersten persönlichen Abneigung. Der Typ hat was an sich, das kann ich einfach nicht abhaben. Vom Schauspiel her mag er vielleicht nicht schlecht sein, aber es gibt einfach Menschen, da wird man schon aggressiv, wenn man sie nur sieht und für mich ist LaBeouf leider so einer. Deswegen fällt es mir auch extrem schwer, ihm diese Rolle abzunehmen und ihn zu bewerten.

      Nächster Kritikpunkt ist die Musik und wieder führt das bei mir auf meinen persönlichen Geschmack zurück. Es kommen sehr viele und wirklich schöne Lieder vor wie z.B. Fade into you von Mazzy Star oder auch das namensgebende American Honey gefiel mir gut. Dazu noch das Stück in der letzten Szene war stark.
      Aber ein Großteil des Soundtracks bestand aus Hip Hop, Rap und Gangster Musik, die ich einfach nicht hören kann. Natürlich ist es Geschmackssache und ich kann auch nicht absprechen, das es in den Film gepasst hat, aber was das Thema betrifft bin ich einfach etwas empfindlich und kann mir schon ziemlich viel versauen. Leider.
      Passend dazu machten es mir die Figuren teilweise doch schwer. Dieses immer wiederkehrende, überzogene, aufgedrehte Verhalten strengte mich in diversen Passagen sehr an. Passte es zu der Geschichte? Ja. Wirkte es authentisch? Auch das. Gefiel es mir? Leider nein. Es machte mir das Zuschauen stellenweise wirklich nicht leicht.

      Nun gut, trotz dieser Punkte war American Honey richtig stark und es war auch gut, das ich ihn erst einmal habe sacken lassen, da er auch dafür gesorgt hat, das ich noch einige Stunden über ihn nachdenken musste. Die lange Laufzeit erwies sich als überhaupt kein Problem. Satte 163 Minuten kann er vorweisen, fühlte sich aber eher wie 90 an.
      Ein Film über das Verlangen aus dem tristen und beschwerlichen Alltag auszubrechen, dem fast schon verzweifelten Akt das Hier und Jetzt zu genießen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und gleichzeitig zu hoffen, das sich mal alles irgendwie zum Besseren wendet.
      Gute gespielt, bleischwere Aufnahmen und eine wirklich tolle Atmosphäre.
      Zwar gefiel mir der schon erwähnte The Florida Project einen Tick besser, aber auch American Honey kann sich mehr als sehen lassen.

      8 von 10 Punkten